Bradley Somer – Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel

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Auf einen Blick

Titel: Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel (Affiliate Link)
Autor: Bradley Somer
Verlag: Dumont
Erschienen: März 2015
Preis: 14,99€ (Paperback)
Gelesen: 22. – 23.03.2015

Inhalt

Goldfisch Ian fällt. Aus dem 27. Stock. Auf seinem Weg nach unten fliegen die Fenster des Wohnhauses in rasender Geschwindigkeit an ihm vorbei und mit ihnen die Geschichten der Menschen, die dahinter wohnen. Während Ian immer schneller auf den Bürgersteig zurast, fiebern wir nicht nur mit ihm mit, sondern erhaschen durch seine Augen einen Blick auf die Schicksale dieser Menschen. Ein Leben wird dabei beginnen, eines enden, und am Schluss begreifen wir, dass das Glas, das uns vom Rest der Welt trennt, zerbrechlicher ist, als wir glauben. Ein Buch, so glanzvoll und schillernd wie ein Goldfisch oder wie das Leben selbst.

Meinung

Das wunderschön schillernde Cover und die genauso schön formulierte Inhaltsangabe lassen ein philosophisches Buch vermuten. Das bekommt der Leser auch geliefert. Während Ian vom Hochhaus fällt, erhält der Lesende Einblick in die unterschiedlichsten Leben und somit in die unterschiedlichsten Lebensetappen. Das Schöne ist, dass der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fällt, kein an sich besonderer Tag ist. Die Wunder und Zufälle, die Ian bei seinem Fall beobachtet, könnten an jedem beliebigen Tag geschehen. Und an manchen Tagen geschehen Zufälle, die unser Leben verändern und es vielleicht für immer mit anderen Leben verflechten.

Mir persönlich hat es gut gefallen, dass die Kapitel kurz gehalten wurden und jedes Kapitelende den Leser mit Fragen zurückgelassen hat, sodass man gleich weiterlesen wollte. Das Buch war überraschend spannend, was ich nicht erwartet hätte.

Anfangs war ich von der Sprache des Autors positiv überrascht. Sie erzählte nicht nur Schönes, sie klang auch schön. Man beachte das Wörtchen “anfangs”. Der Autor paart anmutig klingende Wörter mit dem Vulgären. Der vulgäre Schreibstil bezieht sich jedoch nicht auf ein Leben, das Ian im Fall beobachtet, sondern zieht sich durch fast alle Kapitel. Wahrscheinlich ist das reine Geschmacksache, aber mich verstört es etwas, dass man in einem Satz über Transzendenz philosophieren kann, während einen Abschnitt später von “Schwänzen” und “Titten” die Rede ist. Mein Problem ist nicht, dass sich Sexualität und Sex selbst durch das komplette Buch ziehen, sondern, wie sie dargestellt werden.
In einem Buch wie 50 Shades of Grey (Entschuldigung, dass ich mit dem Paradebeispiel herhalten muss) erwarte ich solche Wörter und bin deshalb nicht überrascht, wenn sie auftauchen. Aber bei diesem Buch hatte ich einen Anspruch an eine ästhetische Sprache, die an anderen Stellen ja auch durchaus gegeben war. Deshalb hat mir die wiederholte Nennung von Geschlechtsteilen da irgendwie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wie bereits gesagt, ist das aber wohl Geschmacksache. Vielleicht wollte der Autor dadurch ja auch zeigen, wie oft Obszönität und Ästhetik in ein und derselben Sache stecken. Vielleicht wollte er auch nur provozieren. Vielleicht hänge ich mich auch einfach zu sehr an der Wortwahl auf.

Mich persönlich lässt das Buch etwas zwiegespalten zurück, da ich mich wirklich sehr an den Brüchen in der Sprache störe. Die Thematik des Buches bleibt trotz dessen wundervoll und Somer schafft es, jedes der dargestellten Leben einzigartig und interessant zu gestalten. Man kennt von seinen Mitmenschen meistens nur das, was sie freiwillig zeigen. Somer zeigt uns auch die Seiten der Menschen, die sie niemals der Öffentlichkeit zeigen würden. Nur einem vorbeifliegenden Goldfisch.

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2 Comments

  1. 11. Mai 2015 / 19:18

    Liebe Anabelle,

    irgendwie konnte ich mich noch nicht dazu überwinden, jenseits der 85 Seiten weiterzulesen. Es fühlte sich nicht richtig an, nur aus Pflichtgefühl, weil ich es überraschend zugeschickt bekam, mitzumachen. Daher liegt es angefangen hier bei mir herum, mit markierten Leseabschnittsstellen und… ich habe keine Lust mehr auf das Buch. Es hat 85 Seiten lang nicht geschafft, mich mitzuziehen. Also bezweifle ich stark, dass es das auf den folgenden Seiten zu meistern vermag. Darum werde ich es wohl als abgebrochen abhaken.

    So richtig vom Hocker gehauen hat es dich auch nicht, wie ich lese.. 😉 Die Sprache störte mich z.T. auch. Am meisten hatte ich aber einfach Probleme damit, in die Story hineinzufinden.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Anabelle
      Anabelle
      12. Mai 2015 / 18:39

      Liebe Sandra,

      ich habe mir für dieses Jahr auch vorgenommen, nur noch Bücher zu lesen, die mir auch gefallen. Ich habe mich schon so oft durch Werke durchgequält, die mich einfach nicht mitreißen konnten. Im Endeffekt ist es dann schade um die Zeit, in der man auch viel tollere Bücher hätte lesen können. Davon gibt es ja genug. 🙂

      Liebe Grüße
      Anabelle

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