Raum – Emma Donoghue

_MG_4792Auf einen Blick

Titel: Raum*
Autorin: Emma Donoghue
Verlag: Piper
Erschienen: November 2012
Seiten: 416
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)

Inhalt

Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es noch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …

Wie viel Raum braucht ein Leben?

Was für ein großartiges, bedrückendes Buch!
Freiheit ist unser höchstes Gut. Das wird beim Lesen immer wieder bewusst. Das Buch erinnerte mich ständig an den Fall Natascha Kampusch und wie schockiert ich damals war. Ich konnte nicht begreifen, wie ein Mensch so pervers sein kann, so ein Gefühl der Macht fühlen kann, einen anderen Menschen einzusperren. Ihm alles zu nehmen, was ein richtiges Leben ausmacht. So ging es mir auch beim Lesen immer wieder. Einerseits war ich an die Seiten gefesselt, andererseits musste ich das Buch stellenweise doch zuklappen und über das Gelesene nachdenken. Es verdauen.

_MG_4010 (1)Das Geschehen ging mir beim Lesen total nahe, obwohl durch die Erzählperspektive eine gewisse Distanz zur eigentlich Betroffenen geschaffen wird. Erzählt wird nämlich aus der Sicht des fünfjährigen Jacks. Aus Sicht seiner Ma, deren richtigen Namen man auch nie erfährt, wird nicht erzählt. Anfangs fiel es mir etwas schwer, mich in die Sprache des Kindes einzufinden. Seine Gedanken sind natürlich nicht die eines Erwachsenen. Hinzu kommt außerdem, dass er noch nie Kontakt zur Außenwelt hatte. Niemanden kennt außer seine Mutter. Seine Welt beschränkt sich auf einen etwa 16qm großen Raum. Alles andere ist “im Draußen”. “Im Fernsehen”. Nicht echt. Dadurch klingt seine Sprache oft sehr abstrakt. Das Buch zeigt somit auch interessante psychologische Effekte auf. Denn kann ein Kind unter solchen Bedingungen normal aufwachsen? Welche Auswirkungen hat das auf die Psyche?

Für mich war das Buch dadurch in zwei Teile unterteilt. Zum einen war da die offensichtliche Problematik: die Gefangenschaft im Raum. Zum anderen alles, was nach dem Raum kam. Vielleicht war sogar das die eigentliche Handlung des Buches: das Danach. Es war total interessant und gleichzeitig verstörend zu sehen, wie unterschiedlich Jack und seine Ma auf die Außenwelt reagieren. Und wie die Außenwelt auf sie reagiert. Jack konnte bisher schließlich nie das Gefühl haben, dass seinem Leben etwas fehlte. Sein Leben war Raum. Für mich machte all das das Buch wahnsinnig spannend, ohne dass eine wirklich spannende Handlung vorhanden war. Diese erwartet man aber auch gar nicht, da das Schlimmste, was passieren kann, schon zu Beginn des Buches Normalität ist: völlige Isolation, Freiheitsentzug gegen den eigenen Willen und im Falle von Jacks Ma noch weitaus Schlimmeres. Im Verlauf der Geschichte werden also eher die Auswirkungen dieser Isolation geschildert.

Mir fällt auf, dass die Personen in der Welt fast immer gestresst sind und nie Zeit haben. […] In Raum hatten Ma und ich Zeit für alles. Ich glaube, in der Welt verteilt sich die Zeit ganz dünn überall hin, über die ganzen Straßen und die Häuser und die Spielplätze und die Geschäfte, deshalb gibt es an jedem Ort nur einen kleinen Klecks davon, und alle müssen schnell weiter zum nächsten.

Ich habe das Buch an zwei Tagen gelesen, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Ist man einmal in dem Schreibstil drin, fliegen die Seiten nur dahin. Raum ist definitiv ein Buch, an das ich noch sehr oft zurückdenken werde. Es schildert jegliche Facetten des Menschen: von der Perversität von Old Nick, über die Liebe zwischen Mutter und Kind bis hin zu der Außenwelt – uns – und wie wir mit solchen Fällen, die es ja leider gibt, umgehen.

Fazit

Das Buch ist für mich einzigartig und ich kann vollkommen ehrlich sagen, dass ich so etwas noch nie gelesen habe. Raum hat mich wirklich erschüttert und auch wenn das Thema kein leichtes ist, kann ich euch nur empfehlen, dem Roman eine Chance zu geben. Ich kann jedoch auch verstehen, dass die Thematik nicht jedermanns Sache ist. Am 17. März erscheint außerdem der Film in den deutschen Kinos. Brie Larson hat für ihre Rolle als Jacks Ma ja bereits einen Oscar als beste Hauptdarstellerin gewonnen und ich bin sehr gespannt, wie das Buch umgesetzt wurde. Vielleicht folgt demnächst dann noch ein Book vs. Movie.

Hier noch der Trailer für alle Interessierten:

* Hierbei handelt es sich um einen Affiliate-Link.

3 Comments

  1. 31. März 2016 / 19:04

    Ich muss sagen, dass ich tatsächlich erst durch den Film auf das Buch aufmerksam geworden bin, da mich der Filmtrailer unglaublich neugierig gemacht hat. Entweder das Buch lesen oder den Film schauen werde ich definitiv, was zu erst kommt, weiß ich noch nicht genau, ich bin aber auf beides schon sehr gespannt. Und das Zitat, das du ausgewählt hast, mag ich wahnsinnig gerne.

    Liebe Grüße
    Chrisi

    • Anabelle 31. März 2016 / 20:25

      Hey Chrisi,

      ich schaue mir den Film am Wochenende jetzt auch endlich an und bin mal gespannt, wie sie es umgesetzt haben. Aber das Buch ist wirklich toll und ich glaube Jacks Perspektive kann man im Film gar nicht zu 100% so rüberbringen wie im Buch. Ich wünsche dir auf jeden Fall schonmal viel Spaß, egal ob bei Film oder Buch. 🙂
      Das Zitat fand ich auch toll und ich erkenne mich leider viel zu gut darin wieder.

      Liebe Grüße
      Anabelle

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