NaNoWriMo: In 10 Schritten zur 50.000

Image courtesy of National Novel Writing Month

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Es ist wieder so weit!
Wir schreiben den 1. November und somit beginnt heute ein neuer NaNoWriMo (National Novel Writing Month). Innerhalb eines Monats gilt es 50.000 Wörter zu schreiben. Dabei ist es egal, ob an einem bestehenden oder einem völlig neuen Projekt gearbeitet wird. Ich habe den NaNo letztes Jahr genutzt, um mit meinem Buch voranzukommen und wider Erwarten die 50.000 Wörter geschafft. Dieses Jahr werde ich das leider nicht schaffen, aber an den Wochenenden so viel wie möglich schreiben, um trotzdem ein paar Worte zu schaffen. Falls ihr am NaNoWriMo teilnehmen wollt, habe ich heute 10 Tipps für euch, wie ihr die magische Linie der 50.000 Wörter überschreiten könnt.

1. Warne deine Familie und Freunde vor

Erzähle Familie und Freunden vom NaNo und von deinem Ziel, ein Buch zu schreiben. Theoretisch bin ich Verfechter der “nicht quatschen, sondern machen”-Devise, aber in diesem Fall solltest du deinem Umfeld wirklich Bescheid geben. Zum einen, damit sie Verständnis haben, wenn du gestresst bist und vielleicht etwas weniger Zeit für gemeinsame Unternehmungen hast. Zum anderen, damit sie dich in Ruhe in die Tasten hauen lassen und du möglichst ohne Unterbrechungen arbeiten kannst. Außerdem kann ein gelegentliches Nachfragen, wie viele Wörter denn schon geschafft sind, auch eine super Motivation sein. Nach so einer Ankündigung will man am Ende des Monats schließlich nicht mit bloß 5.000 Wörtern da stehen.

2. Such dir Writing Buddies

Nichts hat mich im letzten November mehr motiviert als meine Writing Buddies. Ich habe jeden Abend noch einmal beim NaNoWriMo reingeschaut und egal ob ich meinen Word Goal schon erreicht hatte, wenn ich gesehen habe, dass einer meiner Writing Buddies 500 Wörter im Vorsprung war, dann habe ich mich noch einmal an den Text gesetzt. Falls ihr noch keinen Writing Buddy habt, findet ihr mich unter dem Namen Stehlblueten und könnt mich gerne hinzufügen. Wie oben erwähnt, bin ich aber dieses Jahr keine allzu große Konkurrenz und werde wohl eher im unteren Wortbereich rumtümpeln.
Writing Buddies könnt ihr aber auch über das Forum finden. Im Forum findet ihr außerdem Antworten auf all eure Fragen. Die Community ist so unglaublich nett und hilfsbereit! Solltet ihr einmal Probleme mit eurem Text oder Fragen zu einem bestimmten Themenbereich haben, wendet euch einfach an die Mitglieder im Forum.

3. Plotte

Beim NaNoWriMo gibt es zwei Lager. Die Pantser und die Planner (seit diesem Jahr auch die Plantser, also eine Mischung aus beidem). Pantser seid ihr, wenn ihr heute, zu Beginn des NaNos, noch nichts habt und einfach losschreiben wollt. Planner, wie der Name erahnen lässt, wenn ihr eure Geschichte geplottet habt, oder zumindest eine Menge an Notizen, an die ihr euch halten könnt. Ich bin ganz froh, dass es mit dem Plantser nun die Mittelkategorie gibt, in die ich mich auch einordnen würde. Ich liebe es, einfach zu schreiben und zu beobachten, was meine Charaktere tun, aber das kann eben auch sehr schnell nach hinten losgehen. Deshalb würde ich euch empfehlen, eure Geschichte zu plotten. Da der NaNo heute beginnt, habt ihr das im Idealfall schon getan. Falls nicht, nehmt euch die ersten paar Tage vielleicht besser, um den Verlauf eurer Geschichte zu planen und schreibt dann erst los. Ihr solltet wissen, wie eure Charaktere so ticken, wie eure Welt funktioniert und was die zentralen Probleme dieser Charaktere und Welt sind.

4. Zeitmanagement

50.000 Wörter im Monat bedeuten umgerechnet 1.667 Wörter am Tag. Plane deinen Monat am besten schon vorher und überlege dir, an welchen Tagen du mehr Zeit zum Schreiben hast und an welchen weniger. Plane außerdem Puffer ein für Tage, an denen es einfach nicht fließen will. Hast du am Wochenende mehr Zeit als unter der Woche, schieße da am besten über dein tägliches Wortziel hinaus. So ist es nicht so schlimm, wenn du die 1.667 an anderen Tagen nicht erreichst.
Abgesehen vom NaNo gibt es aber natürlich noch andere Dinge zu erledigen: Uni, Arbeit, Blog, Freunde, Sport – all das sollte man in der Planung beachten. Letztes Jahr hatte ich nur eine 40h-Woche und abends genügend Zeit zum Schreiben. Dieses Jahr sieht das ganze leider anders aus, weshalb ich persönlich beschlossen habe, einfach früher aufzustehen, um doch noch ein paar Wörter aufs Papier zu bringen. Vielleicht habt ihr eine Zeit in der ihr besonders gut schreiben könnt? Versucht euch diese freizuhalten. Plant realistisch. In der Regel schafft man es nicht, sich direkt nach der Arbeit vor den PC zu schmeißen. Plant Zeit fürs Kochen und all die anfallenden Aufgaben ein. Vernachlässigt die Uni und den Sport nicht (gerade letzteres ist auch wichtig, um den Kopf zum Schreiben freizukriegen). Wenn ihr eure Schreibzeit gefunden hat, wird sich nach ein paar Tagen eine gewisse Routine einstellen und das Ganze geht schon leichter von der Hand.

5. Belohne dich

Es ist ähnlich wie beim Laufen. Die 10 km wirken erst einmal ewig lang. Teilt man sich die Strecke in kleinere Etappen und motiviert sich nach und nach zu 2km mehr, wirkt es schon gar nicht mehr so schlimm. Ähnlich ist es bei dem Schreibziel von 50.000 Wörtern. Teile dir diese enorme Menge an Wörtern in kleinere Häufchen auf. Beim NaNo gewinnt man Abzeichen für 1.667, 5.000, 10.000, 25.000 und 40.000 Wörter. Diese Hürden habe ich im letzten Jahr einfach übernommen und mir für jede eine kleine Belohnung ausgedacht. Das kann ein Kaffee mit der Freundin, ein Netflix-Abend oder auch ein neues Buch sein. Wichtig ist nur, dass die kleineren Ziele erreichbarer scheinen und man sich an schlechten Tagen mit diesen Belohnungen motivieren kann.

6. Inspiration via Pinterest

Ich liebe Pinterest. Zum einen, weil ich dort immer tolle Rezepte finde, zum anderen für die Inspiration. Ich habe mehrere Mood Boards und letztens ist mir zu einem einzigen Bild eine komplette Geschichte eingefallen, die ich momentan am plotten bin und es kaum erwarten kann, mit dem Schreiben loszulegen. Wenn du schon weißt, wo deine Geschichte hingehen soll, kann ich dir nur empfehlen, solch ein Mood Board anzulegen. Dafür kannst du thematisch einfach nach passenden Bildern suchen und diese auf deine Pinnwand pinnen. Die Pinnwand kannst du, wenn du möchtest, auch auf privat stellen, so sieht sie niemand außer dir. Wenn du mal nicht weiter weißt oder dich nicht richtig in die Stimmung der Geschichte einfinden kannst, hilft oft ein einziger Blick auf die Pinnwand.
Das Gleiche gilt übrigens für Musik. Du kannst dir beispielsweise auf Spotify eine Writing Playlist erstellen. Das kann besonders dann hilfreich sein, wenn du zum Schreiben eine bestimmte Stimmung benötigst. Nachteil bei Spotify: Hast du keinen Premium-Account, läufst du Gefahr, von der Ikea-Werbung aus dem Schreibprozess gerissen zu werden.

7. Das richtige Schreibprogramm

Wir haben gerade ein Seminar mit dem Titel “Schreibprozesse” und der Dozent betont immer wieder, wie wichtig die richtige Schriftart und das passende Medium zum Schreiben sind. Ich persönlich kann nur mit Stift und Papier plotten, schreibe den Text selbst aber lieber am PC. Besagter Dozent kann nicht in Arial und Times New Roman schreiben, sondern nutzt eine Schrift die “unfertiger” aussieht, sodass er keine Angst vorm Fehler machen hat. Das mag alles etwas übertrieben klingen, hilft aber wirklich.
Außerdem habe ich im letzten Jahr das Schreibprogramm Scrivener für mich entdeckt und schreibe seitdem nur noch dort. Wenn ihr beim NaNo teilnehmt, erhaltet ihr 20% Rabatt, solltet ihr gewinnen sogar 50%. Außerdem gibt es einen Gratis-Probemonat – perfekt also für den November.

8. Eine dreckige Wohnung

Ja, richtig gelesen. Der NaNo klaut mehr Zeit, als man anfangs meint. Also lass die Wohnung Wohnung sein, die Stapel an ungewaschener Wäsche kann man super als Vorsatz verwenden, zu schauen, ob die alten Klamotten ganz hinten im Schrank überhaupt noch passen und da die sozialen Interaktionen sich im November sowieso auf ein Minimum beschränken, sieht die Wohnung im Idealfall ohnehin keiner deiner Freunde.
So steht für den Dezember wahrscheinlich ein Großputz an, aber was ist dir wichtiger: Eine saubere Wohnung oder dein fertiger Roman? Eben.

9. Töte deinen inneren Editor

Klingt hart, ist aber absolut notwendig, wenn du die 50.000 Wörter schaffen willst. Für diesen Schritt habe ich letztes Jahr ewig gebraucht. Vorm NaNoWriMo habe ich notorisch alles mehrmals gelesen, überarbeitet, umgeschrieben, um auch ja nur das Beste aus jedem Satz herauszuholen. Lass es. Schreib einfach. Schreib notfalls umgangssprachlich und nicht so formschön, aber schreib. Das Überarbeiten kommt dann später. Vorerst gilt es schlicht und einfach die Wörter aufs Papier zu bringen. Das ist anfangs, wenn man ähnlich tickt wie ich, sehr ungewohnt, aber im Endeffekt auch sehr befreiend, weil man fürs Erste den Perfektionismus ablegen kann und in einen richtigen Schreibfluss gerät, der bei ständigem Überarbeiten gar nicht möglich wäre.
Im Januar und Februar widmet sich die Seite des NaNoWriMo dann völlig dem Editieren des geschriebenen Texts. So kann man die Worte im Dezember ruhen lassen und sich mit frischem Blick ans Überarbeitensetzen.

10. Hab Spaß

Ob du nun die Regeln befolgt, die 50.000 Wörter erreichst oder nicht: Hab einfach Spaß. Wenn du Writing Buddies hast – vielleicht wohnen einige ja sogar in der Nähe – dann verabrede dich zu Schreibsessions. Nimm an Word Sprints teil: Dort setzt du dir eine Zeit und versuchst so viele Worte wie möglich zu erreichen. Du kannst dir auch eine feste Wortzahl setzen, die erreicht werden muss und gegen Freunde antreten. Außerdem gibt es die “Dare Me”-Funktion, bei denen du einen Writing Prompt erhältst, also etwas, das du während des Sprints in die Geschichte einbauen sollst. Word Sprints gibt es während des ganzen Novembers sogar auf Twitter, organisiert vom NaNo-Account.

img_4022Ich hoffe, die Tipps helfen euch, die 50.000 Wörter – oder euer selbstgesetztes Wortziel – zu erreichen. Ob ihr das Ziel nun erreicht oder nicht: Mit jedem geschriebenen Wort seid ihr ein Wort näher am Beenden eurer Geschichte. Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Schreiben, viel Motivation und schöne Stunden.

11 Comments

    • Anabelle 1. November 2016 / 9:19

      Aber dann sind es trotzdem 10.000 Wörter! Ich verstehe das Gefühl und die Angst zu gut, aber im Endeffekt zählt ja jedes einzelne Wort! 🙂
      Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg.

  1. 1. November 2016 / 15:09

    Liebe Anabelle,
    ich ziehe echt den Hut davor, dass Du am NaNoWriMo teilnimmst – und ihn so akribisch planst bzw. den eisernen Willen und die Disziplin hast das so durch zu ziehen. Aber .. anders geht es auch nicht! Von demher wünsche ich Dir ganz viel Erfolg dabei, dass Du trotz vieler anderer Aufgaben Dein selbst gestecktes Ziel erreichst. Mich würde natürlich brennend interessieren, woran Du schreibst … falls Du also mal jemanden zum Probelesen brauchst – sag Bescheid!

    Bei dem Tipp mit der dreckigen Wohnung musste ich sehr lachen und hoffe, dass dies im November Dein Freund übernimmt 😉

    Viel Erfolg & LG
    Kati

    • Anabelle 1. November 2016 / 17:45

      Hey Kati,

      mein Freund greift mir zum Glück total unter die Arme! 🙂
      Ich schreibe vorerst mal mein Projekt vom letzten Jahr fertig, das ist bei dem Stress leider total auf der Strecke geblieben. Danach geht es an was Neues in Richtung Sci-Fi. 😀

      Wenn es dann fertig ist, komme ich sehe gern auf dein Angebot zurück! 🙂

      Liebe Grüße

  2. Marie
    1. November 2016 / 17:08

    Das sind echt super Tipps 🙂
    Ich schreibe selber in meiner Freizeit sehr viel, ob Songs, Romane oder ähnliches und einige von den Tipps sind auch die, die ich anderen ebenfalls geben würde. ☺️
    Beim NaNoWriMo mitzumachen, schaffe ich leider überhaupt nicht, auch wenn ich schon etwas länger am überlegen bin mitzumachen, fehlt mir letztendlich die Zeit.

    • Anabelle 1. November 2016 / 17:52

      Danke dir!
      Ja, das Zeitproblem kenne ich zu gut. Aber wenn du auch so viel schreibst, ist das doch sowieso umso besser! 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  3. 6. November 2016 / 19:34

    Schöne Tipps und auch wenn der NaNo schon angefangen hat, werde ich veilleicht den ein oder anderen gebrauchen können. ich habe nicht geplottet, weil ich sehr spontan, angesteckt durch die Motivation, eingestiegen bin. Das hole ich jetzt nebenbei nach. Und sage mir nebenbei: Selbst, wenn ich die 50k nicht schaffe, ich habe trotzdem was zu Papier gebracht 🙂 (Trotzdem will ich es natürlich schaffen 😉 )

    • Anabelle 6. November 2016 / 20:06

      Das ist die richtige Einstellung! Aber auch ohne plotten kann es toll sein, einfach mal zu sehen, wohin einen die Charaktere so führen.
      Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß! 🙂

  4. Marcus
    7. November 2016 / 10:03

    Hab gerade deine Seite entdeckt. Super Blogbeitrag, tolle Tipps! Ich nehme dieses Jahr das erste Mal beim Nanowrimo teil und hab dich als Writing-Buddy hinzugefügt.
    Ich hab schon gemerkt: Um die Wohnung zu putzen, ist wirklich keine Zeit mehr übrig 😉

    • Anabelle 7. November 2016 / 13:26

      Vielen Dank, Marcus!
      Ich wünsche dir ganz viel Spaß, Erfolg und Durchhaltevermögen. Wenn man im Dunkeln schreibt, sieht die Wohnung auch gar nicht so schlimm aus. 😀

      Liebe Grüße!

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