Das Erwachen des Feuers – Anthony Ryan

Das Erwachen des Feuers Anthony Ryan

Auf einen Blick

Titel: Das Erwachen des Feuers *
Autor: Anthony Ryan
Verlag: Klett-Cotta
Übersetzung: Birgit Maria Pfaffinger und Sara Riffel
Erschienen: 9. September 2017
Seiten: 725
Preis: 25,00 € (Hardcover)

Zum Inhalt

In Mandinorien werden Drachen vor allem als eines angesehen: Ware. Ihr Blut, das je nach Farbe des Drachen rot, grün, blau oder schwarz ist, verleiht manchen Menschen, sogenannten Gesegneten, übernatürliche Kräfte. Für Profit werden die Drachen gejagt, um mit dem Elixier, das aus ihrem Blut gewonnen wird, handeln zu können.
Kaum jemand weiß, dass die Drachen immer weniger und schwächer werden. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg zwischen Mandinorien und dem Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich. Die Lösung dieses Problems sieht das Drachenblut-Syndikat in etwas, das bislang nichts als eine Legende war: dem weißen Drachen. Der Dieb und unregistrierte Blutgesegnete Claydon Torcreek wird in das wilde, unerforschte Inland geschickt, um ebendiesem Drachen nachzuspüren, was sich als noch gefährlicher herausstellt, als er vermutete.

Dieses Buch ist so erfrischend anders!

Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so sehr darauf gefreut habe, ein Buch auf dem Blog empfehlen zu können. Zumindest bei der Fantasy ist es eine Weile her, was nicht daran liegt, dass ich schlechte Bücher gelesen hätte, sondern vielmehr daran, dass es “mein” Genre ist. Ich lese ständig phantastische Literatur. Es ist, meiner Meinung nach, das abwechslungsreichste Genre, voll unbegrenzter Möglichkeiten. Dennoch ist es auch hier der Fall, dass man, je mehr man liest, immer seltener überrascht wird. Bei New-Adult-Büchern wird zwangsläufig immer der Klischee-Zeigefinger erhoben, bei Fantasy eher seltener, weil Handlung und Plot ganz anders aufgebaut sind. Aber es gibt sie auch hier, die Klischees und Archetypen und die phantastischen Wesen, Settings und Heldenreisen, die sich eben doch oft ähneln.

Wieso ich so einen langen Exkurs mache? Weil Das Erwachen des Feuers genau das geschickt gelöst hat. Ich habe mich auf ein Buch über Drachen gefreut und ich habe ein Buch über Drachen erhalten – aber völlig anders, als erwartet. Anthony Ryan greift mit dem Drachen eines der bekanntesten Fabelwesen auf. Auch in seinem Roman sind diese Wesen unfassbar stark, die schwarzen Drachen sind sogar vernunftbegabt und sie alle lernen schnell und begehen selten einen Fehler zweimal. Jedoch kreiert der Autor in dieser Welt ein Szenario, das auf den ersten Blick absurd wirken mag, auf den zweiten aber sehr real und leider allzu menschlich: Drachen sind für die Bewohner Mandinoriens in erster Linie Ware und so werden sie in Anlagen ähnlich unserer Massentierhaltungen zur Welt gebracht und nach der Aufzucht “geerntet”. Bei der Ernte wird den Tieren eine Art Zapfhahn in die Halsschlagader geschlagen, um an möglichst viel Produkt – die geläufige Bezeichnung für Drachenblut – zu gelangen. Klingt grausam? Ist es auch. Und es setzt die ganze Handlung in Gang.

Aus diesem Drachenblut wird ein Elixier hergestellt, das einigen Menschen übernatürliche Fähigkeiten verleiht und überhaupt erst dafür sorgt, dass sie es mit den mächtigen Drachen aufnehmen können. Dabei geht es um viel mehr als um den Kampf gegen übermächtige Wesen, wie man es vermuten könnte. Es geht um die Gewinnsucht von Unternehmern, um ein Zeitalter, das sich durch etliche neue Erfindungen im Wandel befindet, um Abenteuer und Machtkämpfe, um Familie und Loyalität und darum, was geschieht, wenn die Natur sich zur Wehr setzt.

Das Erwachen des Feuers Anthony RyanJedes einzelne Kapitel endet mit einem so spannenden, meist offenen Satz, dass ich einfach weiterlesen musste. Es ist eines der Bücher, bei denen man sich ärgert, aus einer Erzählperspektive herausgerissen zu werden, mit dem ersten Satz der neuen Perspektive aber schon wieder so in der Erzählung versinkt, dass jeglicher Ärger eine Sekunde später vergessen ist. Ryan schafft es, die Spannung im gesamten Verlauf des Romans nicht ein einziges Mal einknicken zu lassen, inszeniert Schlachten an genau den richtigen Stellen und lässt den Leser mehr als einmal um die Charaktere bangen. Dadurch, dass die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird, erhält man nicht nur Einblicke von Charakteren mit unterschiedlichen Sichtweisen, sondern hat wirklich das Gefühl, mit diesen Charakteren einmal quer über die Karte Mandinoriens zu reisen und das komplette Geschehen im Blick zu haben.

Nachdem mich die das World-Building und die Handlung schon vollkommen überzeugt haben, setzt Ryan dem ganzen dann noch die Krone auf, indem er seine Welt mit vielschichtigen Figuren besiedelt, deren Motive und Gefühle man als Leser so gut nachvollziehen kann, dass man bei jedem ihrer Schritte mitfiebert. Ein absolutes Highlight war für mich auch eine der Protagonistinnen, Lizanne – ein weiterer Name auf meiner Liste der starken Fantasy-Heldinnen. Genau wie die anderen beiden Hauptfiguren ist sie alles andere als perfekt und gerade deshalb so großartig.

Fazit

Ich könnte in weitere Lobeshymnen ausbrechen, schließe aber damit, dass das Buch mich auf allen Ebenen überzeugen konnte. Das Lied des Blutes hat mir bereits gefallen, jedoch fehlte mir in diesem Buch das gewisse Etwas, ohne das ich hätte benennen können, was genau ich mir darunter vorstelle. Anthony Ryan hat es ganz offensichtlich herausgefunden, denn Das Erwachen des Feuers ist erfrischend anders und beinhaltet alles, was ein gutes Fantasybuch in meinen Augen ausmacht. Für mich definitiv eines meiner Jahreshighlights.

* Affiliate-Link. Mehr dazu im Transparenz-Disclaimer.

1 Comment

  1. 3. November 2017 / 14:57

    Die Bilder sind so gelungen, auch wenn das Buch nicht meinem Geschmack entspricht.

    Neri, Leselaunen

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