Steppenwolf – Hermann Hesse

Processed with VSCOcam with q5 preset

Auf einen Blick

Titel: Der Steppenwolf
Autor: Hermann Hesse
Verlag: Suhrkamp
Erstmalig erschienen: 1927
Seiten: 288
Preis: 7,99€

Nur für Verrückte!

Mit dieser Rezension habe ich mir wirklich Zeit gelassen. Hauptsächlich, da ich bei einem Klassiker wie dem Steppenwolf wohl kaum über Schreibstil und ähnliches schreiben brauche. Also wusste ich erst einmal gar nicht, wie ich die Rezensionen der Bücher, die ich für die Klassiker-Challenge 2016 lese, aufbauen sollte. Im Endeffekt habe ich mir überlegt, mir einfach drei Fragen zum Buch zu stellen und diese zu beantworten. Daraus geht meine Meinung dann hoffentlich recht eindeutig hervor.
Den Auftakt meiner Klassiker-Challenge 2016 macht also Hermann Hesses Steppenwolf.

Wieso stand das Buch auf meiner Liste? Was habe ich mir erwartet?

Wieso hat gerade der Steppenwolf die Challenge eröffnen dürfen?
Der Steppenwolf lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB und Hesse zählt einfach zu einem meiner absoluten Lieblingsautoren. Zuletzt habe ich von Hesse Peter Camenzind gelesen – zum zweiten Mal und dieses Mal für die Uni, also mit einer Menge Recherche. Nach der Recherche bin ich noch neugieriger auf Hesse und seine Werke geworden. Bisher haben mir nämlich wirklich alle gut gefallen. Vom Steppenwolf habe ich mir also viel erwartet, vor allem aber wollte ich, dass er mich zum Nachdenken bringt und ich einiges aus der Geschichte auch auf mein Leben anwenden kann. Denn das hat bei Hesse bis jetzt immer irgendwie geklappt.

Wurden die Erwartungen erfüllt?

Ich muss sagen, dass ich beim Steppenwolf nicht so leicht in das Buch gefunden habe wie gewöhnlich. Es ist sehr komplex, triftet teilweise in Szenen ab, bei denen man nicht Wirklichkeit von Wahn unterscheiden kann und der Protagonist Harry Haller ist eine Kuriosität für sich.
Nach einer Zeit jedoch habe ich mich richtig gut in dem Buch zurechtgefunden. Man sollte sich definitiv Zeit zum Lesen und Nachdenken nehmen. Es ist kein Buch, das man in einem Rutsch lesen kann. Es will zur Seite gelegt und reflektiert werden. Wenn man sich diese Zeit nimmt, ist es einfach wundervoll.
Meine Erwartungen wurden dennoch absolut erfüllt. Hesses Bücher sind immer die einzigen, denen ich Eselsohren verpasse. Etliche. Weil es so viele bemerkenswerte Stellen gibt, die ich noch einmal lesen will. Und da nicht immer ein Post-it zur Hand ist, muss ausnahmsweise mal eine Ecke der Seite dran glauben. Es gab einfach so viele Stellen, die mich zum Nachdenken brachten. Zum Lächeln, zum Zweifeln. Also genau das, was ich mir erhofft habe.

Gewiß, das Leben ist immer furchtbar. Wir können nichts dafür und sind doch verantwortlich. Man wird geboren, und schon ist man schuldig. Sie müssen einen merkwürdigen Religionsunterricht genossen haben, wenn Sie das nicht wußten.

Hesse übt wieder einmal an zahlreichen Stellen Kritik. Manchmal so offen, dass sie einem förmlich ins Gesicht springt. Manchmal versteckter, sodass man manche Stellen mehrmals lesen sollte, um alles zu verstehen. Es war definitiv von Vorteil, dass ich Hesses Biographie gelesen habe. Man versteht das Buch auch ohne etwas über Hesse zu wissen, jedoch erhält es einfach eine ganz andere Dimension, wenn man sich doch ein bisschen auskennt. Denn Hesses Werke enthalten immer auch Autobiographisches.

Was ist das Besondere an dem Buch?

Wer ähnlich denkt und fühlt wie ich, wird sich verstanden fühlen.
Hesse war sehr egozentrisch und so ist auch sein Alterego Harry Haller, der Steppenwolf, sehr egozentrisch. In vielem ist er meinem Geschmack nach zu extrem, zu pessimistisch. Aber auch wenn er in seinen Charakterzügen sehr überspitzt ist, kann ich seine Gedanken so gut nachvollziehen. Habe vieles selbst schon gedacht. Und das ist die Magie, die Hesse auf mich ausübt. Das Heimkommen. Das Gefühl, das da vor einiger Zeit noch ein Herz geschlagen hat, das ähnlich gefühlt hat, wie man selbst es oft tut.

Allzu gut versteh ich sie, und ebenso deinen Abscheu vor der Politik, deine Trauer über das Geschwätz und verantwortungslose Getue der Parteien, der Presse, deine Verzweiflung über den Krieg, über den gewesenen und über die kommenden, über die Art, wie man heute denkt, liest, baut, Musik macht, Feste feiert, Bildung betreibt!
Recht hast du, Steppenwolf, tausendmal recht, und doch mußt du untergehen. Du bist für diese einfache, bequeme, mit so wenigem zufriedene Welt von heute viel zu anspruchsvoll und hungrig, sie speit dich aus, du hast für sie eine Dimension zuviel. Wer heute leben und seines Lebens froh werden will, der darf kein Mensch sein wie du und ich. Wer statt Gedudel Musik, statt Vergnügen Freude, statt Geld Seele, statt Betrieb echte Arbeit, statt Spielerei echte Leidenschaft verlangt, für den ist diese hübsche Welt hier keine Heimat…

Fazit

Ich habe das Buch, wie bisher jedes von Hesse, genossen. Mein Lieblingsbuch ist es aber nicht. Ich konnte über vieles nachdenken und viele Aussagen und Diskussionen auch auf mich beziehen, wer mit Hesse jedoch komplett neu startet, dem empfehle ich eher Unterm Rad als Einstieg.

Habt ihr schon etwas von Hermann Hesse gelesen? Was ist euer liebstes Werk? Und nehmt ihr euch Klassiker für dieses Jahr vor?

7 Comments

  1. 2. Februar 2016 / 19:36

    Vielleicht hätte ich auch zuerst mit „Unterm Rad” einsteigen sollen. ;D
    „Der Steppenwolf” habe ich ja auch vor kurzem ausgelesen und, oh man, ich habe überhaupt nicht ins Buch gefunden. Es hat mir leider gar nicht gefallen, so sehr ich es mir auch gewünscht hätte. Keine Ahnung, ob ich ihn falsch verstanden habe oder einfach nicht seiner Meinung bin, aber für mich ist Harry kein außergewöhnlicher, über den anderen Menschen stehender Mann, eher das Gegenteil, mehr wie ein Gefallener, der sich selbst hochredet, um sein Scheitern nicht sich selbst zuschreiben zu müssen. Vielleicht war mir das Buch dann auch doch einfach zu pessimistisch. In dem Fall wäre es wohl wirklich besser, wenn man eventuell schon Erfahrungen mit Hesses Texten (und seiner Biografie) gemacht hat.
    Es ist auf jeden Fall sehr interessant, wie Meinungen da ausfallen können.
    „Und das ist die Magie, die Hesse auf mich ausübt. Das Heimkommen.” <– sehr schön gesagt. So ähnlich geht es mir, wenn ich Goethe lese. Es wirkt irgendwie so vertraut. 🙂

    • Anabelle 2. Februar 2016 / 21:50

      Ich weiß auch nicht, was ich von Hesse halten würde, wenn der Steppenwolf meine erste Lektüre von ihm gewesen wäre. Ich wäre wahrscheinlich hochgradig verwirrt gewesen und hätte mich erst einmal nicht mehr ran gewagt. 😀
      Also falls du ihm noch einmal eine Chance geben magst, kann ich dir wirklich Unterm Rad empfehlen, oder aber seine Märchen und Erzählungen. Die sind einfach großartig!
      Und das mit Goethe kann ich auch absolut nachvollziehen. Die Wahlverwandtschaften stehen ja auch auf meiner Klassikerliste und ich freue mich schon so sehr darauf! 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

  2. 2. Februar 2016 / 21:24

    Wie du schon sagst, gerade solche klassischen Werke brauchen immer ein bisschen Zeit, um richtig sacken zu können. Schade ist, dass gerade in der Uni dafür leider kein Raum bleibt und man immer unter Zeitdruck steht. Ich freue mich schon auf die ruhigeren Semesterferien, da möchte ich mich auf dem Gebiet auch intensiver umschauen und “Unterm Rad” wäre vielleicht für mich ein Kandidat. Anonsten habe ich von Hesse gelesen. 🙂

    • Anabelle 2. Februar 2016 / 21:48

      Hallo Maren! 🙂

      Unterm Rad ist wirklich toll, gerade wenn man viel Stress in der Uni hat – es rüttelt einen wach und man nimmt sich mal wieder Zeit für sich selbst. Aber ich freue mich auch schon riesig auf die verdiente freie Lesezeit. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.