Autor vs. Werk oder: Was tun mit den Büchern?

Hallo, ihr Lieben!
Wieder einmal ein ungeplanter Beitrag zu einem Thema, das mich heute zum Nachdenken gebracht hat. Falls ihr mir auf Twitter folgt, habt ihr es ja vielleicht schon mitbekommen: Fantasyautor Brandon Sanderson hat sich ziemlich homophob geäußert, sich dann für die homophoben Äußerungen entschuldigt und in dieser Entschuldigung noch ein bisschen Homophobie verteilt – Elif hat es ganz passend “Nopology” genannt.
Nun habe ich von Sanderson auch noch ein Buch im Regal, signiert, ein Geschenk von Book Walk. Verschenken möchte ich es aus oben genannten Gründen nicht, weggeworfen habe ich ein Buch bisher noch nie. Was tun?

Brandon Sandersons Äußerung über HomophobieNachlesen könnt ihr seinen gesamten Beitrag hier

Dem ganzen liegt natürlich die Frage zugrunde, inwieweit man Kunst und Künstler voneinander trennen kann und sollte. Wagner und Luther haben sich antisemitisch geäußert, die meisten Autoren der Klassiker in unserem Regal waren nicht gerade Verfechter der Gleichberechtigung und nun haben wir zeitgenössische, berühmte Autoren, die homophobe, menschenfeindliche Ansichten vertreten.

Meine Frage an euch: Wie geht ihr damit um?

Ich für meinen Teil habe entschieden, diesen Autor nicht zu unterstützen. Denn gerade bei noch lebenden Künstlern profitieren sie von meiner Partizipation an ihrer Kunst. Höre ich mir die Walküren auf Spotify an, unterstütze ich Richard Wagner nicht mehr, aber lese ich die Mistborn-Trilogie und blogge über die Reihe, unterstütze ich einen Autor, dessen Ansichten ich in keiner Weise teile.

Meine erste Reaktion war es, das Buch zu verschenken, ins öffentliche Bücherregal zu stellen oder ähnliches. Allerdings sehe ich darin schon wieder das Problem, dass ich dadurch die Werke des Autors verbreite. Das Wegwerfen eines Buchs geht mir irgendwie genauso gegen den Strich, da Bücher für mich immer noch ein kleines Heiligtum sind und letzten Endes ja eine ganze Reihe Menschen an der Produktion des Buchs beteiligt waren – vom Setzer bis zum Verleger.

Was würdet ihr tun? Habt ihr vielleicht sogar Werke von Brandon Sanderson und steht vor einer ähnlichen Entscheidung? Oder könnt ihr für euch Werk und Autor komplett trennen?

Ich freue mich über eure Kommentare und Meinungen!

Alles Liebe
Anabelle

Teilen

41 Comments

  1. 28. Juni 2017 / 11:34

    Hallo liebe Anabelle,

    sehr schöner, wichtiger und interessanter Beitrag. Ich habe gestern zwar gesehen, dass es wohl Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Autors gegeben hat, allerdings habe ich dem nicht so viel Aufmerksamkeit zu Teil kommen lassen, da mir die Twitter Hetzjagten teilweise ziemlich auf die Nerven gehen – jetzt im Nachhinein hätte ich gestern vielleicht einmal doch das Ganze richtig lesen und verfolgen sollen. Ich bin schockiert, entsetzt – eigentlich weiß ich gar nicht so richtig, was ich bin. Eine meiner besten Freundinnen liebt diesen Autor; vergöttert ihn und seine Bücher regelrecht und hat mir ebenfalls zwei Bücher von ihm geschenkt; ein drittes habe ich mir vor Jahren einmal selbst gekauft – gelesen habe ich bisher noch keines und jetzt, wo ich das sehe/höre, muss ich sagen, dass ich auch tatsächlich froh drum bin. Was meine Freundin dazu sagen wird, weiß ich nicht – sie unterstützt seit Jahren Minderheiten; egal ob mit Spenden, ehrenamtlichen Tätigkeiten oder sonst was – sie wird am Boden zerstört sein.

    Ich bin ehrlich, ich kann, was Autor und Werk angeht, keine klare Linie ziehen. Ich habe mir gerade versucht vorzustellen, wie ich reagieren würde, wenn z. B. Cassandra Clare, eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen, solche Aussagen vom Stapel lassen würde. Ich glaube enttäuschter könnte ich nicht sein und ich weiß ganz ehrlich nicht, ob ich ihre Bücher dann noch lesen wollen würde. Natürlich sollte man Autor und Werk bis zu einem gewissen Maße immer voneinander trennen, aber ich finde auch hier gibt es Grenzen. Kommentare wie diese überschreiten allerdings diese Grenze für mich und ich bin nicht gewillt, solche Autoren, auf welche Art und Weise auch immer, zu unterstützten, mal ganz abgesehen davon, dass mich seine Bücher ohnehin noch nie wirklich von der Thematik her angesprochen oder interessiert haben.

    Was ich jetzt mit den Büchern mache? Hmm, gute Frage. Ich habe drei Stück davon, bin hin und her gerissen wie du – verschenken? Wohl eher nicht. Wegwerfen? Auf gar keinen Fall! Verkaufen? Das vielleicht schon eher. Aber Geld dafür nehmen? Man könnte das Geld an eine Einrichtung, die unterstützend für die LGBQT+ Community tätig ist, spenden. Lustig wäre es schon … man verkauft die Bücher eines homophoben Autors und spendet das Geld an die LGBQT+ Community. Gefallen würde ihm das sicherlich nicht … Vielleicht also dann eher doch verkaufen. Vielleicht werde ich die Bücher aber auch einfach einlagern, in einem Karton auf dem Speicher oder im Keller. Mir tut es Leid für die Bücher, für den Autor allerdings nicht.

    Ich finde es einfach nur traurig. Wie viele junge Menschen haben ihn als Vorbild? Wie viele orientieren sich an dem was er sagt, was er tut, was er denkt? Hat er das mit der Entschuldigung überhaupt Ernst gemeint? Ich kann es nicht anders sagen, es ist einfach nur traurig und enttäuschend und mehr als nur menschenverachtend.

    Danke für diesen Beitrag!

    Liebste Grüße
    Ivy

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:02

      Liebe Ivy,

      vielen Dank für dein Kommentar!
      Ich habe mir das Ganze auch gleich mit Sarah J. Maas vorgestellt. Die Bücher würde ich natürlich nach wie vor gut finden – Sanderson schreibt ja scheinbar auch nichts Homophobes –, wäre aber auch einfach nut enttäuscht und würde sie auch nicht mehr weiter unterstützen wollen. Von den Käufen und allem profitiert eben nicht das Werk selbst, sondern der Mensch, der dahinter steht.

      Ich finde die Idee mit der Spende übrigens richtig toll! 🙂
      Wobei man online ja meist so 30-60ct pro Buch bekommt, aber man kann ja großzügig aufrunden. 😀

      Liebe Grüße
      Anabelle

  2. 28. Juni 2017 / 11:53

    Das ist eine schwierige Frage.

    Ich bin mir sicher, dass mir Leute hier wiedersprechen werden, aber ich sehe es wie folgt:
    Autor und Werk sind zu trennen solange der Autor seine politischen Meinungen nicht in das Buch einfließen lässt. Das gilt sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Ich will kein Buch lesen, das grundlos homophob oder rassistisch ist. Ich will aber auch kein Buch lesen, das grundlos “politisch korrekt” ist.
    Ich will Bücher lesen, die glaubwürdig und ihrer Zeit angemessen sind.

    Aber es gibt Grenzen. Ist ein Autor ein aktives Mitglied der AfD (oder vergleichbarer Parteien im Ausland) und die geschriebenen Bücher rücken in den Hintergrund zugunsten der Person, dann würde ich einen Autor boykottieren…

    Letztendlich kann man das aber nicht verallgemeinern und muss jeden Fall einzeln betrachten. Und jeder muss für sich selbst bestimmen, wie die eigenen Grenzen liegen. Zu deinem Buch von Brandon Sanderson: Ich würde es behalten. Es ist signiert und wie ich herausgelesen habe, mochtest du das Buch. Jedes Buch, das du besitzt beinhaltet nicht nur die Geschichte, sondern auch deine eigenen Erinnerungen. Und die würde ich nicht für einen homophoben Kommentar aufgeben.
    LG Sina

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:05

      Liebe Sina,

      vielen Dank für deine Antwort!
      Gerade weil man nicht verallgemeinern kann, wird es da sicher immer unterschiedliche Meinungen geben. Jeder hat ja auch Dinge, die für ihn absolut tabu sind, die ein anderer aber schon wieder viel lockerer sieht. Bei mir ist da zum Beispiel schon eine Grenze überschritten, da ich – Religion hin oder her – Homophobie nicht toleriere. Für viele andere, wie die Dikussion auf Twitter gezeigt hat – ist das Ganze gar kein Problem, da das Buch seine Gesinnung offenbar nicht widerspiegelt.

      Ich kann zu dem Buch nichts sagen, da ich es noch nicht gelesen habe. Ich weiß nicht, ob es mir gefallen würde, aber momentan möchte ich es nicht lesen.

      Liebste Grüße
      Anabelle

    • Sophie
      29. Juni 2017 / 13:29

      Hallo Sina!
      Du schreibst: “Ich will kein Buch lesen, das grundlos homophob oder rassistisch ist.” Ich verstehe nicht genau, wie Du das meinst. Gibt es einen Grund ein homophobes oder rassistisches Buch zu schreiben? Wenn es einen Grund gäbe (ich bin der Meinung, dass es keinen gibt…ich komme mir schon komisch vor das überhaupt zu schreiben, weil das für mich selbstverständlich ist), dann sind Rassismus und Homophobie ok???Ich möchte Dir natürlich nicht unterstellen, dass Du das so gemeint hast, aber die Formulierung ist mir direkt aufgefallen. Vielleicht hast Du ein Buch gemeint, dass sich mit diesem Thema auseinandersetzt und Dich nur unglücklich ausgedrückt.

      LG Sophie

  3. 28. Juni 2017 / 12:03

    Schwierig. Ich persönlich trenne den Künstler oft von seiner Kunst, aber nie die Kunst vom Künstler. Soll heißen: Ich folge z.B. auf Twitter ein paar Autoren/Künstlern, deren Kunst mir egal ist, weil sie z.B. Liebesromane schreiben, was nicht mein Genre ist, deren Tweets und Gedanken bzw. die ich als Person aber interessant oder sympathisch finde. Umgekehrt ist es mir zwar vollkommen egal, ob der/die AutorIn eines Buchs, das ich mag, total lieb ist oder nicht, aber nicht, welche politische Ansichten er/sie vertritt. Das ist etwas vereinfacht, aber grundsätzlich halte ich es fast für unmöglich, unpolitische Kunst zu produzieren. (Denn am Ende wird ja nichts in einem luftleeren Raum publiziert und auch eine Entscheidung à la “Ich fasse in meinem Buch dieses und jenes aktuell disktuierte Eisen eben NICHT an” ist ja ein Stück weit politisch, indem sie versucht, nicht politisch zu sein.) Wobei ich an dieser Stelle auch immer wichtig finde, zu beachten, in welcher Zeit jemand geschrieben hat. Cicero (um ein harmloseres Beispiel zu nehmen) hat z.B. in seiner Staatstheorie die Demokratie praktisch verteufelt, aber das hängt schlicht auch mit seiner Zeit und dem politischen Verständnis darin zusammen. Bzw. finde ich es nochmal deutlich schlimmer und erschreckender, wenn sich heutzutage ein Autor rassistisch/homophob/antisemtisch/sexistisch/wie auch immer äußert, weil wir inzwischen in einer Gesellschaft leben, in der diese Dinge nicht mehr so gesellschaftsfähig sind wie zu früheren Zeiten und es damit nochmal etwas deutlich Extremeres hat.

    Damit hat sich für mich persönlich das Sanderson-Thema genauso erledigt. Ich an deiner Stelle würde es vermutlich im Regal stehen lassen und vielleicht mal z.B. bei einer buchigen Bastelaktion spenden o.ä. (Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich finde solche DIYs immer total schön, wenn ich sie online sehe, will aber immer kein Buch dafür opfern, wenn ich es ja noch weiterverschenken oder spenden könnte.) Dann ist es nicht weggeworfen und hat noch einen guten Zweck, aber du promotest nicht noch einen Autor, den du nicht promoten willst.

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:08

      Liebe Aurelia,

      in gewisser Weise ist Kunst bestimmt immer politisch, so wie man angeblich immer etwas Biographisches in seine Werke mit einbaut, das stimmt.
      Ich finde es auch definitiv schlimmer, wenn sich ein zeitgenössischer Autor beispielsweise sexistisch äußert als wenn es ein Lessing tut. Man ist in gewisser Weise vielleicht immer Kind seiner Zeit.

      Ich hab mich tatsächlich auch noch nie getraut, ein Buch für eine der DIYs zu opfern – eine gute Idee.

      Vielen Dank für deinen Beitrag!

      Liebe Grüße
      Anabelle

  4. Jürgen Albers (@dr_juergen)
    28. Juni 2017 / 13:08

    Hallo Anabelle,
    ja.. das Gefühl kenn ich. Als Akif Pirinçci, der Schöpfer von so genialen Romane wie Felidae oder Der Rumpf sich immer mehr zu einem rechtsradikalen A… entwickelte, habe ich beschlossen, keine Bücher mehr von ihm zu kaufen. Ich habe die Prints behalten, aber die Bücher aus meinen online einsehbaren Bücherlisten wie LB gelöscht. Und es war sehr schwer für mich. Beide Bücher liebe ich sehr, aber mit seiner Gesinnung kann ich absolut nicht klarkommen. Da stehen wir an unterschiedlichen Enden des Universums.
    Ich fürchte, es ist und bleibt immer schwierig. Soll man Tom Sawyer und Huck Finn nun verbannen, weil sie Rassismus enthalten? Verbreite ich ihn weiter, wenn ich diese Bücher verschenke oder aus ihnen vorlese? Ich finde es schwierig, auch weil mir generell immer zu viele Bücher verboten werden. Aus was für guten Gründen auch immer. Immer quält sich mein Herz, wenn ein Buch verboten wird… Schwieriges Thema. Danke, dass du es angesprochen hast. Drück dich.
    Liebe Grüße
    Jürgen

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:14

      Lieber Jürgen,

      ja, an Pirinçci musste ich auch direkt denken! Wobei er ja Hetze betrieben hat und zwischen Hetze und Meinungsäußerung noch einmal ein Unterschied besteht – auch wenn der, meiner Meinung nach, nicht ganz transparent ist.
      Man muss Bücher sicher auch immer im Kontext ihrer Zeit sehen. Bei Huck Finn unterstützt man den Autor ja zum einen nicht finanziell, zum anderen ist es in einer ganz anderen gesellschaftlichen Situation entstanden. Das Problem stellt sich ja auch bei heutigen Auflagen – was verändert man sprachlich, was lässt man so stehen. Das finde ich auch ein richtig schwieriges Thema. Aber ich denke, wenn man die Bücher weitergibt, liest und genießt, kann man ja trotzdem anerkennen, dass sie im heutigen Kontext problematisch sind. Ich bin ein riesiger Goethe-Fan, würde er heute leben und genauso wirken wie damals, hätte ich mit einigen Szenen seiner Werke sicher auch ein Problem.

      Ich bin generell dagegen, dass Bücher verboten werden und will absolut nicht dazu aufrufen, Sandersons Bücher zu verbieten! Zumal sie (so habe ich jetzt schon mehrmals gehört) ja gar keine homophoben Äußerungen enthalten. Ich frage mich nur wirklich, was da die “richtige” Vorgehensweise ist und ob es überhaupt eine gibt.

      Vielen Dank auf jeden Fall für deinen Kommentar!

      Ganz liebe Grüße
      Anabelle

  5. 28. Juni 2017 / 13:25

    Ist wie mit Polanski und den Vorwürfen gegen ihn wegen Vergewaltigung.
    Ja, man kann die Person vom Werk trennen.
    Und man kann die Person immer wieder drauf aufmerksam machen, dass sie Verwerfliches von sich gibt.

    Aber der Rest ist schwierig zu entscheiden.
    Was wollen wir? Am Ende doch, dass die Person ihr Unrecht einsieht und ein Wandlungsprozess beginnt, oder?

    Da könnte man ansetzen.

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:17

      Liebe Anni,

      vielen Dank für deinen Beitrag!
      Ja, wobei ich glaube, dass es schwer ist, da diese Menschen ja ganz andere Ideale und Wertvorstellungen haben, wie das Interview zeigt. Er würde sich von mir sicher genauso wünschen, dass ich meine Meinung ändere.

      Polanski und die Vorwürfe um ihn sagten mir zwar was, aber ich hab gerade mal nachgeschaut, bei welchen Filmen er Regie geführt hat und ja – dann dürfte ich “Der Pianist” jetzt nicht mehr schauen, der meiner Meinung nach einfach nur großartig ist.

      Liebe Grüße
      Anabelle

      • Anni
        28. Juni 2017 / 19:09

        siehst du, da kommt man schnell in eine Schiene, die man vielleicht auch nicht will.
        wobei umgekehrt auch nicht gilt, dass jemand alles darf, weil er tolle Kunst macht.

        und heute ist offenbar ein besonderer Tag, weil ich das schon einmal wo gesagt habe: ich bin immer noch Idealistin und glaube an die Fähigkeit von Menschen, sich zu ändern. Es geht nur nicht in einem Tag, wie die Schnelligkeit im Netz suggeriert. Alles was da vielleicht rausschaut, sind lahme Entschuldigungsversuche. Das Wort “sich entschuldigen” sagt ja auch schon alles: Tatsächlich kann man sich selbst nicht ent-schuldigen im Sinne von frei sprechen, man kann nur um Entschuldigung bitten. Großer Unterschied.

  6. 28. Juni 2017 / 13:25

    Ich kenn sowas leider auch. Von einer Autorin, deren Bücher ich früher vergöttert hab (hab sie auch als Teenie gelesen, eine nun mal prägende Zeit xD) und seit ich weiß, dass die Autorin in ihrem eigenen fandom Leute gegen einander hetzt, Kritikern auch mal mit rechtlichen Schritten droht, geh ich ihren Büchern aus dem Weg. Die Fernsehserie, die auf ihren Büchern basiert und wo sie keinerlei Mitspracherecht hat (was sie desweilen auch mal auf twitter raushängen lässt) unterstütze ich aber leidenschaftlich.
    Ich will jetzt nicht unbedingt Namen nennen, aber vielleicht kann man sich ja denken, wen ich meine.

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 16:17

      Ich kann es mir nicht denken, aber das macht ja nichts! 🙂
      Das ist aus jeden Fall auch schade und beeinflusst sicher nicht weniger das Kaufverhalten!

      Liebe Grüße
      Anabelle

  7. 28. Juni 2017 / 14:58

    Ich sehe das ähnlich wie du, dass es einen Unterschied macht, ob die Autor*innen jetzt noch vom Support profitieren oder nicht. Ich hab allein dieses Jahr schon wieder einige Klassiker gelesen, die nicht mit meinen Ansichten bzgl. Rassismus einhergehen (dazu plane ich auch einen Post, irgendwann), deshalb boykottiere ich sie noch nicht direkt – aber man muss es unbedingt problematisieren. Bei zeitgenössischen Autor*innen allerdings teile ich den Zeitgeist und denke, dass es fair ist, mit den hohen Ansprüchen ranzugehen. Da gilt “Der Autor ist tot” nun so gar nicht, denn gewisse Dinge fallen einfach nicht unter “Meinung”, sind universell (/sollten es sein) und Informationszugang hat ein Sanderson sicher genauso wie wir. Es ist eine Sache, es nicht besser zu wissen, eine andere, sich trotz Einlesens so zu positionieren. Das fällt für mich, wie gesagt, nicht unter Meinungsverschiedenheit. Es gibt so viele Autor*innen, da kann man auch einfach andere unterstützen.
    Ich hab ähnliche Gefühle auch seit längerem mit Woody Allen (Midnight in Paris wird mir so häufig empfohlen), aber ich bringe es einfach nicht über mich, seine Filme zu gucken und ihn zu unterstützen. Auch bei Johnny Depp hab ich da inzwischen große Hemmungen.
    Mir ist es wichtiger, gesellschaftlich diskriminierungsfreie Räume zu schaffen, wichtiger als mein persönlicher Genuss. Seine Bücher mögen seine Ansichten nicht beinhalten und gut sein, aber dass homosexuelle Menschen mit diesen Aussagen konfrontiert werden mussten und sich sehr wahrscheinlich unwohl gefühlt haben, reicht mir als Begründung aus.

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 15:28

      Vielen Dank für diesen Beitrag! Du hast damit meine Gefühle noch einmal perfekt beschrieben.
      Ich gucke mir genau deshalb auch nichts mehr mit Depp etc. im Kino an und habe Filme nicht gesehen, die mir sicher gefallen hätten, weil ich White Washing nicht finanziell unterstützen will (Ghost in the Shell).

      Natürlich fällt es unter freie Meinungsäußerung – aber das macht es eben nicht weniger diskriminierend und menschenfeindlich.

      Ich werde es machen wie du und auch lieber andere AutorInnen unterstützen.

      Liebe Grüße
      Anabelle

  8. 28. Juni 2017 / 17:05

    Hardcore.

    Ich habe mittlerweile 2 Autoren auf meiner Black List – egal, wie hochgejubelt deren Bücher auch werden, ich würde nie nie nie wieder eines davon kaufen.

    Mir ging es auch so, dass ich das Buch eines Autors dann unerwartet zugeschickt bekam – ich hab es bis heute nicht gelesen, weil mich das Buch allein aufgrund des furchtbaren Verhaltens des Autors überhaupt nicht mehr reizt.
    In meinem Fall werde ich es schlussendlich wohl verlosen oder verschenken.

    Ein Geschenk – und noch dazu ein signiertes – von Philip kann man natürlich nicht wegwerfen oder verlosen. 🙂 Dilemma Dilemma. Vielleicht versuchst du ja wirklich mal, reinzulesen und siehst dir an, ob du es genießen und den Fakt, dass der Autor ein homophober Trottel ist, ausblenden kannst. Ich würde zumindest ab sofort den Schritt gehen und sagen: Ich kaufe keine weiteren Bücher von besagtem Autor. Das ist für mich persönlich die einzig mögliche und richtige Konsequenz auf die Aussagen von Sanderson.

    LG Nana

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:20

      Liebe Nana,

      vielen Dank!
      Also aktuell habe ich wenig Lust, das Buch zu lesen und auch wenn ich mit dem Lesen an sich ja nichts unterstützen würde – ich weiß nicht. Ich glaube sogar, ich hätte Angst, dass es mir dann richtig gut gefällt und ich dann so richtig in einem Dilemma stecke. 😀

      Aber vermutlich ist das die beste Lösung: Für sich entscheiden, wen man liest und wen nicht und somit eben eine Entscheidung treffen.

      Liebe Grüße
      Anabelle

  9. 28. Juni 2017 / 17:20

    Ich habe eine Weile mit mir gerungen, zu kommentieren, aber ich habe das Essay sowie das Statement vollständig gelesen. Ich habe es zur Sicherheit 2x gelesen, weil mein Englisch nicht so brillant ist und ich sichergehen wollte, dass ich nichts überlesen habe.

    Im Kern finde ich in dem Essay fünf Thesen:
    1. In Sandersons Glaubenswelt ist Homosexualität etwas, das nicht im Einklang mit dem Willen Gottes steht. Aus diesem Grund ist er der Ansicht, dass Homosexuelle in der mormonischen Kirche nicht kirchlich! heiraten sollten.
    2. Sanderson sieht darin weder eine Krankheit noch einen psychischen Defekt, der der Behandlung bedarf, sondern allenfalls einen Mangel an Willensstärke.
    3. Sanderson gibt zu, dass er als cis Mann nicht darüber urteilen kann, wie Homosexuelle empfinden und deshalb auch nicht urteilen sollte.
    4. Sanderson sagt, dass seine Meinung allein seine ist und gesteht jedem zu, eine andere zu haben und danach zu leben.
    Daneben finde ich viel darüber, dass die Sexualität einer Romanfigur nur ein Teilaspekt ihres Charakters ist, dass man weder die Figur, noch das Buch deshalb verwerfen soll, dass man als Eltern aufpassen soll, nicht negativ auf homosexuelle Romanfiguren zu reagieren, weil es das Vertrauensverhältnis der Kinder beschädigen würde, wenn sie feststellen, dass sie selbst homosexuell sind. Und so weiter.
    Aus alledem lese ich heraus, dass Sanderson für sich selber mit Homosexualität nichts anfangen kann, aber auch kein Problem damit hat, wenn andere es sind, es zeigen und leben wollen.

    Wenn das so homophob ist, dass es eine komplette Ablehnung des Autors rechtfertigt, frage ich mich ernsthaft, welche Anforderungen an die moralische Reinheit eines Autors oder einer Autorin zu stellen sind. Abgesehen von solchen Fragen, wie ob man Autor*innen, deren Bücher offen sexistisch sind, wie George R. R. Martin, Erin Watt, E. L. James oder Stephenie Meyer noch lesen darf? Wie ist mit Autoren wie Jonasson zu verfahren ist, dessen Hundertjähriger nicht nur säuft, wie ein Loch, sondern auch alles mögliche in die Luft sprengt? Oder mit King, in dessen Roman Sara der Geist einer schwarzen Sängerin umgeht und Weiße umbringt: Ist das nicht rassistisch? Kann man hinnehmen, dass Hemmingway Großwildjäger war und den Stierkampf geliebt hat oder sollte man ihm den Nobelpreis nachträglich aberkennen? Soll man de Sade verbrennen? (Die Frage ist zugegebenermaßen nicht von mir, die hat schon Simone de Beauvoir gestellt)
    Aber das betrifft ja den Inhalt der Bücher. So weit ich weiß, wurde Sanderson aber nie vorgeworfen, dass seine Bücher irgendwie homophob oder schwulenfeindlich seien. Bei ihm geht es um seine Lebensführung, sein Gewissen. Darum, ob er finden darf, dass Schwule nicht zusammenlegen sollen (wohlgemerkt, ohne es verbieten zu wollen).
    Ich halte diese Ansicht für falsch. Für mich klingt der Ansatz etwas verschroben und weltfremd. Aber sie liegt für mich auf dem gleichen Level, wie zu sagen: “Ich halte es für falsch, Tierkadaver zu essen. Deshalb tue ich es nicht. Aber wenn du totes Tier essen willst, ist das deine Sache. Ich werde es dir nur nicht braten.”

    Ich finde, so viel Meinungsverschiedenheit muss man aushalten können.

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:37

      Liebe Nike,

      erst einmal Danke, dass du kommentiert hast! 🙂

      Der Blogbeitrag Sandersons ist ja die Entschuldigung auf eine vorherige Aussage, die noch einmal krasser war. Natürlich kann man das im Kontext der Religion sehen. Ich muss dazu sagen, dass ich kein großer Fan von Religionen bin, da sie meist genau darin enden: Wir – und die anderen. Und das führt zwangsläufig dazu, dass man anderen Menschen weniger Rechte zuspricht als sich selbst, was ich absolut nicht vertreten kann. Daher kann ich seine Aussage auch (für mich zumindest) nicht damit verteidigen, dass er nun einmal Mormone ist und diese Religion vorsieht, dass man so denkt.

      Eine Frage noch vorab (einfach aus Interesse, die hat nichts mit der eigentlichen Debatte zu tun): Wo genau ist George R. R. Martin sexistisch? Das habe ich zum Beispiel überhaupt nicht rausgelesen und er bezeichnet sich ja selbst als überzeugten Feministen.

      Sanderson sieht Homosexualität als einen Impuls, gegen den man sich verweigern soll. Und das sagt er in seiner sehr viel milderen “Entschuldigung”. Das ist homophob. Die Aussage und seine Einstellung.
      Seine Werke habe ich noch nicht gelesen, stimme dir aber zu: Wenn ich alles richtig verstanden habe, trifft er in diesen keinerlei solche Äußerungen! Deshalb ja auch die Frage, ob man dann Werk von Autor trennen sollte.

      Zu deiner Frage über das lesen dürfen: Mir ging nie darum, ob man die Bücher nun lesen darf oder nicht! Die Bücher sind nicht verboten, jeder kann, darf und soll lesen, was er möchte. Ich werde auch niemanden für das Lesen dieser Bücher (oder der Bücher einer E. L. James) verurteilen, nur weil ich sie nicht lese!
      Die Werke, die du unten aufzählst, habe ich nicht gelesen und weiß deshalb nicht, ob Stephens Werk rassistisch ist. Da sehe ich es aber eher so, dass man die Motivation einer Figur nicht automatisch mit der Motivation des Autors gleichsetzen kann – allerdings weiß ich, wie gesagt, nicht, wie die Bücher umgesetzt sind und wie die Figuren mit ihren Einstellungen davonkommen.

      Soll man Sade verbrennen: Dazu habe ich schon einmal geschrieben, weshalb ich gegen Bücherverbrennung bin, nein. Und zu Hemingway: Wie bereits gesagt, profitiert der Autor hier zum einen nicht mehr von meinem Geld, ich unterstütze ihn als Mensch also nicht beim Kauf und zum anderen muss man Werke natürlich im Kontext ihrer Zeit sehen – kann aber in Bezug auf die heutige Gesellschaft auf jeden Fall feststellen, dass sie im aktuellen Kontext problematisch wären.

      Ich kann Homophobie persönlich nicht auf eine Stufe mit Fleisch essen stellen und zähle rassistische und homophobe Äußerungen nicht in gleichem Sinne als “Meinung” wie ich das bei Äußerungen übers Essen oder sonstige Einstellungen zum Leben tue. Es ist ebenfalls eine Meinung, ja, aber sie hat ganz andere und drastischere Auswirkungen auf andere Menschen.

      Allerdings passt dein Schlusssatz ja auch hier sehr gut: Es gibt unterschiedliche Meinungen und man wird wohl nur in sehr, sehr wenigen Fällen wirklich mit allen zu einem Konsens kommen.

      Liebe Grüße
      Anabelle

      • 29. Juni 2017 / 8:59

        Hallo Anabelle,

        auch, wenn wir damit vom Thema abkommen: George R. R. Martin mag sich ja selbst als Feminist sehen, aber wenn ich mir das Personal von GoT (der Bücher) angucke, finde ich da nichts Feministisches. Ja, es gibt Frauen, die körperlich kämpfen (Arya Stark und Brienne von Tarth), statt sich Gedanken über ihr Aussehen und wie sie wen ins Bett bekommen, zu machen. Beide haben aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind hässlich. Brienne v. Tarth sogar so hässlich, dass man sie in Frauenkleider steckt, um sie zu verspotten.
        Alle gutaussehenden Frauen dagegen sind sehr an ihrem Aussehen interessiert – und daran, es einzusetzen, um Männer an sich zu binden. Gut, das ist in gewisser Weise verständlich. Wenn es leichter ist, auf diese Weise Macht zu erlangen, warum nicht?
        Aber wo sind die hässlichen Frauen, die trotzdem an Sex interessiert sind und ihr Geld oder ihre Macht nutzen, ihn sich zu verschaffen? Wo sind die schönen Frauen, die nicht an Männern interessiert sind, sondern an Büchern, Abenteuern oder meinetwegen Finanzpolitik? Wo gibt es Freundschaften zwischen Frauen oder strategische Bündnisse, die nicht darauf abzielen, einen Mann für sich zu gewinnen?
        Alles das gibt es bei Martins männlichem Personal und wenn er wirklich Feminist wäre, hätte er auch solche Frauencharaktere geschrieben. Aber die Rolle der Frauen ist bei ihm ausschließlich durch ihren Bezug auf Männer definiert. Ganz deutlich wird das bei Daenerys. Durch den Bruder verschachert, gewinnt sie nach ihrer Heirat an Macht, indem sie ihrem Mann neue sexuelle Erfahrungen bietet. Als er stirbt, weigert sie sich zwar, ins Exil zu gehen, umgibt sich aber wiederum fast ausschließlich mit Männern. Und “natürlich” ist darunter einer (der Potenzbolzen schlechthin), mit dem sie ein Verhältnis anfängt. Unter all’ den Menschen, die sie befreit, ist keine einzige Hexe, Zauberin, Ratgeberin, wasauchimmer, die sich ihr anschließt und in ihren Ratgeberkreis aufrückt. Nur Männer. Das ist für mich sexistisch, ganz egal, wie Martin sich selber bezeichnet.
        (Ganz abgesehen davon, dass es bei der Bedeutung, die Sex innerhalb der Reihe hat, auch verwunderlich ist, dass kein einziges offen lesbisches oder schwules Paar vorkommt und Sex miteinander hat, so dass auch Martins Einstellung zur Homosexualität ein bisschen fragwürdig ist. Aber du hattest nach Sexismus gefragt.)

        Aber noch mal zum eigentlichen Thema: Vielleicht ist Essen tatsächlich der falsche Vergleich, auch wenn die Auseinandersetzungen da manchmal quasireligiöse Züge annehmen. Vielleicht ist Religion der bessere Aufhänger. Ich halte Sandersons Einstellung auch für falsch. Als bekennende Agnostikerin kann ich mich über die widersprüchlichen Angaben, was angeblich der Wille irgendwelcher Gottheiten sei, nur wundern. Aber da liegt auch mein Punkt: Genauso wenig, wie Sanderson sich in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Homosexuellen versetzen kann, kann ich mich 100% in die Gefühls- und Gedankenwelt eines männlichen Mormonen versetzen. Daher finde ich es genauso anmaßend, einem Gläubigen Vorschriften in Glaubensfragen zu machen, wie ich es anmaßend finde, wenn Heten Homosexuellen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. Aber letzteres tut Sanderson ja nicht. Er sagt lediglich, dass er (persönlich) es falsch findet, aber aber wenn andere anders leben wollten, sei das ihre Sache.
        Das ist genauso eine Meinung, wie ich der Meinung bin, dass es Unsinn ist, sich vom angeblichen Willen höherer Mächte leiten zu lassen, deren Existenz nicht mal bewiesen ist. Aber ich darf daraus nicht der Rückschluss ziehen, man müsse Religionsausübung verhindern und dürfe deshalb keine Moscheen, Kirchen, Synagogen oder Tempel bauen. Wenn ich keine betenden Menschen ertrage, darf ich halt nicht hingucken.
        Darüber hinaus mag meine Meinung, für einen religösen Menschen schwer erträglich sein, sie beschränkt ihn aber nicht in seinen Freiheiten. Genauso wenig wird aber ein Homosexueller in seiner Freiheit beschränkt, nur weil ein Mormone meint, für ihn sei gleichgeschlechtlicher Sex sowas wie Ehebruch ohne Partner.

        Das ist jetzt alles etwas ungeordnet, aber worauf ich hinaus will ist, dass für mich Freiheit auch immer die Freiheit der anders Denkenden einschließt. Man muss nicht immer mit allen einer Meinung sein. Das ist schon deshalb gar nicht möglich, weil wir alle ganz viele Meinungen zu verschiedensten Dingen haben. Was davon wichtig ist und was nicht, entscheidet jede/r Einzelne. Persönlich. Und so lange es nur für sich selbst geschieht, d. h. so lange das Ganze auf Meinungsebene bleibt und nicht die Freiheit der anders Denkenden einschränkt, gibt es für mich keinen Grund, einen Menschen als Ganzes abzulehnen.

        • 29. Juni 2017 / 10:41

          Ich sehe gerade, dass ich ganz vergessen habe, unter meinen Kommentars liebe Grüße zu setzen und wollte das hiermit nachholen.
          Liebe Grüße
          Nike

        • Anabelle 29. Juni 2017 / 20:27

          Hallo,

          also vorab: Es gibt sowohl schwule Pärchen als auch lesbische Figuren in A Song of Ice and Fire, insofern kommt das sehr wohl vor.
          In den anderen Punkten stimme ich dir zu. Allerdings hängt das ja mit dem mittelalterlichen Setting zusammen. Ich finde die Rollenbilder im Mittelalter auch nicht toll, aber es war nun einmal so, dass die Aufgabe der Frau damals nicht darin bestand, ein Schwert zu führen.
          Insofern finde ich es sogar sehr positiv, dass gerade die Sand Snakes oder auch Asha sich diesen Rollenbildern widersetzen und sehr wohl an Politik interessiert sind – und weniger an irgendwelchen Kerlen. Was aber nicht heißt, dass mir vieles beim Lesen auch gegen den Strich ging. Das geht mir beim Lesen von Werken aus dem Mittelalter aber nicht anders.

          Natürlich hat Sanderson die Freiheit, anders zu denken und Homosexualität als falsch anzusehen. Genauso haben wir ja die Freiheit es als falsch anzusehen, andere Menschen aufgrund ihrer Sexualität, einer Eigenschaft, mit der sie geboren sind, zu verurteilen.

          Für mich geschieht es mit dieser Äußerung aber eben nicht nur für ihn selbst, auch wenn er nicht aktiv die Freiheiten anderer Menschen einschränkt. Daher habe ich für mich entschieden, ihn nicht zu unterstützen. Ich kann aber auch vollkommen verstehen, wenn man da nicht so drastisch vorgeht! Denn dass es von mir drastisch ist, sehe ich auch.

          Aber daher ja die Frage – ich finde es wirklich spannend, ob und wie man da trennt.

          Liebe Grüße
          Anabelle

  10. 28. Juni 2017 / 18:27

    So, jetzt bin ich zu Hause und kann auch ein bisschen mehr dazu sagen als nur ‘Was Laura sagt’ 😀 Ich kenne den Beitrag, es ist schon ewig her, dass die Geschichte das erste Mal hochgekocht ist und ich würde mich mal weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass ich im Gegensatz zu anderen seinen Beitrag ganz gelesen und lange darüber nachgedacht habe.

    Ich will ihn weder in Schutz nehmen noch verteidigen und ich teile seine Haltung zu dem Thema nicht, aber ich kann für mich akzeptieren, dass das nunmal seiner Lebensweise entspricht. Ich kann mit Religion und Kirche per se recht wenig anfangen, mit der mormonischen Lebensweise schon überhaupt nichts, aber es ist nunmal wie es ist – es gibt sie. Er lebt danach und er erklärt seine Haltung sehr ausführlich. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass er sich den Beitrag lieber ganz gespart hätte. Er mag das so sehen, aber das spielt keine Rolle, denn er selbst ist ja offenbar nicht betroffen. Für mich entscheidend ist, dass man niemandem seinen Glauben oder seine Meinung aufzwingt, niemandem weh tut und sich respektvoll gegenübertritt, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Ich mag seine Haltung zu dem Thema nicht teilen, aber ich akzeptiere sie. Ich oder jemand anderes werden sie auch nicht ändern können, genausowenig wie ich aus anderen Leuten irgendwas aus dem christlichen Glauben rauskriege, was sich so verwurzelt hat. Aber wie gesagt – wenn es mir nicht weh tut, sollen sie machen. Problematisch wirds, wenn man selbst betroffen (da kann ich in dem Fall nicht mitreden, kann mir aber gut vorstellen, dass dieser Beitrag für manche ein Schlag ins Gesicht ist) oder eben sehr solidarisch ist.

    Klar ist es easy, das mitzubekommen und zu entscheiden, dass man den Autor nicht unterstützen will. Schwieriger wirds aber, wenn man schon weiß, dass man seine Werke mag. Für die einen ist es wichtig, da trotzdem eine klare Linie zu ziehen, andere nehmen den Mittelweg und wieder anderen ist es vollkommen egal. Aber auch das ist wieder von Fall zu Fall verschieden. Mir ist in solchen Fällen wichtig, dass ich mich damit auseinander setze und die Entscheidung nicht davon abhägig mache, wie sehr ich auf die Bücher stehe, sondern ob ich es vertreten kann, die Bücher zu lesen und den Autor für sein Werk zu mögen, obwohl ich ihm nicht in allen Punkten zustimme.

    Und dann lande ich bei der Frage: Wie viele AutorInnen wirds geben, die eine ähnlich problematische Haltung haben, bei denen das aber nicht bekannt ist? Du kannst den Menschen idR nur bis vor die Stirn gucken – Sanderson hat halt hier etwas weiter blicken lassen.

    Du fragst, was du mit dem Buch machen sollst… Ich sage: Behalte es. Es ist zum einen ein Geschenk und eine schöne Erinnerung, zum anderen etwas, zu dem du eine Haltung hast. Auch daran wird es dich erinnern.

    Liebe Grüße,
    Yvonne

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 18:45

      Liebe Ivo,

      vielen, vielen Dank erst einmal für deinen Kommentar!
      Ich habe heute auch noch länger nachgedacht und weiß auch, dass ich in meiner Einstellung etwas “radikal” bin, was, glaube ich, daran liegt, dass ich bei Diskriminierung jeglicher Art immer sehr emotional reagiere.

      Wie du unten sagst: Sicher gibt es viele AutorInnen, bei denen es ähnlich ist und die ich unbewusst unterstütze. Einfach, weil ich davon nichts weiß. Nur weiß ich es hier eben und kann mit mir selbst nicht vereinbaren, dass ich den Autor dann weiter unterstütze.
      Ich habe mich dann im Laufe des Tages selbst gefragt, wie ich reagieren würde, wenn Sarah J. Maas so etwas geschrieben hätte. Ich wäre natürlich total enttäuscht, würde die Werke selbst auch ganz bestimmt weiter lieben – aber weitere Bücher kaufen, könnte ich auch hier nicht mehr, weil ich genau in diesem Moment dann eben nicht mehr nur die Werke, sondern auch die Person dahinter unterstütze.

      Ich kann aber auch deine und Lauras Haltung verstehen, jeder hat dazu eben eine andere Einstellung. Und natürlich muss man bei seiner Äußerung noch einmal von denen unterscheiden, die Homosexuellen förmlich jegliche Daseinsberechtitung absprechen. Nur ist er dennoch homophob. Daran ändert auch seine Religion und Lebenseinstellung nichts.

      Wie du aber schon sagst: Jeder muss das für sich selbst entscheiden. Und ich verurteile zwar Sanderson, aber definitiv niemanden, der seine Werke weiter lesen und lieben möchte – vor allem, da diese die Einstellung ja offenbar nicht teilen!

      Liebe Grüße
      Anabelle

      • 29. Juni 2017 / 21:51

        Liebe Anabelle,

        ich glaube, das ‘mit sich selbst vereinbaren’ ist der springende Punkt. Man kann Autor und Werk trennen, muss man aber nicht immer und in dem Fall sind wir eben aus unterschiedlichen Gründen unterschiedlicher Meinung. Und das ist okay, es gibt meistens ja nicht nur einen Weg.

        Bei Orson Scott Card wars bei mir zB so, dass ich vor seinen Büchern von seiner Einstellung gehört hab – anschließend wollte ich sie gar nicht mehr lesen.

        Unterm Strich ist es nicht einfach, aber deswegen ist es auch umso wichtiger, überhaupt darüber zu reden, daher an dieser Stelle auch mal ein Danke für den schnell in der Mittagspause getippten Beitrag 🙂 Und mit dem letzten Absatz in meinem ersten Kommentar wollte ich dich auch gar nicht überreden, Sanderson doch eine Chance zu geben – du musst es nicht lesen oder gut finden, aber wenn es ein Geschenk ist und du zudem keine Bücher wegschmeißen willst, kannst du es behalten und ihm einfach eine andere Bedeutung geben – ein Geschenk von einem lieben Freund, aber gleichzeit eine Erinnerung an deine Haltung – um dem ganzen vielleicht doch was positives abzugewinnen.

        Liebe Grüße,
        Yvonne

  11. Victoria
    28. Juni 2017 / 18:49

    Ich sehe das wie du! Deshalb kaufe ich seit Jahren Nichts mehr bei Weltbild, da diese vor einigen Jahren alle Bücher mit homosexuellen Handlungen und später alle homosexuellen Autoren entfernt haben. Mir ist es dabei auch egal, ob diese Einstellung noch dort vorherrscht. Die sind bei mir unten durch…wer sich heute in solcher Weise äußert und auch Person des öffentlichen Lebens ist, wird von mir nicht unterstützt. Wenn jetzt Opa mit 90 Jahren was in der Art äußerst denke ich mir, das war eine ganz andere Zeit der Werte, heiße es deswegen noch immer nicht gut, aber differenziere ein wenig. Aber bei allem unter 90 bin ich da intolerant.

    • Anabelle 28. Juni 2017 / 19:54

      Liebe Victoria,

      ja, seit ich das erfahren habe, gehe ich da auch nicht mehr hin!
      Sehe ich genauso wie du.

      Liebe Grüße
      Anabelle

  12. 28. Juni 2017 / 18:59

    Ich muss ganz ehrlich sagen, nachdem ich seinen vollständigen Artikel gelesen habe, die ganze Sache macht mir den Autor nicht sympathischer, sie ist aber auch nicht wirklich etwas, was meine Meinung zu seinen Büchern beeinflussen wird.

    Er hat seine Meinung, die halte ich nicht für richtig, aber es ist ja auch seine Meinung und nicht meine. Er ist bereit sich aktiv mit dem Thema auseinander zu setzen und seine Meinung an das, was er lernt anzupassen. Auch seine geupdatete Meinung ist noch ganz klar von “straight white male”-Privilegien gezeichnet und erst recht von religiösen Ansichten, mit denen ich nun wirklich nichts anfangen kann. Aber ich habe mich mittlerweile oft und lange genug mit den verschiedensten Menschen über dieses Thema unterhalten, um einige seiner Punkte bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen zu können.

    Es ist sein Recht eine Meinung zu diesem Thema zu haben und diese zu sagen. Es ist nicht sein Recht, von anderen zu fordern, dass sie diese Meinung teilen oder offen Hass zu promoten, sei es als die öffentliche Persönlichkeit, die er nun mal ist, oder in seinen Büchern. Letzteres ist, soweit ich weiß, eh nicht der Fall. Ersteres… naja, jeder wird in diesen Artikel hineindeuten können, was er will, aber in meinen Augen ist das im Großen und Ganzen doch weit von Hetze entfernt.

    Ich finde außerdem, dass man bedenken muss, dass selbst die Aktualisierung des Artikels bereits sechs Jahre alt ist und daher nicht daraus hervorgeht, wie sich seine Meinung in der Zeit geändert hat. Ich finde es generell schwierig, Menschen Jahre später noch für ihre Meinung zu verurteilen, wenn der aktuelle Standpunkt nicht klar ist, denn Meinungen können sich weiterentwickeln.

    Wie gesagt, meine Meinung ist grundlegend anders als die von Mr Sanderson und ich kann dein/euer Dilemma auch durchaus nachvollziehen, sehe das persönlich aber einfach weit weniger krass. Ich würde mit dem Mann nicht zwingend Abendessen gehen wollen, aber ich werde nicht plötzlich einen großen Bogen um seine Bücher machen.

    Liebe Grüße
    Hannah

  13. Mewa
    28. Juni 2017 / 22:06

    Huhu, liebe Anabelle!

    Das ist so ein Thema, mit dem ich schon sehr lange ringe.

    Generell ist es so, wie zuvor schon oft angemerkt, dass für mich natürlich die Zeit, in der der Autor gelebt hat, unweigerlich eine Rolle dabei spielt – ich lese Goethe auch sehr gern und möchte irgendwann etwas von Mark Twain lesen. Ein einziger Autor, den ich lange boykottiert habe, war Nietzsche, allerdings interessieren mich seine Werke doch echt viel, dass ich womöglich nachgeben werde.

    Anders ist das natürlich bei gegenwärtigen Künstlerin. Meist kommt der ganze Hate, der vielen Autoren gewidmet wird, für mich nur seitens SJW, das nehme ich auch gar nicht so ernst. Die Leute, die sich über Sarah J. Maas, Colleen Hoover, V.E. Schwab, Maggie Stiefvater – really, wer eigentlich nicht? – aufregen, weil diese Autoren (in den ersten beiden Fällen) heteronormative Figuren und slightly altmodische Frauenbilder vermitteln (Ansichtssache) oder weil sie es gewagt haben, sich zu diesem kontroversen Thema zu äußern und nicht einfach bei allem nicken (in den zweiten beiden Fällen und auch mehr oder weniger Ansichtssache). Ich lese trotzdem all diese Autoren unheimlich gerne und auch wenn ich bei bestimmten Kritikpunkten durchaus zustimme – und sie deswegen immer in meinen Rezis anmerke – werde ich nicht aufhören, sie zu lesen. Autoren sind keine Idealvorstellungen, die direkt aus einer Utopie entsprungen sind – sie sind Menschen equals alles andere als vollkommen.

    Aber das ist keine Antwort auf die Frage, ob ich Kunst und Künstler trenne.
    Naja.
    Nein. Nein, ich trenne sie prinzipiell nicht.

    Mal ein etwas komplizierteres Beispiel: Eine Autorin, die eines meiner absoluten Lieblingsbücher geschrieben hat, ein Werk mit Gesellschaftskritik und politischem Unterton. Sie gestaltet auch Cover. Nun, sie hat mal zu einem Buch das Cover gestaltet, das ich unfassbar (!) problematisch finde, so unfassbar problematisch, dass ich nicht verstand wie jemand, der einerseits so ein tiefgründiges Politdrama schreiben kann, andererseits solche Werke unterstützt. Ich meine, natürlich lesen Designer nicht jedes Buch, für das sie ein Cover machen, müssen sie auch gar nicht; aber sie schauen bestimmt darauf, worum es geht, sollten sich gerade bei solchen Genre besser informieren wie ich finde. Die Autorin hat nie was wirklich schlimmes geäußert und natürlich steht es ihr total frei zu tun und lassen was sie will solange es niemanden schadet. Aber ich weiß nicht – ihr Buch handelt doch gerade davon, wie ignorant Menschen sein können, sie beschreibt es oft genug mit Worten wie “philosophisch” und “etwas ganz Großes” und naja. Sorry, sowas geht nicht bei mir. Ich komme damit nicht klar. Ich sage nicht, dass meine Einstellung eine Gute ist oder so oder das mein Dinge zensieren soll. No way! Niemals, total gegen Zensur. Aber wenn jemand ein Werk gerade mit solchen Messages schreibt, finde ich es einfach verdammt heuchlerisch Dinge zu unterstützen, die nicht unbedingt diesen Messages entsprechen. Von der Autorin habe ich noch ein ungelesenes Buch im Regal und ich konnte mich bisher einfach nicht überwinden, es zu lesen. Ich habe auf jeden Fall nicht mehr vor, in Zukunft was Neues von ihr zu kaufen.

    Ich muss fairerweise dazu erwähnen, dass es nicht nur diese Coveraktion war, die mir unangenehm war, sondern das ich allgemein gar nicht mehr mit der Autorin klar kam irgendwann. Sie kam mir nie ehrlich rüber per Social Media, ich habe nie die Person wiedererkannt, die das Buch geschrieben hat, das ich so vergöttere. Seitdem bin ich auch echt vorsichtig, Autoren überhaupt im Internet zu folgen, weil man, auch wenn man es gar nicht will, gewisse Erwartungen hegt. Und mit meiner Unfähigkeit, Kunst und Künstler zu trennen, ist es einfach schwer, gewisse Dinge einfach zu akzeptieren. Aber naja, das ist natürlich alles persönliches Empfinden und lange nicht messbar mit dem, was Sanderson vollführt hat.

    Für mich landet er definitiv auf einer imaginären Black-List. Genauso Orson Scott Card. Einfach weil ich jetzt von dieser Sache hier weiß und sie nicht wegdenken kann. Ich würde, wie Aurelia vorgeschlagen hat, das Buch definitiv für ein DIY benutzen und dann damit für mich das Ganze abschließen.

  14. 29. Juni 2017 / 11:00

    Das ist eine wirklich verdammt gute Frage und ich weiß wirklich nicht, wie ich oder wir das gut lösen könnten. Ich meine, Brandon Sanderson und seine Bücher haben mich noch nie interessiert, aber er ist ja nicht der einzige Autor der solche Äußerungen gemacht oder Bücher mit fragwürdigen Handlungen/Szenen geschrieben hat. SJM zB ist ja auch nicht unschuldig und ich gebe zu, ich lese die ToG Reihe wirklich gerne, auch wenn dort schon fragwürdiges passiert ist. Aber ich denke, solche Aussagen und Bücher zu kritisieren und andere Leser darauf aufmerksam machen, ist schon einmal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nun ja, ich denke ToG werde ich noch zu Ende lesen, aber ACOTAR nicht und andere Bücher von anderen Autoren mit ähnlichen Äußerungen werde ich boykottieren. – Aber mich würde auch wirklich sehr interessieren, wie Verlage dazu stehen. Sind die wirklich so geldgeil, dass denen das egal ist?

    LG
    Hanna

  15. 29. Juni 2017 / 11:32

    Wow, ich danke dir für diesen Post! Ich bin auf Twitter nur selten unterwegs (irgendwie bin ich da wenig originell) und habe das Thema mal wieder nicht mitbekommen, und jetzt bin ich doch ziemlich erschrocken. Von Sanderson habe ich bereits zwei Bücher gelesen, die mir ziemlich gut gefallen haben und jetzt ist mir schlagartig jegliche Lust vergangen, jemals wieder eines seiner Werke anzufassen. Auch ich habe nämlich schon vor Jahren für mich entschieden, Bücher von Autoren, deren Standpunkte bzw. Verhaltensweisen ich moralisch nicht akzeptieren kann, nicht zu lesen. Daher lese ich unter anderem keine Bücher von Cassandra Clare (die relativ offensichtlich plagiiert und Leser der Polizei meldet) oder Orson Scott Card, der sogar noch offensichtlicher homophob ist. Auch ich habe dazu mal einen Post geschrieben, weil ich es wichtig finde, andere Leser zu warnen.

    Natürlich, und damit haben einige der anderen Kommentatoren hier recht, ist dieser Artikel schon Jahre alt und erst jetzt ausgegraben worden. Aber wenn sich der Autor in den letzten Jahren nicht die Mühe gemacht hat, ihn zu updaten, wird sich da wohl auch nicht viel geändert haben. Zu schreiben, dass die Ehe für Homosexuelle “pain and suffering” bringen wird, weil das die Kirche so sagt, halte ich für nicht nur relativ dumm, sondern auch extrem gefährlich. Und was, wenn er beschließt, diese Meinung in Zukunft auch in den Büchern unterzubringen? Das will ich ja nun wirklich nicht unterstützen.

    Allerdings ist es auch eine schwierige Frage, die du hier stellst, denn ja, was macht man mit diesen Büchern? Letztendlich transportiert der Autor in den beiden Büchern, die ich von ihm gelesen habe, diese Ansichten zum Glück nicht, daher behalte ich sie einfach und kaufe den 3. Band nicht. Bei ungelesenen Büchern ist das noch einmal eine andere Frage, die ich nicht beantworten kann…

  16. 29. Juni 2017 / 14:03

    Liebe Anabelle,

    ich sehe das ähnlich wie Nike Leonhard beschreibt. Du erwähnst ja auch die vielen Autoren von bekannten Klassikern, welche ebenfalls ein Welt- und Gesellschaftsbild haben, dass in eigen Punkten ganz gravierend den eigenen Vorstellungen widerspricht. Für mich gibt es hier zwei Wege, damit umzugehen.

    Entweder ich lese die Bücher und behalte Informationen zur Gesinnung des Autoren im Hintergrund und betrachte die Bücher in diesem Kontext. Ich denke dass ist das, was jeder bei der Lektüre von Klassikern automatisch macht. Lese ich nun Tolstoi, dann mache ich mir sein Verständnis von Religion und Glaube auch nicht zu eigen, fühle mich aber auch nicht von seinen Ansichten gestört und betrachte seine Charaktere im Kontext dieser religiösen Einstellung seines Autoren (ich denke da beispielsweise an Lewin aus Anna Karenina).

    Die zweite Art mit solchen Autoren umzugehen ist für mich sie nicht zu lesen. Eine gewisse Antipathie zum Autoren sorgt bereits dafür, dass ich keines seiner Bücher mehr lesen werde und möchte. Dazu gibt es einfach zu viel Literatur und mein Unterbewusstsein lässt mich dann schon zu einem anderen Buch greifen.

    Aus allem was irgendjemand äußert eine große ideologische Diskussion zu machen halte ich für übertrieben. Es gibt extrem viele Menschen die hinsichtlich Glaube, Gesellschaft, Politik, Philosophie und weiß der Geier was noch, einen völlig anderen Blick auf diese Welt haben. Also hau seine Bücher in den nächsten Bücherschrank, denn über die Abneigung gegen den Autoren beim Lesen kommt man eigentlich nur schwer hinweg. Und wenn jemand diese von dir verschenkten Bücher liest und sich dann noch eines von dem Autoren kauft, also die paar Euro die dann für ihn abfallen, tja ich weiß nicht, davon wird er wohl keinem Homosexuellen schaden.

    Liebe Grüße
    Tobi

  17. 29. Juni 2017 / 16:09

    Ich habe Deinen Blog soeben auf LovelyBooks entdeckt und stöbere gerade etwas herum. Gefällt mir sehr. Ich folge Dir direkt mal.

    Ich habe auch einen Buchblog, welchen ich mit zwei Mädels führe. Vielleicht besuchst Du uns mal =)

    Neri

  18. 29. Juni 2017 / 21:33

    Hallo Anabelle!
    Da sprichst Du ein wirklich wichtiges, aber schwieriges Thema an. Ich fühle mich sofort an die Diskussion erinnert, die zu Paper Princess und ähnlichen Büchern stattgefunden hat. Nicht unbedingt, weil die Themen sich ähneln.
    Sondern weil ich damals die Meinung vertreten habe, dass Autoren nicht immer ihre eigenen Ansichten und Meinungen in ihre Romane packen. Klar machen das viele, aber nicht unbedingt alle.
    Eigentlich sollte man Bücher und deren Autoren voneinander trennen. Nur weil im Buch ein homophober oder gewalttätiger Charakter vorkommt, sollte man nicht darauf schließen, dass auch der Autor solche Ansichten und Gedanken gut findet.
    Wenn es aber ein so klarer Fall ist wie bei Brandon Sanderson dann schaut die Sache schon anders aus. Sehe da die gleichen Bedenken wie Du. Einen solchen Autoren mag man einfach nicht unterstützen. Durch den Kauf ist das Kind allerdings schon in den Brunnen gefallen, fürchte ich… Obwohl ich nie ein Buch von Sanderson gelesen habe, fällt das für mich nun flach. Denn wie Du schon sagtest: ich bin nicht bereit, einen solchen Autoren zu unterstützen und solange es nicht bereits verstorbene Autoren sind unterstützt man sie eben mit jedem einzelnen Kauf.

    Alles Liebe, Nelly

  19. 2. Juli 2017 / 14:15

    Das ist eine ganz ganz schwere Frage mit der ich mich als Germanistin schon oft herumschlagen musste. Denn wie du ja richtig sagst: Gerade (lang) verstorbene AutorInnen hatten unschöne Ansichten.

    Ich sehe es ähnlich wie du: Verstorbene unterstütze ich nicht mehr, bin mir der Schattenseiten aber sehr wohl bewusst und manche Sachen kann ich deswegen auch einfach nicht mehr lesen – eben, weil ich innerlich nicht trennen kann. Beispiel: Nachdem ich meine Diplomarbeit über Klaus Mann geschrieben habe, kann ich Thomas Mann nicht lesen. Es geht einfach nicht. Und das ist ein relativ harmloses Beispiel.
    Als ich draufgekommen bin, was für ein übler Frauenfeind Roald Dahl war, hat mir das echt zugesetzt. Das ist vielleicht idiotisch, aber es ist eben so.

    Bei lebenden Künstlern: Ich unterstütze sie nicht. Ich würde die Bücher/Filme/CDs wohl in eine Kiste packen. Vielleicht geht denen ja doch noch ein “Licht” auf…

  20. 2. Juli 2017 / 16:27

    Hey Annabelle,

    Guter Artikel. Ich habe das selbe Problem mit einem Hollywood Schauspieler, der ein paar richtig gute Filme gemacht hat. Im Privatleben aber Vizechef einer religiösen Sekte ist, die menschenverachtende und rassistische Ansichten verbreitet. Die DVDs habe ich deshalb nicht weggeworfen, ich sehe sie mir manchmal auch noch an, versuche aber, den Schauspieler auszublenden und mich auf die Stroy zu konzentrieren. Neues Material habe ich mir von ihm auch nicht mehr angeschafft und gehe auch in keinen Kinofilm mehr, in dem er mitspielt. Ich denke, damit genug Unterstützung entzogen zu haben. Mehr kann ich nicht machen. Seine Ansichten wird besagte Person eh nicht ändern.

    Wer sich über Sanderson informiert, weiß, dass er Anhänger einer religiösen Sekte ist und auch aktiv in seiner Gemeinde. Deren erzkonservative Ansichten führen einfach zu dem Weltbild, das Sanderson vermittelt. Deshalb wird er jedoch nicht weniger Bücher verkaufen, genau wie der Schauspieler. In den USA hat man andere Ansichten darüber, dein Artikel zbs. würde da einen Shitstorm seiner Anhänger auslösen. Und da wären sicher welche drunter, die äußerst liberal eingestellt sind, vielleicht sogar homosexuell.
    So ist die Welt in der wir leben. Ich denke, diese Frage muss jeder für sich beantworten. Ich unterstütze solche Menschen, egal ob Autoren, Schauspieler oder sonst wer ab dem Moment nicht mehr, wo ich weiß, das sie menschenverachtende Meinungen vertreten. Damit habe ich in meinen Augen getan, was in meiner Macht liegt.

  21. 9. Juli 2017 / 15:01

    Hallöchen,
    ich finde, das ist eine ganz schwierige Frage!
    Erst dachte ich, es geht um die alte Paper Princess-Debatte, denn da finde ich, dass man Autor und Werk trennen muss. Nur weil ein Auter etwas bestimmtes schreibt, heißt das nicht, dass er danach auch lebt. Immerhin geht es um Geschichten über ganz unterschiedliche Charaktere.

    Aber in deinem Fall stimme ich dir zu. Natürlich stellt ein Werk nicht gleich den Autor da, aber unterstützen muss man ihn trotzdem nicht, wenn einem seine verqueren Ansichten nicht gefallen. Ist meiner Meinung nach bei Schauspielern genau das gleiche. Es gibt so ein paar, die ich absolut nicht leiden kann. In deren Filme gehe ich dann wirklich sehr, sehr ungern.

    Liebste Grüße
    Kate ♥

  22. 30. Juli 2017 / 8:39

    Liebe Anabelle,

    die Diskussion ist zwar schon eine Weile her, doch gestern ist sie mir unterwegs in den Sinn gekommen, weil ich nämlich gefaltete Bücher sah und unwillkürlich dachte: Das könnte man mit solchen Büchern machen! Also sie jemandem geben, der daraus (Buchfalt)Kunst macht und zwar vielleicht sogar in einer Art bzw. mit einem Bild, das die Gleichberechtigung aller Menschen symbolisiert. So hätten auch Bücher von Autoren, die man aus den bei dir diskutierten Gründen eigentlich nicht mehr besitzen will, noch einen Sinn und zwar sogar einen sehr schönen.

    Liebe Grüße,
    Myriam

    • Anabelle 30. Juli 2017 / 16:59

      Liebe Myriam,

      das ist eine total schöne Idee! Danke, dass du dafür extra nochmal hierher bist. 🙂
      Dieses Falten wollte ich sowieso mal ausprobieren, weil es so schön aussieht.

      Liebe Grüße
      Anabelle

      • 31. Juli 2017 / 6:15

        Liebe Anabelle,

        das finde ich auch und falls du es versuchst, wünsche ich dir ganz viel Freude dabei! Ansonsten dir noch eine schöne, erfolgreiche und sonnige Woche,

        Liebe Grüße,
        Myriam

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.