New York Diaries: Claire – Ally Taylor

image-1-3Auf einen Blick

Titel: New York Diaries – Claire
Autorin: Ally Taylor
Verlag: Knaur
Erschienen: 4. Oktober 2016
Seiten: 320
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)

Vielen Dank an LovelyBooks für das Leseexemplar und die Leserunde!

Klappentext

Träume, Liebe und Neuanfänge in der aufregendsten Stadt der Welt

Im Herzen von New York City steht das Knights Building, ein ziemlich abgelebtes Wohnhaus. Etwas schäbig und daher nicht ganz so teuer, ist es perfekt für Leute, die hungrig auf das Leben sind.
Auch Claire Gershwin kommt als Suchende nach New York. Sie ist frisch verlassen und viel zu pleite, um sich ein eigenes Appartement leisten zu können, deswegen zieht sie kurzerhand in den begehbaren Kleiderschrank ihrer Freundin June, die im Knights Building wohnt. Doch werden sich Claires Träume und Hoffnungen in der Stadt, die niemals schläft, erfüllen?

Wenig New York, viele Männer, mehr Selbstzweifel

Dies ist mein erstes Buch von Anne Freytag und der Hype vor Erscheinen von New York Diaries – Claire war ja recht groß. Ein Buch für Fans von Sex and the City klang auch ganz nach meinem Geschmack. Großstadtleben, starke Frauen, lustige Dialoge und zwischendrin natürlich die Suche nach der großen Liebe und sich selbst. So wurde das Buch – siehe Klappentext – dann auch verkauft. Protagonistin Claire auf der Suche nach sich selbst, die Erfüllung ihrer Träume und Hoffnungen anstrebend. Wieso das False Advertising war? Dazu gleich mehr.

Das Buch beginnt wirklich gut und lustig. Lustig für den Leser, nicht für Claire. Diese befindet sich in der misslichen Lage, mit über 30 Jahren zurück in ihr altes Kinderzimmer ziehen zu müssen. Für mich mit 23 schon eine grausige Vorstellung, da kann es mit Ü30 nicht viel besser sein. Kurz darauf lernt man Claires Familie kennen und merkt: Okay, definitiv eine gruslige Vorstellung. Der Einstieg in das Buch war wirklich gelungen. Claires Gedanken – oft sarkastisch, oft nüchtern – waren dabei das Beste an der gesamten Situation. Auch sie merkt jedoch schnell, dass ihr altes Kinderzimmer keine Lösung ist und zieht zu ihrer besten Freundin June. Um in ihrem begehbaren Kleiderschrank zu wohnen. Klingt schlimmer, als es ist. Um in meiner Lieblingsstadt leben zu können, würde ich anfangs auch unterm Sofa wohnen.
_mg_6558 Hier habe ich mir dann erhofft, Claire durch New York folgen zu dürfen. Ihr dabei zuzusehen, wie sie ihre Träume erfüllt, neue Leute kennenlernt, das Leben genießt und zu sich selbst findet. Schließlich war auch die Widmung an Frauen gerichtet, die mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen. Starke Frauen. Frauen wie Claire Gershwin. Dachte ich. Tja, weit gefehlt. Von New York bekommt man leider gar nicht wirklich etwas mit, da Claire sich fast ausschließlich in der Wohnung im Knights Building aufhält. Aus den New York Diaries wurden die Claire Diaries. Okay, in Ordnung. Zu Zeiten des Internets kann man schließlich auch von Zuhause aus aktiv sein!

Das Problem? Claire will gar nicht aktiv werden. All ihre Gedanken drehen sich einzig und allein um eins: Männer. Oh und Selbstmitleid. Denn sie weint ihren verlorenen Perspektiven hinterher. Was diese Perspektiven sind?

„Alles, was ich wollte, war ein intelligenter Mann mit gutem Musikgeschmack.“

Wirklich große Träume, die sie da in New York verfolgt. Bei so hoch gesteckten Zielen braucht man sich dann nicht wundern, wenn man mit über 30 Jahren in einem Wandschrank lebt. So etwas wie ein Selbstwertgefühl besitzt sie nicht und das gesteht sie sich an manchen Stellen auch offen ein. Ganz deutlich wurde das, als ihr bester Freund sie als Schlampe bezeichnet. Wegen eines einzigen One-Night-Stands (wobei die Anzahl hierbei keine Rolle spielt, wir leben im 21. Jahrhundert). Zumal es für die Männer des Buches natürlich vollkommen in Ordnung ist, wechselnde Geschlechtspartner zu haben, und das nicht weiter thematisiert oder tabuisiert wird. Ich habe mich schon auf die Szene gefreut, in der Claire endlich ausbricht und ihm zeigt, was sie davon hält. Hat sie aber nicht. Da sie sich diese Gedanken schon gemacht hat, bevor er es ihr überhaupt an den Kopf geworfen hat. Okay, keine tolle Message, aber ich las weiter in Hoffnung auf Claires Kehrtwende.

Die kam aber leider nicht. Dafür noch ein paar Klischees, denn natürlich ist Claire wunderschön und klug, weiß das aber nicht (das mit der Klugheit hat sich jetzt auch nicht wirklich bestätigt). Äußerungen wie „typisch Mädchen“ durften auch nicht fehlen und natürlich waren dies auch noch Claires Gedanken. Stereotypen an die Macht! Ein bisschen was von ihrem Selbstwertgefühl findet sie auf ihrer Reise durch die Wohnung zwar noch, allerdings auch nur dank der männlichen Charaktere. Zwei der Männer – Josh und Jamie – waren auch mein persönliches Highlight. Mit ihnen konnte ich mich am ehesten identifizieren und sie waren es auch, die Claire immer für eine kleine Weile etwas Vernunft einflößten. Hätte sie in folgender Szene mal auf Jamie gehört, die gewünschte Kehrtwende wäre gekommen:

„Warte nicht darauf, dass irgendjemand anders dich glücklich macht.“
Ich atme einmal tief ein und seufze.
„Wenn das so einfach wäre …“
„Das ist es.“

Das Ende hat für mich dann noch einmal ein bisschen was rausgerissen. Natürlich verrate ich den Inhalt hier nicht, aber es hat mich ein bisschen besänftigt. Nicht genug jedoch, dass es für drei Sterne gereicht hat. Das Buch hält leider nicht, was es verspricht und die Darstellung von Frauen hat mir wirklich gar nicht gefallen. Natürlich kann man argumentieren, dass genau das Ziel und Message des Buches war: Bewusst machen, dass genau solches Verhalten inakzeptabel ist. Leider kam es für mich aber nicht so rüber und anhand der positiven Reaktionen auf das Buch und Claire hat es auch niemand sonst so aufgefasst.

Das i-Tüpfelchen war für mich, dass alle Anspielungen ans Englische (Namen wie Mr. Bingley, Sam Claflin, Sprüche auf T-Shirts) falsch geschrieben waren. Lektorat, what art thou doing? Darüber kann man vielleicht mal hinwegsehen, aber in einem Buch, das in einem englischsprachigen Land spielt, war es dann doch too much (too, nicht to!).

_mg_6560 Viel mehr bleibt nicht zu sagen. Ich habe mit leichter Lektüre gerechnet, mir diese sogar erhofft, aber Claires ständig gleiche, eintönige Gedanken waren dann sogar mir zu seicht. Dabei hat mir Anne Freytags Schreibstil wirklich gefallen, stellenweise habe ich mir Zitate markiert, die so wunderschön waren und die ich mir unbedingt noch aufschreiben möchte. Außerdem ist im Innern der Umschlagseite ein Soundtrack zum Buch abgedruckt, was mir sehr gut gefallen hat und ich habe auch gleich eine Spotify-Playlist erstellt und beim Lesen gehört. Leider hat das alleine nicht gereicht.

Beenden möchte ich diese Rezension mit einer Äußerung Claires, mit der ich ausnahmsweise übereinstimmen konnte:

„Ich habe nichts gelernt. Gar nichts. Ich bin noch ganz genauso dumm wie damals mit fünfzehn.“

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.

Fazit

Wie man wahrscheinlich gemerkt hat, bin ich wirklich enttäuscht und werde die Reihe leider auch nicht weiter lesen.

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8 Comments

    • Anabelle 18. Oktober 2016 / 18:56

      Erst einmal: Vielen Dank! Irgendwie fällt mir ein Stein vom Herzen, negative Rezensionen veröffentlicht man ja in der Regel nicht so gerne.
      “Mein bester letzter Sommer” steht auch nach wie vor auf meiner Wunschliste. Davon habe ich bisher nur Gutes gehört und vielleicht spricht mich die Umsetzung da dann auch mehr an. Ich hatte eigentlich echt mal wieder Lust auf ein “leichtes” Buch in die Chick-Lit-Richtung, aber werde mich dann vielleicht besser davon fernhalten. 😀

      Liebe Grüße
      Anabelle

  1. Elli
    18. Oktober 2016 / 20:48

    Halli Hallöchen,
    ich muss sagen, dass mir das Buch trotzdem sehr gut gefallen hat, auch wenn mir deine Anmerkungen beim Lesen auch aufgefallen sind. Das liegt aber vermutlich daran, dass ich einfach nichts anderes erwartet habe.
    Ich habe eine leichte “sex and the city” Geschichte erwartet, die habe ich bekommen. Liebesromane sind eher nicht so mein Genre (bzgl. Häufigkeit) und ich hätte auch nicht erwartet, dass es eigentlich permanent um Männer geht. Aber rückblickend muss ich mich bei dem Titel fragen, war das bei dem Titel nicht eigentlich klar?
    An dieser Stelle möchte ich dir aber unbedingt (!) “Mein bester letzter Sommer” ans Herz legen. Diese Geschichte ist einfach nur absolut fabelhaft!
    Liebste Grüße und vielleicht bis zur Buchmesse,
    Elli

  2. 18. Oktober 2016 / 22:31

    Liebe Anabelle,

    hatte ich tatsächlich irgendwie so erwartet. Deswegen habe ich mich auch dem Hype um die Reihe nicht angeschlossen. Ich mochte nämlich bereits die Make-It-Count Reihe der beiden Autorinnen so gar nicht, obwohl die beiden auch so wunderbar anders schreiben können. “Mein bester letzter Sommer” ist da wirklich ganz anders.

    So oder so eine tolle Rezension – ich finde es ja manchmal tatsächlich hilfreicher, solche negativen Rezensionen zu lesen. 🙂

    Liebe Grüße!
    Jess

    P.S. Und solche Lektorats-Fehler gehen wirklich gar nicht. Bekomme immer noch Gänsehaut beim Gedanken an das Buch, in dem Serientitel wortwörtlich übersetzt wurden…

  3. Fabian
    19. Oktober 2016 / 11:53

    Hallo! Guten Tag und sorry, dass ich hier jetzt so reinplatze, aber ich MUSS einfach!

    Erstmal zu deiner Rezension. Die finde ich nämlich sehr gut, und ich muss echt sagen, wenn deine Rezensionen schon so gut klingen, dann rück mal schnell deine Bücher raus! *__*
    Ich finde es immer sehr wichtig, wenn sich Leute auch mal hinstellen, und so einem gehypten Buch etwas mehr auf den Zahn fühlen und mal beleuchten, dass es mitunter auch recht “problematisch” ist. Die problematischen Seiten (weiß Gott warum), werden von den Leuten ja gerne mal ausgeblendet. Auf jeden Fall, eine tolle Rezension!

    So, jetzt zu dem Grund, warum ich hier so dreist dazwischengrätschen muss. Meine lieben Kolleginnen über mir, haben wohl während sie ihre Kommentare geschrieben haben, eine kleine Instant-Amnesie erlitten, kein Sorge passiert mir auch total oft. Jedenfalls, haben sie wohl irgendwie vergessen zu erwähnen, dass wenn dich dieses unemanzipierte Geschwurbel in diesem Buch schon total angenervt hat, du dir beim lesen von “Mein bester letzter Sommer”, wahrscheinlich die Augen ausstechen willst. Versteh mich nicht falsch, ich stimme den Damen oben total zu, das Buch ist richtig gut geschrieben und behandelt Themen auf eine Art, von der sich andere Autoren eine fette Scheibe abschneiden können. Von mir aus auch zwei oder drei Scheiben. Aber, unterm Strich geht es zu 95% nur darum, was der Typ (Oskar) denn von ihr denkt, wie gut er aussieht, wie gut er riecht, was er wohl gerade macht, ob er sie hässlich findet, was er wohl darüber denkt, dass sie mit 17 noch Jungfrau ist ectuswpp. Also, das wollte ich nur eben gesagt haben. Damit du vorbereitet bist. Aber lesen solltest du es trotzdem unbedingt. 😀

    • Anabelle 21. Oktober 2016 / 9:25

      Hey Fabian,
      dafür brauchst du dich doch nicht entschuldigen? 😀
      Ich musste beim Lesen auch des Öfteren an dich denken, weil es dich sicherlich noch mehr aufgeregt hätte.
      Und: Danke für dieses riesige Kompliment.

  4. 24. Oktober 2016 / 11:02

    Ich habe bisher noch nichts von der Autorin gelesen und wie ich schon bei dir auf Instagram kommentiert hatte, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Dein London ist ja quasi mein New York mithin alles was New York im Titel hat, wird von mir gelesen – aber jetzt nach deiner Rezension bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wahrscheinlich werde ich es am Ende doch irgendwann lesen wegen – naja – New York eben, auch wenn vielleicht gar nicht so viel New York drin steckt, aber ich kenn mich^^ sobald New York drauf steht, schmeiß ich mein Geld freudig mit beiden Händen dafür raus.

    Ich bin auch – wie du – von einem Buch ähnlich Sex and the City ausgegangen, New York, ein paar interessante Powerfrauen, tolle Sprüche, etc. pp. – schade, dass es die Erwartungen nicht so ganz erfüllt. Mich würden wahrscheinlich genau dieselben Punkten stören, die dich auch gestört haben. In Bezug darauf ticken wir glaub ich gar nicht so verschieden. Sehr schade 🙁 Ich finde es jedenfalls super, dass du so eine ehrliche Rezension geschrieben hast. Ich halte nichts davon, Dinge gutzureden nur weil es ein Reziexemplar ist – ich wurde erst kürzlich mit einem Kommentar konfrontiert von wegen: “Du kannst das Buch ja auch nicht aus deiner Sicht bewerten, sondern musst es aus der Sicht einer 16-jährigen bewerten” ähm hallo? Wo steckt denn der Sinn dahinter, wenn ich ein Buch nicht aus meiner Sicht bewerte? Klar das man von einem Kinder-/Jugendbuch nicht dasselbe erwarten kann wie von einem Buch für Erwachsene, trotz allem geht es in einer Rezension doch darum, seine eigene Meinung zu vermitteln. Ansonsten brauch ich auch gar keine Rezension schreiben – naja, egal, bin leicht vom Thema abgekommen haha

    Sehr schöne Rezension jedenfalls. Ich schau mal ob ich das Buch kaufe oder nicht – des Covers wegen wahrscheinlich schon, wegen des Inhalts – mal abwarten ob dieser mich überzeugen kann oder nicht!

    Ganz liebe Grüße
    Ivy

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