Geteiltes Blut dot Com – Alena Coletta, Alexa Coletta

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Auf einen Blick

Titel: Geteiltes Blut dot Com
Autorinnen: Alena und Alexa Coletta
Verlag: impress
Erschienen: 5. Mai 2016
Seiten: 394
Preis: 3,99€ (eBook)

Vielen Dank an Alena Coletta für das Rezensionsexemplar!

Klappentext

Vampire kann man auf viele Arten jagen…

Die 17-jährige Julie Turner stammt dem Zweig einer traditionellen Vampirjägerfamilie ab, der durch ihre Eltern in Ungnade gefallen ist. Während ihr Cousin zusammen mit anderen Londoner Vampirjägern die Metropole beschützt, kann sie ihren Jagdtrieb lediglich als Hackerin beim Aufspüren gut geschützter Firewalls ausleben. Dabei trifft sie auf die von einem gewissen Mephisto betriebene Bluttauschbörse »Geteiltes Blut dot Com« und wird plötzlich doch noch für die Vampirjägergilde interessant. Sollte sie diesen Mephisto aufspüren, wird die Ächtung aufgehoben, so heißt es. Aber obwohl ihr der attraktive Val Devine, einer der besten jungen Vampirjäger, zur Seite steht, scheint Mephisto ihnen immer einen Schritt voraus zu sein – und bald weiß Julie nicht mehr, ob sie die Fäden noch selbst in der Hand hält oder längst zu einer Figur in Mephistos Spiel geworden ist…

Der etwas andere Vampirroman

Meine erste Begegnung mit Vampiren hatte ich, wie wahrscheinlich die meisten von euch auch, mit Twilight. Ihr wisst schon: diese glitzernden Wesen, die irgendwie auch ohne Blut überleben können und auch sonst wenig mit den “echten” Vampiren (siehe Bram Stoker) zu tun haben. Danach hatte ich dann auch schon genug und habe seitdem die Finger von diesem Regal in der Fantasyecke der Buchhandlung gelassen. Bis vor wenigen Wochen zumindest – denn da stieß ich dank Alena Coletta auf Geteiltes Blut dot Com. Und – Entwarnung – glitzernde Vampire oder einen Twilight-Abklatsch braucht man hier nicht zu erwarten. Die Charaktere des Buches machen sich sogar lustig über diese Darstellung und nehmen sich selbst nicht zu ernst, was mir das Ganze schon gleich viel sympathischer machte. Außerdem versuchen sie wenigstens, den Zustand, in dem sich Vampire befinden, biochemisch zu erklären.

Die beiden Autorinnen haben die Vampirgeschichte in ein völlig neues Setting eingebaut. Protagonistin Julie ist nämlich nicht das übliche, unbeholfene Mädchen, das sich in den gefährlichen, aber charmanten Vampirjungen verliebt. Sie ist Hackerin. Ihre Fähigkeit, noch die verzwicktesten Passwörter und Websites zu knacken, ermöglicht es ihr schließlich, endlich in die Riege der Vampirjäger aufgenommen zu werden. Das liegt ihr zwar im wahrsten Sinne des Wortes im Blut, wurde ihr aber bislang vorenthalten, da ihre Eltern als Verräter aus der Gilde verstoßen wurden. Dieser Aufbau hat mir sehr gut gefallen, gerade weil er so ungewöhnlich ist. Ich finde es spannend, dass Julie sich auf Arten und Weisen zu helfen weiß, die ich so aus anderen Bücher noch nicht kenne und bin gespannt, ob sie in den Folgebänden auch das “richtige” Kämpfen erlernen wird – denn das kam im ersten Teil leider noch etwas kurz.

Das Buch köderte mich gleich zu Beginn mit einem Zitat aus Faust und hielt mich dann schon alleine dadurch gefangen, dass es in meiner absoluten Lieblingsstadt London spielt. Die Schauplätze sind so akkurat dargestellt, dass man sie permanent vor Augen hat und man sich an die einzelnen Orte versetzt fühlt. Das war einerseits wunderschön zu lesen, andererseits hat es meine Sehnsucht nach dieser Stadt nur noch vergrößert.

Außerdem überzeugte mich, dass die sozialen Netzwerke in das Buch eingebaut wurden. Twitter, Hashtags und eine Online-Bluttauschbörse – Das mag im ersten Moment klingen, als ob es nicht zu einem Vampirroman passt, im Endeffekt machte es die ganze Geschichte aber viel realistischer. Wie auch durch die detaillierten Ortsbeschreibungen konnte man sich somit viel eher vorstellen, dass das ganze Geschehen und die Charaktere real sind. Das ist für mich ein enormer Pluspunkt, denn viele Bücher ignorieren diese Möglichkeiten, obwohl sie ebenfalls in der Gegenwart angesiedelt sind.

Die Welt lässt sich nicht in Schwarz und Weiß einteilen, Julie. Die Grautöne sind es, die das Leben lebenswert machen.

Auch die Charaktere des Buches haben mir gut gefallen. Es gab keine Archetypen, keine typischen Bad Boys, sondern Figuren mit Ecken und Kanten, denen man ihre Zweifel anmerkte. Protagonistin Julie war mir gleich sympathisch und man kann ihre Zweifel wirklich nachempfinden: Auf der einen Seite steht ihr Vater, den sie nicht enttäuschen möchte, auf der anderen Seite wird sie von dem Dasein als Vampirjägerin förmlich angezogen.
Leider wirkte sie teilweise aber etwas schwer von Begriff. Dass man als Britin Mephisto und Goethe nicht kennt, kann ich vielleicht noch nachvollziehen, aber die Bonfire Night? Außerdem steckt sie manche Dinge, meiner Meinung nach zu leicht weg. Gewisse Schicksalsschläge sollten auch Nachwirkungen haben und einen Charakter verändern. Dadurch, dass sie an manchen Dingen recht lange rätselte, kannte man die Auflösung dieser Rätsel beim Lesen leider stets vor ihr und wartete nur noch darauf, dass auch Julie endlich auf den Trichter kommen würde.

Zuletzt noch eine Sache, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun hat, mich beim Lesen aber leider gestört hat: Das Lektorat hat leider an einigen Stellen gepennt. Dafür können die Autorinnen nichts und es geht natürlich auch nicht in die Wertung mit ein, aber mich persönlich reißen Schreibfehler einfach immer aus dem Lesefluss und ich kann das Buch dadurch leider weniger genießen. Das ist leider etwas, das mir bei impress in letzter Zeit häufiger aufgefallen ist und ich hoffe, dass sich das in der Zukunft noch ändert.

Fazit

Geteiltes Blut dot Com war ein guter Auftakt, der mich vor allem durch die Idee und das Setting überzeugen konnte. Teil 2, Geteiltes Blut: Messenger, befindet sich schon auf meinem Kindle und ich bin gespannt, wie Julie sich weiterentwickelt. Raum nach oben ist meiner Meinung nach schon noch – aber das ist bei einem Auftakt ja auch völlig normal!

8 Comments

    • Anabelle 2. September 2016 / 10:30

      Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Lesen und hoffe, dir gefällt es auch! Teil 2 könnten wir dann ja zusammen lesen? 🙂

      • 22. September 2016 / 12:30

        Sorry, ich lese die Antwort jetzt erst, habe scheinbar die Benachrichtigung übersehen :/
        Habe nun mit dem ersten Teil angefangen, bin aber noch nicht weit. Bin gespannt!
        Den zweiten Teil können wir sehr gerne zusammen lesen, tolle Idee!

        • Anabelle 22. September 2016 / 13:15

          Gar kein Thema! Ne, einen Zeitpunkt noch gar nicht, habe momentan noch recht viel, was ich vorher lesen “muss”. Aber wir können ja nochmal quatschen! 🙂

          Liebe Grüße

          • 22. September 2016 / 13:54

            So geht’s mir auch

  1. 5. September 2016 / 19:45

    Servus liebe Anabelle,
    hehe, meinen Einstieg in die Vampirwelt stellte die Serie “Buffy – im Bann der Dämonen” dar, die ich als Teenager geschaut habe (vor also etwa 20 Jahren ;-)). Twighlight hab ich nur angeschaut (und das letzte Buch gelesen), weil meine kleine Schwester so davon geschwärmt hat und ich natürlich wissen musste, was dran ist …

    In jedem Fall klingt die Story oben ganz witzig – alleine der Titel ist mal was ganz anderes. Ich glaube als eBook werde ich es meiner Leseliste hinzufügen!

    Viele liebe Grüße
    Kati
    (jaja, ich sollte Nevernight lesen aber ich hatte die letzten Wochen fast keine Zeit andere Blogs zu besuchen und muss den Abend heute mal nutzen, mich wieder weiterzubilden ;-))

    • Anabelle 8. September 2016 / 22:46

      Hallo Kati,

      Buffy ist leider etwas, das so komplett an mir vorbeigezogen ist. Schade, weil irgendwie alle so begeistert davon sind.
      Ich sollte auch Nevernight lesen, aber ähm … ich habe keine Ausrede. 😀

      Liebste Grüße!

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