Hausbesuche – Stephanie Quitterer

Hausbesuche Stephanie Quitterer

Auf einen Blick

Titel: Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte*
Autorin: Stephanie Quitterer
Verlag: Knaus Verlag
Erschienen: März 2016
Seiten: 240
Preis: 16,99€ (Taschenbuch)

Inhalt

Kennen Sie eigentlich Ihre Nachbarn?
Stephanie Quitterer backt Tag für Tag Kuchen und klingelt an fremden Wohnungstüren. Sie wettet, dass sie endlich ihre Nachbarn kennenlernt. Ein ansteckendes Experiment mit 200 Kuchen und eine charmante Geschichte über Fremdwohnungssehnsucht, Nachbarschaft und Freundschaft.

Du öffnest eine Tür und sie öffnet dir eine Welt 

Hausbesuche habe ich während meines Praktikums bei der Leipziger Buchmesse entdeckt und war fasziniert von der Autorin und ihrem Vorhaben, endlich einmal die Nachbarschaft kennenzulernen. Ich komme selbst aus einem kleinen Dorf und war damals so froh, endlich in die Großstadt und ihre Anonymität ziehen zu können. Ähnlich ging es auch der Autorin. Doch wenn man dann mal ein paar Jahre in der großen Stadt wohnt, fällt einem irgendwann auf, wie merkwürdig es ist, dass man keinen der Nachbarn mit Vornamen kennt. Man fragt sich, wie diese Menschen wohl ticken, wie ihre Wohnungen aussehen. Was für Geschichten sich hinter den Türen verbergen. Zumindest male ich mir so etwas immer aus und da ich selbst – zugegeben – viel zu feige bin, einfach an einer fremden Tür zu klingeln, ist das Buch die optimale Lösung, diese Neugierde zu befriedigen.

Wie viele Gesichter hat man, ohne es zu merken? Und welches von diesen Gesichtern ist das wahrste?

Stephanie Quitterer wagt es also und schreibt während ihres Projekts einen Blog, in dem sie ihre Erfahrungen für alle Welt offen legt. Das Buch erinnert stellenweise auch an einen Blogbeitrag – im positiven Sinne. Es liest sich leicht und die Autorin zaubert einem ständig ein Lächeln ins Gesicht. Neben ihren Berichten finden sich Rezepte der Kuchen, die sie für die Nachbarschaft gebacken hat – und selbst diese Rezepte haben ihren ganz eigenen Charme.

stephanie quitterer hausbesuche

(Nein, das auf dem Foto ist kein Brombeerkuchen. Ich weiß.)

Am Spannendsten fand ich es allerdings, mit der Autorin gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen. Während ich erwartet habe, verschiedene Geschichten zu den unterschiedlichsten Menschen zu entdecken, erfährt man darüber hinaus auch einiges über sich selbst. Über sich und die Vorurteile, die man bewusst und unbewusst gegenüber anderen Menschen hat. Meist erhaschen wir auf unsere Mitmenschen nur einen kurzen Blick und in wenigen Millisekunden haben wir ihn, oft ohne es zu wissen, schon kategorisiert und in Schubladen eingeordnet. Das ist normal und erleichtert uns in gewisser Weise den Alltag. Ich persönlich bin mir nicht sicher, ob man dieses Denken überhaupt völlig ausstellen kann, aber man kann daran arbeiten und sich bewusst machen, dass man Vorurteile hat.

Wenn ich will, dass andere von mir nichts denken, sollte ich vielleicht als Erstes anfangen, von ihnen nichts zu denken.

So wird auch die Autorin häufig überrascht beim Blick hinter die Fassade. Manche der Geschichten sind unglaublich lustig, andere hingegen treiben einem beim Lesen die Tränen in die Augen. Wieso vergessen wir im Alltag so oft, dass jeder Mensch von persönlichen Geschichten geformt wird? Mir persönlich hat das Buch genau das wieder in Erinnerung gerufen. Mir gezeigt, dass man, so tolerant man auch ist, irgendwo in seinem Kopf doch noch die Schubladen stehen hat, die heimlich weiterarbeiten.

Zu guter Letzt möchte ich dem Buch und der Autorin noch Danke sagen. Ich habe die Geschichte in einem Rutsch gelesen und konnte mich gar nicht mehr loslösen von den Worten. Von dem Wissen, dass da draußen so viele Menschen mit so vielen spannenden Geschichten stecken. An einem Tag, der von schlechten Nachrichten nur so erfüllt war. Nachrichten, die einen den Glauben an die Menschheit verlieren lassen. Das Buch gibt sie einem wieder. Menschen können wundervoll sein. Vielseitig. Liebenswürdig. Manche vielleicht erst auf den zweiten Blick, aber deswegen soll man ja genauer hinschauen.

Ich will üben, jeden Menschen erst kennenzulernen, bevor ich ihn einteile. Nicht umgekehrt. Und irgendwann, in weiter Ferne, wenn ich den Schwarzen Gürtel in “Menschen” hab, dann fang ich vielleicht sogar an, das Einteilen wegzulassen.

Fazit

Eine absolute Leseempfehlung. Mehr gibt es eigentlich nicht mehr zu sagen.

10 Comments

  1. 20. Juli 2016 / 22:24

    Klingt super!
    Muss es mir wohl mal zulegen, gespeichert war es glaube ich schon.

    • 20. Juli 2016 / 22:25

      PS. Ganz schön teuer, das kleine Büchlein

      • Anabelle 21. Juli 2016 / 9:03

        Ja, das stimmt leider. Deshalb hab ich’s mir auch selbst zum Geburtstag geschenkt, war vorher auch immer zu geizig … 😀

        • 21. Juli 2016 / 10:07

          Hehe, das ist natürlich praktisch

          • Anabelle 21. Juli 2016 / 11:16

            Danke, du Liebe. Ich dir auch! ♥

  2. 25. Juli 2016 / 8:46

    Klingt genial, das Buch! Ich denke, ich werde es mir demnächst auch mal kaufen – und vielleicht auch mal alle 200 Kuchen nachbacken 😀 (nur bei den Nachbarn klingeln, das traue ich mich wohl eher nicht^^” )

    • Anabelle 25. Juli 2016 / 9:54

      Ich werde die Tage auch mal das Schokobrot nachbacken, das klang sehr lecker. Aber mit dem Klingeln geht es mir genauso – dafür bin ich einfach zu feige. 😀

      Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen!

  3. 19. September 2016 / 22:26

    Wahhh, du hast dieses Buch gelesen? Vor einiger Zeit habe ich schon davon gehört und bin im Urlaub zufällig in einer Zeitschrift über einen Artikel über das Thema “Nachbarschaft” gestolpert, in dem die Autorin und ihr Buch auch vorgestellt wurden. Danach rückte das Buch wieder ganz nach oben (ich denke ja, dass das genau mein Geschmack ist) und jetzt seh ich diese Rezension bei dir. Ich muss es wohl unbedingt haben. Danke für deine tolle Besprechung. 🙂

    Liebe Grüße
    Petzi

    • Anabelle 20. September 2016 / 7:48

      Hey Petzi,

      ich glaube auch, dass es dir gefallen könnte! Ich hatte wirklich Spaß beim Lesen und mag unbedingt noch ein paar Rezepte nachbacken. 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

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