Eine irische Familiengeschichte | Graham Norton

Eine irische Familiengeschichte | Graham Norton

Eine irische Familiengeschichte

Autor: Graham Norton
Originaltitel: A Keeper
Verlag: Kindler
Übersetzung: Silke Jellinghaus
Erschienen am: 26. März 2019
Seiten: 352
Preis: 22,00 € (HC)

Zum Inhalt

Elizabeth Keane kehrt zum ersten Mal seit Jahren in die irische Heimat zurück. Ihre Mutter ist gestorben, Elizabeth muss den Haushalt auflösen. Auch ihre Mutter Patricia hatte als junge Frau den Ausbruch gesucht, mit einem Verlobten, den keiner je zu Gesicht bekam. Monate später war sie zurückgekehrt. Ohne Mann, und mit einem Säugling im Arm.
Wer ihr Vater war, hat Elizabeth nie erfahren. Doch dann findet sie unter den Hinterlassenschaften ihrer Mutter ein Bündel Liebesbriefe …
Elizabeth macht sich auf die Suche. Ihr Weg führt zu einer windumtosten Farm am Fuße einer Burgruine über der rauen Keltischen See…
Quelle

Düsterer und spannender, als erwartet

Wie ihr euch sicher denken könnt, griff ich zu Eine irische Familiengeschichte in erster Linie wegen des Settings. Es spielt nicht bloß in Irland, sondern sogar in Cork – nicht wenig verwunderlich, da Autor Graham Norton im County Cork aufwuchs und am University College Cork studierte. Da ich an ebendiesem College gerade meine Masterarbeit schrieb, musste ich das Buch natürlich lesen. Den Autor kannte ich bis dahin nur durch die Graham Norton Show, durch die er mir jedoch bereits sympathisch war, da ich seinen Humor liebe. Durch den Klappentext und dieses Vorwissen vermutete ich eine lustig-romantische Familiengeschichte. Viel weiter hätte ich wohl nicht fehlen können.

Erst einmal muss ich Graham Nortons Schreibstil hervorheben. Er kann schreiben. Man ist wahnsinnig schnell in der Geschichte drin, der Schreibstil ist leicht und dennoch schön, detailreich genug, um sich alles bildlich vorstellen zu können, und doch so klar, dass er sich nicht an Nichtigkeiten aufhält. Landschaftsbeschreibungen der irischen Küste, die das Land romantisch verklären, gibt es keine. Vielmehr hat man das Gefühl, das Salz beinahe schmecken und den Wind fühlen zu können.

Generell ist an Eine irische Familiengeschichte nichts romantisch verklärt. Der Autor beschreibt Irland genau so, wie ich es nach über einem Jahr auch wahrgenommen habe: nicht mit der rosaroten Brille eines Besuchers, sondern inklusive all der negativen Seiten, mit denen man sich als dort Lebender täglich rumschlagen muss – wie zum Beispiel den kalten Duschen. Das machte mir das Buch direkt sympathisch.
Auch das Setting ist absolut realistisch. Zwar handelt es sich bei dem Buncarragh, das in der Nähe von Kilkenny verortet ist, um ein fiktives Dörfchen, jedoch sind die Szenen in der Stadt Cork selbst absolut detailgetreu. Das hat das Buch für mich viel persönlicher gemacht, da die Figuren so den Zug zur Kent Station nehmen, an der sich meine erste Wohnung befand, oder ins Mercy Krankenhaus fahren (an das ich weniger schöne Erinnerungen habe, aber das ist eine andere Geschichte).

Eine irische Familiengeschichte Graham Norton

Erinnerungen verschwinden nicht einfach, sie verstecken sich nur. – S. 332

Aber kommen wir zur Geschichte selbst. Wer sich Romantik und humorvolle Leichtigkeit erhofft, sollte zu einem anderen Buch greifen – würde damit jedoch eine wirklich gut ausgearbeitete Lektüre verpassen. Elizabeth geht den Geheimnissen ihrer verstorbenen Mutter auf die Spur, als sie einen Bündel Liebesbriefe findet. Geschrieben von ihrem Vater, den sie nie kennenlernte und den es laut ihrer Mutter gar nicht gab. Je weiter sie die Geheimnisse um ihre Herkunft aufdeckt, desto düsterer und verstrickter wird das Ganze. Elizabeths Geschichte wird immer wieder durch Szenen aus dem Leben ihrer Mutter durchbrochen, die Hinweise auf das tatsächlich Geschehene liefern. Das Ganze ist so spannend inszeniert, dass ich gar nicht aufhören konnte, zu lesen.

Graham Norton hat sich für jede seiner Figuren eine glaubhafte Geschichte ausgedacht. Sie wirken echt, nicht zuletzt, weil sie so fehlerbehaftet sind. Ich weiß bis heute nicht, ob mir Elizabeth sympathisch ist und hätte an vielen Stellen anders gehandelt, als es die Charaktere taten – genau das macht die Handlung jedoch so interessant. Die Mysterie um Elizabeths Familie und schlussendlich die gesamte Geschichte konnten sich nur so entwickeln, da die Charaktere handelten, wie sie es taten – mit all ihren Unsicherheiten, Macken und falschen Hoffnungen.

Fazit

Eine irische Familiengeschichte konnte mich in jeder Hinsicht begeistern. Es ist dramatisch, düster, durchweg spannend und überzeugt zusätzlich durch ein realistisch umgesetztes Setting.


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2 Kommentare

  1. 27. April 2019 / 10:51

    Liebe Anabelle,
    ich bin auch ein großer Fan von Graham Norton. Seine Talkshow sehe ich mir immer unglaublich gern an, da ich jedes Mal Tränen lachen kann. „Eine irische Familiengeschichte“ steht daher schon länger auf meiner Wunschliste, aber ich hatte es bisher nie gekauft. Deine Rezension hat mir aber wirklich Lust auf das Lesen gemacht und ich denke, das Buch werde ich mir für den Sommer bestellen. 🙂
    Achja, und Herzlich Willkommen zurück in Deutschland!
    Liebe Grüße
    Marie

    • Anabelle
      Anabelle
      Autor
      27. April 2019 / 13:45

      Hallo Marie,

      so geht es mir bei seiner Show auch, er hat einen großartigen Humor.
      Ich hoffe, dich kann das Buch genauso fesseln wie mich.

      Liebe Grüße
      Anabelle

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