Lese ich das Falsche? | Gedanken zu meinem Leseverhalten

Lese ich das Falsche? | Gedanken zu meinem Leseverhalten

Wie oft kommt ihr im Alltagsstress zum Lesen? Wie viele Bücher habt ihr in diesem Jahr bereits beendet?
Bei mir lauten die Antworten wie folgt: zu selten. 14.
Beide Antworten frustrieren mich zurzeit täglich. Nicht, weil ich meiner üblichen goodreads-Statistik gerecht werden will – das Challenge-Ziel werde ich in diesem Jahr vermutlich noch zweimal nach unten setzen müssen –, sondern weil ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden will: dem Lesen. Als Ausgleich zum Stress, liebstes Hobby, Blog-Antreiber und Weiterbilder. Und das, so zumindest habe ich das Gefühl, schaffe ich gerade nicht. Dabei kann ich die Schuld nicht allein auf die wenige Zeit schieben, sondern muss mir auch an die eigene Nase greifen.

Ist Lesen noch meine Priorität?

Es ist nach wie vor eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen. Aber dort beginnt das Ganze auch schon: eine der liebsten, nicht einzig und allein die liebste. Und wenn ich mich selbst nach meinen Prioritäten frage, fallen mir gleich zehn Dinge ein – dabei widerspricht das eigentlich schon der Bedeutung des Wortes. Prior kommt aus dem Lateinischen und steht für ‘der Vordere’, nicht für ‘die zehn Dinge, die mir gerade alle am wichtigsten sind’.

Wenn ich mir meine Frage also ganz ehrlich beantworten möchte: Nein, ist es nicht. Und bevor jetzt jemand Panik bekommt: Ich liebe das Lesen und den Blog und all das drumherum noch ganz genauso sehr wie früher – vermutlich sogar noch mehr. Nur kamen im Laufe der Zeit immer mehr Dinge dazu, die ich auch liebe. Das Schreiben, die Natur, das Reisen und zwei neue Jobs, um ein paar Beispiele zu nennen. Lesen ist also immer noch meine Priorität, nur musste es sich diesen Platz in den letzten Monaten und Jahren schleichend mit anderen Dingen und Hobbys teilen, während der Tag unfairerweise nach wie vor nur 24 Stunden lang ist. Vor Kurzem habe ich erst Tipps geteilt, dem Lesen trotz Alltagschaos Zeit einzuräumen. Die Tipps wende ich auch nach wie vor an – jedoch reicht es für mich dennoch hinten und vorne nicht. Meine Leseliste ist immer ellenlang, obwohl ich rein logisch weiß, dass ich pro Jahr sowieso nur eine begrenzte Anzahl an Büchern schaffen kann. Wenn ich die anderen Prioritäten nicht aufgeben möchte – und das will ich auf keinen Fall – dann muss ich mich also damit abfinden, aktuell weniger Zeit zum Lesen zu haben, als zu Beginn des Blogs oder noch vor zwei Jahren. Doch was kann ich dann ändern?

Lesen bis zum bitteren Ende?

Vor über zwei Jahren schrieb ich mal einen Beitrag übers Bücherabbrechen. Meine Meinung dazu hat sich eigentlich nicht geändert: Gefällt mir ein Buch nicht, breche ich ab. Eine Ausnahme bilden dabei nur Bücher, die mir aufgrund eines Themas nicht gefallen, das ich gerne für den Blog aufarbeiten möchte. In dem Fall beiße ich mich durch, um auch fundiert darüber schreiben zu können. Ansonsten gilt aber: weg damit. Denn schließlich geht es nicht nur um das Lesen selbst, um das Schaffen einer Challenge, sondern um die gelesenen Inhalte.

Was sich daher geändert hat: Ich bin hier noch rigoroser geworden. Ich breche mittlerweile auch Bücher ab, die ich nicht unbedingt schlecht finde, die mich aber einfach nicht richtig unterhalten. Zuletzt war das, wie ihr vielleicht mitbekommen habt, bei Love to Share so. Es war kein schlechtes Buch, die Idee war niedlich, aber die Umsetzung und die Ausarbeitung der Charaktere haben mich einfach nicht mitgerissen und ich wusste schon beim Lesen, dass ich mich im Nachhinein wieder ärgern würde, die Zeit nicht einem anderen Buch gewidmet zu haben. Für mich war das ein guter Anfang, meine Lesezeit sinnvoller zu nutzen. Aber, wie ich merke, reicht mir auch das nicht.

Lese ich die falschen Bücher?

Vorneweg: Das ist natürlich plakativ formuliert. Jeder darf und soll lesen, was er möchte, das falsch bezieht sich hier lediglich auf mich und meine Lesebedürfnisse. Ich habe schon letztes Jahr beschlossen, 2019 keine Rezensionsexemplare mehr anzunehmen, weil ich komplett davon loskommen möchte, Bücher auch nur in geringstem Maße für jemand anderen zu lesen. In der Zukunft werde ich sicher wieder welche nehmen, gerade mit wenig Zeit war das für mich aber genau die richtige Entscheidung. Meine Sorge, dass mir dadurch Bücher entgehen, auf die ich anders nie stoßen würde, hat sich – bisher zumindest – nicht bewahrheitet. Die Anfragen und somit die Informationen zu den Büchern erhalte ich nach wie vor. Nur kann ich jetzt rein nach Interesse entscheiden, was ich wann vielleicht lese und habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich eines der Bücher dann doch frühzeitig zur Seite lege, wenn es mich nicht packt.

Doch wenn ich all das anwende, wieso bin ich dann immer noch nicht mit meinen Lesegewohnheiten zufrieden? Die einfache Antwort ist: weil ich zu viel will. Keine große Überraschung, das trifft auf all meine Lebensbereiche zu.
Ich will unterhalten werden, dabei aber trotzdem einen gewissen Tiefsinn nicht vermissen.
Ich will runde, spannende Charaktere mit Macken und Kanten, die nachvollziehbar handeln.
Ich will einen schönen Schreibstil, der mich Sätze mehrmals lesen lässt, einfach, weil sie mir gut gefallen.
Ich will einen spannenden Plot, der mich mitfiebern und Emotionen durchleben lässt.
Ich will beim Lesen lernen – Fachliches oder Dinge über Feminismus, Diversität und Toleranz.
Ich will meinen Horizont erweitern und mit meinen eigenen Vorurteilen konfrontiert werden.

Und weil ich all das will, lassen mich Bücher momentan oft unbefriedigt zurück. Nicht enttäuscht, solange sie ein, zwei dieser Ansprüche erfüllen, aber eben auch nicht komplett glücklich. Dabei weiß ich, dass ein einziges Buch all diesen Ansprüchen kaum gerecht werden kann – wenn euch eines einfällt, lasst es mich gerne wissen. Und das erwarte ich auch gar nicht. Meine Ansprüche sind zum einen gestiegen, zum anderen erwarte ich sie aufgrund der geringen Zeit nun in weniger Büchern, wo sie sich in den letzten Jahren auf mehrere Lektüren verteilt haben.

Das Problem dabei:
Lese ich New Adult, bin ich super unterhalten, mitgerissen und genieße die Geschichte – habe aber nach Beenden des Buchs das Gefühl, dass ich – gerade jetzt mit 25 – doch eigentlich Dinge über Geschichte und Politik lernen müsste, die mir eher ein Sachbuch vermittelt.
Lese ich dann ein Sachbuch, lerne ich zwar unglaublich viel, habe – vor allem nach 10 Stunden Arbeit zuvor – aber einen glühenden Kopf und vermisse Unterhaltung.

Ich scheine aktuell immer zum falschen Buch zu greifen.
Dass dabei stets der Gedanke mitläuft, dass ich doch auch mal wieder etwas lesen müsste, was ich gut für den Blog verwenden könnte, ist auch nicht gerade hilfreich.

Und nun?

Die Ideallösung wäre natürlich, mich von meinen eigenen Erwartungen freizumachen. Immerhin bin ich die Einzige, die sich deshalb in irgendeiner Weise Stress macht. Aber wer mich kennt, weiß, dass dieser Ansatz bei mir sowieso nicht funktioniert – ich hoffe auf die Zukunft und das weise Alter, was einen angeblich irgendwann einholt.

Dafür bin ich aber ein Listenmensch. Ich liebe To-Dos und ich liebe es, Häkchen zu setzen, Dinge durchzustreichen oder ad acta zu legen, wenn ich sie bearbeitet habe. Deshalb mache ich mir jetzt eine Liste. Eine ganz kleine, neue Liste – losgelöst von Blog und Goodreads-Challenge.
Ich nehme mir ab Juli ein Buch für jeden Monat vor. Mehr nicht. Ob das Mona Kastens neuer New-Adult-Roman oder Nietzsches Zarathustra ist, ist dabei völlig egal. Für dieses Buch nehme ich mir bewusst Zeit, setze mich damit auseinander und erwarte von ihm nur, dass es mir in irgendeiner der oben aufgeführten Weisen Freude bereitet.

Das heißt nicht, dass ich nur noch 12 Bücher im Jahr lesen werde. Aber ich werde mir nur dieses eine Buch im Monat wirklich auf die Agenda setzen – es wirklich zur Priorität machen. Von all den anderen Neuerscheinungen, eintreffenden Büchern, unverlangten Leseexemplaren, ungelesenen Büchern und Klassikern und ihrem doch damit einhergehenden Druck werde ich mich losmachen – ob das klappt, wird sich dann noch herausstellen.

Und sobald ich mein Buch für den Monat beendet habe? Ich glaube, dann lese ich einfach. Ohne Druck und Erwartungen an mich selbst. Vielleicht völlig ohne Besprechung auf dem Blog. So mache ich das Lesen an sich vielleicht nicht zu der Nummer-1-Priorität, die es früher einmal für mich war. Aber ich mache es hoffentlich wieder zu einem völlig druckfreien Hobby und somit zu einem Herzensbestandteil meines Lebens, dem ich täglich gerne Zeit widme.

Verspürt ihr manchmal Druck beim Lesen? Und falls ja, kommt dieser von außen oder macht ihr ihn euch – so wie ich – selbst?
Lasst mich gerne an euren Gedanken teilhaben!

8 Kommentare

  1. 21. Juni 2019 / 21:19

    Hallo,
    ein wirklich schöner Beitrag und ich glaube du machst das richtige, wenn du dir den Druck rausnimmst. Lesen ist ja ein Hobby und wenn man zu hohe Erwartungen hat, macht das keinen Spaß mehr.
    Ich hatte auch mal eine zeit lang die Erwartung an mich, jedes Buch zu rezensieren. Aber das war mir dann doch auch etwas zu stressig. Jetzt habe ich ein Format gefunden, wo ich Kurzmeinungen einiger Bücher zusammenfasse und so nehme ich mir den Druck raus, was schreiben zu müssen.
    Beim Lesen habe ich mir den Druck rausgenommen, indem ich auch nicht mehr so viele Rezensionsexemplare anfrage. Zwar immer noch da sein oder andere, aber meistens Bücher, die ich mir eh auch sonst gekauft hätte. 😉
    Ich wünsche dir, dass du wieder zu deinem Hobby findest und entspannt lesen kannst.
    Liebe Grüße
    Diana

    • Anabelle
      Anabelle
      Autor
      27. Juni 2019 / 10:53

      Hallo Diana,

      jedes Buch wäre echt eine ganze Menge. Zu manchen Büchern lässt sich ja auch einfach gar nicht so viel sagen. Da hast du mit den Kurzmeinungen wirklich eine gute Lösung gefunden. 🙂
      Vielen Dank! Ich wünsche dir auch viel Zeit zum Lesen.

      Liebe Grüße
      Anabelle

  2. 21. Juni 2019 / 23:06

    I feel you!
    Wirklich, du schreibst mir aus der Seele.
    Manchmal habe ich echt ein schlechtes Gewissen, wenn ich mit Blog und Youtube kaum hinterherkomme und dann sich auch die Rezensionen zu den 1-2 Büchern, die ich gelesen habe, ewig hinziehen.
    Aber es hilft zu lesen, dass es nicht nur mir so geht. <3

    Liebe Grüße,
    Babsi

    • Anabelle
      Anabelle
      Autor
      27. Juni 2019 / 10:59

      Liebe Babsi,

      da geht es bestimmt vielen so. Das Hobby ist mittlerweile ja auch einfach mehr als “nur” Hobby. Das bringt das wohl zwangsläufig mit sich.
      Und dafür schreibst du ja beispielsweise total oft – zumindest kommt es auf Twitter immer so rüber. 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  3. Mewa
    21. Juni 2019 / 23:14

    Ein richtig gut geschriebener Beitrag! <3
    Ich – als Follower, aktiver Leser und Fan 😀 – finde nicht, dass du zu wenig liest. Ich finde es auch gut, dass du Love to Share abgebrochen hast. 😀 Für mich zählt das Abgebrochene auch: Alle anderen großen Influencer scheinen das Buch richtig hart zu feiern. Eine differenzierte Meinung dazu zu finden ist für mich wichtig – immerhin bin ich es, die sich anhand der Blogger meist entscheidet, welches Buch es wert ist, gelesen zu werden. Tatsächlich hielt ich Love to Share einige Male schon in der Buchhandlung in der Hand, unentschlossen ob es wert ist, weil the Hype you know. Du hast mir da die Entscheidung weggenommen und I'm thankful for that, haha 14 Bücher sind außerdem ca. zwei im Monat – that's fair enough, my dear! Für zwei der 14 Büchern hast du eine Rezension geschrieben, die meisten anderen durch Videos oder Monatsblüten kurz reviewed – also als Follower bin ich persönlich zufrieden mit dem, was du uns bietest, zumal du generell so oder so sehr aktiv bist. Ich weiß, dass das keinen Unterschied, aber ich wollte es trotzdem gesagt haben <3 I am fairly happy with your content.

    Zum Rest. Well, ich habe das Lesen schon immer als eine Priorität gesehen, weil es für mich persönlich Hand in Hand geht mit dem Schreiben: Ich habe viel zu oft beim Schreiben noch das Gefühl, nicht genug zu wissen – weltlich gesehen, aber auch was das Handwerk betrifft – und für mich ist das Lesen ein ständiger Weiterbildungsprozess für meine größte Leidenschaft. Natürlich ist Reisen zB auch extremst wichtig, für sich selbst und auch aus der Perspektive des Autoren, aber Lesen habe ich immer schon als einen nicht zu entfernbaren Teil meines Alltags gesehen. Das war nicht immer leicht. Im Zeitalter des Internets ist es echt einfach sich abzulenken, oder? Ich finde ehrlich gesagt, dass es definitiv nicht unmöglich und schwer ist, jeden Tag oder zumindest regelmäßig zu lesen – wenn man einfach bedenkt, wie viel Zeit wir nur für's sinnlose Rumsurfen verschwenden. Duolingo sagt ziemlich frech, fünfzehn Minuten jeden Tag Vokabeln wiederholen können Wunder bewirken – "was können 15 Minuten Instagram?" So oder so habe ich mir gedacht: Wenn ich jeden Tag eine halbe Stunde lese, dann ist das eigentlich gar nichts, angesichts der Tatsache, dass ich manchmal gut und gerne 3 Stunden nur im Netz unterwegs bin.

    Letztes Jahr hatte ich ähnliche Probleme, wie du, was deine Gedanken zu dem "falschen Buch" betrifft. Anfangs war mir das noch relativ egal, ich habe ziemlich viele trashy Bücher beendet, war einfach eine Phase, aber so gegen Ende des Jahres hatte ich plötzlich das Gefühl viel zu viel Zeit mit Geschichten verschwendet zu haben, die im Endeffekt zwar einen momentanen Genuss versprachen, aber mir als Person nicht wirklich was bringen konnten. Ich schreibe "versprachen", denn nach dem fünfzehnten Romance-Buch, das sich anfühlte wie eine Wiederholung der letzten zehn, habe ich gemerkt, dass ich oft auch aus Komfortgründen eher zu den leichteren Lektüren gegriffen hatte. "Ich habe gerade keine Zeit, keinen Kopf für etwas schwierigeres", dachte ich mir immer. Aber gleichzeitig gaben mir die leichten Sachen eben auch keine Zufriedenheit mehr, nicht mal für eine Weile. Ich hab dann irgendwann mehr abgebrochen, als beendet und musste wirklich gründlich mein Leseverhalten überdenken.

    Ich glaube – nein, ganz sicher nehmen wir das alles viel mehr zu Herzen. Lesen, ob jetzt höchste Priorität oder nicht, ist einfach Teil unseres Lebens, wie du schreibst, dem wir vieles verdanken und es tut weh, wenn man damit einfach konstant unzufrieden und unter Druck ist. Letztendlich habe ich 2018 um die 90 Bücher + etliche Graphic Novels, Mangas und Comics geschafft. Und trotzdem war ich überhaupt nicht glücklich. Es ging nicht mehr um die Zahl alleine – ich war eben wirklich mit meinen Entscheidungen nicht so glücklich. Dabei muss man bedenken: Ich habe schon immer Bücher abgebrochen, damit hatte ich noch nie ein Problem. Aber das Schwierige ist, und da verstehen wir uns wieder: Die viel zu hohen Erwartungen an sich selbst. Das Bedürfnis, die neusten Romance-Hits zu lesen, aber auch mehr über die menschliche Psyche zu lernen und gleichzeitig diese eine Subleiche, die man seit Jahren endlich gelesen haben will, aufzuschlagen. I don't want to read everything, honestly, but also I DO want to read everything, you know?

    Für 2019 musste ich irgendetwas tun. I didn't know what, but I needed a kind of solution, weil wie gesagt, Lesen ist eine Priorität und mehr als das: Ein Zufluchtsort, Zeit und Raum für mich alleine, die ich sonst selten so irgendwo finde. Ich weiß nicht, ob dir das jetzt helfen wird und sorry, dass das wieder soooooo frigging lang wird – I know! I shouldn't say sorry! Sorry! XD – but nevermind me. Im Kurzdurchlauf, das sind einige Dinge, die mir mega geholfen haben, die oben beschriebenen Probleme etwas zu überwinden.

    1) Erstens, jeden Abend wenn ich merke, dass ich nichts Produktives mehr mache und machen werde, sich selbst zwingen, statt dem Handy, ein Buch in die Hand zu nehmen. Manchmal hat man kein Kopf und Netflix erscheint wie die einfachere Option, aber man muss ja nicht den ganzen Abend lesen. Um zurück auf die halbe Stunde zu kommen: Ich lese manchmal zehn Minuten oder ein Kapitel und wenn ich merke, grad geht es echt nicht, dann höre ich auf, weil zwingen will ich mich nicht. Wenn ich am nächsten Abend wieder merke, es geht nicht – dann liegt es am Buch. Es ist einfach nicht das richtige Buch. Nicht, weil ich es nicht mag, aber gerade in diesem Moment macht mir es einfach keinen Spaß. Manchmal geht es wirklich nur um die richtigen Zeit, nicht unbedingt um das richtige Buch.
    Und wenn man trotzdem sich mega leicht ablenken lässt, die App Forrest ist toll. <3 Man kann in der halben Stunde, in der man liest, einfach einen Baum wachsen lassen and if that doesn't motivate one, dann weiß ich auch nicht 😀

    2) Ich will, wie du, mehr Lernen und mein Horizont erweitern. Die Sache ist, muss man dazu immer nur Bücher lesen? Ich habe wieder angefangen, Zeitung zu lesen und überdies hinaus eine große Liebe in diese kleinen Penguin-Classics und in der deutschen Variante, den modernen Reclam-Heftchen gefunden. Mit dem überaus kurzem "Die Rechte der Frau" von Olympe de Gouges habe ich nicht nur was zum Feminismus und zur Geschichte gelernt, sondern durch das hinten angehängte Essay von Margarete Stokowski gleich auch eine Reflexion erhalten. Letztens durfte ich durch das 50-Seiten lange Essay Africas Tarnished Name von Chinua Achebe so viel mehr zur Kolonialgeschichte lernen. Und wenn man möchte, kann man all diese kurzen Werke ja auch für die Goodreads-Challenge mitzählen 😀 Lernen, wie ich gemerkt habe, geht sehr einfach auch nebenbei und in kürzester Zeit. Und sehr billig ist es auch.

    3) Aber natürlich bleiben die besten Bücher trotzdem jene, die beides tun: Unterhalten und lehren. May I introduce to you, Graphic Novels at this point? Dieses Jahr habe ich zB eine Graphic Novel über die Frauenrechtsgeschichte gelesen, der Grund, warum ich mir "Rechte der Frau"geholt habe. "Rebellische Frauen" ist kurz, aber mega spannend und superschön illustriert. Und ich habe einiges daraus mitgenommen. Und man muss sich diese Werke ja nicht immer kaufen: Hier würde ich ein Lobgesang an die Büchereien aussprechen, but you get the point anyways 😀 Ich liebe Graphic Novels <3 Generell Comics und Mangas haben mich schon oft motiviert, mehr zu lesen. Letztes Jahr habe ich die Saga-Reihe durchgesuchtet, das war eines der besten Trash-Werke. Dieses Jahr habe ich eine der schönsten Lovestorys in den Heartstopper-Graphic Novels von Alice Oseman entdeckt (die sind gratis online!). Es müssen für mich nicht mehr immer nur Bücher sein. Vielleicht könnte das auch für dich funktionieren? (Generell: Kurze Bücher sind einfach toll. Lange auch, aber kurze retten mir das Leben. Ich neige nämlich dazu, nach einer Weile die Interesse an etwas zu verlieren, egal wie gut es ist.)

    4) Ich weiß nicht, was ich ohne Hörbücher tun würde, aber das ist ein alter Tipp, deswegen probiere ich etwas anderes, nämlich, weil du sagst, dass du das Gefühl hast, die falschen Bücher zu lesen: Ich persönlich habe mich durch gefühlt alle Genre durchgelesen, bevor ich gemerkt habe, dass eine der besten Dinge, die es gibt, Biografien sind. Now, don't go away, listen first, I do have a point here. Angefangen habe ich Biografien vor allem, weil V. E. Schwab in einem Interview meinte, dass eine der besten Wege zu verstehen, wie Menschen denken, Biografien und Memoiren sind. I agree. Biografien sind toll. Und sie bringen viel bei, wenn man denn die richtigen für sich wählt. Lilly Lindners poetisches "Splitterfasernackt" hat mich ein wenig für das Thema Rape Culture sensibilisiert, noch bevor ich Roxanne Gays Werke in den Händen hielt. Mit dem dichterisch geschriebenem "Wind, Sand und Sterne" von Antoine Saint Exupery habe ich gelernt, wer der Mann hinter meinem Lieblingsbuch eigentlich war und dabei so viel über – random, but I took it – Wüsten, Piloten, den Krieg, der Zeit um 1930 gelernt. Ich weiß nicht, wie mir das Wissen je irgendwie helfen wird, aber ich bin froh um alles, was ich mitgenommen habe. On Writing von Stephen King war da, um mir über das Schreiben aus einer neuen Perspektive zu zeigen und mich zu motivieren; Maya Angelou, ich liebe sie, hat mit I know why the caged bird sings, fast alle Themen behandelt, die mich interessieren, von Rassismus über Feminismus bis hin zu Armut und der Einfluss des Weltkrieges – und mich gleichzeitig inspiriert, empowert. Momentan höre ich Becoming von Michelle Obama. Ich lerne SO viel über das amerikanische System – über Politik 😉 😀 – UND das aus der Sicht einer starken Frau aus einer Kultur mit der ich sonst nicht in Kontakt trete. Und am wichtigsten: Es ist unterhaltsam. Sehr sogar. Ich liebe, wie sie schreibt. Es ist manchmal witzig, manchmal traurig. Und I didn't know this was possible, aber ich shippe sie so hard mit ihrem Ehemann, it's weird, but I enjoy it xD Im Grunde sind die Bücher, die deine Anforderungen für mich erfüllt haben, meist Biografien, nur das die Charaktere echte Menschen sind – man rootet trotzdem für sie und ihren Beziehungen.

    5) Ich habe für mich entschieden, dass Klassiker warten können. xD Die ganzen Klassiker, die ich noch lesen will, sigh, es sind soooo viele, aber ich komme nie dazu, weil immer etwas anderes Vorrang hat und irgendwann habe ich das akzeptiert. Ich habe mittlerweile für mich einfach definiert, was ich möchte und was mir im Moment am meisten persönlich hilft, Spaß macht, etwas bringt, an meine Ziele näher bringt. Zu definieren, was man gerne liest, hat mir geholfen, bessere Entscheidungen zu treffen und das war eben etwas, wo ich immer gehaddert habe. Dieses Jahr habe ich um die 30 Bücher gelesen. (Und dann noch etliche Essays, Graphic Novels und Mangas). Das ist nicht sehr viel. Aber ich habe jedes Buch genossen, jedes hat mir auf seiner eigenen Weise was gegeben. <3 Ich bin noch nicht 100%ig zufrieden und ich könnte definitiv noch mehr lesen, wenn ich etwas mehr Selbstdisziplin hätte xD, but I feel like I am getting there. I need to know, what I want in order to make better choices.

    Ich finde es wirklich spannend, den Werdegang deines Leseverhaltens so mitzuerleben. Bin seit dem Ode an das Abbrechen von Büchern dabei und es macht Spaß, zumal ich selbst auch immer wieder durch die verschiedensten Phasen gehe und, wie hier, auch relaten kann. Bin gespannt, wie sich das alles noch entwickeln wird. Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg mit deinem Unternehmen! Das schaffst du, bzw bin ich sicher, dass du sogar mehr hinbekommst <3 Ich hoffe, das hilft dir wirklich, den Druck etwas zu nehmen und für dich selbst zu definieren, was du vom Lesen möchtest bzw. wo du das Gesuchte findest. Listen sind btw auch ein toller Hilfstool <3 You go, girl!

    LG
    Mewa

  4. Rebekka
    22. Juni 2019 / 14:57

    Ich mache mir keinen Druck mehr. Früher war ich auch so, angespornt von der Challenge, die ich unbedingt schaffen und eigentlich auch gleich noch überschreiten wollte. Und dann hab ich gesehen, dass manche meiner Freunde noch viel mehr lesen als ich und ich hab versucht, noch mehr zu lesen, um sie einzuholen, bis ich irgendwann geschnallt hab: Hey, Moment. Was tust du da eigentlich? Es ist doch völlig egal, wie viel du liest und was du liest und wenn jemand anders denkt, dass du wenig liest, gibt es auf der anderen Seite mindestens genau so viele Menschen, die denken, dass du viel liest und nur das zählt.
    Ich habe mein Leseverhalten in den letzten Jahren ziemlich genau beobachtet und festgestellt, dass ich immer wieder mal Leseflauten habe wie im Moment – ich habe seit fast 3 Wochen kein Buch mehr beendet und seit 2 auch keins angefasst … Dafür habe ich davor alle 2 Tage ein Buch beendet und bin jetzt bei 34 dieses Jahr. Was ich wahnsinnig gut finde und gleichzeitig muss ich die Stimme in meinem Kopf ignorieren: Aber es könnten auch mehr sein. Natürlich ist das richtig, doch dann halte ich mir vor Augen, was ich in all der Zeit noch geschafft habe. Ich arbeite Vollzeit, ich war 3x jeweils für 5 Tage im Urlaub, ich habe über 200.000 Wörter geschrieben, ich muss meine Wohnung in Schuss halten, ich war einige Wochen krank, ein bisschen social life will man auch noch haben und zack, schon ist das alles wieder in Relation gesetzt.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Mach dir keinen Stress. Und vor allem: wenn du dann liest, genieß den Moment. Achtsamkeit auch für das Buch, das du gerade liest 🙂

    Liebe Grüße!

  5. Doreen
    25. Juni 2019 / 20:41

    Das hört sich doch nach einem guten Plan an! Wenn man sich bei einem Hobby wie Lesen selbst Druck erzeugt, dann ist Handlungsbedarf sicherlich nicht verkehrt. Das mit den Erwartungen kenne ich ebenfalls gut. Ich lese aktuell viel weniger als früher und zuweilen wurmt es mich. Aber manchmal überkommt einen eben einfach die Leseunlust oder man erwischt eben das falsche Buch. Ich bin da übrigens auch eine überzeugte Buchabrecherin. Meistens lese ich noch die letzten Seiten, um herauszufinden, ob mich wenigstens das Ende noch überzeugen oder zum Weiterlesen animieren kann. Das kommt immer ganz auf die eigene Stimmung an.

    Ich finde es bei dem heutigen Überangebot aber ohnehin schon schwer, die richtige Lektüre zu finden. Früher bin ich aus einer Buchhandlung oft nicht ohne ein bis drei Bücher rausgekommen. Heute bin ich schon froh, wenn mich ein Buch überreden kann, von mir gekauft zu werden. Gerade in den großen Buchhandlungen liegen ja oft viele ähnliche Buchtitel nebeneinander. Da lese ich mir dann die Kurzbeschreibung durch und im besten Fall noch die ersten beiden Seiten. Leider klingt vieles vom Plot und den Charakteren her für mich dann oft sehr ähnlich und austauschbar. Da verliere ich dann schnell das Interesse. Am besten ist da wirklich ein Genre-Mix. Deshalb greife ich inzwischen auch mal auf ein Sachbuch zurück, dann zu leichter Unterhaltungsliteratur oder auf Buchtipps von Buchblogs, dem Deutschlandradio Kultur oder dem Literaturclub (SRF).

    Dir dann viel Erfolg und vor allem Lesefreude mit deiner ein Buch/Monat Strategie.

  6. 6. Juli 2019 / 11:21

    Liebe Anabelle,

    ich glaube, jeder Vielleser und Blogger kann nachvollziehen, was du meinst.
    Die Idee mit dem einen Buch im Monat finde ich super, weil es nicht zu hoch gepokert ist. Der Druck muss dem Spaß am am Lesen wieder weichen, ansonsten macht es keinen Sinn.

    Ich persönlich lese nicht so schnell, mein Ziel sind 20 Seiten pro Tag. Das schaffe ich meistens bzw. auch mal mehr. Warum so “wenig”? Mir geht es wie dir, das Leben besteht noch aus so viel mehr und das möchte ich nicht missen.

    Liebe Grüße
    Tina

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