Ava Dellaira – Love Letters to the Dead

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Auf einen Blick

Titel: Love Letters to the Dead (Affiliate Link)
Autorin: Ava Dellaira
Verlag: cbt
Erschienen: Februar 2015
Preis: 17,99€ (Hardcover)
Seiten: 416

Inhalt

Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden.

 

 

Meinung

Unterschiedlichere Meinungen hätte ich zu diesem Buch wohl gar nicht lesen können. Sie reichten von grandios bis langweilig. Welcher Meinung ich mich anschließe?

I think a lot of people want to be someone, but we are scared that if we try, we won’t be as good as everyone imagines we could be.

Mich persönlich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt. Ein Briefroman an sich ist ja nichts neues, ein Briefroman an tote Menschen jedoch, die Laurel niemals auf ihre Briefe antworten können, ist eine wundervolle Neugestaltung des bereits Bekannten. Schön fand ich bei den Briefen, dass Laurel auch immer auf den Adressaten eingegangen ist und man so etwas über die vielen toten Berühmtheiten erfahren hat.

Von den Charakteren her hat mich das Buch ein bisschen an Perks of being a Wallflower erinnert. Die Ähnlichkeit für mich bestand wohl einfach darin, dass jeder der Charaktere einen kleinen Knacks hat. Keine einzige Figur des Buches ist vollkommen glücklich. Zum einen ist das natürlich etwas traurig zu lesen und beschäftigt einen auch dann noch sehr, wenn man das Buch beiseite gelegt hat, zum anderen ist es, wie ich finde, aber einfach realistisch. Ich habe mich den Charakteren so nah gefühlt und auch zu den Nebencharakteren eine Verbindung aufgebaut. Sie alle müssen sich mit Veränderungen in ihrem Leben zurecht finden und ich denke, das geht den meisten Lesern auch oft genug so. Zumindest wird sich jeder schon einmal in einer Situation befunden haben, in der er nicht wusste, wie es weitergehen soll.

Laurel steckt in jeder nur erdenklichen Weise in solch einer Situation. Obwohl der Tod ihrer Schwester May eindeutig im Vordergrund steht, wird klar, dass ihre Welt viel mehr aus den Fugen geraten ist, als man zu Beginn glaubt. So öffnet sie sich mit jedem Brief ein bisschen mehr und offenbart dem Leser ein weiteres Stück ihrer zerrütteten Welt.

I want to be cleansed – I want to burn away all the bad memories and everything bad inside me. And maybe that’s what being in love does. So that a life, a person, a moment you need to keep, stays with you into infinity.

Der Schreibstil ist wundervoll. Laurel hat sehr komplexe Gedanken für ein Mädchen in ihrem Alter, was aber nicht erstaunlich ist, da sie einfach schon sehr viel durchmachen musste. Die Komplexität ihrer Gedanken wird aber dennoch in der Sprache einer Jugendlichen ausgedrückt. Den Herzschmerz einer ihrer Freundinnen vergleicht sie mit dem Gefühl, das man hat, wenn einem ein perfekt gemachtes Sandwich mit der belegten Seite voran auf den Fußboden fällt. Passagen wie diese bringen einen beim Lesen trotz der ernsten Thematik zum Lachen.
Neben dem schönen Schreibstil finden auch vereinzelt Gedichte Einzug in die Geschichte. Die Gedichte an sich waren schon perfekt gewählt, aber besonders schön fand ich, dass Laurel sich Gedanken zu diesen Gedichten gemacht hat und sie wirklich in die Geschichte eingeflochten wurden. So hat man als Leser auch gleich eine Interpretationsmöglichkeit für die Gedichte erhalten und diese so besser verstanden.

Während der letzten Seiten habe ich dann einfach nur noch geweint. Das passiert mir so gut wie nie bei Büchern und selbst bei Rabbit Hayes, wo scheinbar jeder mit Taschentüchern vorm Buch saß, blieben meine Augen irgendwie trocken. Aber Laurel hat sich mit ihren Briefen in mein Herz geschrieben. Dadurch dass sie an echte Verstorbene schreibt, wirkt die ganze Geschichte außerdem zum Greifen nah. Sie wirkt weniger fiktiv und kriecht einem beim Lesen unter die Haut.
Ich glaube, dieses Buch werde ich auch in einigen Jahren noch einmal lesen können und es wird mich immer noch genauso begeistern. Es hat so viele schöne Stellen, die Laurels Entwicklung und ihre Gedanken unfassbar schön zum Ausdruck bringen und einem als Leser wichtige Lektionen vor Augen führen, die man vielleicht größtenteils weiß, aber denen man trotzdem viel zu selten wirklich Beachtung schenkt.

You think you know someone, but that person always changes, and you keep changing, too. I understood it suddenly, how that’s what being alive means. Our own invisible plates shifting inside of our bodies, beginning to align into the people we are going to become.

Fazit

Ein wundervolles Jugendbuch über Selbstfindung und darüber, dass selbst die schwierigsten Probleme überwunden werden können, wenn man sich anderen öffnet. Gespickt mit etlichen Weisheiten, die wir uns viel öfter in Erinnerung rufen sollten. Für mich ist Love Letters to the Dead wirklich eines meiner Jahreshighlights, es hat mich einfach im Innersten berührt.
Lest dieses Buch auf jeden Fall, wenn ihr auch Zeit habt, darüber nachzudenken. Ich habe es mit ein paar wundervollen Menschen von LovelyBooks gelesen und wir haben uns alle paar Briefe über das Gelesene ausgetauscht, was wirklich gut war. 🙂

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Die vielen Post-its sagen wohl alles.

4 Comments

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