Auserwählt – Michelle Augustin

Auf einen Blick

Titel: Auserwählt
Autorin: Michelle Augustin
Erschienen: 6. Juli 2017
Seiten: 412
Preis: 4,99 € (eBook)

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Zum Inhalt

Als Cainy Nance nach einem Jahr aus dem Koma erwacht, hat sie keiner Erinnerungen mehr an ihr altes Leben oder an sich selbst. Mithilfe ihrer Cousine und ihrer Freunde findet sie nach und nach ins Leben zurück. Dennoch hat sie das Gefühl, dass sie ihr etwas Wichtiges verschweigen – denn sie hat Träume und Flashbacks, die sie sich nicht erklären kann. Als sie dann noch auf diesen jungen Mann trifft, für den sie unerklärlich starke Gefühle empfindet, steht ihr ganzes Leben Kopf.

Chemie, wo bleibst du denn?

Der Beginn des Buchs hat mir sehr gut gefallen, was vor allem daran lag, dass die Autorin keinen üblichen Romantasy-Einstieg à la “Ich sehe in den Spiegel und beschreibe mein Gesicht seitenlang, weil das Sinn ergibt!” wählt. Cainy erwacht aus dem Koma – an sich eine schöne Sache, doch es gibt ein Problem: Sie hat ihr Gedächtnis verloren. Nicht nur ich als Leser lernte sie also neu kennen, auch Cainy musste erst mit sich selbst vertraut werden. Klar wurde schon zu Beginn, dass sie eine starke Persönlichkeit ist und nicht das Entlein, das man erst von seiner eigenen Schönheit überzeugen muss – ganz im Gegenteil.

Ich startete also gleich mit hohen Erwartungen für den weiteren Verlauf in das Buch. Vielleicht war das auch das Problem. Was dann folgte, hat mich leider schnell ernüchtern lassen, denn – wie das bei Romantasy so ist – lernt Cainy einen Mann kennen. Bis dahin vollkommen in Ordnung, sonst wäre das Buch dem falschen Genre zugeordnet. Leider ist dieser Mann superarrogant und unsympathisch, was Cainy jedoch nicht davon abhält, sich Hals über Kopf in ihn zu verlieben. Immerhin war es Liebe auf den ersten Blick, dabei ist der Charakter ja irrelevant. Chemie war für mich überhaupt nicht vorhanden und ich habe die erste Hälfte des Buches nur darauf gewartet, dass sie bitter enttäuscht wird. Ob das so war, kann ich natürlich nicht verraten, aber mir fehlte bei der Love Story jegliches Prickeln und ich konnte Cainys Handlungen mit der Zeit leider gar nicht mehr nachvollziehen und wollte sie permanent wieder zu Bewusstsein schütteln.

Hinzu kam noch, dass sie selbst sich mit einigen ihrer Äußerungen fast ebenso unbeliebt bei mir machte wie ihr Angebeteter.

»Frauen stehen auf Arschlöcher«, sagte ich leichthin. »Das wird immer so sein.«

Nein, Cainy. Schließ bitte nicht von dir auf andere. Aber als hätte sie damit nicht ohnehin schon ein permanentes Stirnrunzeln in meine Stirn gebrannt, sind Cainy und ihr Umfeld große Fans der typisch-Mädchen-/typisch-Jungs-Klischees. Dabei bleibt es allerdings nicht bei obigem Zitat, denn sie und ihr Umfeld lassen den Leser  regelmäßig wissen, wie Frauen und Männer so zu sein haben, indem sie ihn daran erinnern, dass die typische Frau gerne shoppen geht, nicht einparken kann und am süßesten ist, wenn sie verwirrt ist.

Ein großes Problem für mich war auch, dass es sehr lange dauerte, bis das Buch an Fahrt aufnahm. Das ist in gewisser Weise verständlich, da Cainy ja, wie anfangs gesagt, keine Erinnerungen mehr an ihr altes Leben hat und diese natürlich erst zurückerlangen muss. Hier hätte ich mir aber einfach etwas mehr Handlung und Action gewünscht. Mein Kindle zeigte mir 40 % an, dann 50 %, dann 60 % – und ich steckte immer noch in einer Love Story, die für mich keine war, ohne dass etwas Fantastisches passierte. Das an sich ist kein Problem, wenn man als Leser mit den Figuren sympathisiert und miträtseln kann. Leider wusste man als Leser schon recht früh, was Sache ist und welche Geheimnisse und Erinnerungen Cainy noch verborgen waren, sodass ich persönlich nur seitenlang darauf wartete, dass sie auch endlich daraufstieß.

Gegen Ende nahm das Buch dann ordentlich an Fahrt auf und wurde endlich so spannend, wie ich es mir schon früher gewünscht hätte. Die Kampfszenen waren actiongeladen und ich fieberte mit Protagonistin Cainy mit, dass alles gut gehen möge. Leider war das Buch kurz darauf auch schon zuende – ein zweiter Teil folgt jedoch nächstes Jahr und ich hoffe, dass dort noch einige der offenen Fragen geklärt werden. Denn leider hinterfragt die Protagonistin sehr wenig und rechtfertigt das wie folgt:

»Ich musste versuchen, alles hinzunehmen und nicht infrage zu stellen.«

How about no?

Fazit

Mich konnte Auserwählt leider nicht überzeugen. Mir fehlten die meiste Zeit Chemie, Spannung und ein Lektorat. Wenn Teil 2 es schafft, das Tempo beizubehalten, das der Roman gegen Ende aufwies, glaube ich allerdings, dass es gut werden kann!

3 Comments

  1. Mewa
    10. September 2017 / 16:03

    Oh Gott dieses Zitat reicht total aus um abzuschrecken ^^’ Schade, schade.
    Aber gute Rezi 🙂

  2. 13. September 2017 / 18:31

    Huhu Anabelle,
    die Rezi ist echt gut geschrieben! Das Buch hatte ich gar nicht auf dem Schirm, aber nach deinen Ausführungen klingt das auch eher nach etwas, was ich meiden werde. Solche Protagonistinnen sind mir echt unsympathisch, da wird es wohl auch das Ende weniger rausreißen.

    Liebe Grüße,
    Klaudia

  3. 16. September 2017 / 15:51

    Ich kenne das Buch nicht, es hätte aber wohl auch mich nicht überzeugen können.

    Neri, Leselaunen

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