6 irische Klischees aus OMG, diese Aisling auf dem Prüfstand

Irische Klischees in OMG diese Aisling

Irische Klischees in OMG, diese Aisling – was ist dran?

Falls ihr das Interview mit Sarah Breen und Emer McLysaght, den Autorinnen von „OMG, diese Aisling“, gesehen habt, habt ihr bereits gehört, dass das Buch so manche irische Klischees beinhaltet. Ich habe mir diese beim Lesen markiert und generell so viele Stellen gefunden, die mich an meine Irlandzeit erinnert haben. Heute stelle sie auf den Prüfstand – und erzähle ein paar Hintergründe dazu, falls ihr euch im Buch über sie gewundert haben solltet.

Natürlich sind Klischees im Endeffekt genau das – Klischees. Aber wie Sarah und Emer im Interview ebenfalls sagten: Sie sind nicht völlig ohne Grund entstanden. Und deshalb geht es nun um Klischees vom schwarzen Tee bis hin zur Vorliebe für Bier. Viel Spaß!

Weetabix ist das einzig wahre Frühstück

„Ich hab heute Morgen nur ein Weetabix gefrühstückt.“ – S. 28

In Irland isst man kein Müsli und auch keine Cornflakes. Man isst Weetabix. Mein Vater hat sich im Hotel mal einen als Snack für unterwegs mitgenommen, weil er dachte, es sei ein Müsliriegel. Er hat beim Wandern reingebissen und es im hohen Bogen in die irische Landschaft gespuckt. Das sagt eigentlich schon alles, was ihr über Weetabix wissen müsst.

Ich habe die irische Obsession mit Weetabix bis heute nicht verstanden. Es ist ein in Müsliriegelform gepresstes Cornflakes-ähnliches Müsli, auf das man Milch gibt. Dann verwandelt es sich in eine Art Cornflakes-Pampe. Das schmeckt dann einem Großteil von Menschen. Und mehr habe ich zu diesem Thema nicht zu sagen.

Iren machen den Engländern beim Tee Konkurrenz

„Ich halte ihm meine Tasse zum Nachschenken hin – Barry’s Tea natürlich.“ – S. 21

In Irland glaubt man felsenfest daran, dass jedes Problem mit schwarzem Tee gelöst werden kann. Genauer gesagt mit Barry’s Tea. Das ist die einzig wahre Teemarke, also wagt es nicht, bei Tesco eine andere zu kaufen! Ihr outet euch nicht nur als Tourist, sondern geradewegs als Verräter! Richtig irisch seid ihr auch erst, wenn ihr euren Barry’s Tea dann mit einem Schluck Milch trinkt. Ich hab es anfangs nicht getan – und sehr pikierte Blicke geerntet. Irgendwann wollte ich dann mehr zu meiner Integration beitragen und bin ebenfalls auf Tee mit Milch umgeschwenkt.

Irisches Klischee Tee

Die Iren können gar kein Irisch

„… als ich im abgelegenen Donegal die Gaeltacht besucht habe, um mein Irisch zu verbessern …“ – S. 25

Keiner meiner irischen Freunde kann Irisch. Ich werde immer damit aufgezogen, dass mein Irisch mittlerweile besser sei als ihres. Irisch ist Pflicht in der Schule, wird danach jedoch vernachlässigt. Es ist Amtssprache und steht auf jedem Straßenschild – allerdings steht direkt darunter die englische Übersetzung. Ich bin großer Fan des Irischen und fand es anfangs sehr verstörend, dass es so wenig gesprochen wird. Im Laufe meiner Zeit in Irland wandelte sich das Bild etwas und mittlerweile finde ich verstörend, dass es so zwanghaft aufrechterhalten wird (dass ich diesen Satz als Linguistin mal schreiben würde).

Stellt es euch so vor: Ihr fahrt Bus in eurem Heimatland. Die erste Durchsage wird in einer Sprache gemacht, die ihr nicht wirklich versteht. Ihr seid im Krankenhaus und müsst den richtigen Saal finden. Die Durchsage der automatischen Stimme ist in einer Sprache, die ihr nicht versteht (ging mir und meinem Kumpel so – er ist Ire und konnte mir auch nicht weiterhelfen).

Natürlich steckt viel viel mehr dahinter. Es ist keine Faulheit oder Lustlosigkeit. Das Irische wurde von den Engländern systematisch zerstört und konnte sich bis heute nicht vollständig erholen. Allerdings gibt es Gebiete in Irland – Gaeltacht genannt –, in denen Irisch die reguläre Sprache ist und Englisch die Zweitsprache. Ich kann euch. Nur empfehlen, dort einmal hinzufahren. Die Bewohner freuen sich riesig, wenn ihr euch für ihre Sprache und Kultur interessiert und gälische Festivals und Pubs sind einfach ein Erlebnis. Aktuell schicken auch einige Eltern ihre Kinder wieder auf vollständig irische Schulen, was der Sprache einen kleinen Aufschwung gibt.

Heizung? Was ist das?

„Das Büro an sich ist nichts Besonderes, aber wir können die Heizung selbst regeln …“ – S. 27

Heizung, Warmwasser und ich. Eine irische Tragikomödie. In meinem ersten Wohnheim hatten wir sporadisch Warmwasser und die Heizung konnte man vergessen. Was im Januar großartig ist. Unnötig zu erwähnen, dass wir ständig krank waren.

In meiner dritten Wohnung ging die Heizung dann, jedoch fehlte hier genau das, was Aisling an ihrem Büro so schätzt: man konnte sie nicht selbst regeln. Soll heißen: Wenn einer meiner Mitbewohner sein Zimmer heizen wollte, liefen ALLE Heizungen. Ich habe zu der Zeit mit meinem besten Freund John zusammengewohnt, der eine einzige Frostbeule ist, weshalb ich bei gefühlt 30 Grad schlafen musste. Zusätzlich sind Streits über Heizkosten dadurch vorprogrammiert und man kann das Zimmer nur kühlen, indem man die Fenster aufreißt.

In meiner zweiten und Wohnung wäre es ähnlich gewesen, hätten wir nicht gerade Sommer gehabt, und in meiner vierten Wohnung hatte ich dann endlich eine eigene Heizung. Woohoo! Dafür ging da der Feueralarm mindestens einmal in der Woche nachts los. Grundlos. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Iren lieben Alkohol (und hassen Körperkontakt)

„Sie haben in Knock bestimmt schon ein paar gekippt. Die Art, wie John mich an der Schulter fasst, verrät das. Ohne vier Pints intus würde er sich niemals vor allen anderen so verhalten.“ – S. 49

„Körperliche Zuwendung ist Leuten vom Land unangenehm.“ – S.119

Dieses Klischee kann ich direkt bewahrheiten, denn irische Kultur ist Pubkultur. Ob das jetzt so gesund ist, sei mal dahingestellt. Ich hab es anfangs absolut geliebt (Erasmus-Phase und so), mit der Zeit aber auch die Schattenseiten erlebt, da selbst Menschen in meinem Alter eine enorme Abhängigkeit entwickelt haben, die letzten Endes Karrieren und Leben zerstören kann. Oder mich, wenn mir morgens beim Frühstück nach einer feuchtfröhlichen Nacht allen Ernstes Whiskey und ein Guinness neben mein Toast gestellt werden.

Aber um auf Aislings Textstelle zurückzukommen: Irische Männer haben’s nicht so damit, Gefühle zu zeigen – außer sie sind betrunken. Es mag für uns albern klingen, aber selbst so etwas wie Umarmungen oder Berührungen an der Schulter, wie von Aisling erwähnt, gibt es nüchtern nicht. Als ich mich nach meinem Erasmus, das immerhin ein halbes Jahr andauerte, von meinen männlichen Freunden verabschiedet habe, gab es keine Umarmungen. Es hat mich damals mega irritiert – und erst, als ich es angesprochen habe, haben wir dieses ganze Thema aufgedröselt. Wir Deutschen sind den Iren oft zu „touchy“ – WIR. Wier es meinen amerikanischen Freunden erging, brauche ich, glaube ich, nicht zu erwähnen.

Klischee Iren Guinness Alkohol

Ohne Guinness (oder bei uns im Süden: Murphy’s) geht in Irland nichts.

In meiner zweiten Irlandphase haben meine Freunde sich dann ein Herz gefasst und mittlerweile umarmen sie mich sogar manchmal – sehr awkward, kurz und mit so wenig Körperkontakt, wie möglich, aber sie tun es.

Generell gilt, besonders auf dem Land, noch die „Man up“-Attitude. Sich also wie ein „echter Mann“ zu benehmen. Ich hatte sehr viele Diskussionen darüber und über toxische Maskulinität, aber manche Gender-Klischees zerbrechen eben sehr langsam. Und eine meiner Theorien ist, dass Alkohol ja vielleicht auch deshalb so beliebt ist – plötzlich sind Gefühle wieder cool.

Irische Männer können keinen Haushalt

„Cilian, der noch immer jedes Wochenende nach Hause fährt und Tante Sheila seine Wäsche bringt.“ – S.56

Ich weiß bis heute nicht, wie viel davon Ausrede ist und wie viel tatsächliches Unwissen, aber es ist zumindest so, dass die meisten irischen Männer am Wochenende zu Mammy fahren und dort ihre Wäsche waschen lassen. Auch mein 42-jähriger Mitbewohner tat genau das (allerdings nur jedes zweite Wochenende). Während meine Mutter mir einen Vogel zeigen würde, rufen die Mütter hier aber sogar regelmäßig an, um zu fragen, wo die Wäsche bleibt. Aisling benimmt sich in vielen Situationen im Buch wie die „Mutti“, aber genauso ist es in vielen Beziehungen tatsächlich. Allerdings – und auch das haben Emer und Sarah im Interview bestätigt – wandeln sich diese Rollen bei einigen langsam.

Dies waren sechs der irischen Klischees, die mir in OMG, diese Aisling aufgefallen sind. Was für welche kennt ihr noch? Rote Haare, Rugby-Liebe?

Ich weiß nicht, wer von euch das Buch schon gelesen habt, aber die Autorinnen haben natürlich nicht nur Klischees in ihr Buch gepackt, sondern auch genauso mit einigen getroffen und gezeigt, dass Irland sehr vielfältig und diverse ist. Falls ihr euch für diese Seite des Buchs interessiert, verweise ich noch einmal auf das Interview. Alternativ kommt ihr hier direkt zum Buch*.

Ich danke euch fürs Lesen und freue mich auf eure Klischees in den Kommentaren!

Alles Liebe

Anabelle

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1 Kommentar

  1. Avatar 16. September 2019 / 20:28

    Hallo Anabelle,

    echt cooler Beitrag! Das Buch selbst sagt mir zwar nicht so ganz zu, aber die erwähnten Klischees finde ich dann wiederum sehr interessant!
    Ich war leider noch nie in Irland, will das aber in den nächsten Jahren ändern!
    Jedenfalls hast du mir Lust auf dieses Land gemacht!
    Weetabix…alleine der Name, aber nach deiner Beschreibung ist es wohl nichts, was ich unbedingt probieren muss.

    Alles Liebe,
    Tina
    von Tianas Bücherfeder

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