Fremd im Bekannten | Leben, schreiben, atmen | Doris Dörrie

Doris Dörrie Leben schreiben atmen

Dies ist wieder ein Buch von der Liste “Ich wollte dieses Jahr eigentlich keine Rezensionsexemplare annehmen, aber …”.
Die liebe Sarah von Pinkfisch hat sich gemeinsam mit Diogenes eine schöne Aktion zum Schreibratgeber Leben, schreiben, atmen von Doris Dörrie überlegt, an der ich dann doch unbedingt teilnehmen wollte. Vielleicht sollte ich euch erst einmal von der Aktion und dem Warum erzählen, bevor es ums Buch geht – eigentlich bin ich nämlich auch kein Fan von Schreibratgebern. Aber: Dieser hier hat mich dann doch neugierig gemacht. Und lädt auch direkt zum Schreiben ein, weshalb ich eine der Anregungen gleich ausprobiert habe und weiter unten mit euch teile. Dann gibt es noch ein Gewinnspiel und eine gemeinsame Schreibnacht – also eine ganze Menge, weshalb hier auch keine normale Rezension folgen wird.

Leben, schreiben, atmen – Eine Einladung zum Schreiben

Doris Dörrie hat keinen Schreibratgeber herausgebracht, wie ich sie früher zugegeben mal gekauft habe. Es gibt keine Tipps à la “Tu dies, lass das!”, sondern vielmehr motivierende, inspirierende Worte und Texte, Anregungen, eigene Texte zu schreiben, Denkanstöße und Kreativübungen – und das konnte mich viel eher überzeugen als die üblichen, doch repetitiven Ratschläge.

Doris Dörrie selbst geht mit bestem Beispiel voran und schreibt kurze autobiographische Texte zu den Schreibanregungen, wobei sie mit von der Kindheit inspirierten Texten beginnt und sich bis zu ihrer jetzigen Lebensrealität vorarbeitet. Als Leser kann man sich mit ihr gemeinsam durch die Jahre schreiben.
Ich schreibe aktuell täglich und konzentriere mich eher auf meinen Roman, glaube aber, dass diese Übungen ein guter Einstieg ins Schreiben, aber auch eine gute Aufwärmübung sein können, bevor ich mich an das Schreiben des Buchs setze. Die Aufforderungen sind so formuliert, dass sie genug Interpretationsspielraum lassen und die Kreativität fördern, statt ihr Schranken zu setzen. Auch wenn ich noch nicht das gesamte Buch gelesen habe, fand ich es spannend, nach meinen Umsetzungen der Aufgaben dann die der Autorin zu lesen – die so völlig anders waren.

Umso gespannter bin ich auch, zu sehen, wie ihr die Übungen umsetzt, solltet ihr euch entscheiden, an dem Gewinnspiel teilzunehmen! Für diesen Beitrag habe ich mir selbst eine der Schreibanregungen genommen und einfach drauflosgeschrieben. Die Aufgabe seht ihr im Bild – meinen Text dazu direkt darunter.

Doris Dörrie Diogenes

Fremd im Bekannten

Ich fühle mich oft fremd. Eigentlich sogar täglich. In manchen Situationen bin ich mir selbst fremd. Doch dazu braucht es keinen fremden Ort.

Dieses Gefühl zieht sich durch mein Leben wie ein roter Faden. Schon als Kind kam es mir manchmal vor, als ob da mehr in mir sei, als ich nach draußen tragen kann. Alle anderen Mädchen meiner Tanzgruppe waren viel extrovertierter und selbst nach 10 Jahren in meiner Gruppe hatte ich nicht das Gefühl, dass ich bereits alles, was in mir war, auch außen zeigte. Außer, wenn ich auf der Bühne stand. Im Mittelpunkt – etwas, das ich sonst gar nicht mag, das mir fremd ist. Meine Mutter war sich anfangs nicht sicher, ob ich fürs Showtanzen gemacht war. Was wohl auch daran lag, dass einer meiner ersten Sätze zu ihr nach dem Probetraining war: “Ich mach da mit, aber bei den Auftritten auf keinen Fall!”. Auf der Bühne bei den Meisterschaften war ich ihr dann fremd. Aber mir plötzlich nicht mehr, denn das war das, was ich schon die ganze Zeit in mir drin gefühlt hatte. Ich konnte mehr, als es von außen den Anschein hatte, als ich mir selbst zugetraut hatte.

Als ich mit dem Bloggen – und allem voran YouTube – anfing war auch das für mich ein fremder Ort, der weit außerhalb meiner Komfortzone lag. Auf YouTube waren alle laut, aufgedreht und bunt. Würde sich überhaupt eine einzige Person anhören, was ich zu sagen hatte? War ich nicht viel zu leise und “basic” für diese Plattform? Ich fühle mich selbst heute noch fremd dort und bei jedem Upload ist es ein kleiner Schritt weiter heraus aus dem Kreis des Bekannten. Aber mit jedem Schritt wird das Fremde zu meinem neuen Normal. Ich schlage den Laptop nicht mehr direkt nach dem Upload eines Videos zu und negative Nachrichten auf Instagram bringen mich nicht mehr um den Schlaf. Es hat diesen Schritt ins Ungewisse benötigt, um mir gewiss darin zu werden, wer ich bin, was ich kann und wofür ich stehe.

Das Fremde, das mir anfangs Angst machte, wurde zu einem guten Bekannten. Manchmal fühle ich mich in seiner Gegenwart immer noch seltsam, aber nicht mehr unwohl. Ich habe gelernt, mich durch das Fremde anspornen zu lassen. Während ich vor ein paar Jahren Seminare so gewählt habe, dass ich keine Referate halten musste, sage ich heute bei Panels oder Moderationen direkt zu – einfach aus Prinzip, um mich dem ungewohnten Gefühl zu stellen. Mit Irland war ich auch räumlich plötzlich im Fremden und habe es zu meiner Heimat gemacht. Ich habe keine Angst mehr vor Neuem, vor Veränderungen oder vor mir fremden Situationen. Nicht, weil ich mich nicht mehr fremd fühle – das passiert mir immer noch täglich. Wenn ich nicht so sehr aus mir rausgehe, wie ich eigentlich könnte. Wenn ich mich kleiner mache, als ich bin. Wenn ich Dinge aus Unsicherheit oft denke, die andere ein paar Sekunden später einfach aussprechen. Wenn ich bei Freunden und Freundinnen manchmal Monate bis Jahre brauche, um wirklich maskenlos ich selbst zu sein. Immer dann, wenn in mir drin mehr ist, als ich nach außen zeige.

Nein, ich habe keine Angst mehr vor Neuem, weil ich die Momente zu schätzen gelernt habe, in denen ich genau das nach außen kehre und einen weiteren Schritt ins Fremde wage. Es erfordert manchmal noch Überwindung – vielleicht wird es das immer –, aber irgendwie ist das auch schön. Denn das bedeutet, dass diese Reise noch eine ganze Weile weitergehen wird und ich mich mit jedem Mal, in dem ich mehr mich selbst lebe, noch überraschen kann.

Es ist nicht leicht als leiser Mensch in einer lauten Welt. Aber ich habe gelernt, dass es sich lohnt, trotzdem gegen die Lautstärke anzusprechen und das man dafür nicht einmal schreien muss. Denn es findet sich immer jemand, der zuhört. Immerhin liest du gerade diesen Text.

Doris Dörrie Schreibratgeber

Gemeinsame Online-Schreibnacht

Für alle, die nicht alleine schreiben möchten, gibt es am 31. August ab 20 Uhr eine gemeinsame Schreibnacht auf Facebook und Twitter. Hier kommt ihr zur Facebook-Veranstaltung, auf Twitter findet ihr alles unter dem Hashtag #lebenschreibenatmen.
Ich weiß leider noch nicht sicher, ob ich teilnehmen kann, da es mich zum Wandern in die Berge verschlägt, aber sollte ich WLAN haben, bin ich auf jeden Fall dabei!

Gewinnspiel zu Leben, schreiben, atmen

Wie eingangs angekündigt, gibt es auch ein Gewinnspiel. Dafür müsst ihr bis zum 22. September 2019 unter #lebenschreibenatmen euren persönlichen, durch die Schreibaufgaben entstandenen Text posten. Das kann über Facebook, euren Blog, Twitter oder auch auf Instagram geschehen. Schickt danach einfach eine Mail mit dem Link zu eurem Text an gewinnspiel@diogenes.ch und gewinnt mit etwas Glück eines von zehn Exemplaren von Doris Dörries “Leben, schreiben, atmen”. Und – noch viel besser – ihr habt außerdem die Chance, zusätzlich eine von drei Karten für die Live-Schreibwerkstatt am 16. Oktober 2019 im Frankfurter Literaturhaus zu gewinnen.

Einblicke zu weiteren Schreibaufgaben erhaltet ihr in den unten verlinkten Beiträgen sowie nach und nach auf den Social-Media-Kanälen des Diogenes Verlags. Sucht euch eure liebste raus und schickt auch mir gern euren Link als Kommentar, falls ich euch in die Liste mit aufnehmen soll – ich würde mich freuen, von euch zu lesen!

Beiträge zur Aktion:

Sarah von Pinkfisch: Wir laden euch zum Schreiben ein!

Wibke von sinnundverstand: Begegnung mit mir selbst und der Welt

Alex von readpackblog: Von der Last der ungeschriebenen Worte

Steffi von lesen.leben.lachen: Leben Schreiben Atmen

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