Die Jugend und ihre Hobbys – Die Zeitungen und ihre Angst vor dem Neuen

IMG_1812“Die Jugend und ihre Hobbys.”
So beginnt der Artikel von Oliver Jungen, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Kurz nach der LitBlog Convention, von der ich hier schon berichtet habe. Verlinken kann ich den Artikel leider nicht, da es ihn nur in der Print-Ausgabe gibt. Daher nur einzelne Ausschnitte, auf die ich näher eingehen möchte. Chronologisch, so wie sie mir entgegengesprungen sind.

Mit der Jugend sind natürlich wir gemeint. Und mit den Hobbys das Lesen und Bloggen. Denn was gibt es schon für sinnlosere Hobbys? Wenn man Herr Jungen Glauben schenken darf, sind wir sowieso keine vollwertigen Leser. Nein, wir sind die “geschminkten Leser”. Die kreischenden, naiven Mädchen, die keine Ahnung von wahrer Literatur haben. Wie auch. Lieber “rutschen [wir] mit Geschrei durch den Bestsellerschlamm” – und wehe dem, der einmal einen Goethe oder Bulgakow zur Hand nehme! Wenn man den Jungenschen Worten so lauscht, müssten die Manuskripte sich vor lauter Scham selbst entzünden. Gott sei Dank sind sie dazu laut Bulgakow ja gar nicht in der Lage. Woher ich das weiß, wo ich laut Verfasser des Textes beim Anblick eines Klassikers doch schreiend in die Arme eines halbnackten Spaniers laufen müsste? Nun, um darauf antworten zu können, muss ich leider mit ein paar Vorurteilen der FAZ aufräumen. Man könnte es auch als Rant bezeichnen. Aber Herr Jungen mag es nicht, dieses “Business-Deutsch.”

“Lukas”, schallte es einmal in Richtung des einen Mannes unter fünfzig Frauen (womit sich erklärt, was Lukas hier machte).

Natürlich. Denn was sollten Männer auch sonst im Kopf haben außer Frauen? Sollte es denn wirklich Männer geben, die der Bücher und des Bloggens wegen auf eine Veranstaltung über Bücher und Bloggen gehen? Unvorstellbar!
Bei solchen Aussagen frage ich mich, ob dem Verfasser das ein oder andere moderne Stück Literatur nicht gut bekäme. Denn alte, stereotype und vor allem sexistische Ansichtsweisen wie diese sollten meiner Meinung nach nicht weiter verbreitet werden.

Gearbeitet wurde eher wenig.

Stimmt. Wir wagten es tatsächlich, während der Convention neue Kontakte zu knüpfen, zu kommunizieren und Spaß zu haben. Eine Leidenschaft zu teilen, die mehr ist als bloße Arbeit. Gearbeitet wurde am Tag darauf, am Sonntag. Ich nehme mir an dieser Stelle einmal die Freiheit heraus, dem Verfasser des Artikels eine ähnliche Methode ans Herz zu legen. Präsent sein während der eigentlichen Veranstaltung und somit wahrnehmen, was wirklich geschieht. So können Fehler wie die völlig falsche Darstellung einer Veranstaltung und einer Gruppe vermieden werden. Durch das Kommunizieren mit uns Bloggern hätte man weiterhin das ein oder andere Vorurteil beseitigen können. Wenn man denn gewollt hätte. Herr Jungen, ich hätte mich sogar mit Ihnen über Thomas Bernhard unterhalten. Vielleicht ja beim nächsten Mal.

Hinzu kam [Vea Kaisers] Spleen mit der antiken Literatur. Der Raum leerte sich nach der Sitzung recht flott.

Diese Aussage erkläre ich mir durch die vorhergehende. Wer so hart arbeitet, hat natürlich wenig Zeit, sich über das Programm der Convention zu informieren. Hätte Herr Jungen bloß so viel Freizeit wie wir Blogger! Dann hätte er gemerkt, dass nach den Veranstaltungen leider keine Zeit mehr blieb, um im Raum herumzulungern, wenn man die nächste pünktlich erreichen wollte. Aber den Blick arbeitend und starr auf Stift oder Mauszeiger gerichtet, passt es besser in das vorurteilsbeladene Bild, einfach davon auszugehen, dass man uns mit “echter” Literatur ganz leicht in die Flucht schlagen kann.

Poppy J. Anderson […], die als Self-Publishing-Autorin in drei Jahren zwanzig E-Book-Romane verfasst hat, alles hemmungslos beliebte Schmachtfetzen.

Hierzu möchte ich gar nichts weiter sagen, außer dass der Autor seiner Arbeit weniger Aufmerksamkeit zu schenken scheint als wir unserer Leidenschaft, was mich in meinen anderen Vermutungen nur bestätigt. Denn ohne je etwas von der Autorin gelesen zu haben, habe ich doch gut genug aufgepasst, um zu verstehen, dass Anderson die Romane in der kurzen Zeitspanne zwar veröffentlicht, jedoch schon weit früher geschrieben hat. Vielleicht, weil das Schreiben von Büchern ihre Leidenschaft war und ist. Selbst wenn es nur das Schreiben von Schmachtfetzen ist.

Romane haben für diese Szene nichts mit Stil und also Literatur zu tun, sondern allein mit Handlung, die am besten auch nur minimal variiert wird.

Hier wollte ich erst mein gesamtes Wissen aus dem Studium auspacken und, im Namen des für die Massen dichtenden Shakespeares, auch diese Aussage auseinandernehmen, aber dann musste ich über die Pauschalisierung doch irgendwie lächeln (nicht zuletzt wegen des “und also”, für das meine Literatur(!)-Dozenten mir sicherlich mit der Exmatrikulation drohen würden).

Dieses Lächeln habe ich auch jetzt noch im Gesicht. Vielleicht, weil sich aus diesen Zeilen so leicht die Angst des Verfassers herauslesen lässt. Die Angst, die viele Zeitungen durch reißerische Überschriften und unreflektierte, teils beleidigende Artikel zum Ausdruck bringen, wie es schon zuletzt bei der ZEIT der Fall war: Angst vor Veränderung. Und wenn ich mir diesen Artikel so anschaue, ist die Sorge berechtigt.
Wir sind die Zukunft. Nicht etwa, weil wir besser sind, sondern weil wir keine Angst haben vor einer Veränderung, die so viele Chancen bereithält.

18 Comments

  1. Michael Schäfer
    7. Juni 2016 / 13:39

    Ein schöner Aufrege-Artikel, den ich auch gleich geteilt habe. Auch wenn die eine oder andere Wahrheit darin steckt, so geht diese doch im Grundton des Sarkasmus unter. Damit nimmt sich der Autor die Möglichkeit, ernst genommen zu werden. Aber das wollte er vermutlich gar nicht. Das Feuilleton schreibt von Bildungsbürger zu Bildungsbürger, damit diese etwas zum Kopfschütteln haben. Darauf ist dieser Artikel auch ausgelegt. Das merkt man schon an den ersten Sätzen und daran, dass englische Begriffe alle in Anführungszeichen gesetzt sind. Was soll sowas? Der Artikel liest sich ein wenig wie der Bericht eines Naturforschers, der zum ersten Mal einen afrikanischen Stamm besucht. Mit fröhlichen Frauen, die sich gegenseitig herzen, war er überfordert. Das sind ja auch archaische Rituale niederer Klassen. Man hätte das Ganze durchaus witzig und ironisch schreiben können, sodass trotzdem rüber kommt, worum es geht und was das Neue an Bloggern und solchen Conventions ist, und wie der Markt sich verändert. Nein, dazu hatte man nicht die Lust – oder Fähigkeit. Es wird von Autor über Buchtitel bis Verlag alles am Nasenring durch den Stall gezogen und vorgeführt. Das hätte nicht sein müssen. So zieht er auch seine Kritik ins lächerliche und das einzige, was haften bleibt, ist seine Herablassung.
    Das 4 Verlage noch Sponsoren brauchen wirft für mich auch Fragen auf. Wollte man hier alles möglichst ohne eigene Kosten? So wie die Werbebeiträge der Blogger? Viel bekommen, wenig für tun?Und das viele Titel im YA-Bereich flach und sexistisch sind, finde ich nicht falsch zu erwähnen. Denn das geht einigen Lesern auch so. Doch das kann man anders bedienen, ohne flach zu werden oder Autoren und Leser zu beleidigen. Eine echte Diskussion kommt so nicht auf. Ist auch nicht gewollt, denke ich. Man kann durchaus annehmen, das die ganze LitBlog dem Herrn unheimlich war und er nur seine Vorurteile bestätigen wollte – denn dann muss man weniger Angst haben.
    Und das Blogger inzwischen ernste Konkurrenz sein können, ist vielleicht sogar im Elfenbeinturm der FAZ angekommen. Das hier auch Verlage runtergeputzt werden, zeigt auch viel vom elitären Denken. EgmontLYX ist Schrott, KiWi ist gut. Klar, die produzieren Bücher, die im literarischen Quartett besprochen werden – von Autoren, die bei KiWi einen Vertrag haben. Hups. Aber praktisch, so was kann man gleich in die Zeitung übernehmen. Mit geht diese deutsche Unart, in U und E zu unterscheiden, echt auf den Keks. Ich war im April auf dem Treffen der Phantastik-Autoren in Köln, da gab es das Thema „Warum findet die Phantastik nicht im Feuilleton statt“, mit einer Vertreterin der FAZ. Die arme Frau hat einiges abbekommen, aber konnte auch nicht viel positives zu ihren Kollegen sagen. Man schreibt, worauf man Lust hat. Nicht, was die Massen interessiert. Wenn der Redakteur grade Marvelcomics mag, schreibt er darüber. Wenn er den neuen Walser toll findet, dann darüber. Was in der Buchwelt wirklich so passiert, weiß dort keiner, solange sich nicht jemand dafür interessiert. Man bleibt gerne in seiner Blase. Die NY Times hat inzwischen eine eigene Seite nur für Bücher eingerichtet, das wäre für die FAZ sicher undenkbar, dann müsste man sich ja mit schnöder Unterhaltung auseinander setzen. Nur – ca. 99% der Buchszene geht so an ihnen vorbei. Und das war auch unser Fazit bei PAN, wir brauchen das Feuilleton nicht wirklich, die Zielgruppe ist nicht unsere und der größte Teil des Buchmarktes und der Szene findet längst abseits der Printmedien statt. Das Feuilleton braucht schafft sich mit Ignoranz oder solchen Artikeln über kurz oder lang selber ab, was die meisten verschmerzen können, umgekehrt aber sicher mehr Schaden anrichtet. Man braucht auch Austausch und eine kritische Auseinandersetzung mit Kunst jeder Art, aber nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe.

    • Anabelle 9. Juni 2016 / 19:27

      Richtig gut geschrieben und danke für die interessanten Infos! Ich habe dem auch gar nichts hinzuzufügen. Wäre eine Diskussion zustande gekommen, hätte ich mich auch niemals beschwert. Gerade bei YA gibt es meiner Meinung nach wirklich viel zu diskutieren, aber allem einen Stempel aufzudrücken und es brav in eine Schublade zu schieben, ist leider einfacher.
      Ich bin mir aber nicht einmal sicher, ob wir Blogger wirklich Konkurrenz für das Feuilleton sind. Meiner Meinung nach bedienen wir völlig andere Zielgruppen, die vielleicht ein paar Schnittstellen haben, aber an sich doch verschieden sind (sei es vom Alter oder der Leseinteressen her). Deshalb verstehe ich den Artikel auch noch weniger.

      Danke auf jeden Fall für den Beitrag! 🙂

  2. 7. Juni 2016 / 14:59

    Wahnsinnig toller Beitrag! Dieser Artikel ist unglaublich beleidigend und es macht mich echt traurig, dass die Veränderungen in diesem Bereich so zerrissen werden. In anderen Bereichen hat man das Potenzial von Menschen, die mit Leidenschaft ihre Hobbys verfolgen und andere damit erreichen, schon erkannt und es nicht nötig, das kleinzureden.

    • Anabelle 9. Juni 2016 / 19:29

      In vielen Bereichen, ja. Aber gerade wenn es um kreative Berufe, Social Media und eben all das “Neue” geht, wird es immer ziemlich schnell kleingemacht, was ich schade finde. Ich frage mich, ob diese Leute wirklich davon ausgehen, dass wir, Youtuber usw. nur eine Phase sind und mit der Zeit wieder verschwinden. So kommt es mir zumindest vor.

      Liebe Grüße!

  3. Corly
    7. Juni 2016 / 15:32

    Huhu,

    ich fand das interessant zu lesen, habe aber keine Ahnung wieso sich dieser Schreiber eigentlich so aufregt? Wieso muss man lesen kleinreden? Das ist mir nicht ganz klar. Ich mein Lesen bildet doch auch. Und was ist für ihn eigentlich echte Literatur. Das ist mir nicht ganz klar geworden. Und wenn er diese ganze Autoren und Romane nicht mag, dann sollte er sich doch einfach nicht damit beschäftigen. Ich versteh immer nicht wieso Leute so krass und fies sein müssen.

    LG Corly

    • Anabelle 9. Juni 2016 / 19:31

      Ich auch nicht, aber ich gehe bei so was immer davon aus, dass es aus Unsicherheit geschieht. Anders kann ich es mir nicht erklären, da sonst keiner seinen Atem und seine Zeit auf so etwas verwenden würde. Ich denke aber auch, dass es weitaus schlimmere Dinge gibt, als in seiner Freizeit Romane zu lesen. Ob die jetzt bei Suhrkamp erscheinen oder bei LYX.

      Liebe Grüße
      Anabelle

      • Corly
        9. Juni 2016 / 21:25

        auf jeden Fall. Das sehe ich auch so. Und was ist denn bitte am Hobby lesen falsch. Das bildet sogar noch. Selbst bei nur Jugendbüchern, die ich übrigens sehr gut find. Das ist eben Geschmackssache und über andere Geschmäcker herziehen find ich sowieso irgendwie blöd. Vor allem so.

  4. 7. Juni 2016 / 20:35

    Ich kenne jetzt nur die Auszüge, die du genannt hast, aber ich habe selten etwas so pauschalisierendes und abwertendes gelesen. Gerade solche Veranstaltungen sind ja wohl dafür da, dass man sich mit dem Programm und den Menschen dort beschäftigt und Kontakte knüpft und nicht mit seinem Laptop dasitzt und direkt einen Artikel tippt. Dafür ist hinterher immer noch genug Zeit, wenn man es geschickt anstellt und sich Notizen macht. Er wirkt allerdings so nicht, als hätte er viel von der Veranstaltung mitgenommen.
    Wenn es sowas wie sinnvolle Hobbies gibt, dann würde ich das Lesen und Bloggen wohl sehr weit nach oben auf die Rangliste setzen. Klar gibt es eine Menge Blogs, die nur die momentan bekanntesten Jugendbücher lesen, aber es gibt weiß Gott wirklich genug, die auch anspruchsvollere Romane oder auch mal Sachbücher und Klassiker lesen. Und selbst wenn nicht, dann liegt es wohl definitiv nicht im Aufgabenbereich dieses Herren, das zu kritisieren. Wenn man etwas mag und darüber schreiben möchte, warum nicht? Selbst wenn man “unprofessionell” ist, was sollte einen abhalten? Solange es auch nur eine einzige Person gibt, die es liest, kann es gar nicht unnötig oder schlecht sein.
    Mich regt es wirklich auf, wie viele Literaturkritiker oder sonstige Journalisten sich mittlerweile durch die Bloggerszene bedroht fühlen. Dabei haben beide ja nun wirklich völlig andere Zielgruppen. Ich würde um ehrlich zu sein nie auf die Idee kommen, eine professionelle Literaturkritik zu lesen, weil ich mich auf Blogs einfach viel wohler fühle und da mehr auf die Meinung der Blogger vertraue, die ich vielleicht sogar persönlich kenne, als auf die eines mir völlig fremden Mannes, dessen Lesegeschmack ich überhaupt nicht einschätzen kann und der mit meinem vermutlich absolut null übereinstimmt. Genauso würden eben viele andere, die von sich auch behaupten, eher anspruchsvolle Literatur zu lesen, eher auf eine solche Literaturkritik als auf einen Jugendbuch-Blog vertrauen. Demnach sehe ich überhaupt nicht, wo das Problem ist, solange jeder jeden einfach machen lässt und sich nicht wie etwas besseres fühlt.
    Liebe Grüße!

    • Anabelle 9. Juni 2016 / 19:35

      Ganz genau das denke ich auch. Ich verstehe den Konkurrenzgedanken auch absolut nicht, da es ja so unterschiedliche Zielgruppen anspricht. Genau wie er wahrscheinlich auch nicht Zielgruppe dieser Veranstaltung war.
      Es muss ja auch keine Annäherung der beiden Bereiche geben, aber man könnte sich doch wenigstens akzeptieren oder meinetwegen auch ignorieren.

      Liebe Grüße!

  5. 8. Juni 2016 / 19:15

    Hallo meine Liebe,
    da hast Du einen schönen Beitrag auf den dämlichen, kleinkarierten Artikel verfasst! Auch der erste Kommentator, Michael Schäfer, trifft den Nagel auf den Kopf, klasse. Natürlich ist es schade, wenn eine respektable Zeitung wie die FAZ eine solche Convention und ihr Publikum so platt und dümmlich verreist. Es ist vorbei an der Zeit und ehrlicherweise kein journalistisches Niveau (das, was die Zeitung an sich selbst so anpreist) … aber ich versuche mich da gar nicht mehr aufzuregen. Es wird immer Leute geben, die sich dann besser fühlen und wichtiger vorkommen, die brauchen das (diese Spezies gibt es ja in allen Berufs- und Lebenslagen). Ich schüttel dann eher den Kopf und denke mir, was muss das für ein verbissener, unzufriedener, neidischer Mensch sein. Armes Ding. Wir dagegen haben Spaß an unserem Hobby und der Kommunikation mit anderen Buchbloggern … ist doch toll 😉 damit haben wir bei aller Jugend (naja, nimm mich mal raus *hahah) schon viel dem Herrn erfahrenen Journalisten im Leben voraus … SPASS und FREUDE statt NEID und MISSGUNST. Was anderes isses doch nicht.

    Liebste Grüße
    Kati

    • Anabelle 9. Juni 2016 / 19:38

      Da hast du recht. Im Nachhinein denke ich mir auch, dass ich einfach drüber hätte lächeln können und damit hätte es sich erledigt. Seine Meinung ändert im Endeffekt ja auch nichts. Bei den weiteren Artikeln, die mit Sicherheit noch folgen werden, werde ich einfach genau das tun und lächelnd die nächsten Bloggertreffen planen. Mit kreischendem Bestsellerschlammgerutsche inklusive! 🙂

      Liebste Grüße
      Anabelle

  6. 9. Juni 2016 / 8:35

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass Feuilletonisten solche Artikel schreiben, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Oder. um ihr Dasein irgendwie zu rechtfertigen. Das Problem ist ja nicht neu. Erinnert sich noch jemand an die ZDF-Aktion “Das große Lesen” von 2004, bei der die Zuschauer über die 100 beliebtesten Bücher abstimmen konnten, indem sie selber Vorschläge einreichten? Die allerbesten wurden am Ende in einer Sondersendung von Experten präsentiert. (http://www.dieterwunderlich.de/lesen_50.htm).
    Ich hab mir die Sendung damals angesehen. Wer außer Elke Heidenreich in dieser Expertenrunde saß, ist mir leider entfallen. Aber die Arroganz war schon gewaltig. Man versicherte sich gegenseitig, dass diese Auswahl natürlich nur auf mangelndem Wissen, Eskapismus und aktuellen Modetrends basieren könne. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ein Jugendbuch (Harry Potter und der Stein der Weisen) unter die ersten 10 kommen könne? Dass die Buddenbrooks hinter den Säulen der Erde gelandet waren? Aber der größte Aufreger war, dass der Herr der Ringe auf Platz eins landete. Warum ich das erwähne? Weil alle Experten sich darüber einig waren, dass ihnen ihre Zeit zu schade sei, sie an solche Machwerke zu verschwenden. Mit anderen Worten: Keiner hatte auch nur reingeguckt. Aber alle wussten genau, dass es Mist ist. Ich erlaube mir die Arroganz, diese Geisteshaltung arm zu finden.
    Gleichzeitig freue ich mich, offenbar innerlich deutlich jünger geblieben zu sein, als Herr Jungen, obwohl ich vermutlich sogar ein bisschen älter bin.

    • Anabelle 9. Juni 2016 / 19:42

      Hallo Vera,

      davon habe ich tatsächlich noch nicht gehört, aber 2004 habe ich auch noch Kinderbücher gelesen. Aber das zeigt ja schon, dass das wohl leider keine neue Erscheinung ist. Auf die Idee, dass die Artikel nur deshalb im Feuilleton erscheinen könnten, kam ich noch gar nicht.
      Danke für den Link! Die Liste finde ich aber eigentlich richtig schön, da moderne Literatur und Klassiker ja ziemlich bunt gemischt sind. Und da es in der Liste ja auch um das Lieblingsbuch ging, kann man sich ja kaum darüber echauffieren. Bei Lieblingsbüchern geht es ja individuell darum, was welches Buch in wem bewegt hat. 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  7. 9. Juni 2016 / 23:39

    Als ich den Artikel am Montag gelesen habe, wusste ich zunächst nicht ob ich lachen oder weinen soll. Dieses Mal konnte ich mich nicht zusammenreißen, und musste selbst etwas dazu schreiben. Diese Hetz-Artikel sind mittlerweile nur noch traurig und peinlich. Peinlich für das Feuilleton. So wie Vera schon schrieb, wirkt das Ganze zunehmend wie die verzweifelte Sehnsucht nach Aufmerksamkeit. Ich betrachte es selbst kritisch, dass in manchen Jugendbüchern sehr fragwürdige Bilder von Freundschaft und Liebe vermittelt werden. Aber wer macht denn darauf aufmerksam? Wir, die Blogger, denn das Feuilleton beschäftigt sich nicht mit Trivialliteratur. Harry Potter, Panem & Co. sind unter ihrer Würde. Umso schrecklicher sind diese Beleidigungen und Vorwürfe, wenn man bedenkt, dass uns – Blogger wie Literaturkritiker – die gleiche Leidenschaft teilt: Die Liebe zum geschriebenen Wort. All das wird unwichtig, wenn einige wenige nur sich selbst sehen und befürchten die Buchblogger würden ihnen etwas wegnehmen. Das ist lächerlich und zeugt nicht von Professionalität. Da hilft nur, den Kopf zu schütteln und sich wieder in seine Lektüre zu vertiefen, und die schöne Zeit mit unserer Community zu genießen. 🙂

    Liebe Grüße
    Cleo

    P.S.: Ist es nicht eine komische Ironie, dass wir auf diesen Artikel reagieren, obwohl wir in Jungens Blogger-Weltbild eigentlich das Feuilleton gar nicht lesen? 😉

  8. 10. Juni 2016 / 10:05

    Hallo Anabelle!
    Ich bekomme von solchen Beiträgen aus dem Feuilleton-Bereich ja immer nur mit, wenn Blogger darüber berichten. Damit gestehe ich: ja, ich lese kein Feuilleton.
    Ich muss zugeben, ich finde es interessant, wie die Feuilletonisten auf Buchblogger reagieren, damit hätte ich nicht gerechnet. Diese zwei Bereiche sind in meinen Augen einfach grundverschieden und kommen sich dadurch überhaupt nicht in die Quere. Zum einen steht es ja jedem frei, sich das passende Format zu suchen, zum anderen kann beides auch wunderbar nebeneinander bestehen. Deswegen glaube ich auch, dass wir beides brauchen, weil es eben verschiedene Menschen gibt, die unterschiedliche Ansprüche stellen.

    Woher diese Feindlichkeit gegenüber Bloggern kommt, kann ich mir leider nicht erklären. Ob das wirklich (nur) purer Neid ist? Ich weiß es nicht. Ich glaube, das sind zwei verschiedene Welten, die sich einfach erst einmal aneinander gewöhnen müssen. Gegen einen (konstruktiven) Austausch wäre ja auch nichts einzuwenden.
    Zudem hatte Literatur seit jeher einen recht elitären Stempel, der gerade im Land der Dichter und Denker irgendwie wohl nicht so leicht abzuwaschen ist.

    Die von dir zitierten Sätze aus Herrn Jungens Artikel klingen jedenfalls sehr drastisch. Mich hätte interessiert, ob es wirklich seine Meinung ist oder ob die Leitintention vorgegeben war. Gerne hätte ich einmal den ganzen Artikel gelesen. Schade, dass er online nicht verfügbar ist.

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