5½ Gründe, warum Du die Angelfall-Trilogie lesen musst

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Letzte Woche habe ich endlich die Angefall-Trilogie beendet. Witzigerweise habe ich die Reihe zeitgleich mit Saskia von Who is Kafka? marathonartig verschlungen – ohne Absprache, was ja schon einiges über den Suchtfaktor der Bücher sagt. Falls ihr euch von mir überzeugen lasst und danach einen ähnlichen Book Hangover habt wie wir beide, schaut unbedingt bei ihren Tipps gegen den Buchkater vorbei. Aber bevor es so weit ist, kommen wir erst einmal zu den Gründen, weshalb man die Angelfall-Reihe von Susan Ee unbedingt gelesen haben sollte.

1. Raffe

Eigentlich ist es ja doof, den heißen männlichen Protagonisten als einen der Gründe zu nennen. Noch dazu als den ersten Grund. Schließlich gibt es diese doch in jedem Buch wie Sand am Meer. Denkt man sich zumindest, bis man Raffe kennenlernt. Eigentlich sollte man ihn hassen, immerhin ist seine Spezies gerade dabei, unseren Planeten zu zerstören, aber irgendwie geht es einfach nicht.
Normalerweise läuft es bei den Young-Adult-Kerlen folgendermaßen ab: Sie sehen übernatürlich gut aus, ohne dafür jemals trainieren zu müssen, natürlich sind sie Bad Boys, denn scheinbar sind Männer mit Manieren out. Damit man ihren eigentlichen weichen Kern erahnt, gibt man ihnen dann irgendwelche herzerwärmenden Marotten, wahlweise auch einfach eine Schildkröte wie in Wait for You und voilà – wir haben unseren Helden.
Raffe hingegen überzeugt durch Schlagfertigkeit und Zynismus. Okay, er sieht natürlich auch gut aus und muss dafür keinen Sport machen, aber als Engel ist das zu entschuldigen. Ich habe mich wirklich jedes Mal darauf gefreut, wenn er einen Auftritt hatte, weil er mit seiner sarkastischen, leicht überheblichen Art für die besten Szenen gesorgt hat. Er ist einfach ein origineller Charakter und kein Abklatsch der typischen Bad Boys, besser kann man es einfach nicht sagen. Wie Raffe selbst schon meint:

“What is it that you all see in bad boys?”

Außerdem gefällt mir, dass die Geschichte auch ohne die Liebesgeschichte funktionieren würde. Es gibt ja etliche Bücher, gerade im Bereich (Romance) Fantasy, die letzten Endes nur eine Love Story mit ein paar Fantasyelementen sind. Würde man Obsidian die Liebesgeschichte nehmen, hätten wir eine stinkend langweilige Geschichte über eine Bloggerin. Wow. Würde man sie bei Angelfall weglassen wären da immer noch Apokalypse, der Kampf zwischen Engeln und Menschen, Penryns verrückte Familie, der pure Kampf ums Überleben, ohne dabei die Menschlichkeit zu verlieren und und und.

2. Alle weiteren Charaktere

Oh Gott, bei wem fange ich an? Sie sind alle so toll! Aber beginnen wir am besten mit der Protagonistin:

“I’m Penryn. I’m named after an exit off Interstate 80.”

Sie ist wohl die Personalisierung des Shakespeare-Zitats “And though she be but little, she is fierce”. Denn obwohl Penryn auf den ersten Blick klein und unscheinbar ist, steckt eine ganze Menge in ihr. Schon vor der Apokalypse musste sie mehr Stärke zeigen als ein normales Mädchen in ihrem Alter, da sie für ihre Familie verantwortlich war. Während die Engel dabei sind, die Erde zu zerstören, muss Penryn ständig scheinbar unmögliche Hindernisse überwinden und Dinge sehen und erleben, die kein 17-jähriges Mädchen durchmachen sollte. Obwohl Penryn Martial Arts beherrscht, ist es nicht diese Stärke, die sie die Hindernisse meistern lässt. Vielmehr schafft sie das dank ihres großen Herzens und ihrer Loyalität. Denn auch wenn sie es sich nicht eingestehen will, handelt sie heldenhaft, da die Sorge um und für ihre Mitmenschen sie jegliche Angst überwinden lässt. Penryn gehört ab jetzt auf jeden Fall zu meinen liebsten Protagonistinnen, alleine für sie lohnt sich diese Reihe schon.

We now play a permanent game of I-am-crazier-and-scarier-than-you. And in that game, my mother is our secret weapon.

Penryns Mutter ist einfach nur verrückt. Mehr als das, sie ist eine Soziopathin. Bis man im Lauf der Geschichte merkt, dass mehr hinter ihrer Verrücktheit stecken muss, als man anfangs glaubt. Sogar ihre Ticks, wie beispielsweise das Sammeln verrotteter Eier (ja, das tut sie – mitten in der Apokalypse), machen irgendwann Sinn. Sie scheint auch die Einzige zu sein, die sich in dieser vollkommen absurden Welt bestens zurechtfindet. Obwohl sie Penryn gegenüber nie die liebevollste Mutter war und sein konnte, ist gerade sie vielleicht der Grund dafür, das Penryn in der neuen Welt so gut klar kommt.

Auch Penryns Schwester Paige ist wundervoll und macht eine Wandlung durch, zu der mir immer noch die Worte fehlen. Über sie kann ich leider nicht allzu viel sagen, ohne zu spoilern. Zu Beginn des Buches sitzt die Siebenjährige im Rollstuhl, was alles andere als günstig in der neuen Welt ist. So wird sie auch zu Beginn des ersten Buches von den Engeln entführt, was die ganze Handlung überhaupt erst ins Rollen bringt. Die Beziehung von Penryn und Paige ist wunderschön und Paige zeigt an mehreren Stellen des Buches, wie fatal vorschnelles Urteilen und Vorurteile sein können.

Dann gibt es noch weitere Charaktere, die enorme Wandlungen durchleben, die ich so nie habe kommen sehen! Da ich aber natürlich nichts verraten möchte, gehe ich hierauf nicht genauer ein. Was die Charaktere und deren Entwicklung angeht konnte die Trilogie mich aber wirklich überraschen!

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3. Leinwandreife Szenen

Susan Ee schreibt wirklich großartig. Sie brachte mich wirklich dazu, laut aufzulachen, was mir beim Lesen eher selten passiert. Schon alleine deshalb, weil ich nicht will, dass mich alle anderen im Zug für verrückt halten, denn irgendwie habe ich alle drei Teile während Bahnfahrten gelesen. Die Dialoge! Diese Dialoge!!!
Ich beneide Susan Ee so sehr dafür, sich solche teils lustigen teils geistreichen Gespräche einfallen zu lassen. Das Highlight waren hier natürlich Raffe und Penryn, aber alle, wirklich alle Charaktere haben ihre Glanzmomente. Die lustigsten Szenen lieferten aber mit Abstand die Zwillinge Tweedle Dee und Tweedle Dum (es ist also wirklich so verrückt wie Alice). Egal wie spannend oder entsetzlich eine Stelle war, die beiden schafften es, diese aufzulockern.

“I’m gonna be sick,” I said
“I’m ordering you not to,” says Obi.
“Ah, don’t say that,” says Dee-Dum. “She’s a born rebel. She’ll puke just to make a point.”

Darüber hinaus kann man sich die beschriebenen Szenarien wirklich außergewöhnlich gut vorstellen. Man hat beim Lesen durch die vermittelte Atmosphäre ja sowieso immer einen Film im Kopf. Susan Ee schafft es aber, diesen auch noch sehr detailreich werden zu lassen. So detailreich sogar, dass mir schon im ersten Teil Angelfall von einigen Beschreibungen etwas flau im Magen wurde. Und ich bin eigentlich gar nicht zart besaitet und gucke regelmäßig The Walking Dead beim Abendessen. Irgendwie war es hier aber wirklich entsetzlich und ich konnte mich so mit Penryn identifizieren, dass ich gleich doppelt mitgelitten habe.

4. Ein neues Maß an Verrücktheit

Ich liebe verrückte Geschichten à la Douglas Adams oder Lewis Carroll. Susan Ee spielt, was das Maß an Verrücktheit angeht, auf jeden Fall in der gleichen Liga. Das eigentlich wunderbare an ihrer verrückten Geschichte – sie wirkt so schrecklich real. Ich weiß ehrlich nicht, woher sie die Ideen genommen hat, aber sie schafft es, noch so unrealistische Szenarien irgendwie glaubwürdig werden zu lassen.
Die Angelfall-Reihe ist keine Dystopie, die an sich realistisch ist. Hunger Games oder Landsby machen alle noch irgendwie Sinn und stellen ein mögliches Zukunftsszenario dar. Das ist in diesen drei Büchern nicht der Fall, was es der Autorin auch ermöglicht, bei manchen Beschreibungen und Szenen etwas über die Strenge zu schlagen. Obwohl die Geschichte teilweise so wenig mit unserer Wirklichkeit zu tun hat, wird unser menschliches Verhalten an vielen Stellen perfekt auf den Punkt gebracht – sowohl in seinen positiven als auch negativen Eigenschaften.

“That’s crazy,” I say
“In case you hadn’t noticed, the whole world has gone crazy.
It’s time to adapt or die.”
“By throwing crazy at crazy?”

Interessant ist, dass wir Menschen als mindestens genauso verrückt dargestellt werden wie die Fantasyelemente des Buches. Angst und der Wille zu überleben treiben die Charaktere zu den merkwürdigsten, teilweise schrecklichsten Handlungen. Und auch Dinge, die in unserer realen Welt schon existieren, wie zum Beispiel Genmanipulation und sonstige wissenschaftliche Errungenschaften, werden in der Reihe bis zur Absurdität hin überspitzt – und behalten leider dennoch einen realistischen Kern.

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5. Engel, die an Gott zweifeln

Religion muss in einem solchen Buch natürlich zu gewissem Grad eine Rolle spielen. Immerhin kommen Engel auf die Erde, um in Gottes Auftrag das jüngste Gericht auszuüben und mit unterschiedlichen Mitteln und Wegen die Menschheit auszulöschen. Während die Engel die Zerstörung der Welt mit Bibelzitaten rechtfertigen, fragen sich sowohl Raffe als auch der Leser, wieso wir Menschen Engel eigentlich als etwas Positives betrachten.

“Angels are violent creatures.”
“So I noticed. I used to think they were all sweet and kind.”
“Why would you think that? Even in your Bible, we’re harbingers of doom, willing and able to destroy entire cities. Just because we sometimes warned one or two of you beforehand doesn’t make us altruistic.”

Lustig wird des dann, als nach und nach klar wird, dass selbst Raffe an Gott zweifelt und er damit nicht alleine dasteht. Denn auch bei den Engeln gibt es nur einen Messias, der mit Gott redet, ähnlich unserem Papst vermutlich. Die anderen hatten nie das Glück, mit ihrem Chef kommunizieren zu dürfen und führen seine Befehle mehr oder weniger blind aus. Erinnert irgendwie an uns, oder? Für mich als Atheistin führte das zu dem ein oder anderem Schmunzeln.
Dies ist jedoch lange nicht die einzige Ähnlichkeit, die Engel und Menschen zu haben scheinen, denn auch wenn die Engel in den Büchern die Bösen sind, ähneln viele ihrer Taten den unseren. Immerhin gehen auch wir nicht gerade liebevoll mit Lebewesen um, denen wir uns überlegen fühlen.

5½. Die Cover

Ja ja, ich weiß. Das ist eigentlich kein Grund. Don’t judge a book by its cover und all so was. Aber ehrlich gesagt, mache ich genau das trotzdem oft genug. Und die Cover sind nun einmal ein Traum!Bildschirmfoto 2016-02-26 um 21.53.20Ist die Angelfall-Reihe in meinen Augen also perfekt? Nein, das ist sie nicht. Sie hat auch ihre kleinen Macken, die mich aber nicht weiter gestört haben. Und über den dritten Band der Reihe gab es heftigste Diskussionen. Und genau deshalb solltet ihr die Bücher auch lesen, ich möchte nämlich über dieses Ende diskutieren! Da ich euch aber nicht spoilern möchte, kann ich das hier leider nicht tun. Also: Lest diese Reihe und dann schreibt mir sofort, was ihr denkt!

Leider sind noch nicht alle drei Teile auf Deutsch erschienen. Der erste Teil erschien schon 2013 im Heyne Verlag, bald erscheint er auch als Taschenbuch. Allerdings habe ich noch nichts darüber gehört, dass die beiden Folgebände auch übersetzt werden.

Was ist eure absolute Must-Read-Reihe?

11 Comments

  1. 27. April 2016 / 21:40

    Meh. Ihr sollt mich doch nicht einfach so zu neuen Büchern verführen…!! 😀

    (Das schreibe ich eine Minute, nachdem ich beim großen A. auf “1-Click-To-Buy” geklickt habe… hust.)

    • Anabelle 28. April 2016 / 12:45

      Tja, liebe Jess, genau so ging es mir, als du über Burn for Love berichtet hast. 😀
      Ich hoffe, Angelfall gefällt dir so gut wie mir!

      • 28. April 2016 / 17:26

        Eigentlich bin ich nicht so ein großer Fan von Apokalypsen und Engeln, aber du hast mich schon ein bisschen mit deiner Begeisterung angesteckt! 😀 Ich werde die Reihe auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und mal schauen, ob die Reihe weiter ins Deutsche übersetzt wird. ^^
        Was andere Reihen betrifft, hast du die Königsmörder Chroniken ja schon gelesen und mit Peter V. Brett will ich dir nicht schon wieder in den Ohren liegen (Lies die Reihe!). Ansonsten hat mir der erste Band der Rabenschatten Reihe sehr gut gefallen und ich muss unbedingt den 2. beginnen! 🙂
        Liebe Grüße
        Maren

        • Anabelle 28. April 2016 / 20:04

          Hallooo,

          Peter V. Brett liegt ja immerhin schon auf dem SuB! Den werde ich auf jeden Fall bald lesen.
          Wenn du magst, kann ich dir den ersten Angelfall-Teil auch mitbringen. Dann kannst du ja schauen, ob es was für dich ist. 🙂

          Liebste Grüße

          • Maren
            29. April 2016 / 21:07

            Oh, das ist ja eine tolle Idee! Wenn du es über dein Herz bringst, würde ich natürlich nicht Nein sagen. 🙂
            Liebe Grüße!

          • Anabelle 30. April 2016 / 9:46

            Ja, natürlich! Ich weiß ja, dass das Buch bei dir in sicheren Händen ist. 🙂

  2. 1. Mai 2016 / 16:16

    kjfkwhgegjhkjgheighwoigfjeovjdkejfiwjgeogjeigje !!! GOTT, ICH LIEBE DEINE REZENSION UND HASSE SIE GLEICHZEITIG, WEIL ICH JETZT WIEDER ZURÜCK ZUM ANFANG MEINES BUCH HANGOVERS GESCHLEUDERT WURDE! Nein, for realz, ich liebe sie wirklich – Ich habe ja schon auf Instagram mit Herzchenaugen verfolgt, wie du die Reihe verschlungen hast. ;D Bei deinen 5 1/2 Gründen kann ich dir nur vollkommen zustimmen. (Einige davon kommen auch so in meiner Rezension vor. Ich verlinke sie dir mal, falls du Lust hast, sie zu lesen. :)) https://computerinlove.wordpress.com/2015/09/05/rezension-penryn-and-the-end-of-days-angelfall/) Vor allem, was die Beziehung zwischen Raffe und Penryn angeht, möchte ich ganz laut “JAA!” schreien. Das Buch würde auch ohne Liebesgeschichte super funktionieren, aber sie hat mich auch alles andere als gestört. Vor allem diese ganze Tension zwischen den beiden war einfach kaum auszuhalten, argh! <3 Ich liebe es auch wahnsinnig, wie witzig und clever Susan Ee schreibt und ich wünschte, sie würde (möglichst bald) noch tausend weitere Bücher veröffentlichen.
    Mann, ey. Ich bin grad wirklich drauf und dran die ganze Reihe nochmal wegzusuchten, es ist so unfair! 😀

    Das Ende fand ich übrigens ziemlich gut! Für mich kam es zwar sehr unerwartet, weil ich vermutet hätte, dass es "schlimmer" endet, aber ich konnte wirklich gut damit leben. Vor allem, weil auch noch so einige Sachen offen gehalten wurden. (Ich persönlich hätte auch nichts gegen ein paar kleine Kurzgeschichten, die nach dem offiziellen Ende spielen.. HÖREN SIE, FRAU EE?) ;D

    • Anabelle 2. Mai 2016 / 7:25

      Aaaah, es ist immer wieder so toll, wenn andere ein Buch genauso sehr lieben. 😀
      Ich fand das Ende auch gut, aber etwas schnell. Ausnahmsweise hätte es sogar mal mehr Kitsch und Lovestory sein dürfen.
      Ich werde die Reihe irgendwann auch auf jeden Fall noch einmal lesen. Gerade weil es so witzig ist. Alleine schon die Gespräche zwischen Raffe und Penryn. 😀
      Dann hoffen wir mal, dass sie schon fleißig an den nächsten Büchern schreibt!

      Liebste Grüße
      Anabelle

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