Professionalisierung von Blogs – 10 Schritte #litcamp16

Literaturcamp Heidelberg #litcamp16Was gehört zur Professionalisierung von Blogs dazu?
Mit dieser Frage beschäftigte sich eine der Sessions des Literaturcamps 2016, das vergangenes Wochenende in Heidelberg stattfand. Sowohl Camp als auch Session wurden von Suse von Literaturschock ins Leben gerufen. Da mir diese Session mit am besten gefallen und vor allem viel neues Wissen gebracht hat, möchte ich an dieser Stelle genauer auf sie eingehen. Wer einen allgemeinen Eindruck vom 1. LitCamp erhalten möchte, sollte unbedingt bei Who is Kafka? vorbeischauen, da Saskia das Erlebte bereits wundervoll eingefangen hat. Hier geht es jetzt erst einmal darum, auf was ihr als Blogger achten müsst, wenn ihr euch professionalisieren wollt sowie um ein paar rechtliche Dinge, die ihr auch anders einhalten solltet.

An der Session nahmen über 20 Besucher des LitCamps teil, überwiegend Blogger, und so konnte jeder sein Wissen und seine Meinung zum Thema Professionalisierung einbringen. Insgesamt war man sich bei einigen Punkten einig, die ich hier noch einmal kurz zusammenfassen möchte.

1. Mach deinen Blog sichtbar

Wenn ein Blog gelesen werden soll, müssen die Leser ihn natürlich auch finden können. Ein paar Grundlagen in SEO (Suchmaschinenoptimierung) können nicht schaden, doch auch die sozialen Netzwerke sind nicht zu unterschätzen. Viele Teilnehmer der Session generieren Aufrufe vor allem über Facebook. Eine aktive Facebook-Seite zum Blog macht ihn also auf jeden Fall sichtbarer. Auch über Twitter und Instagram kann man auf aktuelle Blog-Beiträge aufmerksam machen.

2. Halte rechtliche Gegebenheiten ein

Hier spielt vor allen Dingen das Impressum eine große Rolle, das leider bei sehr vielen Blogs unvollständig ist. Damit ist es zum einen nicht rechtsgültig und zum anderen scheitern auch Kooperationen mit Firmen und Verlagen an einem unvollständigen Impressum.
Doch was gehört alles in ein Impressum? Zu allererst: “Anschrift auf Anfrage” definitiv nicht. Während in der Schweiz eine E-Mail-Adresse ausreichend ist, muss im Deutschland die Adresse des Seitenbetreibers im Impressum stehen. Ein Postfach genügt hier ebenfalls nicht. Was ich bis vor der Session nicht wusste: Auch die Telefonnummer gehört neben der E-Mail mit zu den Kontaktdaten. Darüber hinaus muss das Impressum auch Impressum heißen und von der Startseite aus mit nur einem einzigen Klick zu erreichen sein. Was den Datenschutz angeht, ist es außerdem wichtig, die sozialen Netzwerke wie Facebook mit abzudecken (viele Blogs haben beispielsweise den Like-Button integriert). Bei der Erstellung eines vollständigen Impressums helfen euch Seiten wie eRecht24.

Macht lieber zu viele Angaben als zu wenige. – Literaturschock

3. Achte auf Rechtschreibung

Ein simpler aber wichtiger Punkt. Was Rechtschreibung angeht, können schon viele Fehler vermieden werden, wenn du deine Texte einfach noch einmal durch Word jagst oder ein Plugin installierst, das die Artikel auf Rechtschreibung prüft. Das ist kein Aufwand und erleichtert das Lesen dennoch enorm.
An dieser Stelle noch die kurze Anmerkung, dass es im Buchbereich Rezension, nicht Rezession und Trilogie, nicht Triologie heißt. Und nein, auch Hauptprotagonisten gibt es eigentlich nicht.

4. Erstelle ein Media-Kit für deinen Blog

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Suse von Literaturschock über die Professionalisierung von Buchblogs

Das ist keine Pflicht, aber eine Erleichterung für potentielle Kooperationspartner. In deinem Media-Kit kannst du kurz etwas über dich und den Blog erzählen, deine Kontaktdaten und Social-Media-Kanäle auflisten und, wenn du magst, auch deine Reichweite aufführen. So muss sich ein Verlag beispielsweise nicht lange alle nötigen Informationen zusammensuchen, sondern findet sie alle auf einen Blick vor.

5. Achte auf Usability

Das bezieht sich in erster Linie auf die Nutzerfreundlichkeit. Ein ansprechendes Layout und vor allem eine nicht zu komplizierte Benutzerführung sind hier wichtig. Der Blog sollte übersichtlich sein und der Leser sollte sich relativ schnell zurechtfinden können. Einig waren sich die Session-Besucher auch darin, dass glitzernde Schmetterlinge, hinterlegte Musik und blinkende Mauszeiger nicht gerade für Professionalität sprechen.

6. Sei responsive

Wieder ein englischer Begriff, der bedeutet, dass deine Seite auch mobil gut navigierbar sein sollte. Schau also mal nach, ob man deine Beiträge auch auf dem Handy gut lesen kann. Ich glaube, dieser Punkt wird oft vergessen, da wir als Blogger ja hauptsächlich am Laptop arbeiten. Gelesen werden unserer Beiträge dann aber wirklich zu großen Teilen auf mobilen Endgeräten, weshalb mobiles Webdesign nicht vernachlässigt werden sollte.
Achte darauf, dass die Schrift gut leserlich ist und die Bilder deiner Beiträge vollständig angezeigt werden, ohne dass der Leser scrollen muss. Die Seite Am I Responsive? hilft und zeigt an, wie dein Blog auf anderen Geräten dargestellt wird.

7. Poste regelmäßig

Dieser Punkt ist wahrscheinlich selbsterklärend. Jedoch waren sich die Teilnehmer der Session auch einig, dass regelmäßig in diesem Fall nicht täglich bedeutet. Man sollte schreiben, wenn man etwas zu sagen hat. Nicht nur um des Postens Willen. Aber nur wer regelmäßig schreibt, verbessert sich auch. Ich persönlich traue mich kaum noch, meine ersten Rezensionen zu lesen und verlinke sie sicherheitshalber schon gar nicht mehr. Ohne es zu merken, hat sich also einiges getan auf meinem Blog. Einfach dadurch, dass ich regelmäßig geschrieben habe.

Schreibt. Dann lernt ihr das auch – Literaturschock

8. Interagiere mit deinen Lesern

Wenn man die Blogger beim Literaturcamp gefragt hat, weshalb sie mit dem Bloggen begonnen haben, war die häufigste Antwort wohl, dass sie sich mit anderen Lesern über Bücher austauschen wollten. Ein Blog steht und fällt also mit der Interaktion zwischen Blogger und Leser. Meiner Meinung nach gilt das auf dem Blog ebenso wie auf den zum Blog gehörenden sozialen Netzwerken. Antworte also auf Kommentare, allein schon, um deinen Lesern zu zeigen, dass du auch ihre Beiträge liest.

9. Sei souverän

Bloggen

Was brachte dich damals dazu, mit dem Bloggen anzufangen? Wo liegen deine Interessen?

Bei der Menge an Menschen, die sich im Internet herumtreiben, werden sich auch mal weniger nette Kommentare in der Kommentarspalte finden. Hier gilt es, auch mit solchen “Widrigkeiten” souverän umzugehen und einen netten Umgangston zu wahren. Sollte ein Kommentar einmal wirklich unterhalb der Gürtellinie sein, versuche trotzdem, den Konflikt direkt zu klären und lade deine Wut vor allem nicht im Social Media ab.

10. Konzentriere dich auf deine Kernkompetenz

Ich denke jeder kennt das: Man greift zu gehypten Büchern, um ja nichts zu verpassen. Außerdem geben Fotos dieser Bücher die meisten Likes und auch die Rezension eines neuen, vielgelesenen Buches bringt bestimmt viel mehr Klicks als ein Beitrag über ein altes Buch. In all dem Hype-Wahnsinn, darf man aber nicht vergessen, sich auf das zu konzentrieren, was man wirklich kann. Warum hast du deinen Blog damals begonnen? Über was wolltest du schreiben? Was liest du am liebsten? Gibt es ältere Bücher, die du gerne mal wieder an den Leser bringen würdest?cropped-Bildschirmfoto-2015-02-21-um-18.21.522.pngAbschließend möchte ich mich noch einmal für das tolle Camp und die großartigen, informativen Sessions bedanken. Ich hoffe, ihr konntet aus den Tipps etwas für euch mitnehmen. Habt ihr noch weitere Punkte, die einen professionellen Blog für euch ausmachen?
Denkt bei all den Tipps und der Optimierung aber vor allem daran, dass es euer Blog ist. Zuallererst solltet ihr euch also auf ihm wohlfühlen.

19 Comments

  1. 16. Juni 2016 / 12:38

    Toller Beitrag, viele gute Tipps, die hängen bleiben und definitiv zum Nachdenken anregen. Werde mein Impressum wohl doch vervollständigen sowie mich an einem Media Kit versuchen.

  2. 16. Juni 2016 / 13:28

    Schöner Post, verständlich und gut zu merken – direkt mal weiter gezwitschert 🙂 <3

    Der Angabe der Telefonnummer kann ich nicht folgen, hier gibt es scheinbar immer noch Unstimmigkeiten. Meine Information (nach EuGH 16.10.2008) lautet, dass eine Alternative angegeben sein muss, wie etwa ein Nachrichtenformular, die eine Beantwortung der Anfrage unter 60 min gestattet. Wurde in der entsprechenden Session ein Gerichtsurteil angesprochen, das das wieder aufhebt? Würde mich interessieren, weil ich soetwas nicht finden konnte. Aufgrund schlechter Erfahrungen würde ich mir bei Rufnummern-Zwang eine andere Nummer zum Angeben zulegen.

    • Anabelle 16. Juni 2016 / 13:33

      Hallo Steffi,

      vielen Dank!
      Wegen der Telefonnummer bin ich seit dem Camp auch am recherchieren. Hier habe ich jetzt einfach mal das Fazit der Session aufgeschrieben, das eben lautete, dass eine Rufnummer Pflicht ist.
      Im TMG steht ja “Angaben, die eine schnelle elektronische Kontaktaufnahme und unmittelbare Kommunikation mit ihnen ermöglichen, einschließlich der Adresse der elektronischen Post”. Wenn du mit dem Kontaktformular garantieren kannst, dass du unmittelbar erreichbar bist, sollte das kein Problem darstellen. Ich bin mir in dem Punkt aber wie gesagt auch noch unsicher. Wenn ich da was Endgültiges habe, werde ich noch einmal ein Update schreiben. 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  3. 16. Juni 2016 / 13:49

    Hallo Anabelle,
    danke für die Zusammenfassung – vor allem auch für Leute wie mich, die nichht vor Ort waren, ist das sehr interessant zu lesen “was gelaufen ist”. Bei dem Thema Media Kit muss ich ich unbedingt an die eigene Nase packen … und demnächst endlich mal ransetzen. An SEO Optimierung bin ich gerade dran, gar nicht ganz sooo einfach, wenn man Null Ahnung hat 😉
    Das mit der Telefonnummer kannte ich … daher ist sie in meinem Impressum auch hinterlegt. Zum Glück bisher scheinbar ohne größere Auswirkungen – aber wie Email auch ist es als Bild hinterlegt, damit es nicht von Robots abgefasst werden kann.

    Viele liebe Grüße
    Kati

    • Anabelle 16. Juni 2016 / 14:31

      Hey Kati,

      an SEO müsste ich mich jetzt selbst mal ransetzen, da bin ich leider auch noch ziemlich planlos.
      Media-Kits sind ja absolut keine Pflicht! Nur schaden kann es ja nicht. 🙂

      Liebe Grüße!

  4. 16. Juni 2016 / 17:27

    Vielen Dank für den informativen Artikel, der so viele wichtige und nützliche Dinge kurz, knapp und gut verständlich zusammenfasst und auf den Punkt bringt! Grade für mich als neulich sind solche Blogposts immer sehr hilfreich und quasi eine kleine Checkliste. 😉

    Werde jetzt noch mal mein Impressum prüfen und mich vielleicht auch an einem Mediakit versuchen.

  5. Booksnstories
    16. Juni 2016 / 23:30

    Schöner informativer Beitrag. Und endlich sagt mal einer, dass die Bezeichnung “Hauptprotagonist” einfach nur großer Käse ist. Danke dafür!

    Das leidige Thema mit dem Impressum…nun ja.
    Ein rechtlicher Rahmen besteht (obwohl mir bisher bei Sessions und Blogbeiträgen kaum konkrete § untergekommen sind). Es gibt sicherlich auch gute Begründungen dafür und ich muss mich verantwortlich zeigen für a) meine Meinungen & Ansichten (Stichwort “Damit ich keine braune Brühe von mir gebe”) und b) für die Medien, die ich verwende, Stichwort Urheberrecht. Es geht um die juristische Frage des Zugangs – wobei ein Postfach einer konkreten Adresse zumindest meinem juristischen Wissen nach gleichwertig in Sachen Zugang bewertet wird (Stichwort objektivierter Empfängerhorizont).
    Aber einmal ganz ketzerisch gefragt: Wo bleibt dabei im Gegenzug mein Persönlichkeitsschutz? Im Gegensatz zu Unternehmen oder Gewerben kann ich mich nicht durch eine Firmenanschrift und -telefonnummer als individuelle Person vor dem Missbrauch meiner persönlichen Daten schützen. Ich bin ja ebenso dafür verantwortlich meine sensiblen Daten zu schützen. Wenn jemand meine Identität stielt und ich fahrlässig damit hausieren gegangen bin, kann ich dafür auch belangt werden.
    Und dies führt dann von der anderen Seite betrachtet zu der Frage: Wie soll überprüfbar sein, dass ich tatsächlich richtige Angaben mache? Wenn ich bewusst etwas “Unrechtes” machen möchte, mache ich im Impressum doch keine “wahren” Angaben.

    Diese Vorgaben im Graubereich zwischen “halbgewerblich bis hobbymäßig privat” spielen für mich einfach nur Anwälten in die Hände, die eine regelrechte Abmahnindustrie betreiben und sich bewusst an Personen bereichern wollen, die absolut nichts Unrechtes im Sinn haben.

    • Anabelle 17. Juni 2016 / 9:42

      Ich sehe das Problem genauso wie du. Und ich glaube generell, dass sich auf dem Gebiet noch einiges tun muss und hoffe, dass Deutschland dieses “Neuland” bald mal durchblickt und gültige, sinnvolle Richtlinien erstellt. Momentan ist es leider alles andere als transparent und ich glaube, die meisten der Fehler geschehen nicht aus bösem Willen, sondern ganz einfach aus Unwissenheit – die nur leider nicht vor Strafe schützt.
      Bei der Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse zu dem Thema waren ja auch Rechtspersonen anwesend, die beispielsweise meinten, dass ein Blog nur dann als privat eingestuft wird, wenn er passwortgeschützt und somit nicht für jedermann abrufbar ist.

      Ich denke Literaturschock hat es ganz gut zusammengefasst, indem sie meinte, dass man in diesen Fällen lieber auf der sicheren Seite ist und die Angaben macht, anstatt (wenn auch unwissend) rechtliche Fehler zu begehen.

  6. 18. Juni 2016 / 9:31

    Vielen Dank für die knappe, sehr hilfreiche Ausführung!

    Thema Telefonnummer:
    Ich war auf der Bloggersession der LBM, dort hatten wir ein Panel zu rechtlichen Rahmenbedingungen mit zwei Anwälten. Ich finde in meinen Notizen den Punkt “Impressum: Telefonnummer muss nicht”.
    Jetzt habe ich schon die ganze Zeit im netz gesucht, denn ich weiß dass Audioprotokolle der Veranstaltung zu Verfügung gestellt wurden. Hätte es gern hier geteilt aber ich finde es nicht mehr.
    Vielleicht kann ein anderer Teilnehmer der das noch liest helfen.

    Inspiriert hast Du mich mit dem Beistrag, noch etwas zu Social Networks in meinen Datenschutzabschnitt zu schreiben. Mir ist es sehr wichtig auf meiner Seite möglichst wenig Daten überhaupt zu sammeln, und es macht mir Spaß darüber zu informieren. Für mich trägt sowas immer sehr dazu bei, dass ich mich auf einer Seite wohl fühle. 🙂

    • Anabelle 18. Juni 2016 / 19:47

      Hey Andrea,

      danke für den Hinweis! Ich selbst konnte leider nicht zu dem Panel, aber die Aufzeichnungen müssten auf der Seite der LBM auf jeden Fall noch irgendwo vergraben sein. Da werde ich bei Zeit auch noch einmal reinhören! 🙂
      Wie oben schon geschrieben, spricht das TMG auch nicht explizit von einer Nummer, sondern von einer unmittelbaren Kontaktaufnahme neben der E-Mail. Jedoch weiß ich nicht, was da neben der Rufnummer noch als Alternative möglich ist.
      Ich gucke mir das Panel auf jeden Fall auch noch einmal an. Die Rechtsanwälte sind ja vom Fach und werden da sicher durchblicken.

      Liebe Grüße
      Anabelle

  7. 18. Juni 2016 / 10:48

    Ein wirklich toller und informativer Beitrag, den ich gern gelesen habe! Danke für die hilfreiche Zusammenfassung der Session!
    Liebe Blubbergrüße
    Anka

    • Anabelle 18. Juni 2016 / 19:48

      Hallo Anka,

      freut mich, dass es dir was gebracht hat. 🙂

      Liebe Grüße!

  8. 20. Juni 2016 / 20:50

    Hallo liebe Anabelle,
    das ist ein super Beitrag! Vielen Dank für die ganzen Informationen :-)! An einigen Aspekten muss ich wohl in der Zukunft noch pfeilen, aber immerhin habe ich jetzt ein Impressum angelegt. (Ja, Schande über mein Haupt, dass es so lange gedauert hat, aber ich bin halt kein großer Fan davon, alle meine Daten so für jeden zugänglich zu machen.)
    Ganz liebe Grüße
    Kim

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