Rechtfertigen Klicks die Mittel? Oder: Warum Bücher verbrennen nicht cool ist.

_mg_6754Ich kann gerade selbst nicht ganz glauben, dass ich diesen Titel, diesen Beitrag überhaupt schreibe. Aber nachdem ich mich vorhin erst auf Twitter über den neuen Instagram-Fototrend aufgeregt habe und seitdem viel diskutiert wird, wollte ich auch hier kurz meine Gedanken loswerden. Vielleicht wisst ihr noch gar nicht, von was ich rede. In dem Fall: Seid froh. Wie es aussieht, folgt ihr Bibliophilen, die den Namen auch verdient haben. Ich bin in den letzten zwei Wochen allerdings über Fotos gestolpert, bei denen mir die Gesichtszüge entgleist sind. Nachdem Socksundays und verrenkte Beine in Bildern nicht mehr ansprechend genug sind, werden nun Bücher verbrannt, um Klicks und Likes zu generieren.
Ja, richtig gelesen.

Ich werde die Bilder, auf die ich zuerst gestoßen bin, hier nicht teilen, da ich weiß, dass die Menschen hinter den Accounts noch sehr jung sind. Dass das keine Ausrede ist, ist mir klar, aber mir wäre einfach unwohl dabei, das hier zu teilen. Danach habe ich allerdings gezielt nach solchen Bildern gesucht und bin leider auf immer weitere Fotos gestoßen. Von Erwachsenen. Von Menschen, die alt genug sind, brennende Bücher in einen historischen Kontext zu setzen. Menschen, die selbst schon hart für etwas gearbeitet haben und nun das Herzenswerk eines Autors in Brand stecken. Menschen, die wissen sollten, dass man sich auf eine dämliche Like-Zahl unter einem Foto nichts einbilden braucht und dass man nicht jedes erdenkliche Mittel nutzen sollte, um diese virtuelle Zahl in die Höhe zu treiben.


Was mich beinahe noch mehr schockiert als die Bilder selbst – denn solche Menschen gibt es nun einmal immer und überall – sind die Kommentare und Likes, die man unter diesen Bildern findet. Scheinbare Ästhetik über Anstand und Verstand.

WHOA THIS IS SO COOL and you’re so brave for burning a book! (Unless it was a terrible book then I understand)

Bücher verbrennen ist nicht mutig und es ist nicht cool. Bücherverbrennungen gab es in der Geschichte schon häufig, aber man muss gar kein Geschichtsgeek sein, um sie in historischen Kontext zu setzen. Dass Bücher 1933 politisch motiviert verbrannt wurden, ist heute wohl Allgemeinwissen. Dass man brennende Bücher zwangsläufig damit assoziiert ist, dachte ich bis vor kurzem, klar. Wenn nicht, sollte man sich dringend Geschichtsbücher kaufen und diese lesen anstatt in Brand zu setzen. Das ist der eine Punkte, der mir eine Gänsehaut über den Rücken jagt, wenn ich solche Bilder sehe. Sie erinnern an die schlimmsten Jahre unserer Geschichte, weshalb sie sich meiner Meinung nach auch mit nichts rechtfertigen lassen.

Das ist nur son unnötiges Buch, das ich für die Schule lesen musste, also joa …

Die Fotografen der Bilder rechtfertigen sich damit, dass die Bücher ihr Eigentum sind, es alte Bücher waren oder sie ihnen einfach nicht gefallen haben und sie sie ohnehin nicht mehr lesen. Natürlich sind diese Bücher ihr Eigentum, sie haben sie bezahlt. Aber wieso nennt man sich Buchblogger, Bücherwurm, bibliophil (denn genau das sagen die Hashtags unter den Fotos), wenn man die Bücher, die Dreh- und Angelpunkt unseres Hobbys Lesen sind, dann verbrennt?
Ich persönlich bringe es nicht einmal übers Herz Bücher wegzuwerfen. Es gibt öffentliche Bücherschränke. Flüchtlings- und Kinderheime. Menschen in der unmittelbaren Umgebung, die sich sicher über Bücher freuen. Von daher entschuldigt meiner Meinung nach nichts das Anzünden von Büchern für fünf Minuten Instagram-Fame. Wir Bookstagrammer und Blogger werden heute immer Influencer genannt. Ich persönlich mag den Titel nicht, aber vielleicht sind wir das. Wir haben mit dem, was wir ins Netz schmeißen, Einfluss auf andere. Gerade jüngere Blogger greifen, nachdem sie den Erfolg der Fotos sehen, diesen Trend vielleicht auf. Und so verbreiten sich diese Bilder dann immer und immer weiter.

Dass wir Menschen Geschichte verdrängen und vergessen, ist nichts Neues. Auch wenn ich mich in diesem Fall frage, ob im Geschichtsunterricht (Bilder der Verbrennungen) oder im Deutschunterricht (Bücher wie Fahrenheit und 1984) einfach nicht aufgepasst wurde. Darüber hinaus finde ich es aber auch unfassbar respektlos den Autoren, Lektoren und Verlegern gegenüber. Gerade wir, die uns tagtäglich mit Büchern beschäftigen, sollten es doch besser wissen. Wir wissen doch, wie viel Arbeit und Herzblut in jedem einzelnen Buch steckt. Egal, wie schlecht wir es nun finden oder ob es schon 20 Jahre auf dem Speicher lag. Aktuell sortiere ich ebenfalls Bücher aus, habe mich zum wiederholten Male gefragt, wieso ich dieses oder jenes Buch damals überhaupt gelesen habe – aber nie kam mir der Gedanke, es zu verbrennen, um es loszuwerden und das dann auch noch ins Internet zu stellen.

Die ganze Geschichte hat mich an ein Zitat Bulgakows aus einem meiner absoluten Lieblingsbücher Der Meister und Margarita erinnert: “Manuskripte brennen nicht.”

Denn Literatur ist stärker. Sie hat die größten geschichtlichen Abgründe überlebt und sie wird auch einen bescheuerten Instagram-Hype überleben. Nur wäre es eben schön, wenn wir diesen erst gar nicht aufleben lassen und der Literatur ein bisschen unter die Arme greifen. So wie es eben eigentlich unsere Aufgabe ist.

46 Comments

  1. 30. November 2016 / 18:24

    Hallo Anabelle,

    solche Bilder zu sehen lässt mein Bücherherz bluten. Bis jetzt habe ich (glaube ich) nur ein oder zwei Bilder gesehen, bei der nur eine Seite eines Buches verbrannt wurde, schlimm genug. Aber gleich ganze Bücher?! O.o Also, nee, nein, mag ich auch nicht. Kann dich da vollkommen verstehen und mich gruselt es davor, dass Menschen ganze Bücher verbrennen… Das ist auch etwas, da wäre ich von alleine nie darauf gekommen. – Ich glaube, dass wird mich jetzt auch noch eine Weile beschäftigen.

    Liebe Grüße,
    Hanna

  2. 30. November 2016 / 18:47

    Ich habe wirklich diesen “Trend” noch nicht entdeckt. Ich nutze auch Instagram nur privat, also ohne Bookstagram.
    Grundsätzlich sind die Bücher wirklich Eigentum der Fotografen und man kann damit machen was man will. Es kommt niemand zu schaden. Bedenklich finde ich jedoch, ob die Leute wissen wie man das ganze handhaben muss. Ich bin ein Tollpatsch erster Klasse und würde wohl beim ersten Versuch mich selbst verbrennen oder aus Versehen den Wald abfackeln. Kaum vorstellbar, wenn das wirklich einmal passiert! Vor allem da man die Bilder oft in der freien Natur macht und man nich gestresst ist, weil man noch den perfekten Moment einfangen will. Denken die Menschen überhaupt an die Sicherheit? Haben sie etwas zum Löschen dabei oder lassen die das einfach so?
    Ehrlich gesagt war es eine zeitlang bei meiner Stufe In, Schulbücher zu verbrennen. Es entstand sogar an einem Abend ein kleines Lagerfeuer. Heute würde ich das nicht mehr machen, da man andere Menschen mit solchen büchern glücklich machen kann. Klar sehen die Fotos toll aus (ich liebe Feuerbilder) aber sie könnten auch einfach eine Fackel daneben stellen.
    Der geschichtliche Hintergrund finde ich allerdings ein bisschen weit hergeholt. Sie verbrennen die Bücher nicht, weil sie Wissen auslöschen wollen sondern wollen einfach für ein “hübsches” Bild. Ich denke ihnen ist gar nicht bewusst, dass man damit geschichtliche Ereignisse assoziieren kann. Mir wäre das ehrlich gesagt auch nicht in den Sinn gekommen, da es eben aus einem anderen Kontext entstand.
    Huch, der Kommentar wurde jetzt doch etwas lang

  3. 30. November 2016 / 19:09

    Auch wenn ich leider nicht annähernd so viel lesen kann wie z.B. alle, die ich übers Schreibnacht-Forum kennen lernen durfte, sind Bücher für mich was sehr wertvolles. Sie sind Vermittler von Wissen, Kunst und Kultur. Sie erweitern Horizonte und Anschauungen. Und davon abgesehen machen sie in der Regel auch einfach nur Spaß. Mittlerweile weiß ich auch, wie viel Arbeit es macht, eine Geschichte zu schreiben oder das eigene Wissen in Worte zu fassen. Das ist nichts, was man mal nebenbei macht. Die Ergebnisse sind unbezahlbar.
    Eine Bücherverbrennung ist nicht nur respektloser Schwachsinn. Es ist auch eine Methode der Unterdrückung, und nicht erst seit 1933.
    Ich denke, wir sind dahingehend definitiv auf einer Linie.

  4. 30. November 2016 / 19:13

    Hui bist du aber schnell! Eben noch bei Twitter deinen Schock mitbekommen & schon hast du ein Statement gegeben! Hinter dem ich absolut stehe! Wobei ich befürchte das diese Menschen wohl kaum den geschichtlichen Hintergrund ihrer Tat wahrnehmen, dies überhaupt miteinander assoziieren!
    Mehr als deine Worte unterzeichnen kann ich nicht … eher sitze ich fragend vor deinem Beitrag & froh darüber kein Instagram zu haben ~ zu mindestens in Bezug auf solch einen Hype. Und dann auch noch mitunter Buchblogger?! Die Bücher verbrennen?! What the f**k?!

    Lasse trotz schwerer Thematik liebe Grüße da!

    • Anabelle 30. November 2016 / 19:37

      Der Puls war auf 180 und die Durchblutung so gut, da arbeiten die Finger schnell. 😀
      In der Regel ist Bookstagram wirklich toll. Man lernt nette Menschen kennen, hat täglich einen schönen Austausch und es macht Spaß – weshalb das Ganze natürlich noch weniger ins Bild passt. Ich verstehe es ja selbst überhaupt nicht …

      Dir auch liebe Grüße!

  5. 30. November 2016 / 19:30

    Hallo Anabelle,

    ich habe von diesem Trend (Gott sei Dank) noch nichts mitbekommen. Finde deinen Beitrag dazu aber sehr gut! Es ist grauenvoll, dass man Bücher anzündet, um auf instagram viele Likes für ein einziges Foto zu bekommen. Bücher sind etwas so wertvolles und wir können uns glücklich schätzen, dass wir die Möglichkeit haben uneingeschränkt auf Bücher zugreifen zu können. Dass Bücherverbrennungen in der Vergangenheit stattgefunden haben scheinen diese Menschen, egal ob Jugendliche oder Erwachsene, völlig vergessen oder auch verdrängt zu haben. Es gibt keine Entschuldigung für das, was hier als Trend gefeiert wird, egal ob die Bücher als “nicht gut” oder “Schulbuch” abgestempelt werden. Absolut kein Buch sollte je wieder brennen müssen.

    Liebe Grüße!
    Anna

  6. 30. November 2016 / 19:38

    Klasse Beitrag!
    Ich habe letztens auch solche Bilder bei einem Bookstagramaccount entdeckt und dachte mir: Wieso? Ich dachte du liebst Bücher!??
    Es mag cool aussehen, aber es tut auch weh. Wie du schon meintest, es gibt genug Menschen, die sich daran noch erfreuen würden.
    Ich hoffe mit dir, dass der Trend schnell vorbei geht.
    Ganz liebe Grüße & einen schönen Abend
    Vanny

  7. 30. November 2016 / 19:49

    Absolut kacke. Mehr kann, will und muss ich dazu gar nicht sagen. Ich bin froh, dass ich diese Fotos nicht selbst auf IG entdeckt habe, mich hätte vor Schreck wohl der Schlag getroffen. Für mich sind solche sinnbefreiten Trends unbegreiflich und ich kann mich gar nicht entscheiden, ob ich wütend oder einfach nur traurig darüber bin …

    Liebste Grüße,
    Nana

  8. 30. November 2016 / 20:22

    Hey,

    Sehr schöner Post und ich kann dich da vollkommen verstehen. ich hab davon ehrlich gesagt nichts mitbekommen und bin froh das die Bookstagrammer den ich folge diesen bescheuerten Trend nicht mit machen.
    Bei solchen Leuten frage ich mich immer , ob sie ihr Hirn eigentlich nicht benutzen. Denn ich finde sowas auch nicht sonderlich ästhetisch sondern einfach nur abartig. Es sieht nicht gut aus wenn etwas (Wenn es nicht grade ein gewolltes Lagerfeuer ist) brennt. Nichts ist an mutwilliger Zerstörung schön.

    Liebe Grüße
    Kira

  9. 30. November 2016 / 20:48

    Ich habe es bisher nicht mitbekommen und bin auch ganz froh darüber. Trotzdem danke ich dir für den Beitrag. Es ist irgendwie wichtig, darüber bescheid zu wissen und darüber zu sprechen.
    Finde es schrecklich. Eigentlich fehlen mir gerade die Worte. Wenn ich jemanden in meiner Liste habe und es mir auffällt lösche ich ihn/sie. Unfassbar. Respektlos.

  10. 30. November 2016 / 20:58

    Hey Anabelle!

    Ich habe gerade diesen langen Post gelesen und muss dir recht geben, ich finde es auch schlimm, dass die Bücher verbrannt werden. Obwohl ich auch “Gesündigt” habe: Ich hab aus einem Buch, was ich nicht mochte, die Seiten rausgerissen und verwende die Fetzen jetzt zum Bilder machen und ja, ich hab auch hier die Ausrede verwendet, dass ich das Buch nicht mochte, es vom Lesen deformiert war etc. pp.

    Mir würde aber niemals in den Sinn kommen, ein Buch zu verbrennen, für gar nichts in der Welt. Das Zerreissen der Seiten war schon genug, ich weiß gar nicht, warum das alle toll finden. Schon eine Seite zu verbrennen für ein “stunning!” “amazing!” und blablabla Bild ist einfach unnötig und gefährlich. Meine Eltern würde ausrasten, wenn ich mit sowas ankomme….

    Persönlich, ich finde diese Bilder auch überhaupt nicht schön, aber wie man sieht, sind Geschmäcker verschieden.
    Nun gut, ich wünsche Dir noch einen schöönen Abend,

    liebe Grüße,

    Magali 🙂

  11. 30. November 2016 / 21:07

    Also, manche “Trends” sind echt abartig. Sorry, aber anders kann man das nicht mehr nennen. Manchmal habe ich das Gefühl, viele Leute würden alles tun,
    a) um Klicks zu bekommen oder
    b) weil es gerade “in” ist
    Und gerade mit einem solchen Thema sollte deutlich sensibler umgegangen werden. Mir fehlen die Worte 🙁

  12. 30. November 2016 / 21:11

    Jedes Buch ist für mich von unschätzbaren Wert, auch wenn mich ein Inhalt mal nicht erreichen kann, so wertschätze ich das Werk eines jeden Autoren!

    Vielen Dank für deinen Beitrag, der mich kopfschüttelnd zurück lässt.

    Liebe Grüße

    Nisnis

    • Anabelle 1. Dezember 2016 / 20:02

      Ja, es ist auch einfach respektlos den Autoren gegenüber. Genau wie ich kein Gemälde anzünde, keine Notentexte und eben generell kein künstlerisches Werk.

      Liebe Grüße

  13. 30. November 2016 / 21:30

    Hallo Belle,

    ich bin gerade etwas schockiert und musste mir erstmal einen Kaffee machen.
    Bücher verbrennen ist nie, nie, niemals cool, egal in welchem Kontext. Ganz egal, ob das Buch gut oder schlecht war, ob wir hinter der politischen Meinunge stehen oder sie verteufeln. Es ist auch egal, in welchem Zustand das Buch war. Das Bild eines brennenden Buches ist ein Symbol für Zensur, Meinungsunterdrückung, Unterdrückung von Menschenrechten und vor allem wird nicht nur das Buch verbrannt. Der Mensch dahinter soll ebenso vernichtet werden. Heine hatte mit “dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.” Diese Vernichtungstradition hat ihre Wurzeln im Alten Ägypten, wo man die Namen von ungeliebten Herrschern aus den Stelen meißeln lies, damit die Nachwelt nicht von ihnen erfuhr. Luther verbrannte das katholische Rechtsbuch sowie die Bannandrohungsbulle, die gegen ihn verhängt worden war, um ihnen symbolisch die rechtsgrundlage zu entziehen.

    Brennende Bücher sind kein Accessiore, Dekogegenstand oder gar eine revolutionärer Akt gegen den langweiligen Deutschunterricht. Sie sind ein Zeugnis von historischer Ignoranz und unfassbarer Dummheit.

    Ich habe seit Ewigkeiten ein Monatsspecial dazu in Planung, dessen Idee urprünglich in Facebookkommentare wurzelte. Dort wurde zu dem neuen Buch von Alice Schwarzer geschrieben “Sollte man verbrenne.” Ich hätte nicht gedacht, dass es noch krasser und aktueller werden könnte. Und ich muss gestehen, ich weiß gerade nicht wohin mit meiner Fassungslosigkeit.

    Danke für den Artikel. Der Trend ist völlig an mir vorbeigegangen.

    Ich kann gerade kein Cheerio schicken, aber liebe Grüße 🙂

  14. 30. November 2016 / 21:32

    Hallo du,

    zum Glück bin ich nicht bei Instagram und habe nur durch Zufall bei Twitter was darüber gelesen und konnte es nicht wirklich glauben … wie können die so etwas tun? Jedes Buch hat eine Seele und für jedes Buch findet sich jemand, der diese zu schätzen weiß. Ich sammel wahrlich keine Bücher, im Gegenteil, aber ich gebe sie weiter und freue mich, wenn jemand ein Buch für sich findet und es ein Stück von ihm wird, auch wenn es mir nicht gefallen hat!
    Was die da tun ist widerlich und so hat es doch angefangen … ok, das ist jetzt vlt ein wenig zu geschichtslastig pessimistisch. Aber es ist schon traurig, dass man so etwas inszinieren muss um Klicks zu bekommen und die Leute es auch noch toll finden, sehr sehr traurig =(

    Liebste Grüße und lass dich davon nicht zu sehr frustrieren,
    Vivka

  15. 30. November 2016 / 21:38

    von diesem “Trend” lese ich gerade zum ersten Mal! Aber ich finde es ebenso krass, wie du. Ich käme nie auf die Idee, Bücher zu verbrennen. Vor allem wegen des historischen Hintergrundes des Bücherverbrennens. Ich käme nie auf die Idee, ein Buch zu verbrennen. Ein Kommilitone von mir erzählte letztens, dass er auch schon welche verbrannt hätte. Aber für den ist Lesen eh ganz fürchterlich.
    Egal, ob es ein nicht besonders tolles Buch ist, was man in der Schule lesen musste, ein Buch, was einem privat nicht gefallen hat oder einfach so, weil es “cool” auf Fotos rüberkommt: Bücher verbrennt man nicht. Wenn man Fotos von Feuer machen will, kann man auch Holz und Papier anzünden, aber kein Buch.

  16. 30. November 2016 / 22:08

    Hallo!

    Ich muss jetzt mal meinem Ärger Luft machen:

    Wie KÖNNEN sie es WAGEN, ein Buch zu VERBRENNEN? Haben die denn GAR NICHTS in der Schule gelernt?
    Ich finde ja, dass sich so jemand nicht BIBLIOPHIL, ja genau, BÜCHERLIEBEND, nennen darf.
    Was fällt denen ein?
    Das ist VERDAMMT HARTE ARBEIT, die die da verbrennen? Das ist mitunter das LEBENSWERK eines Menschen!
    Ich tu mir schon schwer damit Bücher zu VERLEIHEN, außer für OurSharedShelf, da mache ich eine Ausnahme, ABER SONST NIE!
    Ich habe erst einmal Bücher VERKAUFT und ich hänge sehr an ihnen. Meinen Schätzen!

    Die Schulbücher, die ich nicht mehr brauchen konnte, habe ich zum Altpapier gegeben (und bei Mathe in den Container hinterhergeflüstert, dass aus ihnen schöne Bücher werden sollen!) Denn dann können ja wieder neue Bücher daraus werden oder zumindest wird das Papier wiederverwertet. Und Papier ist VERDAMMT NOCHMAL KOSTBAR!

    Ich bin sprachlos!

    Liebe Grüße,
    Valerie von MeerderWörter

  17. 30. November 2016 / 23:38

    Auf was für Ideen die Leute immer so kommen. Da kann man manchmal nur verwundert mit dem Kopf schütteln.

    Ich sehe das ganze allerdings als nicht so dramatisch an. Man muss nicht immer alles gleich in einen historischen Kontext setzen oder gar mit der Nazi-Keule kommen.
    Wer hat denn nach dem Abschluss damals nicht seine Schulunterlagen verbrannt? Ein Lebensabschnitt ist zu Ende, ein neuer beginnt, mentale Befreiung. Aber damit protestiere ich ja nicht gegen unser Schulsystem.
    Wenn ein Buch verbrannt wird, ist das für mich kein Statement – schon gar kein politisches – und auch keine Botschaft an den Autor, den Verlag oder sonst jemanden, der an der Herstellung beteiligt ist. Die meisten werdens halt machen, weils auf nem Foto hübsch aussieht, nicht weil da ein tieferer Sinn dahinter steht.
    Solange sie keine Lebensmittel anzünden oder Tiere oder Asylantenheime ist das echt nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste.
    Da wird nun gerade eben ein vermeintlicher Trend gesetzt, der aber genauso schnell verschwindet, wie er gekommen ist. So weit lehne ich mich mal aus dem Fenster.
    Aber befeuert man das ganze (sorry, das Wortspiel war keine Absicht xD) denn nicht noch mehr, wenn man da jetzt eine Diskussion zu anheizt? Ok, aua, ja ich höre ja schon auf…

    Ich finde deinen Text gut, du hast deinen Gefühlen Luft gemacht, manches muss einfach mal raus. Und vielleicht sieht der ein oder andere das Thema nun in einem anderen Licht. Aber ich finde man sollte diesem Phänomen jetzt auch nicht mehr Bedeutung beimessen, als es tatsächlich besitzt.

    • 1. Dezember 2016 / 17:37

      Damit wollte ich auch gerade kommen. Meine Abitursachen, darunter auch Schulbücher, habe ich auch verbrannt. Es gehörte irgendwie dazu, dass man gerade die aus den Abi-Fächern gemeinsam ins Lagerfreuer schmiss, weil man es endlich hinter sich hatte.

      Es gibt Bücher, da würde es mich auch null störe, würde es wer verbrennen. Schon längst überholte Medizin-/Geschichts-bücher oder eben so alte, die keiner mehr haben mag. Spenden? Nimmt eh keiner mehr (arbeite in einem Sozialkauhaus und alles was älter als 100 Jahre ist wäre einfach nur ein Lagerhüter, das geht auch zur Müllverbrennungsanlage., dafür haben wir einfach viel zu viele Bücherspenden).

      Ich denke auch, das gerade auch negative Kritik dem Thema nur mehr Brennstoff bringt als wenn mans einfach ignoriert (gott ich glaub das ist ansteckend… ups XD). Trend ist etwas für mich, wenn es überall zu sehen wäre, aber ganz ehrlich? Hab ich nicht. Nicht einmal und ich hab nen Buchinstagramm Acc sowie Litsy Acc.
      Luft machen ok, aber bekanntlich ist Negatives schneller verbreitet und geht in Mode als vereinzelte Bilder. Klar wenn man gezielt nach sucht findet man glaub ich alles. Da sollte man nicht nach “Wrack this Journal” / “Mach mich fertig – Büchern schauen XD die leiden noch viel mehr und sind extra dafür gemacht.

      • Anabelle 1. Dezember 2016 / 18:02

        Dann gibt es Blackout Poetry oder meinetwegen kann man sie wegwerfen. Mir geht es konkret um das Verbrennen (und eine Müllverbrennungsanlage unterscheidet sich meines Erachtens von einer öffentlichen Verbrennung in den sozialen Medien). Das lässt sich für mich einfach nicht rechtfertigen. In dem Punkt, dass es dadurch jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommt, hast du natürlich recht. Aber meiner Meinung nach scheint es notwendig zu sein und ist auch nichts Schlechtes. Gerade weil es sich häuft und in den Kommentaren nur Begeisterung und keinerlei Reflexion zu lesen ist. Und wenn ich dem irgendwie entgegenwirken kann, dann versuche ich das.

        Liebe Grüße
        Anabelle

    • 1. Dezember 2016 / 19:08

      Sorry, aber es ist eine Sache, ob man seine Abi-Unterlagen verbrennt, also Mitschriften, Klausuren, Hausaufgaben, oder Bücher. Es hat auch nichts mit Nazikeule zu tun, wenn Belle den historischen Kontext anspricht. Und gerade dieser sollte gerade in Deutschland eben nicht einfach abgetan werden als “ach, die meisten finden einfach, dass es hübsch aussieht.” Wenn man die Symbolik und Historität hinter einem brennenden Buch nicht sieht – sei es aus Unwissenheit oder Ignoranz – sollte man sich eben damit doch noch mal beschäftigen.
      Es gibt Dinge, die gehen klar, auch wenn sie streitbar sind. Bücher verbrennen gehört nicht dazu!

    • 1. Dezember 2016 / 21:33

      Also ich habe meine Schulbücher von damals nicht verbrannt und kenne auch sonst niemanden, der das getan hat. Einige Unterlagen/Bücher besitze ich sogar heute noch.

      Und warum ist es schlimmer Lebensmittel zu verbrennen als Bücher? Für mich ist beides vollkommen schwachsinnig, weil es Leute gibt, die sich über beides garantiert sehr freuen würden.

      Und gerade dass sie sich keine Gedanken darüber machen ist ja nur ein weiteres Zeichen für die Ignoranz der Geschichte sowie der Arbeit anderen gegenüber. Von den Bäumen, die für das Papier ihr Leben lassen mussten, ganz zu schweigen.

  18. 1. Dezember 2016 / 8:23

    Erinnert mich an das Zitat von Heinrich Heine zum Thema Bücherverbrennung:

    „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“

    Auch wenn das Zitat weit vor der NS-Zeit entstanden ist, denke ich, dass wir uns gerade in Deutschland bewusst sein sollten, dass eine der ersten Taten nach der “Machtergreifung” des Hitler Regimes, die Verbrennung der Bücher durch Studierendenschaften war, die nicht dem rassistischen und sexistischen Gedankengut der NSDAP entsprachen. Traurig, dass das so unreflektiert auf den sozialen Medien reproduziert wird.

    Danke für den Beitrag.

    • Anabelle 1. Dezember 2016 / 20:04

      An das Zitat musste ich beim ersten Foto auch denken. Gerade, da ich auch mit einigen Autoren befreundet bin und es ein sehr sehr übles Gefühl hinterlässt. Man will seine Arbeit einfach nicht aus Spaß an der Freude brennen sehen.

      Liebe Grüße!

  19. 1. Dezember 2016 / 11:56

    WIE BITTE?! Ich habe davon noch gar nichts mitbekommen und bin gerade echt maßlos erschüttert! In meinem Regal stehen auch einige Bücher, die ich nicht mochte, aber deswegen würde ich sie doch niemals verbrennen. Abgesehen von der Geschichtlichen Assoziation, ist das einfach nur respektlos.

  20. 1. Dezember 2016 / 13:46

    Ich hab von diesem schrecklichen Trend auch erst durch dich erfahren. Finde es toll, dass du gleich einen Beitrag dazu gemacht hast und kann dir nur voll und ganz zustimmen.
    Man muss sich wirklich bewusst sein, dass man auch einen Einfluss auf andere hat, wenn man Sachen im Internet öffentlich teilt. Und ich finde es toll, dass du deinen Einfluss nutzt, um ein Zeichen gegen diesen Unsinn zu setzten. Es gibt so viele Möglichkeiten mit seinen alten Büchern noch andere Menschen glücklich zu machen.
    Liebe Grüße,
    Julia

  21. 1. Dezember 2016 / 22:42

    Liebe Anabelle,
    ich habe erst gerade eben durch deinen Beitrag von diesem unfassbar pietätlosen ‘Trend’ gehört. Ich vermute mal, dass die Sache aus den USA kommt? Ohne mich jetzt in Vorurteilen zu verrennen, ich glaube, dass ‘bei uns’, durch die Ereignisse, die 1933 passiert sind, der Respekt gegenüber Büchern viel höher ist. Da mag auch hinein spielen, dass wir eine Buchpreisbindung haben. Man verbrennt kein Kulturgut. Aber mir macht Angst, dass durch Social Media Werte und Haltungen immer mehr aufweichen und gleichzeitig ein kritischer Blick verlorengeht…
    Ich finde deinen Blogpost sehr wichtig und richtig, aber er hat mich gerade auch ein bisschen traurig gemacht :’-(
    Liebe Grüße,
    Cara

    • Anabelle 1. Dezember 2016 / 22:52

      Ich habe es leider zuerst bei deutschen Accounts entdeckt. :/
      Ich glaube und hoffe aber auch, dass du recht hast. Zumindest löst es hier eben noch viel stärker die Assoziation mit historischen Ereignissen aus, die ja auch noch gar nicht lange zurückliegen.
      Ich sehe aber auch weiterhin die positiven Seiten an Social Media, die den Austausch und das Bloggen hier ja überhaupt erst möglich machen!

      Liebste Grüße
      Anabelle

  22. 2. Dezember 2016 / 8:23

    Um es mal flapsig auszudrücken: Ich kann meinen Instagram-Feed jetzt nach Intelligenz filtern und entsprechenden Leuten entfolgen (was ich auch sofort mache, wenn ich ein derartiges Foto dort entdecke).
    Bei einem Kanal kam die Ausrede (sinngemäß): “Ich habe das Buch angezündet, weil ich Feuer auf Fotos schön finde” (zündet er sein Haus an, weil die Flammen so schön orange sind?). Er sei ohnehin nicht der Vielleser und er ist mehr oder weniger nur auf Instagram, um schöne Fotos hochzuladen. Sinngemäß stand unter dem Bild: “Mir ist klar, was solche Bilder auslösen. Außerdem nehme ich dafür ja nur die Schullektüre der siebten Klasse und nicht meine liebste Harry Potter-Ausgabe. Mein Exemplar ist ja nicht das Einzige auf der Welt. Du kannst mit deinem Eigentum machen, was du willst.”
    Aber ist das Buch wirklich dein Eigentum, nur weil du ein Exemplar in der Buchhandlung kaufst? Ich finde ja, dass es trotzdem noch geistiges Eigentum des Autors ist, der Wochen, Monate oder gar Jahre daran gearbeitet hat. Mal ganz abgesehen vom historischen Kontext, würde sich ein Tischler auch nicht gerade freuen, wenn ich seine Möbel im Kamin verfeuere.

  23. 2. Dezember 2016 / 14:53

    Ich bin gestern auch auf so ein Foto gestoßen und dementsprechend auch auf die Diskussion, die unter diesem Bild entstanden ist. Ich verstehe durchaus den historischen Hintergrund und auch, dass das ganze ein absolut sensibles Thema ist (man brauch nicht darüber zu streiten, dass das was damals, also 1933 aufwärts passiert ist, furchtbar war und auf keinen Fall nochmals passieren darf), jedoch stellt sich für mich die Frage ob wirklich jedes Buch gleich viel wert ist. Das mag zwar jetzt ziemlich krass klingen, aber für mich beispielsweise hätte ein Gesetzbuch, dessen Inhalt nicht mehr relevant ist und für niemanden mehr relevant sein wird, keine Bedeutung. Und da ich als Fotografie liebender Mensch Flammen sehr ästhetisch finde und Buchseiten sowieso ein wunderschönes Motiv sind, warum sollte ich davon kein Foto machen können/sollen?

    Und warum ist es zum Beispiel in Ordnung alte Schulunterlagen zu verbrennen? Schließlich ist dies auch ein geschriebenes Wort und dahinter steckt auch viel Arbeit? *grübel*

    Jedoch stehe ich der Einstellung »mit meinem Eigentum kann ich machen was ich will«, sehr kritisch gegenüber. Denn meiner Meinung nach sollte man mit seinem Besitz verantwortungsvoll umgehen und nicht für ein paar Likes mutwillig Dinge zerstören.

    Ich hoffe mein Kommentar war jetzt nicht unangemessen.

    Liebste Grüße,
    Elli

    • Anabelle 2. Dezember 2016 / 15:13

      Liebe Elli,

      das ist deine Meinung, die ist nicht unangemessen, nur weil wir da nicht der gleichen sind! 🙂
      Ich persönlich würde auch niemals Schulunterlagen verbrennen und habe vor den Kommentaren hier auch noch nie davon gehört. Es wäre für mich aber was anderes, ob ich meine Unterlagen aus der Uni in Brand stecke oder ein Buch, hinter dem ein Autor, ein anderer Mensch steht. Der Wert von Büchern ist ja eine rein subjektive Entscheidung. Für mich sind so gesehen auch nicht alle Bücher gleich viel Wert, manche gefallen mir, manche nicht. Das hat für mich aber auch nicht wirklich etwas mit der Sache zu tun.
      Ich finde Flammen auch ästhetisch, klar. Nur eben nicht, wenn sie durch Bücher entstehen. Ich finde auch, dass sich nicht alle Handlungen durch Kunst entschuldigen lassen. Ich mag zum Beispiel keine Religionen, verbinde mit Holzkreuzen des Christentums nichts. Trotzdem würde ich sie niemals anzünden, ob sie jetzt mein Eigentum sind oder nicht, weil so eine Handlung eine Botschaft sendet, respektlos gegenüber anderen Menschen ist. Das ist für mich einfach eine Frage des Respekts, des Anstands und irgendwie auch der Verantwortung gegenüber anderen. Wenn ich diese Handlung dann auch noch übers Internet verbreiten würde, dann sendet das eben Signale. Manche fänden es vielleicht fotografisch ästhetisch. Aber andere verletzt es. Vor allem, wenn es dann noch historisch konnotiert ist.

      Liebe Grüße

  24. 2. Dezember 2016 / 19:19

    Ich stimme dir da voll und ganz zu – klar, das sind eindrucksvolle Bilder. Aber bringt’s das wirklich? Muss das sein? Nicht nur die Assoziationen, auch im Hinblick auf die Autoren, Verlagsmenschen und alle Beteiligten, finde ich es einfach nur unnötig, Bücher in Brand zu stecken. Ganz zu schweigen davon, dass es gegen meinen subjektiven Sinn von Ästhetik geht.
    Und auch auf die Gefahr hin, hier jetzt als Öko dazustehen: Ernsthaft? Bäume für ein tolles Foto verbrennen, wenn man sie auch weiterreichen könnte an andere? Ich habe mal in der U-Bahn von einer älteren Dame ein Buch in die Hand gedrückt bekommen. Sie hatte es gerade ausgelesen, sah, dass ich eins las – und wollte mir damit eine Freude machen. Ich habe mich gefreut. Ich habe das Buch nie gelesen, weil’s ein Krimi war, aber ich habe es auch weiter gereicht. Ich verstehe, dass man sich Bücher ins Regal stellt, ich verstehe, dass man lieber gedruckte Bücher statt elektronische liest (geht mir auch so) – aber ich verstehe nicht, dass man diese Bücher dann verbrennt. Da gibt’s wirklich Sinnvolleres, was du alles in deinem Beitrag bereits angesprochen hast.
    Liebe Grüße
    Kerstin

  25. 3. Dezember 2016 / 9:32

    Liebe Annabelle,
    super Beitrag, zu dem es einfach nichts mehr hinzuzufügen gibt! Ich kannte diesen Trend nicht und bin wirklich geschockt. Und auch, wenn hier immer wieder auf diese super ästhetisch schönen Bilder hingewiesen wird, ändert das für mich gar nichts am Sachverhalt. Ihr könnt doch Feuer fotografieren wie ihr lustig seid. Lagerfeuer, brennende Kerzen – ganz egal. Aber ansonsten bin ich ganz bei Heine. Und um ehrlich zu sein haben wahrscheinlich 98 Prozent (Idioten gibt es überall) meiner Mitabiturienten auch nie ihre Bücher und Unterlagen verbrannt. Ich stelle mir gerade einen bücherverbrennenden Geschichts-Lk vor… zum weinen.
    Liebe Grüße, Eva

  26. chaoskingdom
    4. Dezember 2016 / 22:45

    Oh Anabelle, ich habe das mit dem Hype nur durch Twutter von dir erfahren.
    Ich finde das echt mega krass und muss sagen, dass ich das glücklicherweise noch nicht in meiner instagram TL gefunden habe. Deine Beispielbilder findei ch wirklich krass. ich konnte mir das bisher gar nicht so vorstellen.
    Das sieht zwar ganz cool aus, aber es tut in der Seele weh und mir ist auch noch nie so ein Gedanke gekommen, das selbst zu machen. Überhaupt, dass Menschen das machen.

    Tausend Küsse xoxo Vera

  27. 7. Dezember 2016 / 9:18

    Ich habe ein Buch verbrannt. Ich habe das brennende Buch fotografiert und das Bild auf Instagram veröffentlicht. Warum?

    Eine zentrale Vorstellung für mich zur Zeit ist die Idee der Transformation. Kann ein Mensch seine Persönlichkeit verändern? Kann ein schüchterner Mensch lernen, seine sozialen Ängste nicht nur zu überwinden, sondern wirkliche Freude in der Begegnung mit Fremden zu empfinden und diese Begegnungen suchen? Kann eine depressive Person zu tiefer Lebensfreude finden? Lange Zeit gingen wir davon aus, dass die Persönlichkeit eines Menschen stabil und über die Lebenszeit unveränderlich ist. Inzwischen denken Psychologen, dass man auch grundlegende Persönlichkeitseigenschaften verändern kann. Aber wie?

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Veränderungen oft eine Krise vorausgeht. Ein traumatisches Erlebnis verändert die Person. Diesen Zusammenhang machen sich bestimmte Psychothechniken zunutze. Bei der Initiation eines Schamanen beispielsweise, durchlebt dieser seinen eigenen (inszenierten) Tod. Sein Körper wird zerstört, er durchwandert die Unterwelt und wird dann neu zusammengesetzt. Der Anwärter unterzieht sich einem sehr eindringlichen und psychisch erschütterndem Ritual, um sich in einen neuen Menschen zu verwandeln.

    Feuer spielt in diesen und ähnlichen Zusammenhängen oft eine zentrale Rolle. Feuer reinigt – im übertragenen Sinne, wie in den Ritualen vieler Religionen, aber auch tatsächlich, wenn Operationsbesteck erhitzt und dadurch desinfiziert wird. Feuer verwandelt und schafft Leben – wie bei manchen Samen, die erst nach einem Waldbrand keimen.

    Das Buch, das ich verbrannt habe, war für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre. Ich habe es verbrannt in dem Gefühl, das Erlebnis, das ich beim Lesen hatte, in meinem Inneren zu vertiefen und – wie den Rauch und die Wärme – in meinem Leben und meiner Umgebung zu verteilen. Die Verbrennung war für mich kein Akt der Vernichtung, sondern ein Akt der Schöpfung: ich habe die Idee, die für mich in dem Buch und dem Erlebnis seiner Lektüre steckt, verwandelt und befreit.

    Die Verbrennung dieses Buches war für mich ein spiritueller Vorgang.

    • 7. Dezember 2016 / 16:41

      Also ich nenne sowas ja “Krank”.
      Aber deine nette Umschreibung geht natürlich auch.

  28. 18. Dezember 2016 / 20:21

    Hallo liebe Anabelle,

    ich bin ja eigentlich immer mehr stille Mitleserin deines Blogs und habe deinen Beitrag erst heute entdeckt und muss nun einfach meinen Senf dazu loswerden. Ich bin glücklicherweise noch nicht über ein solches Bild auf Instagram gestoßen und bin wirklich froh drüber, denn ich wäre auch sehr geschockt darüber.

    Ich kann deinen Post 1:1 so unterschreiben und finde es unglaublich wichtig, dass du ihn verfasst hast. Irgendwie will ich gar nicht glauben, dass es irgendwen da draußen gibt, der tatsächlich nicht um die Symbolik hinter dem Bücher verbrennen weiß. Zumindest nicht innerhalb Deutschland. Interessant ist vor allen Dingen, dass mit der Literalität eigentlich eine Hemmung aufgebaut werden sollte (es sei den meine Professorin irrt sich enorm :D), Bücher als Brennstoff (oder noch schlimmer für Instagramlikes) zu benutzen. Das tut man tatsächlich nämlich in Gegenden mit vielen Illiteraten. Vor diesem Hintergrund fast schon primitiv eigentlich…

    Liebst,
    Jule

    • Anabelle 18. Dezember 2016 / 23:43

      Liebe Jule,

      ich bin zwei Wochen lang ziemlich häufig darüber gestoßen, in den letzten Tagen aber zum Glück gar nicht mehr. 🙂
      Wie ich es jetzt aus Postings herausgelesen habe, wissen die Leute schon um die Symbolik, sehen sich/die Bilder aber nicht davon betroffen und finden es künstlerisch. Keine Ahnung. Hat es für mich jetzt auch nicht gerechtfertigt.
      Ich kann das mit der Hemmung nur unterschreiben, mir persönlich bedeuten Bücher einfach zu viel.

      Liebe Grüße
      Anabelle

  29. 18. Dezember 2016 / 20:54

    O Gott, davon habe ich echt noch gar nichts mitbekommen und mir fällt dazu auch nur ein Satz ein “Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen brennen.”. Unfassbar!

  30. 31. März 2017 / 12:46

    Hallo!

    Was für ein wichtiger Beitrag!! Ich bin heute Morgen erst über die Tweets auf diesen Trend aufmerksam geworden und dachte erst: das kann doch nicht sein, so was macht doch keiner. Aber doch, scheinbar schon. Und jetzt sitze ich hier, nachdem ich ein paar dieser Bilder gesehen habe – deren ästhetischen Wert ich ihnen nicht absprechen kann – aber ich sitze hier, kopfschüttelnd, mit Tränen in den Augen und mit vollkommenem Unverständnis dafür, wie man so etwas tun kann.
    Ich stimme dir in jedem Punkt zu. Bücher zu verbrennen, für Likes und Klicks, ist falsch. Und da schreit auch bei mir nicht nur das Bücherherz sondern auch der Teil von mir, dessen Lieblingsfarbe Geschichte war.
    Vielen Dank an dich für diesen tollen, wahrenund wichtigen Beitrag.

    • Anabelle 31. März 2017 / 14:24

      Liebe Maike,

      vielen, vielen Dank für deine Worte!
      Der Beitrag ist ja schon etwas älter und ich dachte zwischenzeitlich wirklich, der Trend hätte sich gelegt. Aber scheinbar ist gerade genau das Gegenteil der Fall. 🙁

      Liebe Grüße
      Anabelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.