Das Lied des Blutes – Anthony Ryan

IMG_8300Auf einen Blick

Titel: Das Lied des Blutes
Autor: Anthony Ryan
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 19. März 2016
Seiten: 777
Preis: 24,95€ (Hardcover)

Ein ganz großes Dankeschön geht an Klett-Cotta für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Zum Inhalt

Vaelin Al Sorna, der berühmteste Gefangene des Reichs und sein größter Kämpfer, erzählt die atemberaubende Geschichte seines Lebens. Er ist auf einem Schiff unterwegs, das ihn zu dem Ort bringen soll, an dem es für ihn um Leben und Tod geht. »Er besaß viele Namen. Noch nicht einmal dreißig Jahre alt war er im Lauf der Geschichte bereits reich mit Titeln beschenkt worden: ›Schwert des Königs‹ hieß er für den wahnsinnigen Herrscher, der ihn als Geißel zu uns sandte; ›Junger Falke‹ für die Männer, die ihm in die Wirrnisse des Krieges folgten; ›Dunkelklinge‹ für seine cumbraelischen Feinde und ›Rabenschatten‹ für die geheimnisvollen Stämme des großen Nordwaldes.« (Quelle: Klett-Cotta)

Ein Buch wie eine Biographie – nur phantastischer

Das Lied des Blutes erzählt die Geschichte des Protagonisten Vaelin Al Sorna.
Die Erzählweise an sich ist dabei schon spannend konzipiert, da Vaelin dem Historiker Lord Verniers seine Lebensgeschichte erzählt, man diese also gemeinsam mit dem Historiker rückblickend erfährt. Allerdings geschieht dies dennoch nicht in der Ich-Perspektive, was mich anfangs etwas verwirrt hat. Die Ich-Perspektive wird nur in der Gegenwart verwendet, da die eigentliche Erzählung Vaelins mehrmals unterbrochen wird und wir das aktuelle Geschehen aus Sicht des Historikers erfahren. Dadurch merkt der Leser auch schon gleich zu Beginn des Buches, das, was immer auch in der Vergangenheit passiert ist, Vaelin in der Gegenwart ziemlich in die Klemme getrieben hat – denn er soll exekutiert werden.

Somit will man natürlich gleich erfahren, wie es dazu kommen konnte und wird dadurch – ohne überhaupt etwas über die Charaktere oder die Geschichte zu wissen – zum Weiterlesen animiert.
Vaelin konnte mich dann auch von Anfang an überzeugen und es war wirklich spannend, seine Reise von einem kleinen Jungen zu einem erwachsenen Mann mitzuerleben. Er war mir in seiner Art und seiner Stärke sehr sympathisch, weshalb ich gleich Anschluss an die Geschichte fand.

Leider empfand ich die anderen Charaktere, beispielsweise seine Brüder (im Glauben) als nicht ganz so gut ausgearbeitet. Sie alle haben ihre eigenen Charakterzüge, die sie voneinander unterscheiden und ihre Handlungen schlüssig machen, aber so richtig lernt man sie dennoch nicht kennen. Da die Geschichte von Vaelin selbst erzählt wird und man alle Erlebnisse aus seinen Augen sieht, kann das aber auch Absicht sein, da er teilweise sehr reserviert ist und dem Historiker – und somit uns als Leser – eventuell nicht alles mitteilt.
Völlig überzeugt hat mich dafür Prinzessin Myrna, die leider nicht allzu oft vorkam, dafür aber mit jedem Auftritt interessanter und vielschichtiger wurde. Generell hätte ich mir etwas mehr starke, weibliche Charaktere gewünscht, allerdings befindet sich Vaelin die meiste Zeit beim sechsten Orden – einer Art Schule, die die Kinder zum Glauben und Kämpfen hin erzieht und die ausschließlich aus Männern besteht. Insofern ist der Mangel an Frauen nicht weiter verwunderlich.

_MG_7459Stellenweise hat sich die Geschichte nach meinem Empfinden ein bisschen gezogen. An anderen Stellen, wie beispielsweise den Kämpfen, die an sich wirklich spannend waren, hätte Anthony Ryan hingegen länger verweilen und detaillierter beschreiben können. Dadurch ging die Spannung leider ein bisschen verloren. Das ist an sich nicht schlimm, da auch “langsame” Bücher ihren Reiz haben, jedoch achte ich bei diesen umso mehr auf die Sprache – und bei dieser hätte der Autor dann eben noch einmal eine Schippe drauflegen müssen. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, aber bei den langsameren Szenen hat es mir dann doch etwas an Sprachmelodie gefehlt.

Des Weiteren hatte ich mir etwas mehr Fantasyelemente erhofft, da diese im Auftakt der Rabenschatten-Trilgoie noch nicht von großer Bedeutung sind. Allerdings wird deutlich, dass ihnen in den folgenden zwei Teilen wohl eine weit größere Rolle zukommt. Vaelin Al Sorna besitzt nämlich die dunkle Gabe und kann das Lied des Blutes hören. Insofern bin ich gespannt, in den weiteren Bänden zu erfahren, was es damit noch alles auf sich hat.

Was mich dafür vollkommen überzeugen konnte war das World Building. Dieses war es auch, dass mich immer weiterlesen lassen hat, denn die Welt, die Anthony Ryan erschaffen hat, ist wirklich großartig. Sie wirkt in jedem Detail echt, man bereist gemeinsam mit Vaelin die entlegensten Orte und kann sich diese alle wahnsinnig gut vorstellen. Auch hier bin ich gespannt, wohin es Vaelin in Band 2 verschlagen wird und welche Orte man als Leser noch alles kennenlernen darf.

Fazit

Das Lied des Blutes hat mir trotz einiger Schwächen gut gefallen und ich bin gespannt auf den zweiten Teil, indem man hoffentlich mehr über die einzelnen Charaktere erfahren wird.

2 Comments

  1. 13. Februar 2017 / 10:04

    Vielen Dank für diese Rezension. Ich ringe schon längerem damit, ob ich das Buch lesen soll oder nicht. Aber die Kommentare bei Amazon haben mich bisher davon abgehalten und auch deine Besprechung klingt so, als ob es mir nicht einhundertprozentig gefallen würde.

    Cover und Titel würden mich schon ansprechen, aber ich scheue immer Bücher, bei denen man bereits vorher weiß, dass es noch einen zweiten und einen dritten Teil geben wird. Da wird die Geschichte dann oft sehr gestreckt. Dieses Gefühl habe ich, wenn ich deine Rezension lese.

    Also warte ich erst einmal ab, was Teil zwei so bringt 😉

    Viele Grüße,
    Henrik.

    • Anabelle 14. Februar 2017 / 22:31

      Vielen Dank erst einmal!
      Ich werde mir Teil 2 auf jeden Fall noch holen, vielleicht als Hörbuch, und dann berichten! 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

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