Schuld und Menschlichkeit – Constantin Himmelried

Auf einen Blick

Titel: Schuld und Menschlichkeit: Justizfälle über Moral und Gerechtigkeit
Autor: Constantin Himmelried
Verlag: tredition
Erschienen: 8. Februar 2017
Seiten: 284
Preis: 12,99€

Zum Buch

Vier Fälle der deutschen Justiz beleuchtet Constantin Himmelried in seinem Buch, die Straftaten reichen von Diebstahl bis hin zu Mord. Schuld und Menschlichkeit gibt einen Einblick in Strafprozesse, das Leben im Gefängnis und zeigt, was hinter den Gerichtsurteilen steckt.

Ist Recht gleich Gerechtigkeit?

Diese Frage stand für mich über jedem einzelnen Fall. Schuld und Menschlichkeit erzählt dem Leser nicht nur von den Justizfällen selbst, sondern auch von den Motiven der Täter und davon, dass Recht und Gerechtigkeit häufig nicht gleichzusetzen sind.

Die Sprache des Buchs ist sehr sachlich, ausschmückende Sätze braucht man hier nicht zu erwarten. Sie wären bei diesem Thema allerdings auch unpassend, da die Texte überwiegend aus Dialogen und Fakten bestehen. Der parataktische Schreibstil sorgt zusätzlich für ein enormes Lesetempo. Was ich bei all der Sachlichkeit nicht erwartet hätte, ist, wie sehr mich die einzelnen Fälle berührt haben. Es ist erschreckend, wie schnell wir uns ein Urteil bilden, von den Medien beeinflussen lassen und eine vorab bestehende Meinung haben – aufgrund von Vorurteilen, persönlicher Erfahrungen, was auch immer. Oft vergessen wir dabei, einen Schritt zurückzutreten, Dinge zu hinterfragen und beide Seiten einer Geschichte unvoreingenommen zu betrachten.

Gerade beim ersten Fall habe ich genau das an mir beobachten können. Bei den folgenden Erzählungen ahnte ich dann schon zu Beginn, dass mehr hinter den Geschichten steckt als das Urteil, das sich bereits in meinem Kopf formen wollte. Was das angeht, hat mir das Buch wirklich unglaublich gut gefallen. Auch die einzelnen Fälle sind gut gewählt, da sie eine große Bandbreite an Straftaten abdecken. Darüber hinaus vermittelt das Buch einen Einblick in das Leben in der Justizvollzugsanstalt – wie detailgetreu dieser wirklich ist, kann ich nicht beurteilen, aber es war spannend, darüber zu lesen.

Die einzelnen Fälle sind so verfremdet, dass in den Geschichten keine Rückschlüsse auf die dahinterstehenden Personen gezogen werden können. Bei einem der Fälle jedoch meine ich, den ihm zugrundeliegenden echten Fall zuordnen zu können, der damals hohe Wellen in den Nachrichten schlug – und schon damals hat er mich mitgenommen. Umso spannender war es, die Hintergründe eines solchen Falls erfahren zu können.

Fazit

Insgesamt hat mir Schuld und Menschlichkeit sehr gut gefallen. Es ist trotz seiner Sachlichkeit – oder vielleicht gerade deswegen – fesselnd, legt den Finger auf Fehler des Justizsystems, hält aber vor allem auch uns Lesern den Spiegel vor und zeigt, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen.

3 Comments

  1. Mewa
    16. Juni 2017 / 13:34

    Ach, das klingt nach so einem Buch, das für mich die Idealvorstellung des Jusstudiums gewesen wäre. Allerdings musste ich erfahren, dass man hier nicht hinterfragen darf, ob Recht Gerechtigkeit ist. Das Wort Moral wird mit mit einer wegwerfenden Handbewegung kommentiert – es geht nur um das trockene Lernen, Auslegen und Analysieren von bereits existierenden Normen des Rechtssystem. Und die müssen nicht immer Sinn ergeben. *sigh*
    Aber das Buch klingt echt interessant! Hab’s auf Insta bei dir schon gesehen und finde auch das Cover echt cool 🙂
    Ein gelungener Beitrag!

    • Anabelle 16. Juni 2017 / 14:02

      Hast du das Studium trotzdem durchgezogen?
      In den Fällen wurde auch gezeigt, dass diese Normen des Rechtssystems so ihre Fehler haben – auch wenn die Fälle hier immer irgendwie aufgeklärt wurden.

      Liebe Grüße
      Anabelle

      • Mewa
        18. Juni 2017 / 12:45

        Nein, ich höre jetzt nach dem zweiten Semester auf 🙂 Ich hab da lange mit mir selbst gerungen, weil viele Leute meinen, dass es durchaus besser wird und es ist schon verlockend mit den Jobchancen. Aber die Art von Lernen, die man für dieses Studium braucht, dafür bin ich einfach nicht geeignet. Ich brauche rege Diskussionen und auch ein wenig Philosophie und die Freiheit für’s kreative, abstrakte Denken. In dem Buch, “Ein wenig Leben” ist ja die Hauptfigur ein Anwalt und einer seiner Mentoren beschreibt ganz gut, was das Rechtswissenschaftsstudium ist: Es ist zu eng und stur für kreative Menschen und zu unlogisch für Logiker und Naturwissenschaftler. Hier haben beide Seiten genausoviele Chancen durchzukommen, wie sie es nicht haben – Jus kann jeder studieren und schaffen (wie ein Professor von mir sagte), aber nicht jeder ist dafür geeignet.

        Ich glaube, deswegen bleibe ich wohl lieber dabei Bücher über solche Dinge zu lesen 😀 Klingt wirklich cool 🙂 Ich habe außer ‘Der Vorleser’ und ‘To kill a mockingbird’ noch keine Bücher mit diesen Themen gelesen, dabei fand ich sie beide echt gut. Solle mal nachgeholt werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.