Kleine Grammatikstunde #2: Winzige Fehlerteufel: Apostrophen, Bindestriche und Leerzeichen

Erinnert ihr euch noch an die letzte kleine Grammatikstunde? Falls nicht, ist das vermutlich nicht verwunderlich, denn sie ist schon eine ganze Weile her. Ich wolle das Ganze eigentlich viel regelmäßiger machen, aber wie das immer so ist, kam viel zu viel dazwischen. Heute aber soll es endlich weitergehen, auch wenn “Grammatik” nicht so wirklich zutrifft, denn wir beschäftigen uns mit den kleinen Fehlerteufeln, die man häufig gar nicht als solche erkennt: fehlende Leerzeichen, falsche Apostrophen und Bindestriche, die manchmal keine sein sollten.
Ich hoffe, das Thema interessiert euch und ihr könnt etwas Neues daraus mitnehmen. Wie immer freue ich mich natürlich über Vorschläge für weitere Themen – Groß- und Kleinschreibung ist seit dem letzten Mal schon notiert und kommt auf jeden Fall noch.

Leerzeichen, wo man sie nicht vermutet

Ein Fehler, den ich selbst jahrelang gemacht habe: Leerzeichen vergessen, wo sie eigentlich hingehören.
Zum Beispiel bei der Abkürzung z. B. Ich finde selbst jetzt noch, dass die falsche Variante z.B. ästhetischer aussieht, aber korrekt sind Abkürzungen wie z. B., u. v. m. oder d. h. mit Leerzeichen. Natürlich wäre es nicht die deutsche Sprache, gäbe es keine Ausnahmen, also schreiben wir usw. und etc. weiterhin ohne Leerzeichen und mit nur einem Punkt. Fragt mich bitte nicht, wieso sich das so unterschiedlich durchgesetzt hat – ich habe keine Ahnung.

Wer auf WhatsApp, Facebook oder in so manchen modernen Romanen unterwegs ist, hat sicherlich schon bemerkt, dass Auslassungspunkte sich großer Beliebtheit erfreuen. Auch dann, wenn ein einziger Punkt eigentlich ausreichend wäre. In so manchen Facebook-Kommentaren artet das so weit aus, dass Fragezeichen, Punkte oder Kommata komplett verdrängt werden. Meistens fehlt auch hier das Leerzeichen, denn korrekt sind diese Auslassungspunkte nur mit einem Leerzeichen nach dem vorangehenden Wort. Das liegt daran, dass die Auslassungspunkte ja genau das sind: eine Auslassung. Sie ersetzen ein oder gleich mehrere Worte, die im Normalfall folgen würden. Daher werden sie nicht direkt an das letzte Wort angehängt, sondern stehen – so wie das Wort, das sie ersetzen – erst nach einem Leerzeichen.

Solltet ihr gerade an einem Roman arbeiten, beachtet am besten noch, dass es ein eigenes Zeichen für diese Pünktchen gibt, den Dreipunkt (…). Diesen findet ihr bei Mac ganz einfach, wenn ihr “alt” und “.” drückt, bei Windows etwas komplizierter mit “alt” und “0133”. Optisch macht es keinen Unterschied, ob ihr den Dreipunkt verwendet oder einfach dreimal auf eure Punkt-Taste haut, im Manuskript jedoch schon – sowohl bei der Zeichenzahl als auch später beim Layouten.

Für alle, die Hausarbeiten statt Romane schreiben: Auch vor Prozentzeichen muss ein Leerzeichen. Das habe ich leider erst nach der Abgabe meiner ersten empirischen Arbeit gemerkt, aber man lernt nie aus. Während ich von 67% meines Korpus schrieb, hätten es 67 % sein müssen.

Der Deppenapostroph

Ich würde mich selbst als entspannten, ausgeglichenen Menschen bezeichnen. Was mich trotzdem jedes Mal aufregt, ist der sogenannte Deppenapostroph. Den Namen habe ich mir nicht ausgedacht, er hat sogar seine eigene Website.


Bei meinem Kurzurlaub in Berlin war er das Erste, was ich jeden Morgen sah. Wenn ich die Gardinen zur Seite zog, fiel mein Blick nämlich auf das gegenüberliegende Geschäft: Heidi’s Steinlädchen. Und das ist nicht einmal ein seltener Zufall, da er wirklich überall zu finden ist. Gefühlt jeder dritte Buchblog oder jeder zweite Laden, über den man so stolpert, verwendet den Apostrophen im eigenen Namen, obwohl er gar nicht benötigt wird. Genauso, wie wir aktuell eher “macht Sinn” anstelle von “ergibt Sinn” sagen, haben wir auch diesen Apostroph aus dem Englischen übernommen. Heidi’s Steinlädchen ist im Deutschen falsch, da wir keinen Apostroph benötigen, um den Genitiv anzuzeigen. Im Englischen wird der Besitz hingegen durch Apostrophen angezeigt – nicht nur bei Eigennamen. Heidi’s bakery ist im englischen Sprachraum genauso korrekt wie my friend’s bakery. Mittlerweile ist der Apostroph im Deutschen allerdings so weit verbreitet, dass er sogar beim Plural verwendet wird, weshalb man Wörter wie CD’s nicht selten liest.

Hinzu kommt, dass die Apostrophen selbst bei grammatisch korrekter Verwendung häufig noch falsch sind. Auch etwas, was mir durch die Anglistik-Hausarbeiten eingebläut wurde. In der Regel wird alles als Apostroph verwendet, was auf der Tastatur so zu finden ist und einem kleinen Strich ähnelt. Korrekt wäre der Apostroph, der ein bisschen wie eine kleine 9 aussieht.


Am häufigsten trifft man sicherlich auf das Zeichen aus Satz 1, da es auf der Tastatur am einfachsten zu erreichen ist. Finde ich im Alltag ehrlich gesagt auch gar nicht schlimm. Die meisten Programme erschweren es einem sogar, den Apostroph zu verwenden. WordPress ignoriert meine korrekten Apostrophen zum Beispiel komplett und nimmt einfach den Strich, der ihm am besten gefällt, weshalb ich die Beispiele oben als Bild einfügen musste. In Büchern, auf Werbeplakaten etc. sollte man jedoch darauf achten (schon von der Optik her), was häufig nicht geschieht. Korrekt ist tatsächlich nur der Apostroph aus Beispiel 5.  

Bindestrich? Gedankenstrich? Und was ist eigentlich dieser Halbgeviertstrich?

Zu guter Letzt kommen wir zu etwas, das Autoren wie Sarah J. Maas scheinbar wie die Luft zum Atmen brauchen: Gedankenstriche. Ihre Bücher sind zugegeben voll davon, aber auch als Nicht-Autor verwendet man sie häufig. Oft muss dafür ein einfacher Bindestrich herhalten, der eigentlich Komposita (siehe letzter Beitrag) verbindet, also zwei Wörter zu einem kombiniert. Während der Bindestrich sozusagen als Klebstoff fungiert, ist der Gedankenstrich oder auch Halbgeviertstrich dazu da, Sätze einzuschieben oder, wie der Name vermuten lässt, Gedanken anzuhängen. Er ist also ein richtiges Satzzeichen und unterscheidet sich auch optisch vom Bindestrich, da er etwas länger ist. Ihr findet ihn bei Mac mit “alt” und “-” und bei Windows “alt” und “0150”.
Halbgeviertstriche sind praktisch, um Kommachaos zu vermeiden. Bei Einschüben – wie zum Beispiel diesem hier – könnt ihr euren Satz klarer strukturieren. Oft wird er auch anstelle eines Doppelpunktes verwendet – wenn ihr zum Beispiel noch etwas anhängen möchtet.
Zugegeben: Ob Bindestrich oder Halbgeviertstrich, fällt sicher den wenigsten Lesern auf. Aber vielleicht ist der Tipp ganz hilfreich für Autoren, die ihrem Korrektorat eine Freude machen wollen.

Das war es vorerst mit den kleinen, weitverbreiteten Fehlerteufeln.
Ich hoffe, es hat euch etwas gebracht. Falls ja, freut mich das riesig, falls nein, schlagt gerne Themen vor, die ihr hier lesen möchtet.
Wenn ihr noch Fragen oder ergänzende Anmerkungen habt, schreibt sie sehr gern in die Kommentare.

Ich wünsche euch allen einen schönen Tag!

Anabelle

17 Comments

  1. 26. Juli 2017 / 17:55

    Mooooment! Willst du gerade sagen mein Apostroph bei “Julia’s Wunderland” ist gar nicht nötig? Ich versinke dann mal im Boden vor Peinlichkeit. Allerdings finde ich es sieht so schöner aus als “Julias Wunderland”, wobei es bei der Rechtschreibung die Korrektheit ankommt 😀
    Liebe Grüsse und tausend Dank fürs aufklären!
    Julia

    • Anabelle 26. Juli 2017 / 18:06

      Sprich es einfach Englisch aus und sag, das soll so!

      Liebe Grüße!

  2. 26. Juli 2017 / 19:37

    Wieder einmal freue ich mich, nicht die einzige zu sein, die bei solchen Fehlern (je nach Stimmung) die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. 🙂 Ich mag deine Grammatikstunde und freue mich schon auf die nächste! Tatsächlich sind mir in meinem Praktikum so viele Fehler(chen) begegnet, dass ich selbst über einen Beitrag dieser Art nachgedacht habe … Neben dem Deppenapostrophen gibt es auch noch das Deppenleerzeichen: An Stellen gesetzt, an denen keines nötig ist.

    Der Name Halbgeviert kommt übrigens noch aus dem Bleisatz mit beweglichen Lettern und hat etwas mit der Breite des Zeichens zu tun – was man in der Uni nicht so alles lernt. 😉

    Liebe Grüße,
    Henrike

  3. 26. Juli 2017 / 19:49

    Ich lese Deine Artikel zum Thema Grammatik sehr gerne.

    Das unnötige Apostroph nervt mich auch. Vor allem, weil man so langsam den Eindruck gewinnen kann, dass komplett Hopfen und Malz verloren ist und das Deppenapostroph zur neuen deutschen Grammtikregel wird, weil die eigentlich richtige Schreibweise davon verdrängt wird.

    So in etwa wie der Genetiv ausstirbt…

  4. 26. Juli 2017 / 21:16

    Danke für deinen neuen Artikel zum Thema Grammatik, aus dem ich wieder neue Erkentnisse für mich mitnehmen konnte. Das Deppenapostroph nervt mich auch total (hatten wir ja damals schon drüber “gesprochen”. Schön, dass du das Thema aufgegriffen hast.
    Viele liebe Grüße
    Yvonne

  5. 27. Juli 2017 / 1:49

    Finde solche Beiträge schön. Aber z. B. schreibe ich bewusst ohne Leerzeichen, weil es besser aussieht. Ebenso schreibe ich eMail anstelle von Email ebenfalls aus ästhetischen Gründen. Und wenn selbst die FAZ _Sinn machen_ schreibt, habe ich auch kein schlechtes Gewissen 😉

    • Anabelle 27. Juli 2017 / 6:19

      Gut, die FAZ schrieb auch, dass die Ehe für alle Unfug sei, an denen orientiere ich mich jetzt weniger.
      Allerdings glaube ich auch, dass “Sinn machen” bald ohnehin im Duden steht. Sprache wandelt sich, das ist ja auch etwas Gutes. 🙂

      Liebe Grüße!

  6. 27. Juli 2017 / 7:40

    Hallo Anabelle,

    sehr schöner Beitrag. Gerade bei dem Thema “Apostroph” musste ich etwas grinsen. In meiner Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin war das auch ein ganz großes Thema, was ganz häufig sogar zu “Streitereien” zwischen den Schülern ausgeartet ist. Diverse Leute haben sich erst zufrieden gegeben und “die Wahrheit akzeptiert”, nachdem unsere Lehrerin es ihnen gefühlt 1000 Mal erklärt und hinterher auch mit Hilfe von div. Büchern etc. belegt hat.

    Außerdem bin ich gerade etwas neidisch zu lesen, wie einfach das mit dem Dreipunkt bei einem Mac funktioniert. Ich habe ein Windows Notebook und gerade während des Schreibens meiner Geschichten nervt mich das immer ungemein, wenn ich “unterbrochen” werde, weil ich diese blöde Tastenkombination anwenden muss. Ich habe mir daher angewöhnt tatsächlich immer drei einzelne Punkte zu machen, wobei ich es wahrscheinlich am Ende, wenn es ans Korrigieren etc. geht, so richtig bereuen werde haha Vielleicht kopiere ich mir das Zeichen auch einfach in die Zwischenablage, dann muss ich es immer nur einfügen, wenn ich es brauche – mal sehen!

    Ich mag deine Grammatikstunden sehr. Das meiste davon ist zwar nichts Neues für mich, aber es erinnert mich immer wieder daran, dass ich eventuell auch auf WhatsApp noch mal mehr auf meine Grammatik achten sollte haha wenn man allerdings beim Rechtsanwalt arbeitet und den ganzen Tag 1000 %ig auf alles was mit Grammatik und Sprache zu tun hat, achten muss, ist es auch mal entspannend, einfach nur was drauf los zu tippen, ohne es fünfzig Mal Korrektur zu lesen! 😀

    Hab einen tollen Tag!

    Liebste Grüße
    Ivy

  7. 27. Juli 2017 / 11:36

    Hallöchen 🙂
    ein wunderschöner Artikel und ich kann bei vielen Dingen nur nicken. Obwohl ich mir gerade bei diesen Bücherreihen auch nie sicher bin, wie es nun geschrieben wird und am Ende nach dem Aussehen gehe. Bei “Sinn machen” und “Sinn ergeben” bin ich auch der Meinung, dass wir da gerade den Wandel der Sprache miterleben. Solange wir nicht anfangen Artikel oder Pronomen wegzulassen, bin ich schon zufrieden.
    Liebe Grüße
    Jule

  8. 27. Juli 2017 / 12:26

    Liebe Anabelle,
    wieder mal ein toller und hilfreicher Beitrag!
    Das mit den Apostrophen ist mir auch schon oft aufgefallen.
    Ich weiß gar nicht, wann Menschen sich überlegt haben, das aus dem Englischen zu übernehmen.
    Dass die Bücher von Sarah J Maas voller Gedankenstriche sind ist mir auch schon aufgefallen, haha.
    Finde es aber nicht störend, ich habe mich eher gefragt, ob es in der deutschen Übersetzung wohl auch so gemacht wird.

    Liebe Grüße,
    Nicci

  9. 27. Juli 2017 / 18:19

    Das Deppenapostroph ist auch bei mir zu finden – Anna Salvatore’s Bücherreich – (ja, ich mache gerade drei Sachen zugleich falsch xD), aber ich wusste von Anfang an, dass das ‘ (Ich habe keine Ahnung, wo das 9-Apostroph bei mir ist) eigentlich weg muss, aber ich finde immer noch, dass das merkwürdig aussieht 😀
    Und für den normalen Gebrauch reichen mir dieses Laien ‘ Apostroph und der Bindestrich als Gedankenstrich 😉
    Aber auf jeden Fall ist es gut zu wissen, vor allem wenn man ein Manuskript schreibt, und cooler Beitrag 🙂

    LG ♥
    Anna

  10. 28. Juli 2017 / 11:51

    Danke für diesen Beitrag! Ein paar dieser Dinge waren mir auch noch nicht klar, auch wenn ich schon immer spüre, wie mein Puls steigt, wenn ich ein ‘s in einem deutschen Kontext sehe 😀
    Bei den Leerzeichen bei Abkürzungen muss ich dir zustimmen, die finde ich auch echt unästhetisch und werde sie deshalb im Privaten vermutlich trotzdem einfach weglassen. Dass es den Dreipunkt als eigenes Zeichen gibt, wusste ich gar nicht und dass es einen Unterschied zwischen Bindestrich und Gedankenstrich gibt, ist mir auch nur aufgefallen, weil Word das automatisch verbessert 😉 Wie man auf der Tastatur an den (ich dachte immer, es heißt “das”…) richtigen Apostroph kommt, wüsste ich jetzt aber auch nicht 😀
    Auf jeden Fall wieder viele interessante Hinweise 🙂

    Liebe Grüße!

  11. 30. Juli 2017 / 9:38

    Hey Annabelle,

    toller Beitrag!
    Für mich ist diese ganze Blogger-Geschichte komplettes Neuland und gerade wir Süddeutschen habe ja bekanntlich sowohl mit der deutschen Sprache als auch mit der korrekten Grammatik so unsere Probleme 😉

    Wo finde ich denn das korrekte Apostroph, die kleine 9, beim Mac?
    Danke Dir und lieben Gruß
    Jule

    • Anabelle 30. Juli 2017 / 16:55

      Hallo Jule,

      vielen Dank! Dialekte haben eben ihre eigene Grammatik, das ist doch auch schön. 🙂
      Beim Mac mit alt + umschalt-Taste + #. Leider auch etwas umständlich, in Schreibprogrammen wie Scrivener geht es aber auch mit alt + `. Falls du fragst, weil du schreibst: Du kannst auch ganz am Ende mit “Suchen und Ersetzen” alles mit einem Klick ändern, geht bestimmt schneller. 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  12. 2. August 2017 / 21:19

    Ein dickes PLUS ONE! Den Artikel habe ich gleich mal Monsieur gezeigt, der mittlerweile glaubt, dass ICH mit dem Deppen-Apostroph falsch liege, weil es einfach überall ist! Ha! Vielen Dank! 😀

    • Anabelle 2. August 2017 / 22:20

      Haha, das freut mich! Habt ihr wenigstens um was gewettet? 😀

      Liebe Grüße
      Anabelle

  13. 14. August 2017 / 0:28

    Huhu :3

    Ich schreibe grade meine Seminararbeit, verwende Prozentangaben und habe mich an diesen Artikel erinnert – werde jetzt ganz brav die Leerzeichen vor den %-Zeichen setzen (auch wenn ich fast vermute, dass meine Dozentin das gar nicht zu würdigen weiß :P)

    nächtliche Grüße,
    Verena

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