Pride and Prejudice – Jane Austen

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Auf einen Blick

Titel: Pride and Prejudice *
Autorin: Jane Austen
Verlag: Penguin Classics
Erschienen: 2014 (erstmals: 1813)
Seiten: 464
Preis: 9,05€ (Taschenbuch)


Nach Emma war ich so im Austen-Fieber, dass ich kurz darauf mit Pride and Prejudice begonnen und somit mein 4. Buch für die Klassiker-Challenge gelesen habe. Auf dieses Buch habe ich mich unter allen, die auf der Liste stehen, mit am meisten gefreut.

Wieso stand das Buch auf meiner Liste? Was habe ich mir erwartet?

Auf meiner Leseliste stand das Buch schon bevor ich Emma gelesen habe. Ich glaube, es war sogar eins der ersten, das ich für die Challenge ausgewählt habe. Zuvor hatte ich immer nur den Film gesehen. Noch dazu die Hollywood-Verfilmung mit Keira Knightley, anstatt, wie es sich für Austen-Liebhaber scheinbar gehört, die BBC-Variante. (Ich liebe den Film übrigens auch nach dem Lesen noch. Sorry.)
Ich bin fest davon ausgegangen, dass ich dieses Buch lieben würde, habe mir aber nichts Besonderes erwartet. Es passiert auch eigentlich nicht, dass ich ein Buch lese, wenn ich die Buchverfilmung schon gesehen habe. Ich glaube, das war hier sogar die Premiere. Von daher dachte ich, dass ich die Handlung ja ohnehin schon kenne und mich nichts Neues erwarten würde. Ich habe mich einfach auf ein schönes Leseerlebnis gefreut und darauf, die Charaktere, die ich sonst nur von der Leinwand kannte, mal “richtig” kennenzulernen.

Wurden die Erwartungen erfüllt?

Oh mein Gott, sie wurden so übertroffen! Ich habe zuvor nie verstanden, was alle an Mr. Darcy finden. Klar, Bad Boys sind irgendwie in und all das, aber ich war immer Team Bingley. Nach dem Buch verstehe ich es endlich! Wie zu erwarten, ist das Buch natürlich besser als der Film. Detaillierter, tiefgründiger. Die Sprache ist typisch Austen: bildreich und wunderschön. Ich liebe Austens Schreibstil und das Frühneuenglische einfach.

Außerdem hat mwidth="400"an einen viel besseren Eindruck von den Charakteren bekommen. Jane und Lizzy sind nach wie vor meine Lieblinge, aber neben Mr. Darcy habe ich auch von Lizzys Eltern und Miss Bingley einen anderen Eindruck bekommen. Lizzys Mutter, Mrs. Bennet, fand ich im Film beispielsweise immer sehr amüsant. Das war sie im Buch zwar auch noch, aber hier war sie mir um einiges unsympathischer, weil viel besser rüberkam, wie simpel gestrickt sie eigentlich ist. Generell wirkten alle Figuren vielschichtiger als in der Filmadaption. Das verwundert eigentlich wenig, da man im Buch ja auch an den Gedanken der Charaktere teilhaben kann und so einen unverfälschten Blick auf sie erhält.

Darüber hinaus war die Liebesgeschichte einfach wunderschön. Ich lese ja eher selten Liebesromane und habe letztens noch überlegt, woran es liegt. Einerseits stört es mich, wenn es übertrieben kitschig wirkt, andererseits brauche ich das ganze Ich-bekehre-den-Bad-Boy-Gedöns auch absolut nicht. Das war bei Jane Austen beides absolut kein Problem. Natürlich gibt es Szenen, die man, mit dem modernen Auge betrachtet, vermutlich als kitschig bezeichnen könnte, aber bei Jane Austen wirken sie einfach nicht so. Sie wirken echt und aufrichtig. Und ich gebe zu, ich bin ein kleines bisschen geschmolzen, als Mr. Darcy Lizzy seine Liebe gesteht. Gleichzeitig habe ich die Charaktere für ihre Ausdrucksweise und ihre Manieren bewundert (Lizzys Mutter und nervige kleine Schwestern mal ausgeschlossen). Dass das nicht alles der Realität des frühen 19. Jahrhunderts entspricht, ist klar. Aber seitdem ich den Roman gelesen habe, habe ich so große Lust auf einen Ball und richtiges Tanzen anstelle des üblichen Club-Gewackels.

Vanity and pride are different things, though the words are often used synonymously. A person may be proud without being vain. Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.

Was ist das Besondere an dem Buch?

Es versetzt uns in eine andere Zeit, ohne, dass es dabei wirklich auf geschichtliche Anspielungen eingeht. Charlotte Brontë kritisierte Austen in einem Brief an H. G. Wells beispielsweise, da sie der Ansicht war, Austen gehe viel zu wenig auf den Krieg und aktuelle Geschehnisse ein und habe stattdessen einen austauschbaren Roman geschrieben. Tatsächlich findet man, mal abgesehen von der Sprache, kaum Hinweise auf die Zeit, in der Pride and Prejudice entstanden ist. Die Redcoats werden zwar erwähnt, sind aber auch eher dafür da, potenzielle Ehemänner für die Bennet-Schwestern abzugeben. Während Brontë das kritisiert, finde ich es eigentlich nicht wirklich verwunderlich. Vielleicht erklärt es sogar den Erfolg des Romans. Er verschaffte der Bevölkerung damals Ablenkung und ist für uns heute noch aktuell – abgesehen von den Tanzabenden. Leider.
Außerdem ist die Sprache für mich eine Besonderheit. Ich habe es ja eben schon erwähnt, aber ich liebe Jane Austens Schreibstil so, so sehr. Einige Sätze waren so schön geschrieben, dass ich sie mehrmals lesen musste. Gepaart mit ihren grandiosen, klugen Charakteren fand ich andauernd Stellen, die ich mir im Buch markiert habe. Ausnahmsweise sogar mit Eselsohren, wenn gerade kein Post-it zur Hand war. Und das ist bei mir normalerweise ein Tabu.

Think only of the past as its remembrance gives you pleasure.

Fazit

Pride & Prejudice hat es geschafft, nun zu meinen Lieblingsbüchern zu gehören. Und diesen Titel vergebe ich wirklich mit Bedacht. Falls ihr noch nichts von Jane Austen gelesen habt, könnt ihr auf jeden Fall mit Pride & Prejudice anfangen. Es las sich einiges leichter als beispielsweise Emma und ist eine wunderschöne Geschichte, in die sich wohl jeder gut hineinversetzen kann. Ich bin jedenfalls immer noch im Austen-Fieber und überlege schon, welches Buch ich als nächstes Lese und ob ich es noch schnell in die Klassiker-Challenge aufnehme.

* Hierbei handelt es sich um eine andere Ausgabe als die auf dem Foto abgebildete (die hab ich leider nicht gefunden). Die hier ist aber sowieso viel schöner. 😉

9 Comments

  1. 15. Mai 2016 / 8:26

    Es ist schon eine Weile her, dass ich Stolz und Vorurteil gelesen habe, aber es hat mir gut gefallen. Dabei bin ich eigentlich so gar kein Fan von Liebesgeschichten.

    Und ich kenne nur die BBC-Verfilmung mit Colin Firth.

  2. 15. Mai 2016 / 13:13

    Ach, so toll, dass es dir so gut gefallen hat! Ich persönlich mochte ja “Persuasion” und “Northanger Abbey” mindestens genauso gerne, wenn nicht sogar noch mehr.. 🙂

    Liebe Grüße,
    Jess

    • Anabelle 16. Mai 2016 / 15:25

      Oh, dann freue ich mich darauf auch noch! Die beiden kenne ich noch gar nicht. 🙂

      Liebe Grüße!

  3. 15. Mai 2016 / 15:39

    Ich habe wie du letztes Jahr erst den Film mit Keira Knightley gesehen und war danach so begeistert, dass ich mir ein paar Tage später sofort das Buch gekauft habe. Es zählt seitdem auch zu meinen absoluten Lieblingswerken und ich möchte es bald wieder rereaden. 🙂 “Vernunft und Gefühl” habe ich allerdings noch immer nicht geschafft zu lesen – das muss sich wirklich ändern!

    • Anabelle 16. Mai 2016 / 15:25

      Ich werde Pride and Prejudice auch noch öfter lesen, es ist wirklich so schön!
      Ich bin gespannt, wie dir Sense and Sensibility gefällt. Wir hatten es damals in Anglistik gelesen und ich fand es ziemlich gut, will es aber irgendwann auch nochmal “normal” lesen, ohne es so auseinandernehmen zu müssen. 😀

      Liebe Grüße!

      • 16. Mai 2016 / 15:47

        Sense and Sensibilty muss ich auch mal lesen, kenne bisher nur die Verfilmung mit Alan Rickman, Emma Thompson, Kate Winslet und Hugh Grant. Die ist toll.

        • Anabelle 16. Mai 2016 / 16:02

          Die ist wirklich toll! Ich war vor allem so überrascht, weil ich Alan Rickman vorher nur in Harry Potter gesehen hatte. 🙂

          • 16. Mai 2016 / 16:08

            Er hat so viele tolle Filme gemacht!

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