The Sun is also a Star – Nicola Yoon

Auf einen Blick

Titel: The Sun is also a Star
Autorin: Nicola Yoon
Verlag: Dressler
Erschienen: 20. März 2017
Seiten: 400
Preis: 19,99€ (Hardcover)

Klappentext

Schicksalsfäden einer großen Liebe! Wie viele Dinge müssen geschehen, welche Zufälle passieren, damit sich die Wege zweier Menschen kreuzen? Als Daniel und Natasha in New York aufeinander treffen, verguckt er sich sofort in das jamaikanische Mädchen. Die zwei teilen einen Tag voller Gespräche über das Leben, ihren Platz darin und die Frage: Ist das zwischen uns Liebe? Doch ihr Schicksal scheint bereits festzustehen, denn Natasha soll noch am selben Abend abgeschoben werden.

Eine besondere Liebesgeschichte: Poetisch, berührend, ein Herzensbuch für junge Frauen!
(Quelle: Dressler)

Mehr als eine Liebesgeschichte

Im Deutschen trägt The Sun is also a Star noch den Untertitel “Ein einziger Tag für die Liebe”. Ich habe also mit einer Teenie-Lovestory gerechnet, war mir sicher, das Buch schnell weglesen zu können – und noch ein Stückchen sicherer, dass es dabei keiner Rezension im Anschluss bedarf.
Jetzt ist es gut zwei, drei Wochen her, dass ich das Buch beendet habe. Und ich habe Redebedarf!

Wie man sich jetzt vermutlich schon denken kann, war das Buch nämlich mehr als eine Liebesgeschichte. “Ein Herzensbuch für junge Frauen”, wie im Klappentext angepriesen wird? Vielleicht. Aber damit verkauft man es ganz schön unter Wert, denn das Buch kann sehr wohl von jedem gelesen werden – ungeachtet des Alters oder Geschlechts.

Nicola Yoon erzählt eine Geschichte von zwei jungen Menschen, die sich im bunten New York unserer Zeit kennenlernen. Daniel ist gerade auf dem Weg zu einem wichtigen Gespräch, das ihm den Zutritt zu Yale verschaffen soll. Natasha erlebt gerade den vermutlich schlimmsten Tag ihres Lebens. Sie soll abgeschoben werden. Nur noch wenige Stunden bleiben ihr, um zu verhindern, dass man sie ihrer Heimat entreißt: Amerika, dem Land, in dem sie aufgewachsen ist, ihre Schule und Freunde hat.
Wie dieses Setting schon erahnen lässt, geht es hier um weit mehr als eine junge Liebe.

“Wenn alle, die in Amerika geboren wurden, beweisen müssten, dass sie es wert sind, hier zu leben, wäre dieses Land deutlich leerer.” – S. 137

Dieses Thema hat mich im positiven Sinn erschlagen und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Stellt euch vor, man will euch innerhalb weniger Stunden alles nehmen. Alles. Euch in ein Land abschieben, mit dem ihr gar nichts verbindet. Weil ihr “illegal” in eurem Land seid. Dass ihr als kleines Kind in dieses Land gekommen seid und damals mit Sicherheit noch gar nicht wusstet, was illegal bedeutet, ist egal. Es zählt nur Bürokratie und dass man euch ganz schnell wieder loswird, den Fehler in den Akten behebt. Ich habe von Beginn an mit Natasha mitgefiebert und wäre am liebsten ins Buch gesprungen, um ihr in all dem Ämterwahnsinn beizustehen.

Die Thematik allein macht dieses Buch schon lesenswert. Die Charaktere Natasha und Daniel, die unterschiedlicher nicht sein könnten, schließt man beim Lesen gleich ins Herz. Was mich aber mindestens genauso beeindruckt hat, war der Aufbau des Buches. Man verfolgt das Geschehen abwechselnd aus Daniels und Natashas Augen – bis hierhin nichts Außergewöhnliches. Ihre Geschichte wird jedoch immer wieder durch eingeschobene Kapitel “unterbrochen”. Unterbrochen in Anführungszeichen, da die Einschübe nie stören und immer hervorragend ins Geschehen passen. So liest man ein Kapitel aus der Sicht einer der Beamten, die mit Natashas Fall zu tun haben, ein anderes Kapitel aus Sicht der Eltern, die vor vielen Jahren nach Amerika aufgebrochen sind, und wieder ein anderes Kapitel widmet sich den Haaren von WoC (Women of Color) oder der Liebe als chemische Reaktion. Diese kleinen Exkurse haben das Buch für mich zu etwas Besonderem gemacht, da man durch sie teilweise einen völlig neuen Blickwinkel auf das Geschehen erhielt.

“Das spielt keine Rolle. Die Leute fragen trotzdem immer, wo ich herkomme. Früher habe ich ‘von hier’ gesagt, doch dann wollten sie wissen, wo ich wirklich herkomme, und dann sage ich Korea. Manchmal sage ich auch Nordkorea und dass meine Eltern und ich aus einem Wasserverlies voller Piranhas entkommen sind, in dem Kim Jon-un uns gefangen gehalten hat. […] Weil es eben keine Rolle spielt, was ich sage. Die Leute sehen mich einmal an und glauben, was sie glauben wollen.” – S. 190

Das Buch zeigt, wie jede kleine Entscheidung und jedes Handeln einen ungeheuren Einfluss auf das Leben anderer Menschen haben kann. Es erzählt von einer jungen Liebe, von Hoffnungslosigkeit und Hoffnung und beschäftigt sich mit so vielen wichtigen Themen. Meiner Meinung nach stehen all diese Themen auch im Vordergrund, bilden die eigentliche Problematik des Buches, sodass die Protagonisten sehr darauf und ihre frische Liebesgeschichte ausgerichtet sind. Alle anderen Charaktere sind Randfiguren, man lernt sie nicht näher kennen. Das hat mich aber gar nicht gestört, da es das Schnelle und die Flüchtigkeit des Erzählten noch unterstrich – immerhin spielt sich die Handlung, wie der Untertitel bereits verrät, innerhalb eines einzigen Tages ab. Genauso schnell lässt sich das Buch auch lesen und hat zumindest mich sehr viel Emotionen durchleben lassen.

Fazit

Für mich ist The Sun is also a Star wirklich ein außergewöhnliches Jugendbuch, das ich nur weiterempfehlen kann! Es ist keine untypische Liebesgeschichte mit untypischen Charakteren und einer untypischen, aber so wichtigen Problematik.

11 Comments

  1. Mewa
    17. April 2017 / 19:58

    Ich liebe das Buch so sehr für das was es tut – finde, jeder kann es lesen, aber es ist gut, dass es als einfache Unterhaltung verkauft wird. Wie viele Leser meinen immer, sie wollen “bloß unterhalten werden?” Und statt sich auf typische NA Bücher zu machen, wurde ich diesen Leuten total gern dieses Buch hier ans Herz legen, denn es unterhält und ist kitschig romantisch – und unterbewusst, da lernt man was. Damit meine ich nicht einmal die Kapitel mit den chemischen Substanzen oder Haircare Industry in Amerika, sondern vor allem die Tatsache, dass man ganz nebenbei den Alltag eines Teenagers kennenlernt, dessen Eltern in den Westen migriert sind – und wo man sich mehr zu dem Land, in dem man aufwächst identifizieren kann, als mit der Ursprungsheimat. Ich konnte so vieles nachempfinden und musste, vor allem bei Daniel so oft lachen, weil “Ich weiß, Buddy, ich kennen das”. So diverse und so schön einfach zugleich – ich bin total dafür, dass es mehr solcher Bücher gibt! 🙂

    Eine wunderbare Rezension! 🙂

    • Anabelle 18. April 2017 / 8:05

      Ja, da hast du Recht. In der Hinsicht ist der Untertitel wirklich gut, da viele – genau wie ich ja auch – dann mit einer “normalen” Liebesgeschichte rechnen.
      Und ich fände es auch großartig, wenn es noch mehr derartige Bücher gibt.
      Freut mich, dass es dir auch so gefallen hat! 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  2. Nicole D.
    18. April 2017 / 8:08

    Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber nach dieser Rezension kommt es auf meine Must-Read.
    Die Thematik passt so gut zur aktuellen Situation in Amerika und sowas liebe ich einfach, wenn ein Buch sich kritisch mit den aktuellen Themen beschäftigt aber einen dabei trotzdem noch fesseln kann. Ich freu mich aufs Lesen!

  3. 18. April 2017 / 10:38

    Schöne Rezension <3
    Ich setze das Buch mal auf die WuLi.
    Übrigens finde ich dein neues Design wahnsinnig schön (ich glaub, das hab ich schon mal irgendwo gesagt) und auch der Hintergrund auf deinen Fotos gefällt mir richtig gut!

    Liebe Grüße und eine schöne Woche,
    Nicci

  4. 18. April 2017 / 22:39

    Wunderschöne Rezension! Jetzt möchte ich das Buch noch eher in meinem Regal sehen anstatt auf meiner WuLi, denn anscheinend wird es dem Hype gerecht und wenn man noch etwas dazu lernt, umso besser! 🙂 Dein neuer Header ist übrigens echt süß! 😀

    Liebe Grüße,
    Hanna

    • Anabelle 19. April 2017 / 21:23

      Vielen Dank, liebe Hanna!
      Ich hatte den Hype vorher gar nicht so mitbekommen, da bin ich sonst nämlich auch immer recht kritisch. Aber ich fand es wirklich richtig toll!

      Liebste Grüße
      Anabelle

  5. 19. April 2017 / 21:17

    Liebe Annabelle,

    ich habe “The Sun is also a star” hier und da immer mal wieder gesehen und habe, wie du, eine typische Jugendliebesgeschichte erwartet und mich auch deshalb nicht mehr weiter mit dem Buch beschäftigt. Aber dein Instragram-Post hat mich neugierig gemacht, also habe ich mir deine Rezension angeschaut und bin jetzt doch an dem Buch interessiert. So ein Mist. 😀 Es wird also auf die Wunschliste wandern und hoffentlich bald bei mir einziehen. 🙂

    Liebste Grüße,
    Tati

    • Anabelle 19. April 2017 / 21:22

      Liebe Tati,

      das freut mich! Auch wenn es für den SuB vermutlich weniger gut ist. 😀
      Ich hoffe, es gefällt dir genauso gut wie mir!

      Liebe Grüße
      Anabelle

  6. 1. Mai 2017 / 8:41

    Hi Anabelle,
    was für eine fantastische Rezension! Das Buch steht eh schon eine Weile auf meiner Liste, hab aber grade ganz dringend das Bedürfnis in die Buchhandlung zu laufen.
    Ich hätte hinter dem Titel und dem Cover auch eine ganz andere Geschichte erwartet. Der besondere Stil mit den Einschüben macht das ganze natürlich noch ein Stück interessanter. Ich bin sehr gespannt!
    Liebe Grüße,
    Elli

  7. 10. Mai 2017 / 17:08

    Hallöchen,
    erstmal: schönes Foto von “The Sun is also a Star”!
    Dein Fazit trifft es eigentlich auf den Punkt! Dieses Buch ist so untypisch und die Charaktere auch. Es konnte mich einfach umwerfen. Vor allem die verzwickte Handlung hat mir sehr gut gefallen.

    Ich habe dich in meiner Rezension verlinkt. Ich hoffe, das ist okay für dich 🙂
    Liebste Grüße
    Kate ♥

    • Anabelle 12. Mai 2017 / 17:36

      Liebe Kate,

      vielen Dank! Das ist ja lieb von dir. 🙂
      Und es freut mich, dass dich das Buch auch so überzeugen konnte!

      Liebe Grüße
      Anabelle

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