Falaysia – Ina Linger

_MG_5759Auf einen Blick

Titel: Falaysia
Autorin: Ina Linger
Erschienen: Mai 2013
Seiten: 332
Preis: 0,99€ (eBook)

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungsfrei zur Verfügung gestellt.

Inhalt

Magie gibt es nicht. Davon ist Jenna, eine junge Frau aus Salisbury in England überzeugt – bis sie als Opfer eines alten Zwists zwischen zwei Magiern in eine ihr fremde, mittelalterliche Welt geworfen wird, in der es nicht nur Magie, sondern auch wilde Krieger, Drachen und andere wunderliche Kreaturen gibt. Hilfe findet sie bei Leon, einem jungen Mann, der vor vielen Jahren ebenfalls nach Falaysia gekommen ist und seitdem in dieser gefährlichen Welt festsitzt. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach einem legendären Tor, das sie angeblich zurück nach Hause bringen könnte. Ihr Ziel zu erreichen, ist allerdings alles andere als ein Kinderspiel, denn es scheint so, als würde in Falaysia gerade ein Krieg ausbrechen. Und dann gibt es da noch den gefürchteten Kriegerfürsten Marek, der eine persönliche Rechnung mit Leon offen hat und diesen wie ein Besessener verfolgt. Ein Mann, der bald auch schon Jennas Leben bedroht, aber dennoch eine seltsame Faszination auf sie ausübt …

Ein Buch, das mich zum Nachdenken brachte – wenn auch nicht, wie erwartet

Falaysia – Fremde Welt ist der Auftakt einer siebenbändigen Urban-Fantasy-Reihe. Unserer realen Welt ist eine mittelalterliche Parallelwelt entgegengestellt, die entgegen unserer Realität über Magie verfügt. Vom World Building her hat mich das Buch also gleich angesprochen und es startet auch sehr vielversprechend und zieht einen schnell in seinen Bann. Zum einen ist es leicht zu lesen, zum anderen hat man keine lange Einleitung in die Geschichte, sondern startet mitten im Geschehen und wird sogleich mit den Problemen und Geheimnissen der Welt konfrontiert. Auch die Charaktere fand ich zu Beginn gleich spannend. Das Einzige, was mich anfangs gestört hat, ist, dass sich Jennas Gedanken recht oft wiederholt haben und sie lange brauchte, manche Dinge zu verstehen. Ich mag es nicht, wenn der Leser den Charakteren mit seinem Wissen um Längen voraus ist, da es die Charaktere schnell dümmer wirken lässt, als sie eigentlich sein sollen. So realisiert man als Leser schon früh, in welcher Lage sich die Protagonistin Jenna befindet, während sie noch seitenweise versucht zu verstehen, was gerade geschieht. Hinzu kommt, dass ihr Verhalten an das einer Jugendlichen erinnert, es sich bei ihr jedoch um eine erwachsene Frau handelt. Für mich waren ihre Gedanken und Handlungen leider nicht altersgemäß.

Mit Voranschreiten der Geschichte wurden mir Jenna und ihre Gedanken dann leider immer unsympathischer. Ihren Hintern aus der brenzligen Situation, in die sie zu Beginn des Buches gerät, zu retten, steht leider nicht immer so im Fokus, wie es logisch wäre. Scheinbar hat sie zu große Komplexe mit ihrem Äußeren, um sich auf etwas anderes zu konzentrieren und beurteilt auch ihre Geschlechtsgenossinen nur danach. So mischen sich wertende Gedanken in die Geschichte, die ja aus ihrer Perspektive erzählt wird. Das hat mir persönlich sehr viel kaputt gemacht. Sei es die Aussage, dass schöne Menschen wohl zwangsläufig dumm sind oder die absolute Abwertung dünner Frauen. Ich wollte erst Auszüge zitieren, aber habe mich nun doch dagegen entschieden, da es mir eine ganze Weile die Laune verdorben hat und mein Blog auch keine Plattform für solche Gedanken sein soll.

Vorneweg sollte ich vielleicht noch sagen, dass beleidigende Aussagen und Gedanken in Büchern natürlich vorkommen – sie sollten nur zum jeweils sprechenden Charakter passen und im Buch vielleicht reflektiert werden. Klar kann ein Malfoy Hermine als Schlammblut bezeichnen, nur weil sie “anders” ist, aber er muss eben mit den Konsequenzen rechnen. Ärgerlich ist es für mich, wenn die sonst heldenhafte Protagonistin solch dämliches Gedankengut trägt und es im gesamten Buch nicht nur toleriert, sondern gutgeheißen wird. Eben ohne negative Konsequenz.

Ich persönlich habe keine Lust mehr, Bücher zu lesen, die sich sprachlich und geistig auf dem Niveau von YouTube-Kommentaren bewegen. In einer Welt, in der es auf dem Tagesprogramm scheinbar nichts Wichtigeres als Äußerlichkeiten und die Kardashians gibt, ist es umso wichtiger, einen Gegenpol zu bilden. Weshalb ich nach dem Lesen solcher Sequenzen lange nachgedacht und mich schließlich entschieden habe, solche Bücher fortan zu boykottieren. Ich will auch gar nicht mehr versuchen, über dumme, schlichtweg intolerante Szenen hinwegzulesen, denn sie bleiben eben doch im Kopf. Ich bin stolz darauf, so tolerant erzogen zu sein, dass ich mich davon nicht beeinflussen lasse. Aber es trotzdem immer wieder zu akzeptieren, ohne dagegen anzusprechen, ist nun mal auch nicht besser. Genau so, wie es bei anderen diskriminierenden Kommentaren in Richtung Rassismus etc. eben auch nicht in Ordnung ist, wegzuschauen. Wir müssen aufhören, andere Menschen aufgrund ihrer Äußerlichkeiten zu verurteilen. Das mag manch einer jetzt als sehr zimperlich empfinden, vielleicht ist es das auch, aber für mich ist es der richtige Weg und ich denke, es sollte für jeden das Ziel sein, gute anstatt schlechte Gefühle und Gedanken zu verbreiten – gerade für Autoren, die mit ihren Büchern ja ein Stück zur Kultur beitragen.

Fazit

Ich habe sehr, sehr lange überlegt, ob ich den Beitrag in dieser Form posten kann und soll, gerade da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt und mir Schreibstil und Welt an sich gut gefallen haben. Das Buch hat etliche 5-Sterne-Bewertungen und spricht daher den Großteil der Leserschaft positiv an. Die Grundlage des Buches hat mir auch definitiv gefallen, nur haben die negativen Aspekte für mich so überwogen, dass ich mich zum ersten Mal seit Blog-Beginn dazu entschlossen habe, das Buch nach der Hälfte abzubrechen. Aus meiner persönlichen Sicht kann ich es also leider nicht weiterempfehlen.

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