Ohne Plan durch Kirgisistan – Markus Huth

Auf einen Blick

Titel: Ohne Plan durch Kirgisistan: Auf der Suche nach dem wilden Ende der Welt
Autor: Markus Huth
Verlag: Penguin Verlag
Erschienen: 10. April 2017
Seiten: 224
Preis: 13,00 €

Ich bedanke mich bei Markus Huth und Penguin für das Rezensionsexemplar!

Klappentext

Job weg, Frau weg – dass man vor seinen Problemen nicht weglaufen kann, hält Markus Huth für Unfug. Als ihm ein Freund vorschlägt, nach Kirgisistan zu reisen, willigt er sofort ein. Denn was liegt näher, als bis ans Ende der Welt zu flüchten? Aber Huth hat keine Ahnung, worauf er sich da einlässt. Er wird von einem Taxifahrer verkauft und findet sich in einer Stadt wieder, in der ausschließlich alte deutsche Autos fahren. Er zittert vor dem Taliban, muss beim kirgisischen Volkssport Tischtennis antreten und dann ist da noch das verdammte Pferd. Trotzdem will er am Ende nicht mehr weg. Ein wildes Abenteuer auf der anderen Seite des Planeten, wo Ost und West, Sowjetismus und Moderne sich treffen. (Quelle)

Mein erster Reisebericht

Wie die Überschrift schon sagt, ist Ohne Plan durch Kirgisistan ein für mich eher untypisches Buch. Ich hätte auch nicht gedacht, dass mich ein Reisebericht ansprechen würde, dieser tat es dann aber doch. Das lag hauptsächlich daran, dass es sich um eine Reise durch Kirgisistan handelt – Hand aufs Herz: Wer von euch würde es auf einer Karte verorten können? Ich jedenfalls nicht. Auch sonst wusste ich über Kirgisistan rein gar nicht, außer, dass Brautraub dort populär ist. Und selbst darüber wusste ich nicht mehr als der Inhalt eines dreiminütigen Videos auf Facebook mir mal verraten hatte. Der Anreiz, Neues zu lernen, hat mich also geködert. Als der Klappentext, den ihr oben lesen könnt, dann noch sagte, dass der Autor von seinem Taxifahrer verkauft wurde, war meine Neugier geweckt. Nicht der netteste Antrieb, ein Buch zu lesen, aber nun ja.

Das Buch startete gleich spannend und recht abrupt – so wie der Autor auch die Reise in das fremde Kirgisistan recht abrupt und spontan beschlossen hat. Ich bewundere den Mut, alles stehen und liegen zu lassen und in ein fremdes Land aufzubrechen, das sich in so vielen Dingen von der eigenen Heimat unterscheidet. Häufig musste ich beim Lesen aber auch daran denken, dass einem diese Möglichkeit als Frau eher nicht gegeben ist – zumindest nicht ohne Gefahr. Dies spricht Huth auch an, insbesondere dann, wenn es um den Brautraub geht, der in Kirgisistan noch gang und gäbe ist.

Der Reisebericht wird immer wieder mit Fakten und Geschichtlichem unterbrochen. An sich fand ich alle Infos sehr interessant, mir war der Wechsel zwischen subjektiver Erzählung und Wissensvermittlung aber etwas zu hart. Ich muss gestehen, dass von den persönlichen Erfahrungen viel mehr im Gedächtnis blieb, als von den bloßen Berichten. Daher hätte es mir besser gefallen, wenn das Ganze noch mehr ineinander verstrickt gewesen wäre. So wirkte es, als assoziiere der Autor mit einer Gegend oder einem Erlebnis, von dem er erzählt, eine ganze Kette kirgisische Geschichte, die er dann seitenweise hinunterschreibt, bevor es mit der Reise weitergeht. Nichtsdestotrotz konnte ich viel für mich daraus mitnehmen, da ich – wie schon erwähnt – zuvor so gut wie gar kein Wissen von dem Land hatte.

Ähnlich “hart” wirkte auf mich der parataktische Schreibstil. Natürlich sind lange Sätze gerade bei einer Vielzahl von Zahlen und Fakten ein Gräuel, allerdings wirken auch die persönlichen Eindrücke durch die vielen Hauptsätze stakkatohaft und sehr sachlich. Durch den Klappentext und die mehrmalige Betonung im Buch, wie sehr sich der Autor in Kirgisistan verliebt habe, habe ich mir gewünscht, genau das auch beim Lesen zu spüren. Leider kam das für mich nur bei einigen Naturbeschreibungen rüber. Huths Ausflug zu einem Bergsee konnte ich mir beispielsweise bildlich vorstellen, er weckte Fernweh, wurde dann jedoch auch schon nach wenigen Sätzen von der Rückreise unterbrochen. Vielleicht gehört diese sachliche, knappe Erzählweise zu einem Reisebericht – das kann ich nicht beurteilen – mir wären weitere subjektive Eindrücke jedoch lieber gewesen. Meiner Meinung nach hätten Beurteilungen des Erlebten, Gedanken und Gefühle dem Buch mehr Persönlichkeit gegeben.

Um aber mit einer positiven Note zu enden: Ich bin sehr dankbar, das Buch gelesen zu haben, da es mir ein Land näher gebracht hat, das zuvor nur blass auf meiner mentalen Landkarte vermerkt war. Markus Huth hat sich ebenfalls mit den Menschen in Kirgisistan auseinandergesetzt und sie zu Wort kommen lassen, was mir sehr gut gefallen hat. Er sieht in seinen Beschreibungen von Verallgemeinerungen ab und setzt sich mit den einzelnen Menschen auseinander, zeigt sie so, wie er sie erlebt hat. Das war schön zu lesen und für mich das Beste am Buch, da es so echt wirkte.

Fazit

Mir persönliche wäre eine tiefere Verflechtung von Wissen und subjektiven Eindrücken lieber gewesen. Vielleicht bin ich aber auch einfach die falsche Zielgruppe und habe das Buch deshalb als “zu trocken” empfunden. Ich empfehle das Buch jedem, der sich einen ersten Einblick in Kirgisistan verschaffen möchte oder einfach sein Wissen über fremde Länder und Kulturen erweitern will.

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