A Room of One’s Own – Virginia Woolf

Auf einen Blick

Titel: A Room of One’s Own (in Selected Works of Virginia Woolf)
Autorin: Virginia Woolf
Verlag: Wordsworth Editions
Erschienen: 2012 (erstmals: 1928)
Seiten: 1280
Preis: 9,30€ Taschenbuch

Mit Virginia Woolfs A Room of One’s Own darf ich auch schon das sechste Häkchen auf der Klassiker-Liste setzen. Auf den Text war ich sehr gespannt, da wir ihn in der Uni einmal angesprochen, aber leider nie behandelt haben.

Wieso stand das Buch auf meiner Liste? Was habe ich mir erwartet?

Da ich mich in der letzten Zeit immer mehr mit Feminismus beschäftigt habe, bin ich auch mehrmals über den Text gestolpert und seitdem stand er auf meiner Leseliste. Ich hatte vorher nur einmal etwas von Woolf gelesen und damals große Probleme, die Sätze und Metaphern so auseinanderzunehmen, dass ich sie verstand. Ohne meine Seminarleiterin wäre ich, ehrlich gesagt, aufgeschmissen gewesen. Dieses Mal wollte ich es dann alleine versuchen und habe dementsprechend damit gerechnet, wieder Verständnisprobleme zu haben. Trotzdem war ich gespannt darauf, was Virginia Woolf über Frauen und das Schreiben zu sagen hatte (ursprünglich hieß der Text Women and Fiction).

Wurden die Erwartungen erfüllt?

Was die Sorge angeht, den Text nur schwer zu verstehen, war ich positiv überrascht. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich einzufinden, aber dann ging es erstaunlich gut. Zum Lesen habe ich trotzdem sehr lange gebraucht, einfach, weil ich auch alles richtig verstehen wollte und viele Anspielungen und Namen erst einmal bei Google eingegeben habe, um nachzulesen, was Woolf damit aussagen möchte. Die Essenz des Textes versteht man aber auch ohne diese Recherche.
Was Woolfs Auseinandersetzung mit den Frauen, genauer gesagt mit den schreibenden Frauen, angeht, war ich total begeistert. Die Autorin war unfassbar gebildet und belesen und ich habe auf jeden Fall einiges dazugelernt und viele neue Denkanstöße bekommen.

Was ist das Besondere an dem Buch?

Virginia Woolf schreibt in dem Essay nicht einfach nieder, was sie zu dem Thema Frauen und Fiktion denkt. Zuerst erschafft sie eine fiktive Figur, Mary Beton, aus deren Perspektive sie sich an die Thematik heranschreibt. Aus ihrer Sicht macht sie auf die Missstände aufmerksam, denen Frauen im frühen 20. Jahrhundert täglich ausgesetzt sind. Dabei genüge schon ein Blick in die Zeitung, um das Patriarchat der damaligen Zeit zu enttarnen. Wenn ich mir manche Zeitungen aus unserer heutigen Zeit anschaue, hat sich daran leider noch nichts geändert.

Are you aware that you are, perhaps, the most discussed animal in the universe?

_MG_5769Obwohl Woolf, als Mary Beton, sich häufiger ermahnt, ihre Gefühle hintenanzustellen und sachlich zu bleiben, ist es bei der Thematik schwer, nicht in Zynismus zu verfallen. Egal wie sachlich sie die Fakten darstellt, mir als Leser war es unmöglich, mich nicht provoziert zu fühlen. Woolf sammelt all die negativen Aussagen über denkende, schreibende Frauen und muss diese nach eigenen Aussagen nicht einmal suchen. Denn sie sind überall. Aus jeder Epoche finden sich Bücher und Schriften, die sich mit dem weiblichen Geschlecht auseinandersetzen. Abgesehen von einigen Ausnahmen wie Austen und den Brontës alle verfasst von Männern. So sind wir Frauen, wenn die Welt einmal den Nachwuchs satt habe, zum Beispiel nicht mehr nötig. Wenn die Frauen des 19. und 20. Jahrhundert schon schreiben müssen, dann sollen sie doch zumindest in ihren Schriften deutlich machen, dass sie den Herren der Schöpfung intellektuell, moralisch und physisch weit unterlegen sind. Ja, zu Woolfs Zeiten veröffentlichten die Professoren sogar Schriften zur “intellektuellen, moralischen und physischen Unterlegenheit der Frauen”.

Literature is open to everybody. I refuse to allow you, beadle though you are, to turn me off the grass. Lock up your libraries if you like; but there is no gate, no lock, no bolt, that you can set upon the freedom of my mind.

Ein Punkt, mit dem sich Woolf beschäftigt, sind die Auswirkungen, die Armut auf das Schreiben von Fiktion haben. Denn die Gelehrten waren sich sicher, dass ein weibliches Gehirn niemals die Werke Shakespeares hervorbringen konnte. Das sieht Woolf jedoch darin verankert, dass Frauen, sollten sie doch mal Geld verdienen, dieses direkt an ihren Ehemann abtreten müssen. Sie haben keinen Raum für sich selbst, in dem sie dem Schreiben nachgehen könnten. Während Männer zur Schule gehen, müssen sie von klein auf häusliche Tätigkeiten übernehmen und haben weder die Zeit noch die Mittel, sich weiterzubilden. Dass Frauen in Literatur, Wissenschaft und Geschichte eine geringe bis gar keine Rolle spielten, liegt also nicht an ihrer natürlichen, sondern an ihrer auferlegten Unterlegenheit.
Der Text macht bewusst, wie glücklich wir Frauen uns heute schätzen können. Doch er zeigt auch, dass wir noch einen weiten, steinigen Weg zur Gleichberechtigung gehen müssen. Denn Woolf will ebenfalls nicht, dass wir Frauen die Freiheiten, die wir schon erlangt haben, als Privilegien ansehen. Sie sind unser Recht.

Fazit

Ich dachte, ich müsste zu Sekundärliteratur greifen, um A Room of One’s Own verstehen zu können. Dem war aber nicht so, da sich in meinem Kopf so viele Gedanken beim Lesen angesammelt haben, dass ich damit schon Seiten füllen könnte. Bisher ist der Text wirklich mein Highlight der Klassiker-Challenge.
Gerade einmal 88 Jahre ist es her, dass Virginia Woolf diesen Text verfasst hat. Vieles hat sich seitdem geändert. Doch lange noch nicht genug. Der Text hat mich zum Nachdenken gebracht. Darüber, was sich noch ändern muss. Wie man dies erreichen kann. Ob meine Kinder und Enkelkinder irgendwann an 2016 denken und sich fragen werden, wie wir so viele Ungerechtigkeiten aufgrund unseres Geschlechts noch so einfach hingenommen haben. Abschließend macht Woolf klar, dass unsere Zukunft in unseren Händen liegt. Dass wie sie uns selbst nehmen müssen, da sie uns keiner gibt. Und dass in uns all die Frauen weiterleben, die nicht unsere Rechte hatten. Dass ihre Träume durch uns verwirklicht werden können.

In a hundred years, I thought, reaching my own doorstep, women will have ceased to be the protected sex.

12 Jahre bleiben uns also noch.

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