Elefant – Martin Suter

IMG_8852Auf einen Blick

Titel: Elefant
Autor: Martin Suter
Verlag: Diogenes
Erschienen: 1. Februar 2017
Seiten: 352
Preis: 24€ (Hardcover)

Vielen Dank an Diogenes für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Klappentext

Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdachlosen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden. (Quelle)

Ein Wunder oder doch eine bloße Genmanipulation?

Und unterscheiden sich die beiden Dinge denn überhaupt?
Während des Diogenes-Bloggertreffens auf der Frankfurter Buchmesse 2016 wurde ich auf Martin Suters Elefant aufmerksam. Die Idee des Romans, die im ersten Moment einfach nur niedlich klang, blieb mir auch Wochen nach der Messe noch im Kopf. Umso mehr freute ich mich darauf, das Buch nach Erscheinen endlich lesen zu können.

Als es dann endlich so weit war, beeindruckte mich gleich, wie viele Themen das Buch miteinander verbindet. Obdachlosigkeit, Hilfsbereitschaft, Gentechnik, Konkurrenz- und Profitgedanken und die Wunder, die das Leben bereithält. All das versehen mit einer Prise Humor und einer ganzen Menge Stoff zum Nachdenken.
Das war wohl auch der Grund dafür, dass ich so lange für das relativ dünne Buch gebraucht habe. Es hat mich sehr unterhalten, aber eben auch so beeindruckt, dass ich die Seiten nicht einfach hintereinanderweg lesen wollte. Suter verknüpft Märchenstoff mit hochaktuellen Themen und schafft somit ein einzigartiges Buch, das im Gedächtnis bleibt.

_MG_7399Martin Suters Schreibstil und die Dialoge im Buch lassen das Buch locker-leicht wirken, selbst wenn es um existenzielle Dinge wie Leben und Tod oder die (Nicht-)Existenz eines Gotts geht. Das geschieht teilweise so trocken, fast zynisch, dass man selbst in makabren Todesszenen irgendwie schmunzeln muss – und dann genau darüber wieder irritiert ist.
Wie bereits erwähnt, werden Themen wie Genmanipulation aufgegriffen, jedoch diskutieren hier eher die Charaktere des Romans, wodurch es meist weniger um Fakten als vielmehr um persönliche Einstellungen geht. Das ist jedoch durchaus positiv, da man sich bei den Dialogen so seine eigene Meinung bildet, den Figuren in ihrer Argumentation zustimmt oder eben nicht. Dadurch wirkt es beim Lesen stellenweise fast, als würde man mit den Charakteren gemeinsam am Tisch sitzen und diskutieren.

Natürlich sagte er sich immer wieder, dass seine Motive durchwegs ethischer Natur waren. […] Doch mit der Frage, wie unethisch man zur Verhinderung von etwas Unethischem vorgehen durfte, hatte er sich noch nicht weiter beschäftigt.

Großartig fand ich auch den Aufbau der Handlung. Diese zieht sich von Jahr 2015 bis 2017 und endet ein paar Monate in der Zukunft. Trotzdem wird die Handlung nicht chronologisch erzählt, sodass man einzelne Handlungsstränge wie Puzzleteile nach und nach zusammensetzt und begreift, wie sie zueinander passen. Das hat mir sehr gut gefallen und war wirklich klasse inszeniert!
Davon abgesehen war die Handlung auch wirklich spannend, da Genforscher Roux seine Sensation in Form des rosaroten Elefanten natürlich um jeden Preis wiederhaben möchte. So fiebert man, immer auf der Seite des Elefanten, während des gesamten Romans mit.

Für mich wurde beim Lesen immer deutlicher, dass nicht nur der rosarote Elefant einem Wunder gleicht, sondern dass es auch die Menschen sind, die Wunder hervorbringen. Nicht Genforscher Roux, der maßgeblich an der Erschaffung das Elefanten beteiligt war, sondern der Obdachlose Schoch und die Tierärztin Valerie. Ihre Aufopferung und Hingabe für dieses kleine Wesen grenzen nämlich ebenfalls an ein Wunder, da sie aus Mitgefühl und sogar Liebe heraus handeln, nicht aus Gier und in der Hoffnung, sich persönlich zu bereichern. Dabei fragt man sich oft, wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde. Bei niedlichen Tieren aller Art wünscht man sich ja (besonders im Kindesalter) häufig, auch “so eins” zu haben. Was für Auswirkungen das hat und dass die Tiere, wie hier der Elefant, einen ganz eigenen Lebenswillen besitzen, zeigt dieses Buch auf wundervolle Weise.

Fazit

Mir hat Elefant wirklich gut gefallen. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und bin nun sehr froh, es gelesen zu haben. Martin Suters Art Geschichten zu erzählen und Handlungen zu verweben hat mich wirklich begeisert und so wird es nicht mein letztes Buch des Autors sein!

Achtung! Martin Suter ist am 23. und 24. März 2017 auf der Leipziger Buchmesse zu Gast!

10 Comments

  1. 15. März 2017 / 22:10

    Tolle Rezension!
    Die Suter Termine auf der Messe habe ich mir schon gespeichert, bin sehr gespannt.
    Und Elefant möchte ich unbedingt demnächst lesen!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    • Anabelle 16. März 2017 / 7:43

      Danke! 🙂
      Was kannst du von ihm denn noch empfehlen?
      Liebe Grüße und viel Spaß schon einmal auf der Messe!

      Anabelle

      • 16. März 2017 / 10:34

        Danke dir auch 🙂
        Ich habe leider noch nichts von ihm gelesen, mir aber nach Empfehlung einer anderen Bloggerin “Die Zeit, die Zeit” und “Small World” gekauft.

  2. 16. März 2017 / 18:26

    Hi Anabelle,

    ich konnte das Buch nicht weglegen! Ich denke, dass es ihm gut gelingt das ernste Thema in eine berührende Story zu verpacken.
    Von Suter kann ich dir noch Lila, lila empfehlen. Eine Parodie auf den Literaturbetrieb, hehe
    Viele liebe Grüße
    Melli

  3. 19. März 2017 / 23:27

    Das klingt nach einem wundervollen Buch, das natürlich auch schon auf meiner Wunschliste steht! Wirst du dir dein Exemplar auf der LBM signieren lassen oder so? Ich kann ja leider nicht kommen. Aber vielleicht habe ich ja Glück und er ist im Oktober dabei! 🙂 Auf jeden Fall aber eine sehr schöne Rezension!

    LG
    Hanna

  4. 11. Mai 2017 / 17:41

    ja, das stimmt, ich konnte das Buch auch nicht in einem Rutsch durchlesen. Bin, obwohl ich ein anderes Buch bearbeiten wollte, dann doch hängengeblieben bei den beiden Veterinären und habe mich mediativ eingemischt. Neugierig?
    http://www.literarische-mediation.de Danke für Deine Rezension.

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