10 Dinge, die ich beim Schreiben meiner ersten Trilogie gelernt habe

Away Anabelle Stehl

Heute wird Breakaway ein Jahr alt. Ich bin riesiger Fan von Jubiläen und schaue beinahe täglich in meine Instagram-Rückblicke rein, weil ich so etwas einfach liebe. Also dachte ich mir, zur Feier des Tages schaue ich auf das letzte Jahr zurück und reflektiere mal, was sich seitdem bei mir getan hat.

1. Harte Arbeit und Durchhaltevermögen zahlen sich aus.

Ich glaube nicht wirklich an Talent, zumindest nicht an Talent im klassischen Sinne. Ich glaube, Menschen, die “Talent” zum Schreiben haben, sind meist jene, denen als Kind Geschichten vorgelesen wurden und die so früh mit Sprache und Literatur in Kontakt kamen. Sicherlich hilft das beispielsweise beim Schreiben, so wie ein gutes Lungenvolumen beim Singen hilft. Was jedoch viel wichtiger ist, als das, was wir Talent nennen, sind Disziplin und Durchhaltevermögen.

Du könntest von allen Menschen auf der Welt das größte Talent zum Schreiben haben – wenn du dich nicht hinsetzt, kontinuierlich, dich deinen Ängsten und dem inneren Schweinehund stellst und schreibst, wenn du nicht gegen Widrigkeiten und Absagen und negative Kritiken anschreibst, dann wird es niemals jemand erfahren, weil dein Buch nicht veröffentlich werden wird.

Ich kling gerade ein bisschen wie diese seltsamen Ratgeber, die man sich online als PDF downloaden kann, aber es stimmt wirklich.

2. Nichts wird jemals fehlerfrei sein.

Habt ihr schon mal eine Hausarbeit, Masterarbeit oder ähnliches geschrieben? Ich hielt meine fertig gebundene Masterarbeit vor zwei Jahren stolz in der Hand, schlug sie auf – und fand direkt einen Fehler. Trotz mehrmaligem Korrekturlesen, trotz weiteren Augenpaaren, die den Text geprüft haben.

Genauso ist es auch bei Büchern. Ich hatte in Breakaway einige Fehler drin. Einen falschen Personennamen, ein doppeltes Wort und leider auch einen inhaltlichen bzw. zeitlichen Fehler, der durch das Umstellen einer Szene erfolgte. Ärgerlich. So richig. Es kamen zahlreiche Rückmeldungen zu den Fehlern, für die ich auch super dankbar bin. Schreibt mir (oder dem Verlag) so was immer, dann kann es in folgenden Auflagen verbessert werden.

“Leider” kam Breakaway noch vor Release in die zweite Auflage. Eigentlich ein Grund zum Feiern, richtig? In meinem Perfektionismus konnte ich das aber nicht richtig, da es auch bedeutete, dass da draußen Tausende Bücher mit Schreibfehlern waren. Etwas, was wie gesagt normal ist. Etwas, was mich bei Büchern auch nicht stört. Etwas, was meine Leser:innen nicht störte. Und dennoch hab ich mich richtig fertig gemacht, mich ewig lang nicht mal getraut, mein Buch zu empfehlen.

Mittlerweile bin ich glücklicherweise davon ab. Ich lese meine Druckfahnen noch aufmerksamer und tue weiterhin mein Bestes, habe aber auch akzeptiert, dass mir, den Testleser:innen, Lektori:innen und dem Korrektorat zwangsläufig auch Dinge entgehen. Ähnlich wie bei der Masterarbeit – und da hat es der Note auch keinen Abbruch getan.

3. Kunst ist immer subjektiv.

Wie oft ich diesen Satz von schreibenden Freundinnen gehört habe und wie lang es dennoch dauerte, bis ich ihn verinnerlicht hatte. Ich bin ganz gut in Selbstgeißelung, soll heißen, als die ersten Rezensionen zu Breakaway kamen, hab ich sie wider besseres Wissen natürlich gelesen. Aber nein, nicht alle, wo denkt ihr hin! Natürlich nur die 1- und die 2-Sterne-Bewertungen. Und die waren teilweise wirklich übel. Und ich hab ihnen geglaubt. Ich hab die Worte aufgesogen und war der felsenfesten Überzeugung, dass jedes einzelne von ihnen Gesetz ist. Entgegen dem, was mir begeisterte Leser:innen mitteilten, ungeachtet der Einschätzungen meiner Lektorinnen. Es fiel mir zeitweise wirklich schwer, mein eigenes Buch zu mögen, dabei war ich vor der Veröffentlichung so stolz darauf gewesen.

Ich sag das nicht, um zu jammern oder um irgendwelche Komplimente zu bekommen. Ich weiß mittlerweile, dass ich das mir zu der Zeit und unter den Umständen bestmögliche Buch geschrieben habe. Ich würde heute vieles anders machen. Würde ich deshalb etwas an Breakaway ändern wollen? Trotzdem nein. Natürlich schreibt man Bücher für die Welt da draußen, ich glaube aber trotzdem, dass es unfassbar wichtig ist, das Buch zu schreiben, mit dem man selbst am glücklichsten ist (Sensitivity Reading etc. mal außen vor gelassen).

Denn was mit den Büchern und zunehmenden Rezensionen aufgefallen ist: die Dinge, die in manchen Rezensionen kritisiert wurden, waren exakt die, die in anderen lobend hervorgehoben wurden. Hätte ich sie also geändert, hätte ich vielleicht Leser:innen glücklich gemacht, vermutlich aber genauso viele unglücklicher. Es ist nicht möglich, dieses eine magische Buch zu schreiben, dass alle gleichermaßen begeistert. Dafür sind wir zu unterschiedlich, unsere Interessen und Vorlieben zu vielfältig – was letzten Endes großartig ist, denn sonst wäre der Buchmarkt sehr viel weniger diverser.

Was mir tatsächlich geholfen hat: Schlechte Rezensionen zu meinen Lieblingsbüchern zu lesen. Denn wenn es sogar Menschen gibt, die Der Name des Windes katastrophal finden, dann ist es echt okay, wenn jemand meine Bücher in die Tonne werfen möchte.

4. Das dicke Fell kommt mit der Zeit.

Auch wenn man weiß, dass Kunst nicht jedem gefallen kann, tun negative Kritiken weh. Oft gleichen hundert positive Nachrichten und Kommentare diese eine negative Instagram-Story nicht aus.

Ich würde von mir selbst behaupten, dass ich kritikfähig bin, allerdings nehme ich mir Dinge auch sehr zu Herzen und suche Fehler immer zuerst bei mir anstatt bei anderen. Gerade in den ersten Wochen war Social Media eine komplette Reizüberflutung. Selbst dann, als ich mich von den Rezensionen ferngehalten habe, wie oben erwähnt. In den Instagram-Storys sah ich mein Buch, auf Twitter las ich davon, sobald ich goodreads updatete, sah ich Leseupdates zur Away-Reihe, wenn ich was auf Amazon bestellte, erschien in den Vorschlägen mein Buch und ich sah die aktuelle Anzahl an Sternen doch wieder. Heute empfinde ich das als absoluten Traum! Ich bin unendlich dankbar dafür. Dankbar war ich auch damals schon, aber es war auch ziemlich überfordernd, und damit meine ich gar nicht mal das negative Feedback, sondern das Feedback allgemein. Es fühlt sich anfangs an, als würde man tagtäglich bewertet werden. Alle haben mir gesagt, dass das besser wird. Und wisst ihr was? Sie hatten recht.

Mittlerweile stört es mich nicht mal mehr, wenn ich auf negativen Kritiken verlinkt werde. Okay, klar, es gibt Tage, an denen zieht mich das runter (hi, PMS, ich meine dich), aber insgesamt ist es okay. Ich bin ziemlich stolz auf das dicke Fell, das ich mir zugelegt habe und kann mich seitdem lustigerweise noch mehr über positives Feedback freuen. Falls ihr also in einer ähnlichen Phase seid – ganz egal ob in irgendeiner Kunst, der Schule oder Sonstigem: Es wird besser.

5. Gegenseitige Unterstützung ist Gold wert.

Ich hab das große Privileg, in der Autor:innenbubble noch nie Missgunst oder böses Blut erlebt zu haben – zumindest nicht aktiv. Und ich bin so dankbar dafür. Sucht euch Menschen, die ihr anfeuern könnt und die euch im Gegenzug unterstützen. Nicht als Zweckgemeinschaft, sondern weil es kaum etwas Schöneres gibt, als Erfolge gemeinsam zu feiern. Egal, ob ihr Lesungen gemeinsam plant, zu Beginn eurer Schreibprozesse gegenseitig testlest, oder euch einfach auf Instagram unterstützt. Ich würde meine Autor:innensquads nicht missen wollen und vetraue ihnen zu einhundert Prozent. Ich weiß, dass ich mich mit meinen Zweifeln, Ängsten, aber auch Erfolgen jederzeit an sie wenden kann und das ist wohl mit das Schönste am Schreiballtag.

Autoren Community schreiben
Ausschnitt aus unserem Gruppenchat, als ich Exposé und Leseprobe von Breakaway an LYX geschickt habe.

6. Autor:in darf man sein, nicht werden.

Okay, zugegeben, den Satz hab ich Hermann Hesse geklaut. Er beschreibt aber sehr gut, was ich auf meinem “Weg zur Autorin” wahrgenommen habe. Zuerst einmal war ich mir nie sicher, ab wann ich mich Autorin nennen darf und fand es immer beeindruckend, wenn Autor:innen das getan haben, bevor etwas veröffentlicht war. Aber ganz ehrlich? Warum nicht. Was macht eine:n Autor:in denn aus, wenn nicht das Schreiben selbst?

Ich wollte schon in der Grundschule Autorin werden, hab es sogar in eines dieser Diddle-Freundebücher geschrieben. Dass das damals noch belächelt wurde, ist vermutlich verständlich, immerhin konnte ich gerade mal einen Stift halten. Allerdings zog sich das auch durch meine Anfang-Zwanziger und selbst als ich dann Bücher unter Vertrag hatte, wurde ich belächelt – dann jedoch wegen des Genres. Schließlich ist Romance ja keine “richtige Belletristik”. Wie ich damals war, hab ich es dann leider selbst runtergespielt – etwas, was ich heute nicht mehr machen würde. Seid stolz auf euer Schreiben, ganz egal welches Genre oder wie weit ihr auf eurer Reise bereits seid.

7. Schreiben braucht keine Inspiration.

Die wohl häufigsten Fragen in Interviews sind folgende: Woher nimmst du deine Inspiration? Wie findest du neben Arbeit, Uni etc. Zeit zum Schreiben?

Die harte Wahrheit: Niemand findet Zeit, die er oder sie sich nicht aktiv schafft. Und niemand ist täglich inspiriert (falls doch, hab ich diese Personen zumindest noch nicht getroffen). Schreiben ist sehr oft sehr anstrengend, aber es lohnt sich, sich auch an diesen Tagen hinzusetzen. Und wenn es nur 20 Minuten vorm Zubettgehen oder 30 vor der Schule oder der Arbeit sind. Es wird Tage geben, da flutschen die Worte nur so, dann wiederum sind da Tage, an denen man in der halben Stunde vor der Arbeit gerade einmal drei Sätze zustande bringt. Egal. Man ist mit dem Kopf in die Geschichte eingetaucht und dieser arbeitet heimlich weiter daran. Wenn ihr es wirklich wollt, erkämpft euch die Zeit. Wenn ihr mögt, erzählt Familie und Freund:innen davon, ich bin mir sicher, sie unterstützen euch gern und/oder verzichten mal einen Abend die Woche eine Stunde auf euch.

8. Keiner von uns ist mit seinen Erfahrungen allein.

Das hab ich vor allem dank Fadeaway gelernt. Das Buch war ziemlich therapeutisch für mich und das Feedback überwältigend. Ich hab so viele, offenherzige, ehrliche Nachrichten erhalten und tue es immer noch, das haut mich wirklich regelmäßig um. Ich glaube, das war bisher auch meine schönste Erfahrung am Veröffentlichen: zu sehen, dass unsere Geschichten uns verbinden und das Geschichten die Macht haben, zu heilen und zu helfen.

Allerdings spielt in den Satz auch mit rein, dass wir als Schreibende das Rad nicht neu erfinden können, eben weil unsere Leben oft gar nicht so unterschiedlich sind, wie wir denken. Und das ist okay. Ich hab mich früher immer verrückt gemacht, dass ich “aus Versehen abschreibe”, habe meine erstes Buch damals noch mal umgeschrieben, weil ich Angst hatte, dass es zu ähnlich zu Kerstin Giers Silber-Trilogie ist. Dabei wird es immer mal Parallelen zu Büchern, Filmen und Spielen geben, die wir gar nicht überblicken können. Das bedeutet nicht, dass unsere Geschichten nicht dennoch einzigartig sind.

Trigger Warnung Fadeaway

9. Zwing dich nicht zu Gefühlen, die nicht da sind – und fühle dich nicht schlecht, dass du nicht fühlst, wie erwartet.

Hier ein kleines Shoutout an Laura Kneidl, die mir etwas Ähnliches geschrieben hat, als Breakaway auf die Bestsellerliste kam.

Veröffentlichen kann ein bisschen wie Silvester sein. Man fiebert unfassbar auf diesen Tag hin, alle haben die Erwartung, dass es etwas ganz Besonderes wird, man macht sich unheimlich viel Druck und will am Tag selbst unbedingt alles fühlen. Ganz ehrlich? Ich war bei meinem Release hart übermüdet, noch total durch von der Signieraktion, bei der ich Nacht für Nacht Bücher signiert habe (keine Beschwerde, ich würde es immer und immer wieder tun und hab es geliebt), und dann fiel wegen Corona eh alles ins Wasser, was ich geplant hatte. Als mein Buch in dem Bestseller-Regal stand, konnte ich es mir wegen des Lockdowns nicht einmal angucken. Ich hatte so viele Erwartungen an diesen Moment geknüpft, und ich glaube, ich wäre glücklicher gewesen, hätte ich es einfach auf mich zukommen lassen.

Ähnlich war es übrigens, Breakaway das erste mal in der Buchhandlung zu sehen. Ich feiere das mittlerweile mehr als damals beim ersten Mal. Viel schöner waren kleine, unerwartete Momente – einfach, weil ich nicht seit Monaten und Jahren Erwartungen daran knüpfte.

10. Erinnere dich an die Momente, in denen du dir gewünscht hast, da zu sein, wo du jetzt bist.

Das mache ich mittlerweile regelmäßig und bewusst. Ich bin nicht besonders gut darin, innezuhalten und habe, sobald ich ein Projekt beendet habe, schon zig neue in der Pipeline, die ich angehen möchte, am liebsten gleichzeitig. Leider führt das manchmal auch dazu, dass es mir schwer fällt, mit meiner Leistung zufrieden zu sein, schließlich zelebriert man Erfolge so kaum noch, sondern richtet den Blick immer nur auf das, was noch zu tun und zu erreichen ist.

Ich kann euch nur empfehlen, zusätzlich zur To-Do-Liste ab und an mal eine Done-Liste zu schreiben. Nehmt euch zum Beispiel das Jahresende und schreibt nicht nur Vorsätze fürs neue Jahr auf, sondern vielleicht auch, worauf ihr im vergangenen Jahr stolz seid und was ihr so erreicht habt. Ich bin mir sicher, es gibt eine ganze Menge.

Buchtipps schreiben Anabelle Stehl

So, das wurde jetzt länger als geplant, aber das sind wir ja schon von meinen Büchern gewohnt. Kurzfassen ist nämlich offensichtlich etwas, das ich auch ein Jahr und fünf Bücher später noch nicht gelernt habe. Aber vielleicht kann ich dazu ja was nach der nächsten Trilogie erzählen.

Passt auf euch auf und alles Liebe
Anabelle

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3 Kommentare

  1. Sasa
    28. November 2021 / 14:58

    Ein sehr spannender Eintrag – immer wieder interessant ein wenig zur Entstehungsgeschichte und den Hintergründen zu erfahren, die man als lesende Person meist nicht mitbekommt! Wie schön, wieder etwas von Dir auf Deinem Blog zu hören! Fadeaway war tatsächlich auch mein Lieblingsband der Reihe. 🙂

    • 28. November 2021 / 15:53

      Danke dir für die lieben Worte! Und ich hoffe, hier kommt generell wieder ein bisschen mehr. 🙂

  2. 10. April 2022 / 16:20

    Hallo Anabelle,

    beim Lesen sind doch tatsächlich meine Augen feucht geworden. Ich kann vieles, von dem du schreibst nachempfinden und bezeichne mich auch als Autorin, obwohl ich noch nichts veröffentlicht habe.
    Ich entdecke mich gerade in meinem eigenen Schreibprozess und habe als zusätzliche Motivation einen Blog gestartet.
    Die Fehler in Büchern kann ich bestätigen. Bei meine Abschlussarbeit war es ganau das selbe. ☺️

    Danke für die offenen und motivierenden Worte.

    Liebe Grüße
    Milla
    von lesen-schreiben-leben.de

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