Absurde Menschheit – Gard Meneberg

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Auf einen Blick

Titel: Absurde Menschheit: oder Was Voyager eigentlich über die Menschheit hätte berichten sollen (Affiliate Link)
Autor: Gard Meneberg
Verlag: Artegenium
Erschienen: August 2015
Seiten: 272
Preis: 15,50€ (Broschiert)

Inhalt

Als man in den Siebzigerjahren die Voyager-Sonden ins All schickte, legte man eine Datenplatte mit Botschaften bei, die sich an außerirdische Zivilisationen richteten. Doch die Wahrheit über den Menschen wurde darin verschwiegen. Gard Meneberg geht der Frage nach, was man stattdessen hätte enthüllen sollen. In vierundvierzig unterhaltsamen Kapiteln fasst er die absurdesten Tollheiten unserer Spezies zusammen. Dabei beschreibt er nicht nur, wie arrogant der Mensch anderen Affenwesen gegenüber auftritt, sondern auch, zu welchen Skurrilitäten ihn die Lust zuweilen treibt, wie gummiartig seine Werte sind und warum ihn das eigene Entschwinden in Panik versetzt. Ein Buch mit dem Potenzial, sogar Außerirdische zum Schmunzeln zu bringen.

Homo sapiens oder der Virus der Erde

Als ich das Buch bei LovelyBooks entdeckte, stach mir sofort der Titel ins Auge. Da ich mich auch oft genug über die Absurdität von uns Menschen wundere, musste ich mich natürlich gleich bei der Leserunde bewerben und hatte Glück. Von dem Buch erhoffte ich mir eine lustige Abhandlung über uns Menschen und unsere absurden Marotten.

Ich fand mich auch gleich gut in die Thematik und den Schreibstil des Autors ein. Ich wollte nicken, um dem Autor zuzustimmen und gleichzeitig den Kopf schütteln, weil das Wort absurd für uns Menschen teilweise einfach noch zu nett ist. Also saß ich wahrscheinlich mit kreisendem Kopf vor dem Buch und bin im Nachhinein echt froh, es nicht wie sonst in der Bahn gelesen zu haben. Gard Meneberg beginnt das Buch mit ironischem Unterton und einem zynischen Humor, der einem trotz der eher schrecklichen Fakten noch ein Schmunzeln entlockt. Diese ironische Art, über die Tollheiten des Menschen zu schreiben, gefiel mir sehr gut.

Überall auf dem Planeten finden sich Spuren seiner Existenz, wie die Striemen und Wunden auf einem gefolterten Körper.

Der ironische Unterton weicht mit der Zeit allerdings immer mehr einem eher verbitterten. Angesichts der Fakten, die Meneberg in dem Buch diskutiert, kann ich ihm dies nicht verübeln. Man fragt sich bei den meisten Kapiteln mehrmals, ob der Verstand, den wir im Laufe der Evolution erlangten, uns wirklich gut bekommt. Das Buch regt zum Nachdenken an und oft las ich auch nur ein bis zwei Kapitel, legte das Buch aus der Hand und machte mir wirklich Gedanken über das Gelesene.

Jedoch drifteten mir manche Kapitel zu sehr in Pauschalisierungen und Stereotypen ab. Natürlich kann ein solches Buch nicht die Merkmale jedes Individuums abdecken, doch etwas mehr Varietät hätte ich mir, besonders in den späteren Kapiteln, schon gewünscht. Gestört hat mich auch, dass die Sexualität der Menschen ausführlich beleuchtet wird, Homosexualität aber zum Beispiel keinerlei Erwähnung findet. Es wird stetig von Beziehungen zwischen Mann und Frau ausgegangen. Und auch diese Beschreibung bedient sich etlicher Klischees. Der Mann wird als triebgesteuert dargestellt, während die Frau scheinbar nur dann sexuell aktiv ist, wenn sie eine Gegenleistung erwartet, oder um die Beziehung zu kitten.

Im Endeffekt muss ich dem Buch tatsächlich dafür danken, dass ich nun auch die positiven Seiten der Menschheit anerkenne. Nicht, weil diese im Buch erwähnt werden. Das ist ganz und gar nicht der Fall, denn beim Lesen bekommt man eher das Gefühl, es wäre das Beste, wenn die Menschheit sich von jetzt auf gleich in Luft auflösen würde. Aber im Verlauf des Buches dachte ich mir mehrmals SO schlimm sind wir dann aber auch nicht, oder? und begann so nach und nach ein paar Marotten des Menschen zu verteidigen.

Sehen wir den Tatsachen ruhig ins Auge: Der Homo sapiens ist ein evolutionärer Fehlschlag.

Insgesamt stimme ich dem Buch in vielen Punkten zu. Mir gefällt sehr gut, dass Meneberg den Autor provoziert und ihn somit zum Reflektieren zwingt. Außerdem geht der Autor Fragen nach, wie denen, warum wir Erfolg fälschlicherweise mit Glück gleichsetzen und weshalb Ethik und Moral bei den Menschen erst dann zu greifen scheinen, wenn es um das Schicksal der eigenen Artgenossen geht. Denkanstöße, die man im eigenen Leben gut erkennen und umwandeln kann. Manche Kapitel haben mir also richtig gut gefallen, während mit andere, wie bereits erwähnt, zu einseitig betrachtet wurden.

Fazit

Wer nach leichter Lektüre sucht, sollte von diesem Buch die Finger lassen. Der Klappentext deutet ein ziemlich humorvolles Buch an, das auch stellenweise gegeben ist, jedoch größtenteils zum gründlicheren Nachdenken anregt und die Menschheit als eher negativ darstellt – oft jedoch, wie im Buch auch gezeigt wird, zurecht.

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2 Comments

  1. 6. Oktober 2015 / 10:45

    Hallo! 🙂

    Wie konnte dieses Buch nur an mir vorübergehen?!
    Ich glaube, es vergeht kein Tag, an dem ich mir nicht denke, dass die Menschheit noch an der eigenen Blödheit zugrunde gehen wird. Auf der einen Seite sind wir in der Lage, Menschen ins All zu schießen, auf der anderen nicht imstande die Weltbevölkerung mit ausreichend Lebensmitteln und Wasser zu versorgen. Auf der einen Seite sind wir soweit künstliche Intelligenz zu schaffen, nur um unsere eigene mit einem Achselzucken abzulegen. Manchmal fragt man sich wirklich, was da falsch läuft, und manchmal kann man auch darüber lachen. Aber immer öfter mischen sich da schon sehr triste Gedanken drunter – ich glaube, das Buch würde mich sehr oft aus der Seele sprechen.

    Ich werd mir das Buch nach deiner Rezension nun kaufen und im Winterurlaub vorknöpfen. Solche Bücher sollten viel öfter gelesen werden – vielleicht würde das den ein oder anderen ja nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Umdenken bringen? 🙂

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Dienstag und schicke ganz viele liebe Grüße aus Salzburg,
    Nana 🙂

    • Anabelle 6. Oktober 2015 / 10:54

      Hallo Nana 🙂

      Ich kann dir da nur zustimmen! Ich bin sehr gespannt, wie dir das Buch gefällt. Die Meinungen in der Leserunde gingen wirklich sehr stark auseinander, da vielen der zynische Ton des Autors nicht gefallen hat.
      Ich wünsche dir schon mal verfrüht einen schönen Winterurlaub!

      Liebste Grüße
      Anabelle

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