Ein Jahr Irland: Erinnerungen bewahren

Irland Erinnerungen

Fotoalben – Habt ihr sie auch daheim, etwas angestaubt, im Wohnzimmer der Eltern stehen? Zu besonderen Anlässen werden sie dann hervorgegraben, sei es Weihnachten mit der Familie oder der Besuch des neuen Freundes, bei dem man die Tochter ganz hervorragend mit alten Bildern blamieren kann (Danke, Mama).

Mit dem Vormarsch der Digitalkameras wurden dann irgendwann keine Bilder mehr ergänzt und die Fotos liegen zuhauf auf den Speicherkarten, anstatt entwickelt zu werden. Alleine auf meinem iPhone haben sich schon wieder 11.000 Bilder angesammelt. Dies soll jedoch kein nostalgischer Beitrag über die guten alten Zeiten der Filmrollen werden – ich bin im Gegenteil ziemlich dankbar für die Entwicklung.
Schade ist es trotzdem, dass die meisten Schnappschüsse im digitalen Datenchaos untergehen. Für Irland wollte ich schon länger online ein Fotoalbum erstellen, habe mich jetzt jedoch für etwas anderes, für mich Persönlicheres entschieden. Und ich bin ein bisschen nervös, das hier zu teilen.

Nach einem Jahr habe ich endlich eine feste Bleibe gefunden und beim hundertsten Umziehen und Umpacken etliche Quittungen, Tickets und ähnliches in meinen Taschen entdeckt, die mich an Ausflüge erinnerten und die ich daher nicht wegwerfen wollte. Also dachte ich mir, gestalte ich mit ihnen, einigen Fotos der schönsten Momente sowie ein paar persönlichen Gedanken einen kleinen Rückblick. Das alles will ich in einem kleinen Buch festhalten und fortlaufend erweitern. Und da ihr bisher Teil meiner Irlanderfahrung wart, dachte ich, zeige ich euch ein paar Ausschnitte. Statt eines Fotoalbums halte ich die Erinnerungen in einem Notizbuch fest – dieses habe ich von Otto Office kostenlos für den Beitrag erhalten.

Januar – Assoziationen

You have stolen my young heart on the banks of the Lee

Im Januar kam ich in Cork an und bis heute erinnere ich mich an den ersten Geruch, den ich wahrgenommen habe: Ich stieg direkt am Hafen von Cork aus dem Bus und wunderte mich, dass es irgendwie nach Trockenfutter roch. Für genau ein Jahr dachte ich, das sei der Hafengeruch und habe mit dem Geruch von Hunde-Trockenfutter stets Cork assoziiert. Im Januar diesen Jahres mietete ich ein Auto und musste dort in der Nähe in eine kleine Seitenstraße. Wie sich herausstellte, war dort ein kleiner Laden, indem tatsächlich Tierfutter gelagert wurde. Meinen Facepalm konnte man vermutlich bis nach Galway hören, aber die Assoziation bleibt und bringt mich immer noch zum Lächeln.

Abgesehen von diesem kleinen Fun Fact war mein Januar ziemlich turbulent, aber gleichzeitig auch so viel ruhiger, als ich dachte. Ich habe so schnell so großartigen Anschluss gefunden, dass in meinem Herz so gar kein Platz für Angst oder Sorgen war.

Most people wonder if they were better off if some of the bad things in their life never happened.
I wonder if I were better off if some of the good things in my life never happened.
How will I ever be content again now that I know there’s better, there’s more?

Foto Cork UCC

Februar – Wanderlust

Can traveling create horcruxes?

Im Februar ist unfassbar viel passiert. Das für mich wichtigste Erlebnis war dabei definitiv die Londonreise. London war schon immer meine Stadt und ich verbinde so viele positive Erinnerungen damit. Und seit Dezember 2017 leider auch negative, da mein damaliger Freund nach sieben Jahren Beziehung mitten in London mit mir Schluss machte. Um genauer zu sein quasi während Cursed Child – gibt Besseres. Im Februar 2018 bin ich das erste Mal ohne ihn dorthin gereist – und habe neue wundervolle Erinnerungen geschaffen. Man wächst an allem, besonders aber an den negativen Erfahrungen, die man meistert und aus denen man noch stärker hervorgeht.

You shouldn’t miss a place more than a person
Yet I do
What does that make me?London Wochenendtrip

März – Selbstliebe

I spread love like a child playing with watercolours for the first time

Ich bin viel alleine gereist und habe generell sehr sehr viel Zeit mit mir selbst verbracht. Früher habe ich es gehasst, alleine in der Mensa zu essen und mittlerweile plane ich ständig Ausflüge alleine. Und genieße sie so sehr. Das ist etwas, das mich rückblickend wirklich stolz macht. Ich habe noch nie zuvor so eine Zufriedenheit und Ausgeglichenheit gespürt. Ich habe gelernt, dass ich gerne Zeit mit mir verbringe. Dass ich mich mag. Ein Vorteil daran, alleine ins Ausland zu gehen, ist definitiv, dass man niemanden kennt und einen im Umkehrschluss auch niemand kennt. Man startet bei 0. Man startet bei sich. Ich habe Freundschaften geschlossen, die bis heute halten und drei Menschen kennengelernt, die ich als beste Freunde bezeichne und die mich so nehmen, wie ich bin – weil ich genau das eben auch tun musste. Es gab kein Verstellen. Und rückblickend wirkt es auf uns alle ziemlich magisch. Dabei sollte genau das eigentlich normal sein.

When I planted the seed of self love
my heart grew wings
from the soft words I spoke to myselfSelbstliebe lernen

Wie haltet ihr Erinnerungen fest? Macht ihr Fotoalben oder schreibt ihr Tagebuch? Habt ihr Story-Highlights auf Instagram oder eine Pinnwand in eurem Zimmer, an der ihr Tickets sammelt? Was sind eure liebsten Erinnerungen, die sich dort wiederfinden?

14 Kommentare

  1. Avatar 13. März 2019 / 20:34

    Huhu 🙂
    was für eine wunderschöne Idee & was für ein wunderschöner Beitrag. Er hat mir gerade defintiv ein Lächeln entlockt. Wie jedes Mal, wenn du von Irland berichtest und trotz der negativen Dinge immer so glücklich dabei wirkst. Das strahlt irgendwie hier rüber 😀
    Ich nutze für Erinnerungen größtenteils mein Bullet Journal. Da habe ich jeden Monat eine Seite für Erinnerungen und benutze es auch als Tagebuch, wo ich jeden Tag die wichtigsten Geschehnisse aufschreibe.
    Alles Liebe 🙂
    Katja

    Vielleicht sehen wir uns ja auf der Messe? 🙂

    • Anabelle 14. März 2019 / 10:05

      Hallo, du Liebe,

      das würde mich total freuen! Ich hätte sonst auch Montag noch Zeit, falls du Lust auf einen Kaffee hast?
      Sonst aber echt gerne auf der Messe. Gerade Sonntag ist bei mir noch ganz viel Luft. 🙂
      Ich will auch endlich mal ein Bullet Journal anfangen. Gucke ständig YouTube-Videos dazu, weil ich es total beruhigend finde, anderen beim Zeichnen und Gestalten von ihrem zuzusehen. 😀

      Liebe Grüße
      Anabelle

      • Avatar 14. März 2019 / 13:29

        Kaffee klingt ganz wunderbar 🙂
        ich schreib dir nochmal ♥

  2. Avatar
    Mewa
    13. März 2019 / 23:20

    “Can traveling create horcruxes?”

    Sag mal, sind die kleinen Texte unter den Monatstiteln und über den Bildern hier von dir? Denn sie sind so schön

    “I spread love like a child playing with watercolours for the first time”
    Awww!

    Generell ein so süßer Beitrag, ich muss kurz meine Schwester hauen gehen, um the Sweetness auszugleichen die ich in mir fühle, excuse me pls.
    … No, seriously tho, what a beautiful, beautiful post! ❤️ I’m cheering you on for spending time alone and going to unknown places on your own because SELFCARE IS THE KEY, YOU GO GIRL ❤️❤️❤️ Ich wünsche dir noch viele weitere so schöne Erinnerungen, mit denen du das Buch hier füllen kannst 🙂

    GLG
    Mewa

    • Anabelle 14. März 2019 / 10:07

      Hey du,

      ja, das sind einzelne Verse aus Gedichten, bei denen ich mich nienieniemals trauen würde, sie im Ganzen zu posten. 😀
      Ich hoffe, du hast deine Schwester nicht wirklich verhauen.
      Vielen, vielen Dank meine Liebe!
      Ich hoffe, dir geht’s gut und du hast einen schönen Tag. 🙂

      Anabelle

      • Avatar
        Mewa
        15. März 2019 / 22:55

        Ich glaube, da enthälst du uns was mega Schönes vor, aber vielleicht kriegen wir irgendwann doch die ganzen tollen Texte zu lesen – sag niemals nie! 😀 Und wenn nicht die hier, dann warte ich geduldig auf was auch immer du Wundervolles als nächstes mit uns teilst – auch auf den nächsten Blogeintrag! :3
        Danke dir ❤️
        GLG Mewa

        • Anabelle 16. März 2019 / 11:38

          Du bist immer so supportive, danke! <3
          Vielleicht überarbeite ich irgendwann mal alles und gebe es dir zum Probelesen. Wenn's dir dann nicht zu banal ist – mal sehen. 🙂

          Liebste Grüße
          Anabelle

          • Avatar
            Mewa
            16. März 2019 / 15:32

            Das kannst du dann sehr, sehr gern so machen, es würde mich mega freuen! ❤️

  3. Avatar
    Tine Nell
    14. März 2019 / 10:25

    Wow! Wunderschöne Bilder und toll geschrieben. Da kannst du wirklich stolz auf dich sein. Wie schön, dass du dich so gut eingelebt hast, tolle Freunde gefunden und zu dir selbst gefunden hast. Das ist so wertvoll! ♥️
    Dein Blog ist wunderschön!
    Ganz liebe Grüße, Tine

    • Anabelle 16. März 2019 / 11:39

      Liebe Tine,

      vielen Dank! Das freut mich sehr. 🙂

      Liebste Grüße aus Irland
      Anabelle

  4. Avatar
    Rebekka
    15. März 2019 / 17:38

    Ich mache genau sowas schon seit Jahren. Inzwischen habe ich 3 große Fotoalben, wo ich auch diese polaroid-ähnlichen Fotos reinklebe. Anfangs waren es nur die Polaroids, inzwischen sind auch Konzertkarten, Flugtickets, Eintrittskarten, Kinokarten etc. pp. drin. Es ist ein riesiges Scrapbook geworden. Seit einem Jahr habe ich nichts mehr entwickelt, aber ich bin fest entschlossen, wieder eine riesige Ladung Fotos zu holen, sobald ich Lust habe ♥ Und fun fact: bei mir ist auch gaaaaanz viel Irland und England drin!

    • Anabelle 16. März 2019 / 11:40

      Hey Rebekka,

      das klingt so toll! Ich hoffe, ich kann es auch beibehalten. Was waren denn deine liebsten Orte in Irland und England? 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  5. Avatar 26. März 2019 / 9:15

    Liebe Anabelle,

    bei den Blogger sessions auf der Leipziger Buchmesse fand ich dich und deine Antworten ziemlich sympathisch, deshalb bin ich noch im Messeblues direkt neugierig auf deinen Blog. Die Kommentarfunktion finde ich persönlich übrigens immer noch unkomplizierter als erst auf einen Social Media Kanal wie Instagram zu wechseln, schon alleine aus dem Grund, weil die Box direkt darunter ist. Mir war es ehrlich gesagt gar nicht bewusst, wie wichtig die Kommunikation über die sozialen Netzwerke mittlerweile geworden ist, das hat mich eure kleine Diskussionsrunde auf der LBM definitiv gelehrt. 🙂

    Nun aber zu deinem wundervollen Beitrag: Irland an sich finde ich ja schon unglaublich toll, aber deine Umsetzung in einem Reisejournal finde ich unglaublich schön, vor allem die Kombination aus polaroidinspirierten Bildern und Poesie. Ich kann mir gut vorstellen, dass du deine Zeit in Irland während des Gestaltungsprozesses nochmal eindrucksvoll Revuepassieren lässt und auch Jahre später beim Anschauen daran zurückdenkst. 😀

    Herzliche Grüße,
    Kathi

    • Anabelle 27. März 2019 / 13:57

      Liebe Kathi,

      wie lieb von dir, das freut mich sehr. Danke für das Feedback. 🙂
      Ich persönlich tausche mich auch weiterhin gerne hier aus, einfach, weil man mehr schreiben kann und die Kommentare oft mehr in die Tiefe gehen.
      Das hoffe ich zumindest. Jetzt muss ich es nur noch weiter durchziehen. 😀

      Ich hoffe, du hattest eine tolle Messe!

      Liebe Grüße
      Anabelle

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