Troll | Michal Hvorecky

Troll | Michal Hvorecky

Titel: Troll
Autor: Michal Hvorecky
Verlag: Tropen
Erschienen: 30. August 2018
Seiten: 216
Preis: 18,00 €

Bei dem Buch handelt es sich um ein kostenfreies Leseexemplar.

Zum Inhalt

Im Osteuropa der Zukunft beherrschen die Trolle das Internet und füllen die Kommentarspalten und Foren mit Hass und Hetze. Inmitten dieser feindlichen Online-Welt beschließen zwei Freunde, sich den Trollen entgegenzusetzen – indem sie selbst zu solchen werden. Die beiden möchten die Maschinerie der Fehlinformationen und alternativen Fakten von innen heraus zerstören und geraten dabei selbst immer tiefer in den Strudel aus Hass, Konkurrenz und anhaltenden Shitstorms.

Was steckt wirklich hinter all den Hass-Kommentaren?

Ich habe das Buch jetzt ganze drei Wochen sacken lassen und bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich es mag oder nicht. Am besten versuche ich einfach, zu erklären, woran das liegt.
Ich bin notorische Kommentar-Leserin. Ich weiß, dass ich es nicht tun sollte, ich weiß, dass es mich nur aufregt und runterzieht und dennoch klickt mein Finger wie von selbst auf das “Mehr anzeigen” der Facebook-Kommentarspalte. Manche Tweets klicke ich sogar auf, weil ich weiß, dass darunter sicher wieder Sexistisches, Fremdenfeindliches und generell Hasserfülltes zu finden ist. Die Kommentare bestätigen dann meinen Verdacht und ich habe nichts gewonnen außer weitere Zweifel an der Menschheit. Es ergibt keinen Sinn, dass ich das ständig tue, aber ihr könnt euch vorstellen, dass ich beim Lesen des Klappentextes deshalb dachte, Troll sei genau mein Buch.

Dann ist aber genau das Gegenteil von dem passiert, was ich gerade vom Lesen der Kommentare geschildert habe: Es kam überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Ich habe eine Dystopie erwartet, die unsere Online-Gesellschaft überspitzt darstellt und kritisch beleuchtet. In Troll geht es jedoch vielmehr um die von Politikern und Machtinhabern genutzten Trolle und Mechanismen, um Meinungen zu lenken, Stimmungen anzuheizen und zu instrumentalisieren. So weit so gut, das klang für mich nicht weniger interessant.

Troll Michal HvoreckyDie Darstellung des Büros voller Trolle und ihrer Arbeit fand ich auch wirklich gelungen. Die Thematik ist aktuell und ihre Inszenierung in diesem Buch lässt mich die Kommentarspalten in Zukunft sicher reflektierter durchblicken. Der Protagonist, der im gesamten Verlauf der Geschichte namenlos bleibt, macht es sich zur Aufgabe die Maschinerie der Trolle zu infiltrieren und zum Sturm zu bringen. Ein vielversprechender Plot – würde dies denn auch geschehen. Leider scheint der rote Faden irgendwo in der Mitte des Buches abzureißen und der Leser erfährt irgendwann gar nichts mehr von der Arbeit am eigentlichen Plan, während der Protagonist tagein tagaus in seinem Büro voller Trolle arbeitet. Johanna, eine Freundin des Protagonisten und wichtiger Bestandteil seines Plans, nimmt zu Beginn sehr viel Erzählraum ein, dringt dann völlig in den Hintergrund und wird gegen Ende wieder Mittelpunkt des Geschehens ohne dass man als Leser weiß weshalb oder wo sie zwischenzeitlich abgeblieben ist.

Die Struktur des Romans hat mich daher leider wirklich gestört. Es kann gut sein, dass es mir an historischem Wissen rund um die Tschechoslowakei und Russland mangelt und ich deshalb einiges nicht verstanden habe, was sicher zu meiner Verwirrung beitrug. Mir kam es allerdings so vor, als hielte sich die Erzählung zu lange an eigentlich unbedeutenderen Nebensächlichkeiten auf, wodurch die für mich interessanten Aspekte leider untergingen. So zogen sich Krankenhausaufenthalte über mehrere Seiten dahin und stellten die Gesellschaft voller Impfgegner und Homöopathieliebhaber dar. Hier hätte mir als Leser auch ein Hinweis anstelle von zehn gereicht. Über die eigentlichen gesellschaftlichen Auswirkungen der Arbeit der Trolle hätte ich hingegen gerne mehr gelesen, diese kamen meiner Meinung nach viel kurz.

Fazit

Es fühlt sich abschließend an, als hätte ich die Charaktere nur an der Oberfläche begleitet anstatt richtig in die Geschichte einzutauchen. Als wäre mir der eigentliche Inhalt verborgen geblieben.
Die Idee hinter Troll gefällt mir nach wie vor gut, mit der Umsetzung hatte ich so meine Probleme, weshalb ich das Buch leider nicht weiterempfehlen kann.

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1 Kommentar

  1. 22. Oktober 2018 / 16:17

    Oh, das Buch steht auch schon seit einer Weile auf meiner Wunschliste! Aber auch nach deiner Rezension bin ich noch unsicher, ob “Troll” wirklich ein Buch für mich ist. Es scheint wieder ein wenig “hoch gestochen” zu sein, allerdings finde ich die Thematik einfach spannend. Und dass es dazu noch in dieser schönen Ausgabe (wie heißt das noch gleich, Presspappe?) erschienen ist, macht es nur noch interessanter.

    In dem Sinne: Danke für deine Rezi!

    LG
    Tina

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