Die Nacht der Tausend Farben: Tödliche Elemente – Claudia Rehm

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Auf einen Blick

Titel: Die Nacht der Tausend Farben: Tödliche Elemente
Autorin: Claudia Rehm
Erschienen: 6. September 2015
Seiten: 468
Preis: 3,99€/13,90€ (eBook/Taschenbuch)

Vielen Dank an Claudia Rehm für das Rezensionsexemplar!

Klappentext

In der Nacht der Tausend Farben sollen junge Formwandler erstmals ihre tierische Gestalt erfahren. Doch was, wenn die feierliche Wandlungszeremonie eine gefürchtete Fähigkeit offenbart, die eine Gefahr für andere Magier ist? Der sechzehnjährigen Emma widerfährt genau dieses Schicksal. Ihre eigenen Freunde im Reich der weißen Magie wollen sie lieber tot sehen, als im Besitz dieser seltenen Gabe. Verzweifelt nimmt sie die Hilfe eines schwarzen Magiers an, der ihr auf der dunklen Seite der magischen Künste Schutz verspricht. Schon bald muss Emma sich jedoch fragen, auf welcher Seite sie nun tatsächlich stehen will: Auf der Seite der weißen Magie, wo man sie fürchtet und ihr nach dem Leben trachtet, oder auf der Seite der schwarzen Magie, wo sie sich plötzlich mit einer noch viel größeren Gefahr konfrontiert sieht als der, getötet zu werden.

Das Buch der Tausend Adjektive

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Da wir in Seminaren aber immer gelernt habe, etwas Positives anzumerken, bevor wir Kritik üben, halte ich mich mal daran. Also: Die Idee des Buches hat mir sehr gut gefallen. Daher hat der Klappentext mich auch wirklich überzeugt und dafür gesorgt, dass ich das Buch lesen wollte. Auch der Einstieg in die Welt war sehr einfach und die Autorin schafft es, den Leser gleich an Emmas Leben teilhaben zu lassen. Da das Buch auch direkt mit der Nacht der Tausend Farben beginnt, findet man sich an Emmas Seite gleich in einer spannenden und brenzligen Situation wieder.

Emma schafft es auch, sich kontinuierlich von einer gefährlichen Situation in die nächste zu katapultieren, wodurch das Buch nie langweilig wurde. Allerdings empfand ich die Szenen trotzdem nicht als spannend, was leider am Schreibstil lag. Zum einen wechselt die Erzählperspektive häufiger von personal zu auktorial. So begleitet man eigentlich nur Emma, aber stellenweise schaut der Ezähler dann doch anderen Figuren in die Köpfe. Da den Überblick zu behalten wird noch dadurch erschwert, dass die Autorin sehr viele Adjektive verwendet – auch solche, die es gar nicht braucht. In Szenen, in denen man ausschließlich Emma begleitet wird diese so trotzdem als “das Mädchen mit den eisblauen Augen” bezeichnet. Das ist vielleicht nicht allzu verwirrend, stört aber den Lesefluss sehr häufig. Verwirrend wird es dann, als Emma und Manou, eine ihrer Freundinnen, gleichzeitig auf die Bildfläche treten. Anstatt einfach die Namen zu verwenden ist plötzlich von “das junge Mädchen” die Rede – ja, wer denn nun?

Leider hatte ich auch das Gefühl, dass die Autorin es sich mit den ganzen Adjektiven und Attributen einfach sehr leicht gemacht hat. “Ihre blonde, beste Freundin”, “ihre blondgelockte Freundin”, “Emmas zierliche Freundin”, “Emmas blonde Freundin” oder aber auch “Emmas kluger Bruder”, “Emmas kluger Bruder Robin” – solche Beschreibungen rufen zwar ein Bild vor dem geistigen Auge des Lesers hervor, sind aber leider gar nicht originell. Hinzu kommt, dass Emmas Freundin – die übrigens Lucy heißt – auch ihre einzige ist. Es bestand also ohnehin nie ein Zweifel, wer gemeint war. Die Klugheit ihres Bruder hätte man beispielsweise durch Handlungen darstellen können, anstatt es dem Leser einfach so vor die Nase zu werfen. Als störend empfand ich es außerdem, dass sich viele der Adjektive so oft wiederholten. Nachdem Emmas Bruder Robin zum sechsten Mal als “der athletische Junge” bezeichnet wurde, konnte ich leider nur noch mit den Augen rollen.

Wobei mich das Augenrollen gleich zum nächsten Punkt bringt. Stellenweise hatte ich das Gefühl, dass die Adjektive und zahlreichen Beschreibungen nur verwendet wurden, um sie eben zu verwenden. So schafft einer der schwarzen Magier, Harris, es zum Beispiel gleichgültig mit den Augen zu rollen. Ich wusste bis dahin gar nicht dass das geht, aber direkt im nächsten Satz zieht er auch schon wieder verächtlich die Augenbraue hoch und widerlegt damit den vorhergehenden Satz. Emma schafft es auch so oft, nervös, ernüchtert oder böse zu säuseln, dass ich nach 200 Seiten allen Ernstes im Duden nachschlagen musste, ob ich einfach 23 Jahre lang eine falsche Definition von säuseln im Kopf hatte (hatte ich Gott sei dank nicht). Danach hörte ich dann auf, den Adjektiven noch sonderlich viel Beachtung zu schenken.

Aber auch fernab der Beschreibungen war das Buch teilweise sehr repetitiv. So wird an mehreren Stellen wiederholt, wieso die Fähigkeit, die Emma in der Nacht der Tausend Farben erlangte, nun gefährlich ist. Ich merke mir so was beim Lesen in der Regel nach dem ersten Mal. Meinetwegen kann man es noch ein weiteres Mal erwähnen, aber spätestens dann habe ich die Zusammenhänge auch begriffen. Dass es ganze fünf Mal ausführlich dargestellt wurde, war ehrlich gesagt sehr mühsam zu lesen und noch dazu bekommt man auch einfach das Gefühl, für dumm gehalten zu werden.

Das sind einfach Dinge, auf die ein Lektorat aufmerksam werden müsste. Nach einer Zeit gewöhnt man sich daran und schafft es, das einigermaßen auszublenden. Allerdings hat das Lektorat auch an einigen weiteren Stellen gepatzt. So erhält Emma während eines Kampfes einen heftigen Schlag auf den Kopf, sodass sie eine Platzwunde am Hinterkopf hat, aus der so viel Blut austritt, dass sie sich kaum bei Bewusstsein halten kann. Eine Sekunde später aber – Auftritt des Bad Boys – ist das vollkommen vergessen und es bleibt genug Zeit und Energie, um sich einer innigen Szene zu widmen. In der ihr männliches Gegenüber ihr sogar leidenschaftlich über den eigentlich blutenden Hinterkopf streicht. Von Blut und Schmerzen ist plötzlich keine Spur mehr.

Besagte innige Szenen zwischen Emma und dem Objekt ihrer Begierde konnte ich übrigens auch nicht ernst nehmen. Ich habe einfach keine Chemie zwischen den beiden gefühlt und verstehe ganz ehrlich nicht, was Emma an ihm findet, da er meiner Meinung nach keine positiven, begehrenswerten Eigenschaften aufweist. Allerdings scheint Emma, im Gegensatz zu ihrem Bruder, auch nicht mit besonders viel Intelligenz ausgestattet zu sein, denn sie hinterfragt im Reich der schwarzen Magie rein gar nichts und tut naiv, was man von ihr verlangt. Wie einer der Charaktere – einer der wenigen, den ich irgendwie doch mochte – schon zu Emma meinte:

“Du lässt dich […] manipulieren, wie ein dummes, kleines Kind.”

Word.

Fazit

Die Idee des Buches hat mir gut gefallen, allerdings konnte ich den Charakteren und den Beschreibungen nichts abgewinnen und werde den zweiten Teil wohl auch nicht lesen.

3 Comments

  1. 27. September 2016 / 18:00

    Sehr schöne, ehrliche und ausführliche Rezension. Ich muss zugeben, ich habe noch nie von dem Buch gehört, habe nur mit verfolgt, dass du auf Twitter nicht unbedingt davon geschwärmt hast. Habe mir eben mal den Klappentext durchgelesen – so an sich klingt das Buch ja wirklich sehr interessant, aber wenn ich mir deine Wertung dazu durchlese, tauchen in dem Buch tatsächlich viele Dinge auf, die ich persönlich auch nicht so prickelnd finde. Von daher landet dieses Buch wohl eher nicht auf meiner Wunschliste 🙂 Trotz allem hat mir die Rezension echt gut gefallen. Ich finde es super, wenn man ehrlich seine Meinung teilt!

    Ganz liebe Grüße
    Ivy

  2. 28. September 2016 / 11:19

    Urgs. Das liest sich ja übelST. Schade. Mich wurmt es auch immer, wenn so viel Potential in einer Idee steckt, die Umsetzung dann aber doch irgendwie einfach nur nervt. Schade – ich hoffe, dein nächstes Buch kann dich wieder voll und ganz in seinen Bann ziehen und dir ein paar schöne Lesestunden bescheren.

    LG, Nana

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