Die Autobiographie der Zeit – Lilly Lindner

FullSizeRender (3)Auf einen Blick

Titel: Die Autobiographie der Zeit
Autorin: Lilly Lindner
Verlag: Droemer Knaur
Erschienen: Mai 2016
Seiten: 240
Preis: 14,99€ (gebunden)

Poesie, die direkt ins Herz trifft

Ich sollte gleich vorweg sagen, dass das hier keine normale Rezension wird. Ich weiß nicht, ob man ein Buch wie dieses überhaupt rezensieren kann. Es hat mich allerdings so sehr bewegt, dass ich trotzdem darüber sprechen möchte.

Die Autobiographie der Zeit ist das erste Buch, das ich von Lilly Lindner gelesen habe – und es ist überhaupt nicht das, was ich erwartet habe. Das fängt schon damit an, dass es kein Buch im eigentlichen Sinne ist. Es ist keine Prosa, erzählt keine Geschichte und hat keinen Handlungsstrang, wie man es von einem Buch erwartet. Es ist Poesie, die einen selbst die Geschichte erzählen lässt. Lilly Lindners Worte lassen Bilder im Kopf entstehen, die einen bewegen, zum Nachdenken, Lächeln und zum Traurigsein. Ich habe mich zu wenig mit der Autorin befasst, um zu wissen, wie viel Autobiographisches mit in ihre Lyrik einfließt, aber die Bilder, die sie erschafft, sind so gewaltig, dass sie beim Leser auch ohne Hintergrundwissen einiges in Bewegung setzen.

_MG_5903Die Autorin bedient sich fantastischer Elemente, um reale Botschaften zu erzählen. So verfolgt man den Werdegang der Protagonistin – der Zeit – sowie ihrer drei Freunde: Kevin, der Raum, David, die Beständigkeit und Shay, der Abgrund. Es ist schwer, etwas über den Inhalt zu sagen, da es, wie eben erwähnt, keinen wirklichen Inhalt gibt – nicht so, wie man es aus anderen Büchern kennt. Die Stimmung des Buches ist oft sehr melancholisch, passt für mich aber gerade perfekt auf das Weltgeschehen. Ganz besonders, da Zeit, die Menschen und Zerstörung häufig thematisiert werden.

Die Kapitel sind sehr kurz, enthalten aber so viel mehr, als die wenigen Zeilen auf den ersten Blick erahnen lassen. Jedes einzelne Wort sitzt wie ein perfekt platzierter Pinselstrich bei einem Gemälde. Viele Stellen, wenn nicht sogar alle, sollte man mehrmals lesen, um eine Bedeutung für sich zu erschließen. Hinzu kommen die wunderschönen Illustrationen Lisa Wöhlings, die die teils schweren Passagen etwas auflockern, immer genau zum Geschriebenen passen und den Text hervorragend abrunden.

Autobipgraphie der Zeit, Lilly Lindner, Lyrik

Ich hasste Mathematik. Ich rechnete mit Achtsamkeit und Courage. Aber je mehr ich versuchte, beides zu teilen, umso weniger verstand ich das Ergebnis.

Fazit

Wenn ihr Lyrik mögt, kann ich euch dieses Buch nur ans Herz legen. Es ist eines meiner absoluten Jahreshighlights und ich werde es auf jeden Fall noch öfter lesen, da vieles sicherlich noch in den Worten verborgen ist. Für mich ist das Buch einfach rundum perfekt.

8 Comments

  1. 25. Juli 2016 / 12:04

    Das klingt echt toll.. ❤
    Muss unbedingt mal schauen, wo ich das Buch günstig bekomme.

    LG und einen tollen Start in die Woche!
    Nicci Trallafitti

    • Anabelle 25. Juli 2016 / 20:43

      Der Preis ist schon recht hoch für ein recht dünnes Buch, aber es hat sich – für mich – wirklich gelohnt. Ich hoffe, es kann dich genauso begeistern!

      Liebste Grüße
      Anabelle

  2. 25. Juli 2016 / 20:12

    Hallo Belle 🙂

    Und ich hab noch zwei Bücher von Lilly ungelesen im Regal stehen *schande* – irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass ich dafür in der richtigen Stimmung sein müsste, weil mich die Sache sonst zu sehr “runterziehen” würde, obwohl ich ihre poetische Sprache sehr liebe. Mit deiner Besprechung hast du mir als großem Lyrikfan jedenfalls den Mund wirklich wässrig gemacht. Klingt einfach wunderschön…

    Hab einen schönen Abend!
    Liebste Grüße,
    Nana

    • Anabelle 25. Juli 2016 / 20:42

      So geht es mir gerade mit “Splitterfasernackt”. Das ist bestimmt auch sehr bedrückend, deshalb warte ich damit noch.
      Dir auch einen schönen Abend!

      Liebe Grüße
      Anabelle

  3. 25. Juli 2016 / 22:04

    Hey Belle 🙂

    ich bin durch Lotta von lottasbuecher.de das erste Mal auf Lilly Lindner aufmerksam geworden, war mir aber nie so sicher, ob ihre Bücher wirklich etwas für mich sind. “Die Autobiographie der Zeit” klingt jedoch wirklich sehr interessant. 🙂 Ich werde bei meinem nächsten Buchhandlungsbesuch auf jeden Fall mal selber einen Blick reinwerfen.

    Liebe Grüße,
    Tati

    • Anabelle 26. Juli 2016 / 10:23

      Hallo, liebe Tati,

      ich habe jetzt auch schon mehrmals gehört, dass sich “Die Autobiographie der Zeit” stark von ihren anderen Büchern unterscheidet. Vielleicht ist es ja gerade deshalb etwas für dich.
      Ich kenne sonst auch noch nichts von ihr und bin gespannt, ob die anderen Bücher mithalten können! 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

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