Do more of what you love

_MG_4777Klingt einfach, oder?
Und das war es auch mal, vor ein paar Jahren, als schwere Entscheidungen daraus bestanden, ob man Glumanda, Bisasam oder doch lieber Schiggy wählt. Heute ziert dieser Spruch etliche Wohnzimmerwände, begegnet mir auf Instagram und Pinterest und jedes Mal denke ich “Ja!”. Ja – und weiter?

Aktuell habe ich das Gefühl, dass ich diesen so simpel klingenden Spruch überhaupt nicht beherzige. Und das Schlimme an der Sache ist, dass ich mir dessen bewusst bin und dennoch nichts ändere. Ich habe etliche Projekte am laufen, doppelt so viele stehen noch unangefangen auf der To Do Liste. In mir kribbelt Tatendrang. Und das ist ein schönes Gefühl.
Blöd nur, wenn man diesen Tatendrang dann nicht hinauslassen kann. Vielleicht kennt ihr das, wenn ihr euch etwas vornehmt, euch darauf freut und dann etwas dazwischen kommt. Passiert halt mal. Blöd nur, wenn es immer häufiger wird. Noch blöder, wenn ihr euch bei der Hälfte der Sachen selbst im Weg steht.

Ich kann eigentlich so stolz auf das sein, was ich erreicht habe. Bin ich auch. Jedoch immer nur kurz. Denn dann will ich schon weiter, schneller, höher, besser. Während ich so vor mich hinrase, gucke ich immer mal wieder nach links und nach rechts und sehe – erschrocken –, dass andere mir in manchen Sachen doch irgendwie voraus sind. Ich habe einen abgeschlossenen Bachelor, mache an meiner Wunschuni den Master, Instagram, Blog, mein Buch, einen Job, eine tolle Beziehung, einen lückenlosen Lebenslauf und gerade überlege ich, mich selbstständig zu machen – aber halt! Ich war noch nie länger im Ausland! Das sollte man doch auch einmal gemacht haben!

Es mag lächerlich klingen, aber das reicht schon, um mich ins Grübeln zu bringen, wie ich das vielleicht auch noch unterkriege. Ende vom Lied war, dass ich Instagram und die ganzen tollen USA- / Kanada- /Fiji-Fotos geschlossen habe und mir einen weiteren Job gesucht habe, um mir vielleicht noch eine Zeit im Ausland finanzieren zu können. Klingt im ersten Moment nach einer tollen Idee, da ich ja wirklich schon immer länger ins Ausland wollte. Von den etlichen anderen Aufgaben möchte ich natürlich trotzdem keine fallen lassen. Also kommen wöchentlich noch 20 Stunden mehr zu dem Workload und ich realisiere, dass man nur eins haben kann: Zeit oder Geld. Ich dachte halt, okay, geh mehr arbeiten, spare, geh ins Ausland, dann hast du das immerhin nicht verpasst. Und danach hast du dann immer noch Zeit für die Projekte und das, was du tun willst.

rosesichGerade merke ich aber, dass trotz der Gleichung “Zeit oder Geld” die Gleichung “Zeit = Geld” nicht für mich aufgeht. Geld kann man immer wieder verdienen, Zeit nicht. Die 20 Stunden pro Woche sind weg. Wieder mal. 20 Stunden weniger für all die sich anhäufenden Projekte, Sport oder einfach lesen. Zeit für mich.

Ich bin 22. Laut Taylor Swift sollte ich keine Sorgen haben, tanzen, über Hipster lästern und die ganze Nacht durchmachen. Do more of what you love eben.
Ich sollte nicht dauernd an morgen denken, weil ich so jung bin, dass es noch so oft morgen geben wird. Stattdessen denke ich, dass ich schon 22 bin und so viel noch nicht getan habe.

Warum verbringen wir soviel Zeit damit, uns auf den Zeitpunkt vorzubereiten, an dem wir tun können, was wir möchten, anstatt es einfach sofort zu tun? – John Strelecky, Das Café am Rande der Welt

Gestern war ich dann so genervt von mir und meiner vermeintlichen Unproduktivität (ich hatte einen Blog-Beitrag geschrieben, gebacken, mir den eben erwähnten Job besorgt, das komplette Büro ausgemistet sowie Französisch gelernt), dass ich beschlossen habe, dass sich was ändern muss. Das erste Resultat dieses Entschlusses ist das sehr unstrukturierte Gedankenchaos, das ihr hier gerade lest. Ich werde mir wieder mehr Zeit zum Schreiben nehmen. Mir wieder bewusst machen, was ich wirklich will. Und keine Sorge, das Chaos müsst ihr euch nicht immer anschauen. Ich dachte nur, ich veröffentliche das hier, falls es jemandem ähnlich geht. Und da bin ich mir eigentlich sicher. Wie Joana von odernichtoderdoch so schön gesagt hat: Wir sind die Generation Workaholic. Wir wollen perfekt sein. Zu perfekt.

Es kann nicht sein, dass ich jede Ausgabe der Flow lese, jeden Artikel zum Thema Achtsamkeit studiere, es genau fünf Minuten lang einhalte und mir dann schon wieder Sorgen mache. Also werde ich es jetzt wirklich mal beherzigen, länger als ein paar Minuten. Ob ich ins Ausland gehe? Die nächsten 5 Projekte auch noch dieses Jahr schaffe? Keine Ahnung. Wichtig ist, dass wenn ich all das tue, es mit einem Lächeln im Gesicht passiert. Und daran arbeite ich jetzt vor allem anderen.

Do more of what you love.
Und wie John Strelecky gesagt hat, tu es jetzt. Nicht irgendwann, wenn du “erwachsen” bist, ein Haus mit Garten, einen tollen Job und all das hast. Die Wahrheit ist: Mehr Zeit ist dann auch nicht. Nicht, wenn man sie sich nicht nimmt.

Und deshalb geh ich jetzt lesen. Nicht die Flow, sondern einfach ein Buch. Für mich.

9 Comments

  1. 10. März 2016 / 15:37

    Ach, Belli, was für ein toller Beitrag. Als hättest du mal eben meine Schädeldecke aufgeklappt und in meinem Gehirn gewühlt. 😀 Ich kann dich so gut nachvollziehen. Wir mit unserem ewigen Perfektionismus, unserem Bestreben nach mehr und mehr Erfolg. Und zugleich wollen wir auch außerhalb der Arbeit das perfekte Leben à la Instagram führen: Produktiv sein, Neues lernen, Projekte verwirklichen, sich kreativ betätigen und und und. Wir wollen eben das ganze Paket. Dass das nicht klappt, merke ich auch immer wieder und in solchen Momenten deprimiert es mich ebenfalls. Und diese Sache mit den Flow-Artikeln: Oh ja, das kenne ich – fünf Minuten Motivation sind da schon hoch gepokert, meist vergesse ich das Ganze nach einer Minute wieder und falle in meinen alten Trott zurück. 😀

    Mittlerweile habe ich das Ganze aber besser im Griff als noch vor einiger Zeit. Mein Ehrgeiz schlägt keine ertränkenden Wellen mehr, sondern fokussiert sich auf das, was wirklich wichtig ist. Das heißt dann eben, dass man nicht alles gleichzeitig erreichen kann, dass man auch mal einen Gang zurückschalten muss, selbst wenn man es nicht will – aber es ist ein sehr viel angenehmeres Gefühl. Seitdem komme ich mit dem Perfektionismus auch wesentlich besser zurecht und kann meine Prioritäten abstecken, mir Pausen gönnen und zufrieden mit mir sein, obwohl ich kein Überfliegerleben führe, in dem alles nur um vermeintlichen Erfolg rotiert.

    Ich hoffe, du hältst deinen guten Vorsatz ein! Denn wenn man erst einmal gemerkt hat, wie gut es tut, einfach mal loszulassen und die Erwartungen der Gesellschaft (die sich in unsere eigenen verwandeln) beiseite zu schieben, dann wird es einfacher, es regelmäßig zu tun. 🙂

    • Anabelle 10. März 2016 / 16:04

      Es tut so gut zu hören, dass man damit nicht alleine ist. Vor allem, da du eines meiner Vorbilder bist – sei es Blog, Instagram oder die Selbstständigkeit. Ich freue mich so auf nächste Woche! Da stoßen wir auf die Vorsätze an! 🙂

      Bis ganz bald ♥
      Anabelle

  2. 10. März 2016 / 17:34

    Du sagst es! Ich kann das so gut nachvollziehen, denn ich gehöre auch zu der Sorte, die nicht abschalten kann, sondern permanent Dinge im Kopf hat, die ich verbessern/erledigen oder angehen möchte. Dadurch kann ich am Abend nicht nur schlecht schlafen, sondern auch so signalisiert mein Körper mir oft “So geht es nicht weiter!”. Ich versuche auch mich selbst zu bremsen, schreibe Tagebuch oder gehe raus, um die Gedanken zur ruhe zu bringen, doch lange funktioniert das leider nicht. Was man schon hat, ist eben irgendwie nie genug. Leider. Blöder Leistungsdruck. Viele kleine Dinge bleiben so auf der Strecke und das ist nicht o.k.
    Schön, wenn man weiß, dass man damit nicht alleine ist. Jetzt gilt es einfach nur auch mal zurückzuschalten. 🙂

    • Anabelle 10. März 2016 / 19:47

      Jap, kenne ich zu gut. Grübeln ist echt eine blöde Erfindung. Schreiben hilft mir auch immer, dann sind die Gedanken für eine Weile einfach raus.
      Ein gewisser Ehrgeiz, Dinge besser und anders zu machen, ist ja total wichtig. Man darf eben nur nicht vergessen, dass man selbst sogar noch ein bisschen wichtiger ist. Aber hey, wir haben so viel geschafft, da schaffen wir das auch noch. 🙂

  3. 14. März 2016 / 19:32

    Hey Anabelle,
    Ich kenn das – ich bin momentan auf Jobsuche bzw. ich schaue mal was ich nach meinem Abschluss mach. Ich habe kein Auslandssemester gemacht, aber dann könnte ich nicht die Berufserfahrung herzeigen die ich jetzt habe durch meinen Teilzeitjob. Es ist einfach schwierig und ich verstehe dich nur zu gut. Ich bin selbst momentan ein wenig am nachdenken und philosophieren. “Was wäre, wenn… ” Aber ja unsere Generation hat es wirklich schwierig. Wir studieren um dann irgendwelche Jobs zu machen, die wir auch ohne Studium machen hätten können, so kommt es zu mindestens mir vor. Was zählt ist die Erfahrung und mit 20 soll man dann schon einen Titel haben 10 Jahre Berufserfahrung und im besten Fall auch noch männlich sein. 😉 Ich schweife ab..

    Ich fahr jetzt mit meinen Freund zusammen 2 ein halb Wochen auf reisen. 🙂 Um das noch einmal zu genießen bevor dann der Ernst des Lebens beginnt und man nur mehr arbeiten geht. Ich würde dir gerne gut zu sprechen, aber ich bin selbst momentan ein wenig frustriert. Oje, ich bin verbittert. Aber das wird schon. 😉
    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Anabelle 15. März 2016 / 9:23

      Hey Sarah,

      genieß jetzt vor allem erstmal den wohlverdienten Urlaub! Ohne Gedanken an danach. 🙂
      Die Erwartungen sind leider wirklich zu hoch, aber die ändern sich wohl erst, wenn wir unsere Erwartungen an uns selbst ein bisschen runterschrauben.
      Das mit dem Studium stimmt absolut. Aber mir macht meins zum Glück so viel Spaß, dass ich mehr deshalb weiter studiere, als in Hinblick auf das Danach. Auf die Arbeit bereitet es einen leider echt viel zu wenig bis gar nicht vor. 😀

      Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass das wird. Alleine durch deinen Blog beweist du ja schon Disziplin und Durchhaltevermögen. Du schreibst dort ja wirklich sehr viel und regelmäßig und dann auch noch immer interessant und auf hohem Niveau. Mit so einer Arbeitsmoral kann doch eigentlich nichts schiefgehen. 🙂

      Liebe Grüße und einen schönen Urlaub!
      Anabelle

  4. 14. März 2016 / 19:35

    Ich bin echt vom Thema abgekommen. Ups.

    PS: Ich mag deinen Beitrag sehr! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.